Symbiose der Sinne und organischer Klangschleier (2014)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / K300 / Slowenien
Konzertdatum: 23.01.2014
Besucherzahl: 30
Eintrittspreis: 0,00€ (freier Eintritt)

Tilen Pusar ist ein autodidaktischer Musikkomponist, Virtuose, D.I.Y.-Zauberer und Visionär. Das Gitarrenspiel ist die Grundsprache seiner musikalischen Predigt. Im Jahr 2012 veröffentlichte er sein erstes eigenständiges Studioalbum »Inner Strength« – RockLine-Rezension HIER, eine Sammlung von zwölf Instrumentalstücken, die durch den klaren und präzisen Fokus seines feinen Gespürs für das Erschaffen einer wohlschmeckenden Symbiose zwischen melodischer Zugänglichkeit und dem Element der Improvisation glänzt.

Und schon ist es 2014, und in dieser neuen Zeit nach der Veröffentlichung von »Inner Strength« hat Tilen auch einiges neues eigenes Material erschaffen, das er natürlich zusammen mit dem Album bei diesem besonderen Konzert im Club K300 in Dravlje vorgestellt hat. Das ist das riesige Gebäude, wo du vielleicht einst »Bowling« gespielt oder Billard gemacht hast. In den oberen Räumen der »Lounge«-Bar roch es nach einem echten Familienevent. Eine kleine improvisierte Bühne, darauf ein »Kombo«-Verstärker, eine cremefarbene E-Gitarre der Marke Squier Stratocaster, ein Computer mit den mp3-Grundgerüsten der Songs und ein Hocker (nicht nur Robert Fripp sitzt bei Auftritten auf dem Stuhl – soweit er überhaupt noch auftritt). Eine intime Atmosphäre also. Ausgestattet mit bequemen Sitzen, auf denen in entspannt hingelehnten Posen enge Freunde und Freundinnen (!!) ungeduldig den Auftritt ihres Helden erwarteten!

Wirklich. Beim ersten Hören würde man meinen, es sei das Jahr 1983, und kein Geringerer als Mark Knopfler persönlich sei in den Club K300 in Dravlje hereingestolpert, um sein »instrumentales Dire Straits-Ego« vorzustellen. Man musste nur die Augen schließen. Mit offenen Ohren natürlich. Tilen eröffnete den Auftritt mit dem Stück Hope. Eine positiv gestimmte Nummer und erstes Aufwärmen der Finger! Es folgten das brandneue Freeman und das Stück über eine persönliche Wiedergeburt namens Born Again. Voll zur Geltung kamen die außerordentlich schönen Klangeigenschaften, die den Raum mit organischen Farben bereicherten. Der Reverb, in dem unter den starken Emotionen des feinen Künstlerzugriffs seine Gitarre stöhnte, schaffte es, die Handvoll Genießender zu berühren und zu bewegen, die sich fröhlich über die Taten des Meisters amüsierten. Pusars »One Man Band«-Auftritt galt dabei keineswegs als monotone Erfahrung. Tilen sprach in den Pausen zwischen den Stücken fast jeden Einzelnen persönlich von der Bühne aus an und nutzte dabei geschickt seinen Sinn für Humor, was die starken Gefühle, die sich beim Erklingen seines Gitarrenspiels in den Raum entluden, zusätzlich intensivierte. Dann kam das hervorragende Titelstück des Studioerstlings Inner Strength, und danach die Ankündigung neuer musikalischer Abenteuer mit dem Stück I’m Survivor, bei dem es auch ordentlich dröhnte, als der Slide am kleinen Finger der linken Hand »sang«. Stell dir eine »Rallyfahrt« irgendwo in den Tiefen des Krimgebirges vor, sagen wir dort, wo sich die Hochebene Rakitne erstreckt,…

Gelegentlich bereitete das ächzende »Apple« Probleme, das mit Tilens Reaktionen nicht mithalten konnte, wenn er von ihm das passende Grundgerüst des Stücks empfangen wollte, in das er sich mit seiner wunderschönen, auf den Säulen der sechssaitigen Gitarrenbibel geschmiedeten Sprache hineinfräste. Genau dabei drängte sich eine rhetorische Frage auf. Der Anführer ist da, nur die Besatzung der Begleitakteure fehlt noch. Ich denke, viele würden sich für Tilens »Knopfler like«-Stil begeistern und einer Band beitreten wollen, falls Tilen natürlich eine für seine Konzertauftritte zusammenstellen wollte. Slowenien verfügt über ein wunderbares Aufgebot erstklassiger Musiker. Wie auch immer, die Entscheidungen trifft allein Tilen selbst, also lassen wir uns überraschen.

Es folgten das sanfte und zarte Calling Her, dann Dancing Hearts, danach Snowgirl, I Love Her, Memories und das neue New Life sowie Her Way, und einige Stücke musste Tilen auch wiederholen. Das ohnehin noch knappe eigene Repertoire gibt vorerst nicht mehr her. Ein Ereignis, das mit einem Wimpernschlag begann und endete. Vor zehn Uhr hatte Tilen bereits das letzte Stück angekündigt. Aber das Publikum ließ sich nicht beirren und forderte mehr Unterhaltung, die es auch bekam.

Das Konzert war in zwei Teile aufgeteilt, was heutzutage immer häufiger der Fall ist, damit die Wirtsleute dem Publikum noch den ein oder anderen Groschen mehr aus der Tasche ziehen können. Im Fall des musikalischen Bekenntnisses von Tilen Pusar stört das nicht einmal, denn was sein musikalisches Bekenntnis betrifft: Was du siehst, das bekommst du. Keine Überraschungen. Ein Mensch, eine Wahrnehmung, ein Stil! Nimm es oder lass es!  Wenn du Dire Straits magst, wirst du dich auch mit der Musikphilosophie von Tilen Pusar recht schnell anfreunden, keine Sorge. Ein Überfluss an Melodie, Leidenschaft, sehnsüchtigen Gefühlen wie auch jenen melankolisch verträumten, gewürzt mit Blues- und Country-Melos. Und wenn du dich je mit der Tatsache konfrontiert siehst, dass Tilen Pusar in deiner Nähe auftritt, nimm dir die Zeit, denn du wirst es keineswegs bereuen, dich der Wahrnehmung seines zauberhaften Gitarrenberührens hingegeben zu haben, das den natürlichen Klangton der Wärme und weicher Geschmeidigkeit in einem eindringlichen musikalischen Abenteuer hervorlockt, wo das Gitarrenspiel die Grundsprache der musikalischen Kommunikation im Bekenntnis übernimmt! Nicht jeder wird mit dem sogenannten »richtigen Griff« geboren. Noten lassen sich schnell lernen, doch was den Griff betrifft, gilt nur dies: Entweder hast du ihn, oder nicht. Tilen hat ihn definitiv, und gleichzeitig intensiviert dieser sinnliche Griff der Linken die Arbeit des »Finger Pickings« der Rechten in Leidenschaften und Emotionen. Ein Meister ist eben ein Meister, und ebendieser Meister hat mit seinem Auftritt im Club K300 an diesem Abend definitiv alle Anwesenden verzaubert!

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