Das Fest der Verliebten im Zeichen des Hard Rock und Alen Brentini (2014)
Ort: Velden am Wörthersee / Bluesiana Rock Cafe / Österreich
Datum des Konzerts: 14.02.2014
Besucherzahl: 50
Eintrittspreis: 10,00€ (Frauen) / 20,00€ (Männer)
Der Geist amerikanischer Zuckerguss-Romantik, der sich leider auch in Europa ausgebreitet hat, trieb uns dazu, den schönen Abend abseits von Herzchen, roter Farbe und allem anderen aus der kommerzialisierten Valentinstag-Branche zu verbringen. Außer Liebe, natürlich. Lange suchen mussten wir nicht – diesmal fanden wir Trost bei Musikern vom Balkan. Nur dass wir dafür nicht nach Süden aufbrachen, sondern nach Norden – natürlich wieder in den geliebten Club Bluesiana im österreichischen Velden.
Schon vor dem Grenzübergang durch den wieder abwechselnd gesperrten Karawankentunnel (ein Hinweis für potenzielle Bluesiana-Besucher – der Tunnel wird bis Mitte April abwechselnd gesperrt sein) empfing uns eine Schneedecke, die bis nach Velden noch zunahm. Na ja, zumindest hat es nicht geschneit. Verzaubert von der winterlichen Idylle parkten wir vor dem Club. Dass man nach neun Uhr abends noch einen Parkplatz vor dem Club findet, ist normalerweise ein schlechtes Zeichen – es bedeutet bescheidenen Besuch. Aber sobald du den Club betrittst, kümmert dich das nicht mehr. Ein nettes Gespräch mit der Clubbesitzerin Gudrun Kofler am lodernden Kamin erfüllt dich mit Ruhe und Gemütlichkeit, und die Fotos der auftretenden Stars, die bereits in der Bluesiana gespielt haben und von allen Wänden auf dich herabschauen, steigern deine Konzertlust noch weiter. Aber diesmal waren wir für das Konzert von Sex Tension mit Alen Brentini an der Spitze gekommen.
Alen Brentini – Gitarrenvirtuose aus Rijeka in Kroatien. Die Zutaten des adriatischen Klimas, eines Hard-Rock-Herzens und einer weicheren Blues-Funk-Seele ergaben eine Mischung aus musikalischem Talent von Weltklasse. Natürlich nur, wenn und sobald all die anderen Umstände zusammenkommen, die die Musikindustrie vorgibt und auf die der Musiker selbst kaum Einfluss hat. So bleibt Eigengewächsen von Brentinis Kaliber statt der großen Hallen die intimere Club-Szene mit weniger Zuschauern, dafür aber mit umso wertvolleren echten Kontakten zum Publikum. Ja, manchmal ist weniger mehr – zumindest für die Zuhörer.
Alen kam schon als Kind zur Gitarre und spielte als Teenager bereits in seinen ersten Bands. In seiner Karriere hat er drei Soloalben veröffentlicht, das letzte, Soul’d Out, noch im Januar dieses Jahres. Sein musikalisches Talent hat auch weltweit Spuren hinterlassen, denn Alen arbeitete mit vielen großen Musikern zusammen, unter anderem mit Richie Kotzen, Kee Marcello, Michael T. Ross – und die Liste ließe sich noch fortsetzen. Auch der Sänger von Parni Valjak, Aki Rahimovski, lud ihn für sein Soloprojekt ein, ebenso arbeitete er mit der kroatischen Band Ayra zusammen. Diesmal präsentierte er sich in der Bluesiana mit seiner frischen Band Sex Tension, die Anfang des vergangenen Sommers das Licht der Welt erblickte – neben Alen an Gitarre und Gesang vervollständigen Arsen Uran am Bass und Dejan Turk am Schlagzeug die Besetzung.
