Kleine Meisterwerke des Gitarrenhelden Stef Burns in Triest (2014)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Triest (Trieste) / Macaki club / Italien
Konzertdatum: 06.02.2014
Besucherzahl: 200
Kartenpreis: 18,00€ / 22,00€
Stef Burns ist ein ausgezeichneter kalifornischer Gitarrist, geboren in Oakland am 26.06.1959, der seit vielen Jahren im italienischen Bologna lebt! Zu Beginn der Neunzigerjahre sicherte er sich eine feste Position als Hauptgitarrist der Begleitband des italienischen Pop-Rock-Giganten Vasco Rossi, mit dem er schon viele Jahre zusammenarbeitet, und machte sich im Laufe seiner Karriere durch die Mitarbeit in den Bands Y&T (Alben „Ten“, „Musically Incorrect“, „Endangered Species“), Alice Cooper (Alben „Hey Stoopid“ und „The Last Temptation“), Berlin und Huey Lewis & The News einen Namen. Stef Burns tritt als Studiogitarrist auf den Alben zahlreicher international anerkannter Künstler in Erscheinung.
Stef Burns hat Ende Januar 2014 sein neues Studioalbum namens »Roots & Wings« veröffentlicht – RockLine-Rezension HIER. Es handelt sich um eine außerordentlich qualitätvolle Leistung, die elf Eigenkompositionen umfasst, in denen Burns das Wesen eines Künstlers mit weit gefächerten, vielschichtigen musikalischen Horizonten unter Beweis stellt und sich dabei auch als äußerst guter Vokalist erweist. Da das Zusammenspiel mit den drei weiteren Musikern, die aktiv an der Entstehung des Albums mitgewirkt hatten, einen echten spürbaren Magnetismus erzeugte, entschloss sich Burns, den Künstlernamen auf dem Album zu Stef Burns League zu erweitern – womit er seinen musikalischen Ausdruckseffekt als Solokünstler auf das Niveau einer Band hob.
Triest bot Anfang Februar, verglichen mit dem größten Teil des frostig durchgefrorenen Sloweniens, milde Temperaturen. Tagsüber sogar bis zu 15°C (in der Sonne). Am Abend unseres Besuchs zeigte das Thermometer satte 10°C, sodass man als an das kontinentale Klima gewöhnter Mensch nicht einmal eine Jacke brauchte. Der Macaki Club war diesmal außerordentlich gut besucht. Die Vorband, die Italiener The Traveller, haben wir diesmal übersprungen – zugunsten vertiefter Debatten eines musikalischen Symposiums auf höchstem Fachniveau, das im benachbarten Lokal »pri Kitajcu« stattfand, wo ein Villacher Bier sage und schreibe magere 2,00€ kostet (sie haben auch Laško – und das stimmt wirklich! In Halbliterflaschen).
Stef Burns betrat die Bühne kurz nach zehn Uhr abends. Zu seiner Linken gesellte sich der ausgezeichnete Bassist und Vokalist Robert Tiranti (den wir am 25.10.2013 mit Ken Hensley & Live Fire im österreichischen Steinfeld gesehen hatten – RockLine-Reportage HIER), am Schlagzeug saß Juan van Emmerloot, und zu Stefs Rechten der Keyboarder und Gitarrist Fabio Valdemarin. Meister ihres Fachs also, mit denen Stef sein neues Studiowerk »Roots & Wings« aufgenommen hat. Dieses stand auch im Mittelpunkt des Konzertauftritts, denn die Band spielte das Album in seiner Gesamtheit durch. Von vorne bis hinten.
