Slash und seine apokalyptische Liebe! (2013)

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Autor: Urban Bolta
Fotos: Nina Grad

Ort: Hala Tivoli, Ljubljana
Konzertdatum: 08.02.2013
Besucherzahl: 4500
Kartenpreis: 39€

Ende letzten Novembers machte die Nachricht die Runde, dass Slash nach Slowenien kommt! Der legendäre Gitarrist – nach Meinung einiger einer der größten Rockgitarristen aller Zeiten, nach Meinung anderer nur ein guter Gitarrist, den man kaum mit den Allerbesten gleichsetzen kann. Die Meinungen werden immer auseinandergehen, eines aber ist klar: Es handelt sich um einen berüchtigten Star, der mit seinen lockigen Haaren, dem tief ins Gesicht gezogenen Hut, der Sonnenbrille und natürlich der Gitarre in der Hand zahlreiche Musikbegeisterte in die Welt des Rock’n’Roll geholt hat – und der gemeinsam mit Axl Rose eine der kontroversesten Geschichten in der Geschichte des Hard Rock geschrieben hat.

Nach einer erfolgreichen Tournee im letzten Jahr, bei der er im Sommer gemeinsam mit Ozzy Osbourne, Geezer Butler und zahlreichen weiteren Stars durch Europa tourte und dabei auch sein zweites Soloalbum »Apocalyptic Love« veröffentlichte, das er seitdem intensiv bei Konzerten rund um die Welt vorstellt. Ende des Sommers gastierte er im Land der Kängurus, kehrte auch auf die Bühnen seiner amerikanischen Heimat zurück – und schon brach das neue Jahr an und mit ihm die Rückkehr auf den alten Kontinent für eine Tournee, bei der er zunächst einige Konzerte in Osteuropa spielte, bevor er genau an unserem größten Kulturfeiertag nach sieben Jahren wieder in die slowenische Hauptstadt zurückkehrte. Die Križanke, wo Slash im Jahr 2005 mit Velvet Revolver gespielt hatte, wurde diesmal durch die kleine Halle der Hala Tivoli ersetzt.

Die durchgefrorenen Besucher begannen die slowenischen Rocker Tide aufzuwärmen, die damit nach Iron Maiden und Uriah Heep nun bereits zum dritten Mal die prestigeträchtige Aufgabe übernahmen, eine große ausländische Band einzuheizen. Die erneute Wahl der Tide hat im Lande Krain einiges an heißem Blut fließen lassen, aber ihr professionelles Auftreten auf allen Ebenen entkräftet den berechtigten Verdruss der Stammkonzertgänger mühelos. Slowenien verfügt nun mal nur über eine Handvoll Bands mit wirklich professioneller Haltung, weshalb diese (ob sie wollen oder nicht) bei Prestigeveranstaltungen sehr schnell rotieren. Aber widmen wir uns lieber dem Auftritt selbst. In dem halbstündigen Set präsentierten Tide einen ansprechenden Querschnitt ihrer Karriere, mit logischem Schwerpunkt auf der aktuellen Veröffentlichung »No. 4«. Das Quartett setzt auf seine knallige, schon fast arrogante Bühnenessenz von unnachgiebiger und entschlossener Natur, bei der die Aufgaben gleichmäßig auf alle vier Mitglieder verteilt sind. Frontmann Kevin Koradin war im Klangbild leider zu wenig präsent, sodass man ihn vom Publikum aus kaum gut hören konnte – aber die schwierigen Akustikverhältnisse sind halt das alte Sorgenkind der Hala Tivoli. Die Band ist trotzdem kompromisslos auf dem vorgezeichneten Weg geblieben und hat klar signalisiert, dass sie den Thron der slowenischen Alt-Rock-Szene nicht umsonst besetzt!

Die Halle hatte sich inzwischen vollständig gefüllt und so eine wunderbare Kulisse für Slash und seine Crew geschaffen, die in den nächsten zwei Stunden unter einem riesig aufgehängten Banner des aktuellen Albums »Apocalyptic Love« das ausverkaufte Publikum verwöhnte – großteils jüngere Rock’n’Roll-Fans.

Nach dem Begrüßungsstück Halo war es bereits Zeit für die wilde Fahrt mit dem Nachtzug – sprich: Nightrain, bei dem alle Hemmschwellen zwischen Publikum und Band fielen. Vielleicht hatte jemand gedacht, das würde ein Abend der Nostalgie für eine der einst erfolgreichsten Bands sein – Guns N‘ Roses –, aber Slashs Karriere ist auch nach dem Abgang aus der berüchtigten Gruppe nicht eingeschlafen, weshalb sich über die Jahre schon jede Menge Material angesammelt hat, das er in Ljubljana – mit logischem Schwerpunkt auf beiden Soloalben – erfolgreich präsentierte.

