Heep-Magie beim Treffen der stählernen Pferdchen (2011)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: European Bike Week / Faaker See (Faak Am See, Villach) / Österreich
Konzertdatum: 09.09.2011
Besucherzahl: 5000
Kartenpreis: 0,00€ (freier Eintritt!)
Uriah Heep sind eine jener legendären Bands, die den Rock großgezogen und in seinen ersten Schritten begleitet haben, als er seiner Wiege entstieg. Die Jahre sind vergangen, und die Geschichte dieser mutigen Gruppe ist inzwischen zu einer Art Legende geworden. Nur noch eine Handvoll heute aktiver Dinosaurier, die an der Wende der Sechziger zu den Siebzigern auf der Rockkarte erschienen sind, ist noch aktiv – und Heep haben sich darunter behauptet. Darüber hinaus sind Uriah Heep nach einem Jahrzehnt der Abstinenz endlich wieder voll im Element, was die Schaffung neuer eigener Musik betrifft. So veröffentlichten sie 2008 in gewisser Hinsicht ihr Comeback-Album – obwohl sie durchgehend aufgetreten sind –, das ausgezeichnet rustikal klingende „Wake The Sleeper“, und bestätigten ihre wiedergefundene Inspiration in diesem Jahr mit der Veröffentlichung des neuen, äußerst schmucken Studiowerks „Into The Wild“, das den Geist der Retro-Nostalgie bewahrt. Uriah Heep sind eine jener Bands, die ununterbrochen auf Bühnen stehen. Das Gewicht der Jahre haftet ihnen überhaupt nicht an, und Uriah Heep wirken auf der Bühne in dieser Hinsicht unzerbrechlich und ewig jugendlich.
Uriah Heep sind in diesem Jahr ununterbrochen seit Februar auf den Bühnen. Im April erschien das Album „Into The Wild“. Genau genommen starteten sie gleichzeitig mit der Veröffentlichung des neuen Albums in eine neue Promotour zur Unterstützung des neuen Werks. So haben sie im Mai dieses Jahres bereits die Konzertstationen auf dem alten europäischen Kontinent detailliert abgeklappert, sich dann jenseits des Teiches auf die andere Seite des Atlantiks begeben und noch weiter südlich – unter den Äquator. Vier Monate seit unserem letzten Halt im österreichischen Ternitz, wo Heep am 14.05.2011 ein Konzert spielten, vergingen wie im Handumdrehen, und so entstand bereits der zweite Teil der „Into The Wild“-Tournee. Mit dem ersten Konzerttermin beim diesjährigen European Biker’s Week, das sich jedes Jahr am österreichischen Faaker See bei Faak Am See in der Nähe von Villach abspielt und dessen Hauptsponsor Harley Davidson ist, wobei auch der Hersteller des süßlich-sündigen Likörs Jack Daniels etwas beisteuert. Man sollte erwähnen, dass dieser, einer der größten Harley Davidson-Festivals auf dem Planeten, für Uriah Heep kein Unbekanntes ist, da sie am selben Veranstaltungsort bereits vor sechs Jahren aufgetreten sind, genauer gesagt am 09.09.2005.
Die Verlosung für den Hauptgewinner des ersten Preises – ein handgefertigtes Einzelstück der Marke Harley Davidson, das keineswegs ein Wandmakramee ist – trieb vor dem Konzert eine Masse von rund 6.000 bis 8.000 Bikern unter die Bühne, die fieberhaft die Sekunden bis zur Bekanntgabe des glücklichen Namens herunterzählten. Als die Verlosung abgeschlossen war, zerstreute sich die Masse diesmal entgegen den Erwartungen nicht, sondern das Volk blieb einfach unter der Bühne stehen, um die legendären Rocker zu erwarten.
Für Heep war es ein weiterer Routineauftritt, und dennoch verbargen sie dabei ihr ausgezeichnetes Befinden und ihre äußerst heitere Stimmung nicht. Sicher hat sie der außergewöhnliche Besuch und die erhitzten Köpfe in den vorderen Reihen dazu gebracht, wo sich auch eine Handvoll begeisterter Slowenen fröhlich wiegte, die sich zu diesem Konzert aufgemacht hatten.
Das Uriah Heep-Konzert blieb klanglich nur zu Beginn Korrekturen schuldig, sodass man während Rainbow Demon (ja, ihr lest richtig!) den Sound ausrichtete und auch Lanzons Keyboards schließlich im Mix vollwertig wirkten. Bernie Shaw sprach das Publikum intensiver als sonst an. Dabei bediente er sich einer charmant angeeigneten Mischung aus Deutsch und Englisch. Vor der Bühne ein Meer an Publikum, so weit das Auge reichte, darüber die Klarheit der Nacht, vom Vollmond erleuchtet und mit Billionen und Billionen leuchtender Sterne geschmückt. Geruch von verbranntem Öl und Benzindämpfen, Lederbräute, Bier in Strömen ringsum – Paradies für Rock ’n‘ Roll!
