Ultra-Lektion Thrash Metal mit den unerbittlichen Death Angel! (2011)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Menza pri koritu, Ljubljana
Konzertdatum: 23.03.2011
Besucherzahl: 100
Eintrittspreis: 12€

Normalerweise sieht das Publikum (und wir) es nicht gerade mit überschwänglicher Begeisterung, wenn Bands auf heimischen Bühnen immer wieder auftauchen, vor allem wenn man die Auftritte von Durchschnittsbands wie Amon Amarth und Korpiklaani (und früher Ektomorf) schon mit zweistelligen Zahlen zählen kann. Von Konzerten der Bands jedoch, die jeden Auftritt nicht routinemäßig absolvieren, auf der Bühne sichtbar alles geben und obendrein – was am allerwichtigsten ist – einfach geile Musik spielen, kann man nie genug kriegen. Eine solche Band ist die amerikanische Bay Area-Thrash-Metal-Attraktion Death Angel, die erst vor Kurzem beim letzten Thrashfest gespielt hat und davor beim Metalcamp. Ihr diesmaliger Auftritt war also bereits der dritte in weniger als einem Jahr – aber nach dem Gesehenen und Gehörten kann ich den November kaum erwarten, wenn Death Angel im Rahmen der Neckbreaker’s Ball-Tournee ein viertes Mal auftreten! Obwohl Death Angel in den letzten Jahren häufige Gäste auf unseren Bühnen sind, war dies erst ihr zweites Solokonzert seit 2003, als sie mit einem unvergesslichen Auftritt die Gala halo in Schutt und Asche gelegt hatten. Ähnliches durfte man sich auch diesmal erhoffen.

Auch diesmal wurden wir wieder von einer stattlichen Anzahl Vorgruppen warmgemacht, aber auch diesmal zeigte sich – wie so oft –, dass Quantität nicht zwingend Qualität bedeutet. Als Erste schwangen sich die italienischen Thrasher Adimiron auf die Bühne der Menza. Thrash und Italien harmonieren schon a priori nicht besonders gut miteinander, insofern überraschten Adimiron aus dieser Perspektive schon leicht. Die Jungs präsentierten in knapp einer halben Stunde ihre Vision des Thrash Metal, die zwar in gar nichts von den Genre-Richtlinien abweicht, die bereits 1983 gesetzt wurden. Mehr noch: Adimiron bezeichnen sich sogar als progressive Thrash-Metal-Band. Was genau an ihrer Musik progressiv war, ist mir nicht ganz klar – ein oder zwei etwas komplexere Riffs und ein paar ungeradlinige Rhythmen machen noch keine Progressivität. Einzelne Gitarrenlinien überraschten durchaus, auch der Sänger war nicht schlecht, wenngleich der aggressivere Thrash-Gesang alles andere als einzigartig war. Aber für eine italienische Thrash-Metal-Band waren Adimiron sogar ziemlich solide.

Normalerweise haben wir bei schlechten Vorgruppen wenigstens das Glück, dass die Qualität mit jedem nächsten Act steigt – diesmal galt beim belgischen Outfit Resistance eher das Gegenteil. Die Belgier spielen nämlich Deathcore, und das auf die langweiligste, trostloseste und generischste Art und Weise. Eintöniges Riffing, ein miserabler Gesang, obligatorische Breakdowns und der Gangsta-Look des Sängers schafften es nicht, die fünf Leute warmzumachen, die sich ihren Auftritt anschauten – und das, obwohl sich Resistance zumindest um Energie bemühten. Nach dem Gehörten sollten die Belgier lieber Schokolade machen als Metal. Danke, der Nächste bitte!

Aller guten Dinge sind drei, und eine Dosis ordentlicheren Thrash bekamen wir endlich, als die griechischen Gyros-Thrasher Suicidal Angels die Bühne der Menza betraten. Auch die Griechen sind inzwischen häufige Gäste auf unseren Bühnen, was sich auch an der Zuschauerzahl zeigte, die sich endlich etwas dichter vor der Bühne sammelte. Mehr Bekanntheit bei uns bedeutet aber noch lange nicht, dass die Athener auch mehr als nur eine solide Portion guten Thrash für das ungeduldige Publikum liefern. Suicidal Angels lehnen sich nämlich (zu) stark an die Aggressivität und Brutalität des Thrash an, wie ihn Veteranen wie Kreator und Slayer spielen – mit dem Unterschied, dass die Riffs nicht annähernd so stark und wiedererkennbar sind wie bei den Thrash-Vätern. Die Griechen absolvierten ihre Dreiviertelstunde völlig souverän, mit viel Energie und echtem Feuer, aber mehr als solide war das nun mal nicht. Den Jungs fehlt noch enorm an eigenem Stil und Identität – Suicidal Angels sind eben nicht der Gyros, nach dem man sich satt den Gürtel aufmacht, sondern der Gyros, nach dem man nur ein bescheidenes Häufchen hinterlässt.

