Jennifer Batten – Königin des Gitarren-Shreds zu Gast in der Bluesiana (2013)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Velden am Wörthersee / Bluesiana Rock Cafe / Österreich
Konzertdatum: 29.11.2013
Besucherzahl: 100
Kartenpreis: 36.00€ (Vorverkauf) / 40,00€ (Abendkasse)
Wer hätte je gedacht, dass Jennifer Batten, die Königin der Rallye-Fahrten auf der Gitarre, jemals in ihrer Karriere für ein Solokonzert so nah an Slowenien kommen würde, obwohl sie vor Jahren in Slowenien ihren eigenen Gitarren-Workshop geleitet hat. Wieder einmal sorgte der charmante Club Bluesiana Rock Cafe in Velden am Wörthersee für große Freude und Begeisterung, der die ehrwürdige Musikerin zu Gast hatte!
Jennifer Batten kennen die meisten durch ihren langjährigen Einsatz beim Pop-Superstar Michael Jackson. Drei Jahre lang spielte sie sogar in der Band des legendären Jeff Beck. Batten steuerte Gitarre zu Becks Alben »Who Else!« (1999) und »You Had It Coming« (2001) bei. Der Wendepunkt in der Karriere dieser Musikerin ist die Zusammenarbeit mit dem King of Pop Michael Jackson, mit dem sie drei Marathon-Welttourneen absolvierte – und zwar im Rahmen der Promotion des Albums »Bad« (1987–1989), weiter »Dangerous« (1992–1993) und »HIStory« (1996–1997). Jennifer Batten trat auch bei Jacksons »Super Bowl«-Auftritt im Jahr 1993 auf. Diese Übertragung verfolgten in 80 Ländern der Welt sage und schreibe 1,5 Milliarden Menschen. Jennifer Batten hat in ihrer Karriere außerdem drei Solo-Studioalben veröffentlicht: »Above Below And Beyond« (1992), »Jennifer Batten’s Tribal Rage: Momentum« (1997) und »Whatever« (2007).
Die Virtuosin feierte am Tag ihrer Ankunft in Velden am Wörthersee ihren 56. Geburtstag. Schon die Ankunft am Veranstaltungsort ließ erahnen, dass der Abend diesmal besonderer Natur sein würde. Jennifer spazierte bereits vor dem Auftritt frei durch das Venue und plauderte mit den Besuchern – einige begeisterte Fans, denen die Information über ihren Geburtstag nicht entgangen war, überhäuften Jennifer mit Geschenken, sodass die Arme schon vor dem Konzert alle Hände voll zu tun hatte.
Vor Jennifer eröffnete Ekat Bork den Abend, das »musikalische Wunderkind« – beziehungsweise eine Künstlerin mit ihrer Begleitband, zusammengestellt aus dem italienischsprachigen Teil der Schweiz. Die Russin stammt aus der kleinen sibirischen Stadt Ussuriysk, die harte Realität aber führte sie über St. Petersburg in die Schweiz und nach Italien. Ekat überzeugte die anspruchsvolle Musikwelt mit ihrem ungeahnten Gesangstalent, und so gelang ihr in diesem Jahr der große Coup. Sie verwirklichte ihren Traum und veröffentlichte ihr erstes Solo-Studioalbum »Veramellious«. Die Künstlerin gewann das Publikum schnell mit ihrer exzentrischen Bühnenpräsenz, vor allem aber mit ihrer enorm elastischen und farbenfrohen Vokalinterpretation, die in den vermittelten Emotionen wirkungsvoll vielfältige Stimmungszustände aneinanderreihte. Besonders jene etwas düsteren, wie Beklemmung, Melancholie, auf der anderen Seite aber auch Wut und Sehnsucht. Den Gesang, stellenweise mit einer Klangfarbe beladen, die sich auch im Blues wunderbar machen würde, nutzte die zauberhafte Musikerin natürlich als integralen Bestandteil der eklektischen Inhalte ihres eigenen musikalischen Schaffens. Dieses ist der alternativen Rock-Natur verschrieben, kräftig gewürzt mit programmatischem Sampling, das die organische Klanglandschaft sowohl in der Harmonisierung der Keyboards als auch durch zusätzliche Rhythmen zum Grundrhythmus ergänzt. Ekat war also von einem Begleitquartett umgeben, und dieses agierte eingespielt und souverän. Aufeinander abgestimmt.. Das Publikum war begeistert. Am Ende forderte es die obligatorische Zugabe – für eine Vorgruppe ein überaus schönes Zeichen der Anerkennung. Ekat Bork spielte mit ihrer Begleitung noch zwei weitere Stücke und präsentierte damit das Album »Veramellious« umfassend. Es handelt sich um eine geschätzte Musikerin, die Jennifer Batten auf der gesamten Europatournee begleitet! Dabei ist auch zu erwähnen, dass sie vor dieser Tournee Konzerte auf einer gemeinsamen Tour mit Mr.Big-Sänger Eric Martin eröffnet hat.
Jennifer Batten teilte ihren Auftritt in zwei Teile. Im ersten trat sie völlig allein auf. Mit einem musikalischen Backing-Track im Hintergrund, der stets von der zuverlässigen Hardware ihres Apple unterstützt wurde. Die Musikerin sorgte für eine Aufwertung der Bühnenkulisse durch Projektionen auf eine Leinwand auf der Bühne. Sie führte uns durch ihre drei Studioalben und spielte unter anderem In the Aftermath, Cat Fight, Cruzin the Nile sowie Elephant Stomp. Im Anfangsteil schlichen sich in die Performance einige Patzer ein. Es ist schwer, zu einem Backing-Track zu spielen. Das verlangt überlegene Präzision! Die Maschine und das Programm irren sich nämlich kaum. Irren kann sich natürlich der Mensch. Schaust du kurz weg, versinkst für einen Moment gedankenverloren – und schon entkommt dir der Hintergrund.
