Ein Heavy-Metal-Sonntagabend mit The Iron Maidens

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Allerlei Tribute-Bands sind in den letzten Jahren auf unseren Konzertbühnen zum echten Hit geworden. Über die Gründe dafür ließe sich wohl eine soziologische Studie schreiben, Tatsache ist aber, dass die Konzerte solcher Bands bei uns immer sehr gut besucht sind. Auf unseren Bühnen begegnet man so regelmäßig Brit Floyd und Guns 2 Roses, und mittlerweile haben wir auch schon so einige Tributes an die größte Heavy-Metal-Band aller Zeiten, Iron Maiden, gesehen und gehört. Die haben fast so viele Tribute-Bands wie Fans (naja, nicht ganz so viele, aber Iron-Maiden-Tributes gibt es wirklich jede Menge), und so kam es, dass bei uns innerhalb eines Monats gleich zwei Huldigungen an Iron Maiden auf der Bühne standen. Im Rahmen des Orto Fests zuerst Higher On Maiden, und letzten Sonntag dann noch die einzige rein weibliche Tribute-Band The Iron Maidens, die als exzellente Annäherung an das Original gilt.

Bevor sich das für den Sonntagabend sehr schön gefüllte Kino Šiška davon überzeugen konnte, sorgten die heimischen Heavy-Metal-Hoffnungsträger (die diese Hoffnungen in Wirklichkeit schon längst erfüllt und sogar übertroffen haben) SkyEye für das Aufwärmprogramm. Wahrscheinlich war das bis jetzt ihr größtes Konzert, und vor dieser Herausforderung haben sie sich kein bisschen erschreckt, sondern die Bühne der Šiška gestürmt wie die slawischen Horden aus ihrem  Knallerhit Run For Your Life. Die Jungs bekamen einen ordentlichen Zeitslot, konnten so in Ruhe einen guten Teil des erstklassigen Debüts Digital God vorstellen und haben sogar ein Musikvideo für den Titeltrack gedreht. SkyEye haben wieder mal ein exzellentes Konzert abgeliefert, das einem an einem verregneten Sonntagabend das Blut in Wallung gebracht hat – trotz ein paar kleinerer Patzer im Gitarrenbereich. Die Jungs begeisterten das knapp hundertköpfige Publikum, und nach ihrem Konzert konnte man von denen, die die Band vorher nicht kannten, begeisterte Kommentare à la »Wow, der Gesang klingt wie Dickinson!« und Ähnliches hören. SkyEye haben mit diesem triumphalen Konzert erneut bewiesen, dass sie genau die dringend nötige Frischzellenkur des slowenischen Heavy Metals sind!

Nach recht langen Vorbereitungen betraten The Iron Maidens um Punkt Viertel nach zehn die Bühne (angekündigt natürlich durch Doctor Doctor) und begrüßten Ljubljana mit dem unsterblichen Aces High. Die Band besteht derzeit aus Linda McDonald (Nikki McBurrain) am Schlagzeug, Bassistin Wanda Ortiz (Steph Harris), den Gitarristinnen Courtney Cox (Adriana Smith) und Nikki Stringfield (Davina Murray) sowie Vokalistin Kirsten Rosenberg (Bruce Chikinson) – bevor sie zu Alice Cooper abgehauen ist, hat sich in der Band auch Nita Strauss (Mega Murray) ordentlich gestählt. Na ja, Kirsten hatte während Aces High noch ordentlich zu kämpfen, und die ersten paar Songs klangen mit etwas zu tief intonierter Stimme eher nach Blaze Bayley als nach Bruce Dickinson – aber sie fand schnell ihren Rhythmus und lieferte eine sehr ordentliche Gesangsshow ab, die sie bis zum Ende des knapp zweistündigen Konzerts schön steigerte. Nach dem ersten Abtasten legten die Mädels richtig los und rissen mit dem außergewöhnlichen und sehr gut dargebotenen Instrumental Losfer Words (Big ‚Orra) ab – einziger Wermutstropfen war, dass Linda McDonald eine Doppelbassdrum-Pedale benutzt, was man bei Iron Maiden nun mal nicht macht, und uns Puristen jedes Mal das Herz zusammengezogen hat, wenn das »Doppel« zu hören war. Ansonsten gibt es an der instrumentalen Umsetzung, abgesehen von kleineren Patzern, die man der guten Stimmung wegen einfach überhören konnte, nichts auszusetzen – die Mädels haben das Material fleißig und gewissenhaft einstudiert (besonders überzeugend war Ortiz, die für ein absolut unverkennbares Bassgrummeln gesorgt hat). Das kam besonders schön bei den obskuren Perlen zur Geltung, die wir in der Originalbesetzung wohl niemals zu hören bekommen werden. Die Mädels haben mit den süßen Leckerbissen Flash of the Blade, Purgatory und Still Life regelrecht umgehauen, am meisten aber mit dem genialen Epos Alexander the Great, das Iron Maiden live noch kein einziges Mal gespielt haben.

Besonders hervorzuheben ist die energiegeladene Kirsten, die das Publikum die ganze Zeit in Atem gehalten hat und offensichtlich aus der Schule des Bruce-Dickinson-Frontmanntums einiges mitgenommen hat (manchmal sogar ganz konkret vom kultigen Live After Death) – am meisten, als sie dem Publikum mit dem Schwenken einer slowenischen Fahne während The Trooper ans Herz gegangen ist. Dass es sich um eine wirklich treue Hommage an Iron Maiden handelt, hat Kirsten mehrmals betont und damit klargemacht, dass das kein bloßer »Cash Grab« ist, sondern echtes Fan-Sein, das Maiden-Fans eben auf der ganzen Welt verbindet. Und ohne wen (oder was) kann kein Iron Maiden-Konzert auskommen? Eddie natürlich. Den haben auch The Iron Maidens – nur dass dreimal ein Roadie in die Schuhe der legendären Maskotte geschlüpft ist, und das Ganze den Charme eines billigen B-Films aus den Achtzigern bekommen hat, vor allem der Sci-Fi-Eddie mit LED-Lämpchen aus dem chinesischen Discounter und einer gewissen Ähnlichkeit mit Michael J. Fox aus Teen Wolf während The Number of the Beast. Unbezahlbar. Als sich das Konzert dem Ende zuneigte, überraschten die Mädels noch mit dem hervorragend gespielten Phantom of the Opera und The Evil That Men Do, und zum Abschied schenkten sie Ljubljana das Trio Fear of the Dark, Hallowed Be Thy Name und Run to the Hills. The Iron Maidens haben einen sehr, sehr schönen Sonntagabend gezaubert – egal, was man persönlich von Tribute-Bands hält. Up the Maidens!

Text: Rok Klemše
Fotos: Sebastijan Videc


SkyEye


Iron Maidens

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