Kein bisschen illusorisch, reflektiv und eine echte Heavy-Metal-Party in der Kotlovnica! (2011)

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Autor: Rok Klemše

Ort: MK Kotlovnica, Kamnik
Konzertdatum: 17.03.2011
Besucherzahl: 90

Nach einer Weile erwachte die Bühne der Kamniker Kotlovnica wieder zum Leben – diesmal lud sie mit einem Trio aus Bands in ihren Tempel: den frischgebackenen Reflecto, den konzertmäßig äußerst umtriebigen Divine Illusion sowie den alten Hasen Metalsteel, die ihr frisch erschienenes viertes Studioalbum Entertainment fleißig und mit Nachdruck unters Volk bringen.

Die Bühne der Kotlovnica weihte diesmal die frischgebackene Progressive-Metal-Band Reflecto ein, für die es erst der zweite Auftritt überhaupt war. Nach dem Premierenauftritt im Zakon in Vrhnika kehrten Reflecto in ihre Heimatstadt Kamnik zurück und präsentierten in knapp einer halben Stunde ein für eine so junge Band quantitativ wie qualitativ beneidenswertes Programm. Die Jungs stellen dabei Elo Gaborovič ins Zentrum, die mit ihrem markanten, kraftvollen und tieferen, fast schon souligen Gesang den Reflecto eine besondere Note verleiht, die die Band klar von typischen Prog-Metal-Bands abhebt. Reflecto bewiesen gleich zum Auftakt, dass man das hier todernst nimmt, und gönnten uns den vollen Symphony X-Kracher Evolution. Überhaupt ist diese amerikanische Band ein riesiger Einfluss auf die Gruppe – am deutlichsten hört man das in den Gitarrenlinien, die gekonnt mit den Linien von Michael Romeo flirten. Zum Glück können Reflecto aber auch mit sehr vielversprechendem Eigenmaterial aufwarten, vor allem dem üppigen Prog-Metal-Knaller Madness sowie dem leichtfüßigeren Under Cover, das die kunstvoll ausgearbeitete Keyboard-Unterlage schön zur Geltung bringt. Für eine wirklich schöne und angenehme Überraschung sorgten Reflecto mit dem Kansas-Klassiker Carry on My Wayward Son. Trotz technischer Schwierigkeiten und noch einiger Kinderkrankheiten in Form kleinerer Ausrutscher und Patzer: Reflecto sind zweifellos eine neue Band auf der slowenischen Metal-Szene, der es sich in Zukunft auf jeden Fall lohnen wird, sie im Blick zu behalten – sie versprechen viel.

Etwas ältere Bekannte der Bühnen sind die Postojnaer Divine Illusion, die seit der Veröffentlichung ihrer EP Genetic fleißig und beharrlich Konzertkilometer sammeln. Genau deshalb sind die Jungs schon standardmäßig hervorragend, perfekt eingespielt, energiegeladen – und sie verstehen es vor allem, dem Publikum zu schmeicheln und es erfolgreich in Stimmung zu bringen. Die Hauptrolle spielt dabei der sympathische Frontmann, der sich einer beneidenswert starken Stimme rühmen kann, und auch das Instrumentalquartett sitzt bombenfest. Man hört klar, dass Divine Illusion im skandinavischen Power Metal bestens bewandert sind, dessen Klischeehaftigkeit sie aber erfolgreich mit progressiven Ansätzen von Bands à la Threshold aufbrechen – das bedeutet Tempo- und Rhythmusvielfalt, komplexe und lebendige Instrumentallinien sowie ausgearbeitete Arrangements. Die eigenen Songs wirken live daher sehr abwechslungsreich und verdienen echtes Lob; das Set würzen Divine Illusion mit ausgewählten Covern. Mit Songs wie Eagle Fly Free, Wasted Years und Hunting High and Low blasen sie dem Publikum vor der Bühne erfolgreich frischen Wind um die Ohren, das grandios vorgetragene Slipstream liegt den Jungs wie angegossen – ziemlich danebengegriffen haben sie zumindest nach meinem Geschmack mit Madonnas La Isla Bonita. Das hätte ich auch gut ohne gekonnt. Man merkt Divine Illusion die fleißige Konzertpräsenz auf heimischen Bühnen an, aber gerade wegen ihrer Häufigkeit würde man sich wünschen, dass die Jungs ihre Songauswahl mal etwas durchlüften – wir hören ja schon seit Längerem die (zugegeben großartigen!) Songs von der EP und die inzwischen doch etwas durchgekauten Cover.

Diese Probleme haben die Medvoder Bannerträger des heimischen Heavy Metal Metalsteel nicht, denn Mädels und Jungs können sich bereits mit stolzen vier Studioalben rühmen, und das letzte davon, Entertainment, ist noch ganz frisch. Einen großen Teil ihres Auftritts widmeten Metalsteel daher der ausführlicheren Präsentation des neuen Albums, und es war wirklich ein Genuss zu hören, wie Songs wie Life Story, One More Shot, The Trip und das interessant umgesetzte Let Me Be Your Guide – für das Matej Sušnik die Gesangsstimme übernahm und diese Rolle souverän und mit Bravour ausfüllte (besagten Song singt auf dem Album nämlich das Stimmwunder James Rivera!) – live zünden. Ansonsten sorgen Metalsteel für ein konstant dynamisches Bühnenspiel, getragen vor allem von der lebhaften und spielfreudigen Rok und Matej, die regelmäßig und flott zwischen den Mikrofonen wechseln. Die ansteckende Melodik der vorzüglich geschriebenen Gitarrenlinien kriecht live noch schneller in die Ohren, und ehe man sich’s versieht, ertappst du dich dabei, wie du zunächst leise vor dich hin grummelst und bald schon die Vokallinien aus vollem Hals mitbrüllst. Ein großer Schatz steckt bei Metalsteel auch in den magischen Basslinien, die unter den Fingern des charismatischen Matej brodeln, und eine echte Freude ist es live auch, die wuchtigeren Drums zu hören, auf die Daša ohne Gnade eintrommelt. Das üppige Klangbild von Metalsteel bereichern zudem die Vocals, die hauptsächlich aus Benys Kehle kommen – und der entwickelt sich zu einem immer stärkeren Sänger –, während kraftvolle und häufig präsente Backing Vocals für Wucht und Pompösität sorgen. Einen der schönsten und (bittersüß) ergreifendsten Momente im slowenischen Metal überhaupt stellt zweifellos die außergewöhnliche Ballade Topla je smrt dar, die Daša gemeinsam mit Matej hervorragend singt und dem Song damit eine emotionale, weibliche Gesangsstimme hinzufügt, die diesen ohnehin schon schaurigen und melancholischen Song nochmals aufwertet. Diesmal überraschten Metalsteel aber ganz besonders mit einer vernichtenden Darbietung des Klassikers vom Album Taste the Sin, dem selten gespielten The Lonely Mans Revenge. Das Konzert in der Kotlovnica war einmal mehr die Bestätigung, dass Metalsteel derzeit eine der stärksten Konzertkräfte im Land ist und dass Entertainment bei den Besuchern slowenischer Metal-Konzerte bereits hervorragend ankommt.

Fotos: Nina Grad

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