Das Konzert begann pünktlich um halb zehn. Die bescheidene Menge begrüßte das Trio auf der Bühne herzlich, das sofort seine Positionen einnahm und das Geschehen mit einem flotten Cover von Skid Row – Slave to the Grind eröffnete. Sex Tension spielen in der großen Mehrheit ihres Repertoires Covers aus den 80ern des vergangenen Jahrhunderts, greifen aber auch in die 70er zurück. Mit einer geschickten Auswahl mehr oder weniger bekannter Songs vergangener Musikgrößen berauschte die Band das überwiegend sitzende Publikum vor sich. Alens Talent beschränkt sich nicht nur auf makellose Gitarrenimprovisationen, sondern umfasst auch einen hervorragenden Gesang – stellenweise mit einem Hauch von Soul und Blues, an anderer Stelle mit einer rauen Hard-’n‘-Heavy-Note. Das geschickte Bühnenspiel beinhaltet auch Elemente des Einlebens in die Musikstars, deren Songs das Trio covert – auch über die Körpersprache, nicht nur das Erleben –, und dennoch bleiben Sex Tension authentisch. Jedem Cover fügen sie etwas Eigenes hinzu, sei es rhythmische Abweichungen oder improvisierte Einlagen beim Spielen bis hin zum letzten Ton der einstudierten Soli. Dejan und Arsen folgten ihrem Frontmann zwar schön und harmonisch, doch alle Augen des Publikums waren dennoch auf Alen gerichtet, der mit seinen langen Fingern geschickt die Saiten zupfte und Klänge ruhiger Melodiosität und gleichzeitig lebhafter Tonwellen entlockte, die sich mit Bass und Schlagzeug bei jedem Gitarrensolo zu einer Perfektion vereinten. Obwohl die Band keine lange Geschichte hat, wirkt sie planvoll und perfekt eingespielt – auch bei allen improvisierten Einlagen, was vor allem bei Kotzens Go Faster zum Ausdruck kam, das sie geschickt mit Long Train Running (The Doobie Brothers) verschmolzen und dann mit Kiss-Einlagen wieder zurück zu Go Faster kehrten. Alens charismatischer Gesang rundete das Ganze zur klanglichen Perfektion für die Ohren der Zuhörer ab, und man konnte sich einfach nur noch der Vollkommenheit der Melodie hingeben, die von der Bühne erklang. Ein wahrer Balsam für all die verliebten Seelen, die diesmal unter den Besuchern der Bluesiana überwogen.
Neben einem Streifzug durch Covers von Whitesnake, Europe, Kotzen, Testament, Steel Dragon,… spielte die Band auch einige von Alens eigenen Kompositionen. Wir hörten das Stück Trust, das Instrumental Transexpress und 2 Songs aus dem neuen Album – Losing You und Someone’s Love. Sofort wurde klar, dass Alen nicht nur ein außerordentlicher Instrumentalist und Vokalist ist, sondern auch Komponist und Arrangeur. Alen hat auch mit Sex Tension bereits eigene Stücke aufgenommen (zu hören auch auf Youtube), doch leider entschied die Band diesmal, auch diese nicht zu spielen.
Das Konzert endete nach knapp zwei Stunden. Als Zugabe entschied sich die Band, Skid Rows Slave to the Grind noch einmal zu spielen, obwohl ein Blick auf die Setlist deutlich machte, dass nicht alles gespielt worden war, was geplant war. Aber was sie uns gaben, war mehr als zufriedenstellend – genug kann ohnehin niemand jemals geben. Weh tat einem nach dem Konzert allerdings der Blick auf die vorbereitete Bonus-Setlist – sie enthielt nämlich Covers von Hendrix, Clapton, Gary Moore,… Leider entschied Alen, die eher blues-gefärbten Stücke nicht zu spielen – aber das lässt sich als Ansporn verstehen, Alen und Sex Tension gewiss noch einmal live zu erleben, um auch den Bonus zu hören.
Valentinstag ohne Zuckerguss und kommerzialisierte Elemente. Außer Liebe, natürlich. Davon hat Alen Brentini reichlich. Vor allem echte Liebe zur Musik, zum Spielen und zum Live-Auftreten. Ein Valentinstag, den man unbedingt mehrmals im Jahr erleben sollte.
Setlist
1. Slave to the Grind (Skid Row)
2. Symphony of Destruction (Megadeth)
3. Electric Crown (Testament)
4. Fool for your Loving (Whitesnake)
5. Oh my God (Richie Kotzen)
6. Anarcy in the UK (Sex Pistols)
7. Fire (Jimi Hendrix)
8. Superstitious (Europe)
9. Give me all your Love (Whitesnake)
10. On the Loose (Europe)
11. Trust (Alen Brentini)
12. Transexpress (Alen Brentini)
13. Losing You (Alen Brentini)
14. Someone’s Love (Alen Brentini)
15. Shot in the Dark (Ozzy Osbourne)
16. Go Faster (Richie Kotzen)
17. You Give Love a Bad Name (Bon Jovi)
18. Wicked Game (Chris Isaak)
19. We all Die Young (Steel Dragon)
20. The Deeper the Love (Whitesnake)
—Zugabe—
21. Slave to the Grind (Skid Row)
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