In einer Stunde und zwanzig Minuten demonstrierte Stef mit seiner Crew eine außerordentliche musikalische Versiertheit, die sein ungeahntes Musiktalent über die Jahre reifend hervorgebracht hat. Das Album »Roots & Wings« ist nämlich ein außergewöhnliches musikalisches Bilderbuch einer prachtvollen Genreverschmelzung, und vor allem zeigen die Stücke des Albums ein feines Gespür für die Schaffung eingängiger melodischer Figuren, meisterhaft ausbalanciert mit scharfsinnigen Improvisationseinlagen. Nach dem rockig eingängigen What Doesn’t Kill Us drehte die Band die Atmosphäre in eine völlig andere Richtung, als sie sich Something Beautiful vornahm – ein Stück, das vor allem in der Refrainmelodie dem Einfluss von Electric Light Orchestra (und auch The Beatles) aus Stefs Aufwachsen eine ordentliche Portion verdankt. Stef und das restliche Trio entfalteten sich ausgiebig in den Instrumentalstücken wie den neuen Paper Cup und Us, die den Charakter progressiver Elemente tragen – und besonders darin war eine meisterhafte Verschmelzung von Jazz-, Blues- und Rockelementen zu spüren. Vom älteren Eigenmaterial hatte Stef die Instrumentalnummer Wayfunner aus seinem Solo-Studioalbum »Swamp Tea« (1998) ins Konzert eingebaut – das Stück klang härter im Vergleich zu den beiden neuen Instrumentals und bot eine aufregende Fusion des Gitarrenstils, in dem man das Prinzip der Gitarrenimprovisationen von Steve Lukather und Steve Morse erkennen konnte. An manchen Übergängen zog dieses Stück tatsächlich in Richtung Progressive Rock à la The Dixie Dregs – und auch Kansas.
Stef Burns hat mit seiner Crew beim Auftritt vollkommen verzaubert. Eingespieltes Zusammenspiel, Kontrolle, Gefühl! Alles drei im Überfluss! Dazu eine außergewöhnliche Chemie im Raum, positive Stimmung! Das Publikum – knappe 200 Mann – war dem Genuss der Vorstellung vollkommen hingegeben. Ordentlich Öl ins Feuer gossen auch drei ausgezeichnete Cover (Gary Moore, The Who, T.Rex). Kurzum. Ein neues musikalisches Märchen, das aufgrund der außerordentlichen Authentizität und der einzigartigen künstlerischen Ausdrucksformen dieses Abends im Macaki Club wie im Flug verging.
Dies war das erste Konzert der Italientournee von Stef Burns, auf der er das ausgezeichnete neue Studioalbum »Roots & Wings« präsentiert. Stef Burns ist ein Mann, der auf der Bühne seine Seele lässt, und dabei darf die Klasse der Begleitcrew keinesfalls übersehen werden – ohne die das Album in seiner musikalischen Aussagekraft nicht so faszinieren würde, wie es ihm auf den Bühnen gelingt! Burns hat bei diesem Konzert bewiesen, dass er durch die Jahre der Zusammenarbeit mit Vasco Rossi und Huey Lewis & The News als Musiker zu einem gefeilten Künstler herangereift ist, der mit einem geschärften Gespür für die vollblütige Vermittlung sinnlicher musikalischer Ästhetik in vollendete Melodien ausgestattet ist, die er geschickt mit der richtigen Dosis packender Improvisationseinlagen verziert. Stef Burns wird im Sommer 2014 wieder im Dienst von Vasco Rossi sein. Erwähnenswert ist, dass Vasco bereits gleich vier aufeinanderfolgende Auftritte im San Siro in Mailand gebucht hat, wobei der erste Termin praktisch bereits ausverkauft ist. Stef Burns versteht es gekonnt, zwischen Clubs, in denen ihm ein paar Dutzend Zuhörer lauschen, und der Stadion-Megalomanie zu navigieren, wo man das kleine Clubdutzend an Besuchern einfach mal tausend nimmt.
Setliste
- Cover You
- What Doesn’t Kill Us
- Something Beautiful
- Miracle Days
- Paper Cup
- Still Got The Blues (Gary Moore cover)
- Wayfunner
- Patience
- Home Again
- Heaven Is Blue
- Us
- Pinball Wizzard (The Who cover)
- Roots & Wings
- Get it On (T.Rex cover)
- What Doesn’t Kill Us (»a capella« outro)
Bildergalerie































