Katalena und fünfzehn `unerhörte` im SiTi Teater (2016)
Ort: Ljubljana / SiTi Teater / Slowenien
Datum: Donnerstag, 12.05.2016
Katalena, hierzulande wohl die erste Adresse, wenn die Debatte auf das Neuinterpretieren slowenischer Volksmusik fällt (auf tausendundeiner Art), feiern in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen. Nach der Tour, auf der Katalena ihr nach wie vor aktuelles Studioalbum »Enci Benci Katalenci« präsentierten, kam diese Zeit des „Fünfzehnjahrjubiläums“ wie gerufen, damit die Band noch einmal (zumindest für einen Moment) auf ihre Wurzeln, ihre Anfänge und den zurückgelegten Weg zurückblickt. Sechs Studioalben stecken im Gepäck – das ist nicht wenig –, und da sind Jubiläen mehr als angebracht.
Der Premierenauftritt der Band mit dem aufgefrischten Konzertrepertoire bot im SiTi Teater – wie Narat das Publikum ansprach (Gombač erhob ihn während des Konzerts kurzerhand zum „ideellen Moderator von Katalena“) – fünfzehn „unerhörte“ Nummern! Also solche, die die Band in ihrer bisherigen Karriere entweder nur einmal, gar nicht oder bestenfalls selten gespielt hatte. Das Sextett, das neben den beiden Boštjans über die Jahre treu von Vesna Zornik (Gesang), Polona Janežič (Keyboards), Tibor Mihelič Syed (Bass) und Robert Rebolj (Schlagzeug) vervollständigt wird, ging die Revision der Klassiker mit breitem Pinsel an. So entstand ein knackiger Konzertauftritt von satten zwei Stunden Spielzeit. Die Truppe blickte dabei auf alle Studioalben zurück und reihte über drei Viertel des Konzerts echte Leckerbissen ihrer Karriere aneinander. In dieser Hinsicht hätte dem Titel dieser Reportage auch der Satz der legendären Buldožer gepasst: »Izlog jeftinih slatkiša«. Eine Revision des Schaufensters billiger Süßigkeiten.
Um halb acht abends traten Boštjan Gombač, Boštjan Narat und Tibor Mihelič Syaed durch pastellfarben glimmendes Licht auf die Bühne und sangen zum ersten Mal Štrbenk na štrbunk. Als Trio. Mit dem Instrumental Po cesti mi gresta študenta dva ergänzte sich die Truppe anschließend um Polona und Robert. Auf die vollständige Katalena-Formation mussten wir noch etwas warten, bis Vesna die Bühne betrat (Da gora ta škarbinina). Die Band hatte ihr Repertoire tatsächlich für ihre Fans vorbereitet, besonders für jene, die Konzertrarietäten vermisst hatten. Dabei ließ Narat als Bandleader durchgehend in den Pausen zwischen den Stücken nach seiner bereits bekannten Gewohnheit die Geschichten hinter den Songs mit witzigen Ansagen einfließen. Diese ergänzte Gombač mit seinen „spontanen Funken“, wie es sich für Katalena gehört, auf gewohnte Weise. An Lachen und guter Stimmung mangelte es also keineswegs. Die Band überraschte auch mit Inferno 25, das Narat schalkhaft als Stück vorstellte, das von Julijus Kugy geschrieben worden sei. Wenn du dir jene Zeile mit den Ausblicken auf den weißen Kanin vor Augen rufst, könntest du Narat sogar glauben. Im Klang ist Narats Gitarre mit der Revision des alten Materials wieder etwas auffälliger „aufgeplustert“ – sagen wir: gelegentlich rockiger angelegt. Das tut der Band, in der die solistischen Eskapaden des Multi-Bläsers Gombač im Umgang mit den Winden die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ausgesprochen gut – im Sinne der klanglichen Balance.
Die Katalena-Leute genossen es! In vollen Zügen. Ohne Zurückhalten. So wie sie es eben können. Die Erfahrung ist schließlich enorm. Auch das Publikum genoss es. Vesna verzauberte erneut mit ihrer mitreißenden und tief empfundenen Vokalinterpretation, das erfahrene Sextett lieferte Interpretationsexzellenz, auch wenn klar war, dass man sich mit dem Ablesen der Texte helfen musste. Einige der Stücke waren schließlich schon sehr lange nicht mehr im Repertoire, und die Zeit, sie wieder auswendig zu lernen, war zu knapp. Aber auch das wird Katalena bei den kommenden Konzertauftritten noch ausfeilen. Der Ljubljaner Auftritt war nämlich der Premierenauftritt. Neben dem „Bonbon“ Delerium Tremens von Gregor Strniša, bei dem diesmal Jani Kovačič nicht auf der Bühne war, bereicherten Katalena ihr Konzertrepertoire auch mit ihrer Version von All Kinds of Everything der irischen Eurovision-Siegerin des Jahres 1970, Dana. Ihre Version haben Katalena im Jahr 2005 aufgenommen, anlässlich des 50. Jahrestags des Eurovision Song Contest.
Die Band steigerte ihren Auftritt. Als Vesna irgendwann endlich den Textständer entschlossen von sich wegschob, war klar, dass der Abschluss im Glanz der Katalena-Standards und der aktuellen Songs des Albums »Enci Benci Katalenci« ablaufen würde. Also (Rad imel bi) Jabuko, verlängert in einen Instrumental-Jam (Pleši pleši črni voz), sowie als Zugabe Noč čarovnic, die mehr als obligatorische Lisica, dann das neue Stück Enci benci und als Abschluss Cipcipilipcipilonika! Das Sextett zündete richtig durch und weckte schließlich auch das zurückhaltende Publikum, das bis zum letzten Teil des Konzerts höflich applaudiert hatte, sodass es sich von dem Adrenalinschub anstecken ließ, der von der Bühne kam.
Katalena bleiben also eine sexy Band, und ihre Konzerte sind ein Garant für Interpretationsexzellenz.
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Setlist:
1. Štrbenk na štrbunk
2. Po cesti mi gresta študenta dva
3. Da gora ta škarbinina
4. Prstan
5. Široko more i Dunaj
6. Ptujska grajska
7. Po mesečni travi
8. All Kinds of Everything
9. Delirium Tremens
10. Vsi so venci vejli
11. Za isti svit
12. Inferno 25
13. (Rad imel bi) Jabuko / Pleši, pleši črni voz
14. Katalena
—Zugabe I.—
15. Enci benci
16. Noč čarovnic
17. Lisica
—Zugabe II.—
18. Nede mi več rasla
19. Cipcipilipcipilonika




