Den ganzen Abend schon sorgte eine Frau im Club für Aufruhr, die sich für diesen Anlass als Michael Jackson verkleidet hatte. Die Ähnlichkeit des Kostüms war auf den ersten Blick verblüffend! Diese erschien während des Konzerts rechts vor der Bühne. Dabei kann ich nicht bestätigen, ob dies nur in der Bluesiana so war, oder ob es Teil des Konzerttheaters ist, das Jennifer Batten auf der gesamten aktuellen Europatournee begleitet! Jennifer rief sie also auf die Bühne, und der falsche Michael Jackson gesellte sich zu ihr für eine Medley seiner Klassiker. Die Vocals von Jackson spielte Jennifer natürlich mit der Stimme ihrer Gitarre und würzte alle Details mit improvisatorischen Einschüben blitzschneller Fingerfertigkeit und Handgelenksakrobatik. Beginnend mit Billy Jean, dann Dirty Dianna, Black Or White, und im Finale fehlte natürlich auch der berühmte Thriller nicht. Es folgen 20 Minuten Pause!
Im zweiten Teil gesellten sich Jennifer drei erstklassige Musiker auf der Bühne. Gitarrist Nazzareno Zacconi, der ein um ein Vielfaches größeres »Pedal Board« als Jennifer hatte, ist ein häufiger Gast in Slowenien – Ende September dieses Jahres trat er beispielsweise bei einem Akustikkonzert in Ajdovščina auf, vor einem Jahr hatte er einen Gitarren-Workshop in Ilirska Bistrica. Kurzum: Der Meister seines Fachs hielt mit seinem hervorragenden organischen Sound eine außerordentliche rhythmische Kulisse für Jennifer aufrecht und füllte gleichzeitig mit solistischen Akrobatiken die Breaks, die er sich mit Jennifer teilte. Am Schlagzeug gesellte sich dem Team der amerikanische Schlagzeuger John Macaluso, ebenfalls aus New York (wie Jennifer). Auch sein Ruf ist ehrwürdig. John spielte bei TNT, bei Yngwie J. Malmsteen sowie bei der kurzlebigen internationalen Formation Ark, die 1999 und 2001 zwei Spitzenalben veröffentlichte und diese im September des fernen Jahres 2001 durch Europa präsentierte, als Vorgruppe der britischen Progressive-Metal-Band Threshold. . Der dritte Meister ist zugleich auch ein alter Bekannter der Bluesiana. Das ist Simon Fitzpatrick, der im März dieses Jahres im selben Club als Teil der Carl Palmer Band auftrat. Das Trio der Meister also, von denen Jennifer umgeben war, lieferte im gemeinsamen Zusammenspiel die Garantie einer erstklassigen Delikatesse, die performancetechnisch durch und durch faszinierte – trotz der Tatsache, dass die Musiker eigentlich noch völlig unaufeinander eingespielt zusammenkamen, als sie die Tournee antraten. Aber im Geschäft professioneller Musiker darf das kein Hindernis sein. Macaluso, Zacconi und Fitzpatrick bekamen jeder für sich auch ihren Solo-Slot, wo sie ihre Meisterwerke zusätzlich präsentierten, wobei Fitzpatrick erneut Bohemian Rhapsody (orig. Queen) in voller Länge spielte, was er auf seinem sechssaitigen Bass-Ruder bereits beim Konzert von Carl Palmer im März dieses Jahres in der Bluesiana demonstriert hatte.
Die Band legte richtig los und webte neben anderen Jennifer Batten-Songs auch Whatever und Unplug This! ins Repertoire ein. Der rappelvoll gepackte Club bebte vor positiver Energie – aufgewühlte Köpfe, die sich bereitwillig dem überlegenen Jam des Quartetts auf der Bühne hingaben. Dabei stach gelegentlich nur das Faktum des extrem scharfen Gitarrensounds von Jennifer ins Ohr, der in den Blues-Nummern irgendwie nicht das erzeugte, was Blues eigentlich verlangt. Den reinrassigen organischen Ton. Hier stahl Zacconi ihr ein wenig die Mitte der Aufmerksamkeit zugunsten seines viel besser definierten Sounds, der geschickt von einem konkreten Pedal Board unterstützt wurde – im Unterschied zu einer Ansammlung einiger digitalisierter »Spielzeuge« von Jennifer Batten.
Aber damit machte sich dort niemand allzu sehr den Kopf. Die Chemie stimmte, und das war’s, was zählte.. Das gut zwei Stunden lange Konzert verging wie im Flug, und das eigentliche Fest begann im Club erst danach so richtig. Die Leiterin und Eigentümerin des Clubs, Gudrun Kofler, verwöhnte Batten mit einem riesigen Kuchen in Form ihrer E-Gitarre sowie mit Champagner. Jennifer verteilte noch lange nach dem Konzert Kuchen ans Publikum, und die Momente der Freude und Begeisterung nahmen kein Ende. Die Uhr hatte sich kräftig in die frühen Morgenstunden vorgeschoben. Ein weiterer wunderschöner und unvergesslicher Abend in der Bluesiana, der ihr Siegel der Einzigartigkeit auf diesem Planeten und in der Galaxis weiter festigt. Also dann – bis zum nächsten Konzert von Ron Thal »Bumbelfoot«, am 21.12.2013, wo sonst als wieder in der Bluesiana
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