Uriah Heep haben einmal mehr bewiesen, wie brillant sie eingespielt sind und in welch glänzender Form sie sich nach mehr als 40 Jahren Bestehen befinden. Sie wirkten äußerst entspannt, unbeschwert, genossen es sichtlich, was sich vor allem im ausgiebigeren Kontakt von Gitarrist Mick Box mit dem Publikum zeigte, über allem aber die Verbissenheit von Schlagzeuger Russell Gilbrook, der mit seiner Hingabe und seinem Einsatz an den Drums wirkte, als wäre ein Pit Bull von der Kette gelassen worden, um alle Becken und Felle zu zerbeißen. Russell für Präsident! Shaw sparte etwas mit dem Gesang, besonders in den höchsten Lagen. Die Tournee wird nämlich noch lang sein. Nach dem Konzert am Faaker See brechen Heep nach Skandinavien auf, im Oktober folgt wieder ein Sprung über den Teich, eine Rückkehr für einige Konzerttermine auf dem alten europäischen Kontinent, und im Dezember wird noch Großbritannien abgegriffen. Im November sind noch keine Konzerte gebucht, sodass eine Auffüllung mit zusätzlichen Terminen in Europa möglich ist.
Kehren wir zur Bühne zurück! Gilbrook hatte auf der Bühne ein etwas beschnittenes Schlagzeug-Set. Ebenso fehlte der Gong hinter seinem Rücken sowie das eine oder andere Becken. Na ja, die Setliste ganz nach dem Geschmack der weniger anspruchsvollen Biker! Also neue Songs und Songs des eisernen Repertoires, was einen totalen „Knaller“ bedeutet! Na ja, angesichts des Charakters des Events war die Setliste etwas kürzer. Heep strichen daraus das neue Kiss Of Freedom sowie den Klassiker Bird Of Prey. Im Hinblick auf Schlagkraft und das Abrollen von Klassiker nach Klassiker wäre es wert gewesen, Bird Of Pray in der Setliste zu behalten und stattdessen lieber Nail On The Head herauszustreichen, das durch die ständige Wiederholung des trivialen Refrains vollkommen blöd und lästig draufhämmert. Wie auch immer, auch Feinschmecker kamen bei der Aufführung des „Demons & Wizards“-Klassikers Rainbow Demon auf ihre Kosten, aber der Band ist eine völlige Ignoranz gegenüber dem Album „The Magician’s Birthday“ vorzuwerfen.
Aber die Band tötet auf der Bühne. Wieder haben sie mit den Klassikern des eisernen Repertoires im vollen Sinne des Wortes erschüttert und überzeugt! Die ausgedehnten Jams in beiden Look At Yourself-Klassikern, dem Titelstück und July Morning, ragen im Repertoire wieder heraus, ebenso die immergrüne und elementar zerstörerische Wucht des Gypsy-Riffs. Die Band schaltet etwas zurück, wenn sie sich dem zweiten „Demons & Wizards“-Klassiker The Wizard widmet, doch der reguläre Teil ist sehr schnell vorbei, nachdem Mick Box nach July Morning wieder die Akustikgitarre in die Hände nimmt und die Band das dicht gedrängte Vorbühnenbereich des Festivals erneut zur intensiven Mitwirkung bringt – mit der unentbehrlichen Lady In Black.
In der Zugabe ruft die Band einige der verbissensten Konzertbesucher aus den vorderen Reihen auf die Bühne, damit sie den Adrenalinoverschuss im Blut gleich auf der Bühne abbauen, während sie wild die Körper schütteln und headbangen, und die Band wütend durch das weißglühende Riff des „Innocent Victim“-Klassikers Free N‘ Easy wiehert. Und schon sind wir am Ende des Konzerts. Da ist die erwartete Easy Livin‘. Die Band tritt erneut mit großer Vehemenz in die letzten Konzertminuten ein, die Gesangsharmonien funktionieren auch diesmal makellos, Bolder singt noch einmal im Chor aller fünf Mitglieder Hensleys hohe Gesangslinien und verleiht damit jene Authentizität und Nähe zum Studiooriginal eines der größten Hits der Uriah Heep-Karriere.
Die Band hält eine außerordentliche Form. Zum Festival kamen sie ausgeruht und wieder hungrig aufs Konzertieren und inszenierten so ein weiteres ausgezeichnetes Konzert. Offensichtlich hat der ausgezeichnete Besuch das seine beigetragen und die Band zusätzlich angeheizt, ebenso wie das Ambiente selbst, umgeben von einem kleinen Meer wunderschöner stählerner Pferdchen! Das Orchester der Orchideen hält sich also und macht weiter. In der zweiten Septemberhälfte veröffentlichen Uriah Heep nach einer Reihe veröffentlichter offizieller Konzert-Bootlegs auch das offizielle Doppel-Konzertalbum „Live In Armenia“, was nur beweist, wie aktiv und vital die Legenden in ihren reifen Jahren sind. Dazu möchte ich noch hinzufügen, dass der Eintritt frei war, was bedeutet, dass es allen Liebhabern des klassischen Rock wirklich leid tun kann, falls sie sich diesen Samstag bei der diesjährigen Ausgabe des Biker’s Week-Festivals nicht freigehalten haben, für das echte Eintauchen in die Magie des Uriah Heep-Rocks!
Fotos: Martin Prezelj & D.D.D. (Dr. Dobra Duša)
Setliste
1. Intro 2. I’m Ready 3. Return To Fantasy 4. Stealin‘ 5. Rainbow Demon 6. Money Talk 7. Drum-Solo 8. Nail On The Head 9. The Wizard 10. Into The Wild 11. Gypsy 12. Look At Yourself 13. July Morning 14. Lady In Black —Zugabe— 15. Free N‘ Easy 16. Easy Livin‘
Bildergalerie













