Die Entdeckung des Abends war ohne Zweifel Myles Kennedy! Der Mann ist zwar seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Musikwelt aktiv, auf die große Bühne getreten ist er aber erst vor einigen Jahren mit dem Erfolg von Alter Bridge – einen weiteren Schritt nach vorne machte er, als er sich Slashs Soloprojekt anschloss und dessen rechte Hand wurde. Letztes Jahr beim Graspop in Belgien, wo ich Kennedy und der Begleitband The Conspirators zum ersten Mal begegnete, gelang es Kennedy nicht, die Festivalmassen vollends zu motivieren – dieses Mal im Tivoli war das Bild jedoch völlig anders! Das Publikum folgte seinem Bühnenspiel und zauberte mit wiederholt erhobenen Händen eine atemberaubende Show, die den Musikern auf der Bühne sichtlich gefiel. Slashs Frontmann ist zwar nicht sonderlich charismatisch, dafür aber umso souveräner bei der Erfüllung seiner Gesangsaufgaben. Seine Gesangsdarbietung basierte auf außerordentlicher Anpassungsfähigkeit, was vor allem bei den G’N’R-Arrangements zu merken war, in denen er sich mit seiner Stimmfarbe ein wenig an Axl Rose annäherte, dabei aber stets eine nötige Portion seiner eigenen Ausdrucksformel und seines Temperaments beibehielt.

Slash arbeitete den Großteil der Zeit auf der rechten Seite der Bühne. Er wirkte entspannt, sein Gesicht wurde von glänzenden Sonnenbrillen verdeckt, die seine Stimmungsgrimassen verbargen. Die Höhepunkte des Konzerts waren seine Soli, die zum Glück der Akustik der Tivoli-Halle trotzten und zur Begeisterung der Menge voll zum Tragen kamen! Ganz anders verhielt es sich mit der Klangeinbettung der Rhythmussektion, vor allem im ersten Teil des Konzerts: Der Sound von Schlagzeug und Bass fand keinen optimalen Platz im Gesamtbild, weshalb es aus den Lautsprechern stellenweise regelrecht störend rumpelte – in dieser Hinsicht war das Intro zu Civil War eine echte kleine Katastrophe. Obwohl auf den ersten Blick kühl wie ein Spritzer, verfolgte und diktierte Slash den Verlauf des Konzerts die ganze Zeit aufmerksam. Die Meisterschaft seiner Riff-Rhetorik stellte er erfolgreich im Intro von No More Heroes unter Beweis – ansonsten zog er mit dem Wirbeln der Finger über den Gitarrenhals ständig die Scheinwerferstrahlen auf sich. Im spritzigen Song Doctor Alibi trat Bassist Todd Kerns gekonnt als Sänger in Erscheinung und trat so wenigstens für einen Moment aus dem Schatten der beiden Hauptnamen des Abends – Slash und Myles Kennedy.

Slash war wie immer sehr zurückhaltend – so wandte er sich erst kurz vor Konzertende zum ersten Mal an die volle Halle und goss mit ein paar Dankesworten der aufgeheizten Stimmung noch zusätzlich Öl ins Feuer. Die immergrünen G’N’R-Klassiker Sweet Child O‘ Mine, Welcome to the Jungle und Paradise City bildeten am Ende des zweistündigen Konzerts – dem Publikumsecho nach zu urteilen – erwartungsgemäß die triumfalsten Momente des Abends. Obwohl Slash seit anderthalb Jahrzehnten versucht, dem Schatten seiner Zeit bei den berüchtigten Guns N‘ Roses zu entkommen, füllt ihm das Spielen ihrer Klassiker andererseits nach wie vor die Taschen – deshalb ist ihre kompromisshafte Ein-Drittel-Platzierung in der Setlist absolut verständlich. Angesichts der bereits zwei in jüngster Zeit veröffentlichten Soloalben ist der Musiker kreativ nach wie vor inspiriert – leider erkennt das sein Zielpublikum nicht, das schlicht alle seine Ex-G’N’R-Projekte ignoriert und sich nur an den großen Hits von Guns N‘ Roses labt; deshalb steckt Slash in einer Art Teufelskreis vergangener Riesen-Erfolge fest, aus dem ihn das Erbe von Guns N‘ Roses nie entlassen wird – egal ob er das will oder nicht. Beweis dafür war auch das ausverkaufte Konzert im Tivoli.

Setlist

1. Halo
2. Nightrain
3. Ghost
4. Standing in the Sun
5. Back From Cali
6. Nothing to Say
7. Serial Killer
8. Civil War
9. Not for Me
10. Doctor Alibi
11. Watch This
12. Bad Rain
13. Rocket Queen
14. No More Heroes
15. Starlight
16. Anastasia
17. You’re a Lie
18. Sweet Child O‘ Mine
19. Slither
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20. Welcome to the Jungle
21. Paradise City

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