Wenn die Himmel brennen und die Sterbenden in suizidaler Stille liegen (2010)
Ort: Gasometer / Wien / Österreich
Konzertdatum: 06.11.2010
Besucherzahl: 2500
Kartenpreis: 26€ (Vorverkauf) / 30€ (Abendkasse)
Was hat so viele Fans aus Österreichs Nachbarländern und die Österreicher selbst dazu gebracht, sich an einem einzigen Ort zu versammeln? Nichts anderes als 3 Titanen der Death/Metal-Core-Industrie, die auf die Namen Suicide Silence, As I Lay Dying und Heaven Shall Burn hören. Die haben eine vielköpfige Menge zusammengetrommelt, deren Zahl vierstellig war. Aber je größer die Zahl, desto länger hat es gedauert, in die Halle zu kommen.
Beim ersten Betreten der Halle sahen wir den Line-up der Bands und wussten, dass wir uns beeilen mussten, denn Suicide Silence hatten ziemlich früh angefangen. Die Menge war versammelt und die Dunkelheit senkte sich. Als die SS-Musiker auftraten, fingen die Leute an zu schreien, als wären sie auf einem Elvis Presley-Konzert in den 50ern. Aber das war erst der Anfang. Von der Seite der Bühne bis zur Mitte schlich sich eine tätowierte Erscheinung namens Mitch Lucker heran. Bei seiner Ankunft rastete die Menge buchstäblich aus. Mitch begann mit seinem berühmten Phoenix-shall-fly-again-Gewedel und wäre fast komplett über uns hinweggeflogen. Aber als er wusste, dass er gleich mit seinem Part beginnen würde, stampfte er mit dem Fuß auf den Boden und fing an, aus voller Kehle die Worte von Wake Up zu brüllen. Wie Mitch schrie, schrien auch die verrückten minderjährigen Fans dieser kalifornischen Nachtigall. Der Typ hat alles gegeben, was das Screaming betrifft. Mit dem Growling hatte er früher Probleme und hat sie immer noch. Diesen Faktor können wir aber ein wenig vernachlässigen, denn wir alle sind sowieso nur das SS-Screaming gewohnt, das sich auf der Bühne mehr als bewährt hat. Manche werden sagen, die Jungs hätten kein Talent und der Frontman keine Stimme. Da liegen sie falsch. Was sagt dir das, wenn ein Vocalist das Mikrofon einen halben Meter vom Gesicht hält, schreit und man ihn trotz des weggehaltenen Mikros so laut hört, dass es einem schon in den Ohren pfeift? Das sagt dir – und uns allen –, dass der Typ weiß, wie man eine Stimme aus sich herausholt. Aber als schon alles schön und spaßig war, kündigte Mitch den letzten Song an und wir wussten, dass der Spaß bald vorbei sein würde… zumindest für eine halbe Stunde.
Und so hatten die SS-Jungs ihren Part gespielt und eine Traube durchlöcherter Ohren und gegelter Haare stürmte, salopp gesagt, nach draußen für Drinks und Zigaretten. Die, die sich keine Zigarettenpause gegönnt hatten, hielten die Augen offen, ob sie vielleicht jemanden aus der Band treffen würden, um ein Foto zu schießen. Die anderen wiederum, die nichts davon machten, drängten sich zum Merch-Stand und verschenkten ihre Euros im Tausch gegen bedruckte Baumwolle, besser bekannt als Shirt oder T-Shirt.
Die Zeit lief und schon war es Zeit für die Pioniere des modernen Metalcore, As I Lay Dying. Als man die Halle betrat, war die Menge nochmals größer als bei Suicide Silence und alle warteten ungeduldig auf ihre Helden. Auffällig war auch, dass sie ein eigenes Podest für den Schlagzeuger hatten, das über die Höhe der gesamten Band angehoben war. Es dauerte nicht lange, bis sie auf die Bühne kamen und mit melodischem Vollgas loslegten. Kurz darauf kam auch Frontmann Tim Lambesis, der das Mikrofon griff und zu schreien begann. Aber wie wir seine kräftige Stimme kennen, war hier kaum etwas zu hören. Da er dachte, der Fehler läge im Mikrofon, schnappte er sich das des Gitarristen, dessen Mikrofonständer er in die Menge schleuderte. Das hatte niemand von ihm erwartet und in diesem Moment wirkte er wie ein verwöhnter Rockstar, der denkt, er kann sich alles erlauben. Auch das Bespritzen mit Wasser fehlte nicht. Die armen Fotografen mussten offensichtlich gut auf ihre Ausrüstung aufpassen. Als es wieder Zeit war, ein paar Worte zu sagen, passierte dasselbe. Nichts war von ihm zu hören, während Bassist Josh Gilbert problemlos sang. Irgendwo in der Mitte des Konzerts begann sogar Tims Stimme durchzukommen – das war ein Fortschritt, der aber leider nicht lange anhielt. So verlief also das gesamte AILD-Konzert, was die Fans aber nicht störte, denn sie trösteten sich damit, dass die Instrumentalisten wenigstens ihren Job gut gemacht hatten.