Und dann endlich durften wir die Band erleben, die uns bis zu diesem Moment mit dem Backdrop auf der Bühne auf die Folter gespannt hatte – nach acht Jahren kehrten die San Francisco Bay Area-Thrasher Death Angel auf die Bühne der Metelkova zurück (zugegeben nicht dieselbe, aber das ist egal). Die legendäre amerikanische Band, 1982 von drei Cousins gegründet (zwei Jahre später stieß der vierte als Sänger dazu), hatte so mancher schon abgeschrieben. Schon als sie sich 1991 auflösten, glaubte und erwartete niemand, dass Death Angel jemals zurückkehren würden – aber Thrash of the Titans 2001, das bedeutendste Thrash-Metal-Event überhaupt, bedeutete auch das große Comeback von Death Angel. Zwar ohne Gründungsmitglied Gitarrist Gus Pepa, was ein harter Schlag für Band und Fans war – aber die Situation rettete glücklicherweise Ted Aguliar, der sich nahtlos in die Band einfügte. 2008 und 2009 erlebte die Band noch zwei weitere Schocks, als sich Originalbassist Dennis Pepa und Originalschlagzeuger Andy Galeon verabschiedeten. Für viele bedeutete das das Ende der Band, aber Death Angel reformierten sich stärker als je zuvor und veröffentlichten letztes Jahr das beste Post-Reunion-Album Relentless Retribution, das sie auch auf dieser Tournee präsentieren. Die Jungs stiegen wie vom Himmel herab auf die Bühne der Menza und bewiesen mit dem fantastischen Brecher I Chose the Sky gleich zu Beginn, warum sie in diesem Moment eine der besten Old-School-Thrash-Metal-Bands überhaupt sind. Was Death Angel auf der Bühne auszeichnet, ist unglaubliche Energie und ausgezeichnete Interaktion mit dem Publikum – ihr fantastisch lebendiger Auftritt zieht einen sofort in seinen Bann. Von Band und Publikum floss nach einem oder zwei Songs der Schweiß in Strömen! Die sorgfältig und abwechslungsreich zusammengestellte Setliste repräsentierte zum Löwenanteil das neue Album, was der Band angesichts seiner Qualität nicht anzukreiden ist. Und natürlich blieb auch jede Menge Raum für einen irren Klassiker-Block. Nicht einen Moment lang war wirklich mal durchzuatmen, denn Death Angel feuerten Brecher um Brecher – Evil Priest, Mistress of Pain, dann rammten sie uns die Klauen tief in den Hintern und drehten uns gnadenlos durch, Seemingly Endless Time, die außergewöhnliche Ballade Veil of Deception, in die ein Teil der Maiden-Klassike Purgatory eingeflochten war, und schließlich der schönste Moment des Abends: In die Hymne Bored (die ihrem Titel zum Trotz nicht im Geringsten langweilte!) webten sie eine außerordentliche Hommage an die verstorbene Legende Ronnie James Dio ein – in Form der teilweise gespielten Black Sabbath-Klassike Heaven and Hell. In der Gesangsrolle überzeugte Mark Osegueda auf ganzer Linie; etwas Kritik verdient seine Stimme allenfalls wegen des ununterbrochenen Kreischens und Schreidens. Das passt zwar zur Aggressivität und Energie der neueren Death Angel durchaus gut – trotzdem wäre es nicht schlecht gewesen, mehr von Marks reinem Gesang zu hören, den er zwischen Heaven and Hell und Veil of Deception mehr als eindrucksvoll unter Beweis stellte. Neben dem verlässlichen Gitarrenduo Cavestany/Aguliar, das für packende Linien und atemraubende Soli sorgte, die insbesondere unter den Fingern des Riff-Meisters Cavestany rasend flossen, überzeugte auch die frische Rhythmussektion. Die neue Besetzung hatte sich schon beim letzten Thrashfest bewiesen, jetzt aber kam sie noch viel mehr zur Geltung – die neuen Death Angel atmen wirklich mit einer großen und vollen Lunge! An Energie und Publikumsanimation steht Bassist Damien Sisson in nichts nach; mit seinem vielseitigen und druckvollen Bassspiel auf dem Rickenbacker unterstreicht er das vernichtende, kanonengleiche und präzise Schlagzeugspiel von Will Carroll (Carroll hat seine Drumsticks übrigens u. a. bei Machine Head, Vicious Rumors und Ulysses Siren gespitzt). Death Angel schossen nebenbei überraschend noch den Killer Kill As One raus, bei dem das Publikum mit dem gemeinsamen Singen des Refrains einen Bühnenpfeiler der Menza zum Wackeln brachte – und damit beendeten sie den regulären Konzertteil. Eine weitere Überraschung folgte, als die Jungs auf die Bühne zurückkehrten und den besten Track vom Album Killing Season zündeten: Lord of Hate – und zum absoluten Abschluss warfen uns Death Angel noch einmal ultra-brutal unter die Wölfe.

Death Angel haben wieder einmal ein unvergessliches Konzert gespielt, das einen mit seiner ansteckenden Energie von Band und Musik unmöglich kaltlassen kann. Von der Band hätte ich mir persönlich noch den einen oder anderen Song mehr gewünscht (schön wäre es, noch Thicker Than Blood, Disturbing the Peace oder endlich mal die komplette Instrumental-EP The Ultra Violence zu hören), aber Death Angel haben für einen wirklich niedrigen Eintrittspreis noch mehr geliefert, als von ihnen zu erwarten war. Allein deshalb hätten sie mindestens doppelt so viele Zuschauer vor der Bühne verdient – die Menza pri koritu war nämlich nur etwa zur Hälfte gefüllt. Aber trotzdem war es „ultra fucking violent!!!“

Fotos: Rok Klemše

Setliste

DEATH ANGEL: 1. I Chose the Sky 2. Evil Priest 3. Buried Alive 4. Mistress of Pain 5. Claws In So Deep 6. Seemingly Endless Time 7. This Hate 8. Relentless Revolution 9. Claws in So Deep outro/Truce 10. Purgatory/Veil of Deception 11. Opponents at Sides 12. Bored / Heaven And Hell 13. Thrashers 14. Kill as One – Zugabe – 15. Lord of Hate 16. River of Rapture 17. The Ultra-Violence / Thrown to the Wolves

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