PSY-kadelische Zmelkoow starten ihre neue Tour erfolgreich! (2013)
Autor: Urban Bolta
Ort: Orto bar / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 19.01.2013
Besucherzahl: 150
Kartenpreis: 10€
Das neue Jahr ist angebrochen, mit ihm die Zeit der nie ganz eingehaltenen Vorsätze, des Neuanfangs, der größeren oder kleineren Veränderungen im Lebenszyklus eines jeden.. Mit dem Kalenderwechsel kam auch eine neue Konzertsaison, die die fidelen Küstenländer Zmelkoow in der zweiten Januarhälfte mit einem Auftritt in Koroška eröffneten, bevor sie nach alter Gewohnheit an einen ihnen und ihren Fans wohlbekannten Ort zurückkehrten – in den Ljubljanaer Orto bar. Kein Jahr vergeht, ohne dass Zmelkoow in dieser beliebten Club-Location Station machen; nach all den Jahren auf der Bühne sind sie dort mittlerweile quasi zum festen Inventar geworden.
Damit das häufige Konzertumherstreifen quer durch unser kleines Ländchen dem treuen Zmelkoow-Fankreis nicht zu routinemäßig wird, planen die Küstenländer ihre Touren thematisch. So spielten sie vor einiger Zeit eine komplett akustische Tour, zum 15. Jahrestag der Platte »Čiko, Pajo in Pako« folgte ein Konzertmarsch, bei dem besagtes Album in voller Länge durchgespielt wurde, und diesmal wuchs auf ihrem Mist eine neue Idee heran: die Darbietung eines psychedelischen Repertoires unter dem Motto des wiedererkennbar-schelmischen Stils: Zmelkoow »PSY-kadelik« Jura 2013. Gangnam-Stil auf Küstenland-Art? Nein! Das Projekt war nämlich schon konzipiert worden, bevor jener koreanische Kauz seinen Weltruhm erlangte – die Abkürzung „PSY“ bezieht sich also auf das Kofferwort Psihadelija Kakadelik – und die Band wird (in der ersten Konzerthälfte) in psychedelischen Gewässern herumplanschen, ob’s euch recht ist oder nicht!
Noch vor Zmelkoow hatten die heimischen Rocker Radio Zoo die minimalistische Bühne des Orto bar besetzt – leider habe ich ihren Auftritt wegen ihres frühen Bühnenbeginns komplett verpasst. Ich verspreche, die Schuld bei der Band bei nächster Gelegenheit mit einer Reportage abzutragen!
Nach einer kurzen Pause marschierte als Erstes das Hirn von Zmelkoow, in Gestalt ihres Anführers Goga, auf die Bühne, und dann schlurften die anderen Mitglieder hinterher – Bassist Žare ganz am Ende, logisch! Auf der Bühne verteilten sich außerdem Košček am Schlagzeug, Anuša an den Keyboards und im Background-Gesang sowie Lenart am Saxofon. Im ersten Konzertteil – gut 50 Minuten instrumentales Philosophieren, in psychedelisches Zellophan gehüllt – reihten sie gerade mal vier Songs von Marathonlänge aneinander. Das freihändige Gravitieren der Finger über die Instrumente, oder einfacher gesagt: spontanes Jammen im Stil des psychedelischen, gar avantgardistischen Rocks der 60er und 70er, erwies sich als überaus interessantes Experiment – wenn auch mit (für Musikkenner) durchschnittlichem Inhalt. Man muss wissen, dass die Zmelkoow-Story auf verschmitzter Botschaft aufgebaut ist, während die Musik bei ihnen stets zweitrangig war. In den langen Jams trat genau das zutage: die durchschnittliche Beherrschung der Instrumente, weshalb das Gesamtklangbild in manchen Momenten zu wenig Saft hatte – trotz einiger genialer Füllungen auf der Achse Gitarre – Keyboards, also dem Tandem Goga – Anuša. Wer weiß, vielleicht kamen Zmelkoow schon bei den Aufnahmen zu ihrem letzten Album »Čista Jajca« auf die Idee für dieses interessante psychedelische Projekt – dessen Tracks Big Ass, Je pesnik jedel mamile? und Slovo režiserja passten in diesem Kontext wie Arsch auf Eimer! Aber Musik ist eine Universalsprache, und deshalb genoss das Publikum im Orto bar trotz meines Einwands in vollen Zügen – auch wenn die unterhaltsamere Konzerthälfte noch bevorstand.
Der zweite Konzertteil war nämlich ganz der übliche – ausgelassen und amüsant, mit den obligatorischen Intermezzi aus Gogas Streifzügen durch alle Winkel seiner eigenen humoristischen Fantasie. Von der Disco-Königin Densi Mayalone über Strelowood und Ko-Po arbeiteten wir uns bis zu den größten Zmelkoow-Hits vor – das Publikum hatte der Band nämlich ganz im Geist der momentan brandaktuellen gesellschaftlichen Aufstandsstimmung Sergiota und Poredne goste abgetrotzt. Die Präsenz des Saxofons erwies sich als Trumpf: Lenart bereicherte das Klangvokabular mit einfallsreichen Akzenten, auch wenn ihn die größtenteils angetrunkene Meute vor allem in den Refrains mühelos übertönte. Der Konzerthöhepunkt kam, als die Uhr bereits Mitternacht geschlagen hatte: Več kot spijemo und Bit sind nämlich nach wie vor zwei der beliebtesten Zmelkoow-Melodien – unter der Rocker-Jugend längst zu echten Volksklassikern geworden.
Zmelkoow haben bewiesen, dass sie die Meister des verschmitzten Spaßes bleiben – noch mehr freut aber die Tatsache, dass sie ihrem treuen Fankreis stets thematisch unterschiedlich eingefärbte Touren liefern. Auch die Tour »PSY-kadelik« hat am vergangenen Wochenende ihr konzeptuell höchst interessantes Räderwerk erfolgreich in Gang gesetzt – an ihrem Erfolg auf den nächsten Stationen braucht man also keinen Zweifel zu hegen!
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