Wie es schon Routine ist, war es wieder Zeit für eine Pause. Diesmal drängten sich aber nicht alle nach draußen, denn die meisten warteten auf die Stars des Abends – Heaven Shall Burn. Eine Pause ist nun mal eine Pause und wir brauchten etwas Trinkbares, um unsere Kehle zu befeuchten und uns ein bisschen abzukühlen. Trotz der Klimaanlage war es so heiß wie beim gefallenen Engel daheim. Aber die Hitze hielt uns nicht davon ab, beim letzten Act des Abends voll dabei zu sein.
Als das vielköpfige Publikum anfing, in die Halle zurückzuströmen, wussten wir, wofür es Zeit war. Die Lichter gingen aus und eine Projektion flammte auf, die ein Hakenkreuz auf dem Reichstag zeigte. Leute, die nicht mit der Ideologie der HSBs vertraut waren, dachten, es handle sich um irgendeine Nazi-Propaganda. Aber schon bald änderten sie ihre Meinung, als die Jungs auf die Bühne kamen und ihre Instrumente griffen. Beim ersten Schlagzeugschlag und ersten Gitarrenriff, das sehr explosiv war, zeigte die Projektion auch eine Explosion und die Zerstörung des zuvor genannten Symbols. Vokalist Marcus Bischoff rannte auf die Bühne und begann voller Enthusiasmus zu screamen. Einigen, offensichtlich bereits angetrunkenen Leuten gefiel ihre Musik nicht und sie begannen, halbvolle Gläser Richtung Bühne zu werfen. Das störte die Jungs nicht und sie heizten weiter ein. Als sie mit dem zweiten Song – The Omen – begannen, rastete das Publikum aus. Wie Marcus schrie, schrien auch die Fans. Man sah Marcus‘ Bandkollegen deutlich an, dass sie genauso viel Spaß hatten wie die Fans selbst. Damit aber nicht nur The Omen die ganze Ehre davontrug, spielten sie all ihre Hits, die jedem Metalcore-Fan bekannt sind. Das heißt, es brannte alles von Endzeit über Voice of the Voiceless bis hin zu Black Tears, das für viele besser ist als das Original, das einst die Schweden Edge Of Sanity spielten. Aber jede gute Sache dauert nicht ewig und so beendeten auch Heaven Shall Burn langsam ihren Auftritt, winkten dem Publikum mit dankbarem Lächeln zu und verschwanden hinter die Bühne.
Kurzum… Ende gut, alles gut. Der Weg zu diesem Spektakel hat sich mehr als gelohnt. Als schöne Erinnerung wird er ewig bestehen bleiben – eine, die wir unseren Liebsten, Freunden und irgendwann auch unseren Nachkommen erzählen können. Viva la musica metal & core. Und wie die Jungs – Heaven Shall Burn, die unser Leben bereichert haben – sagen würden: “In this dying world we are the final resistance!“.
Fotos: Tjaša Saje
Setlist
SUICIDE SILENCE: 1. Wake Up 2. Lifted 3. Smoke 4. Unanswered 5. Disengage 6. No Time To Bleed 7. No Pity For A Coward AS I LAY DYING: 1. 94 Hours 2. An Ocean Between Us 3. Upside Down Kingdom 4. Beyond Our Suffering 5. The Sound Of Truth 6. Within Destruction 7. Anodyne Sea 8. Condemned 9. Through Struggle 10. Nothing Left 11. Confined HEAVEN SHALL BURN: 1. Counterweight 2. The Omen 3. Combat 4. Voice Of The Voiceless 5. Like A Thousand Suns 6. Endzeit 7. Sevastopol 8. The Lie You Bleed For 9. I Was I Am I Shall Be 10. Return To Sanity 11. The Weapon They Fear 12. Not My God 13. Bleack Tears
Bildergalerie

















