Feuerspucken und Spritzen in der Zagreber Arena (2011)

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Ort: Arena / Zagreb / Kroatien
Datum des Konzerts: 08.11.2011
Anzahl der Besucher: 10
Kartenpreis: 46,10€ (Parkett)

Manchmal hat man das Gefühl, dass ein Tag sich überhaupt nicht für einen Konzertbesuch eignet – genau das spürte ich vor dem Rammstein-Konzert in Zagreb. Aber man zwingt sich doch dazu und geht hin, während im Hinterkopf schon die Überzeugung glimmt, dass man es am Ende bestimmt nicht bereuen wird. Und die Überzeugung stimmte – es wäre sehr schade gewesen, wenn ich dieses Konzert verpasst hätte.

Der volle Parkplatz rund um die Arena und das benachbarte Einkaufszentrum ließ erahnen, dass gegen 20:00 Uhr in der Arena schon ordentlich was los war. Diesmal waren die Securitys am Eingang der Arena auch etwas entgegenkommender (bzw. hatte ich selbst gelernt, dass ich außer den Autoschlüsseln nichts aus Metall in die Arena mitbringen darf – natürlich nur ich, bei den anderen ist das kein Problem), sodass wir schnell in die Halle gelangten, wo schon das Geschrei und Spielen der schwedischen Band Deathstars widerhallte. Die Vorband zog mit einem ziemlich eingespielten und souveränen Auftritt die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich und erhielt als Dank nach jedem gespielten Song tosenden Applaus. Kurz nach halb neun verabschiedeten sich Deathstars, die Halle füllte sich zusehends, und absolute Dunkelheit um Punkt neun Uhr kündigte den grandiosen Auftritt der Stars des Abends an.

Das Eröffnungsmatrix-Intro begleitete das Herablassen einer Metallkonstruktion, die als Brücke zwischen der Hauptbühne und einem kleineren Podest in der Hallenmitte vor dem Mischpult diente. Rhythmisches Nebelpusten aus den Seiten der Brücke beim Herablassen. Rammstein marschierten von der Seite mit einer kroatischen und einer Rammstein-Fahne in den Händen in die Halle ein. Langsam marschierten sie auf das kleine Podest, dann über die Brücke auf die Hauptbühne und zogen mit dem ersten Song los – Sonne. Die Halle erstrahlte in gelbem Licht, der Star des Abends – Keyboarder Flake – bezog seinen Posten auf dem Laufband und „lief“ so einen Großteil des Konzerts ab. Weiter ging’s mit Amerika, Keine Lust, Asche zu Asche. Schon der Beginn ließ ahnen, dass Rammstein ihrem Ruf als Feuerkonzert-Band gerecht werden würden und sorgten mit diversen Pyroeinlagen – darunter das Feuerspucken beider Gitarristen bei Feuer frei – für zusätzliche Wärme an dem kalten Novemberabend. Es folgte die Ballade Mutter mit jeder Menge heißem Feuer von der Bühne sowie eine provokante Show bei Mein Tail, als Lindermann in einer blutigen Schürze und mit einem Messer in der Hand den armen laufenden Keyboarder Flake jagte, ihn schließlich erwischte und ihn in einem großen Topf auf der Bühne „kochte“.

Flake kletterte aus dem Topf zurück auf sein Laufband, und die Band setzte mit dem alten Hit Du riechst so gut bei einem Funkenregen und brennenden Gitarren fort. Gemeinsam marschierten wir im Takt von Links 2 3 4, gefolgt vom Highlight des Abends für das Publikum (zumindest den Reaktionen nach zu urteilen) mit Du hast. Die Halle begleitete Lindermann am Mikro mit lautem Mitsingen. Nach tosenden Begeisterungsrufen – auch wegen der gewaltigen Pyroeinlagen, die die gesamte Halle erleuchteten – folgte Haifisch, bei dem Opferlamm Flake in einem Gummiboot zum „Spaziergang durchs Publikum“ aufbrach. Er erlebte so einige heftige Stürme und Turbulenzen, kehrte aber trotz allem heil und gesund auf die Bühne zurück, während Bühnenarbeiter vor dem Mischpult zügig Equipment auf dem kleinen Podest in der Hallenmitte aufbauten. Am Ende des Songs senkte sich die Metallkonstruktion wieder von der Decke herab, und der Drummer trieb die restlichen Bandmitglieder über die Brücke zum kleinen Podest, wo sie ihre Positionen einnahmen und Bück dich spielten. Lindermann bespritzte während des Gesangs die Zuschauer mit einem Kunstpenis. Auf dem kleinen Podest spielten sie dann noch Mann gegen Mann sowie das provokante Pussy, zwischenzeitlich zogen sie zurück auf die große Bühne, und Lindermann setzte das Spritzen fort, diesmal aus einem riesigen Kunstpenis, der Schaum ins Publikum schoss.

Nach dem ersten Teil kehrten Rammstein nach kurzem Publikumsrufen auf die Bühne zurück. So erklangen noch Mein Herz brennt, Wollt ihr das Bett in flammen sehen und Ohne dich. Rammstein verließen die Bühne erneut, doch allen war klar, dass sie sich ohne Engel nicht endgültig verabschieden würden. Und wir hatten recht – Lindermann kehrte mit brennenden Flügeln auf die Bühne zurück, und zum Abschluss spielten sie noch Ich will und regneten bunten Konfetti auf das Publikum in der Zagreber Arena.

Definitiv eines der unvergesslichen Konzerte – wenn nicht wegen der Musik, dann wegen der Show, die das Konzert begleitet. Außergewöhnliche Pyro- und Schauspieleinlagen, aufwendige Masken und Themenwechsel passend zum jeweiligen Song. Auf jeden Fall ein Konzert, das sich lohnt zu sehen!

Fotos: Milan Krušič

Setliste

1. Sonne 2. Amerika 3. Keine Lust 4. Asche zu Asche 5. Feuer frei 6. Mutter 7. Mein Tail 8. Du riechst so gut 9. Links 2 3 4 10 . Du hast 11. Haifisch 12. Bück dich 13. Mann gegen Mann 14. Pussy —Zugabe I.— 15. Mein Herz brennt 16. Wollt ihr das Bett in flammen sehen 17. Ohne dich —Zugabe II.— 18. Engel 19. Ich will

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