Marco Eneidi und Donald Robinson schossen in der Gromka mit Platzpatronen (2009)
Ort: Gromka, Metelkova, Ljubljana
Datum des Konzerts: 16.06.2009
Anzahl der Besucher: 40
Die Metelkova serviert uns immer wieder interessante Jazzkonzerte, die uns manchmal mit einer ordentlichen Portion Jazzgenüsse verwöhnen, manchmal aber nur Reste hinwerfen, die einen zwar satt machen, bei denen man aber trotzdem das Gefühl hat, zu kurz gekommen zu sein. Letzteres traf auch beim Konzert zweier amerikanischer Jazzer zu (einer von ihnen (Eneidi) lebt derzeit in Österreich), die auf den Namen Marco Eneidi und Donald Robinson hören.
Bei dem Duo handelt es sich immerhin um eine interessante Kombination aus Schlagzeuger und Saxophonist, weshalb ich mir vor dem Konzert einiges davon versprochen hatte. Beide sind bereits anerkannte Vertreter ihrer Instrumente, und vielleicht hat genau das die Erwartungen des kleinen, aber kenntnisreichen Publikums auf der Metelkova noch weiter in die Höhe geschraubt.
Oberflächlich betrachtet wirkt das Duo Robinson-Eneidi durchaus verlockend. In ihre Improvisationen bringen sie nämlich Avantgarde-Elemente ein, das Spiel ist voller Dissonanzen und plötzlicher Stimmungsumschwünge. Aber was nützt das alles, wenn kein Fundament da ist, keine echte melodische Basis, auf die sich das Duo stützen könnte – die Musik hängt gleichsam in der Luft, ohne Flügel, und man wartet jeden Moment darauf, dass alles in sich zusammenfällt. Nun, vielleicht ist dieses Bild etwas unpassend, denn damit alles zusammenfallen kann, müsste das Duo erst mal etwas aufgebaut haben. Das tun sie aber nicht. Ihre Steine schichten sie nur in vertikaler Richtung auf, vergessen dabei aber die Höhe, weshalb die Musik nahezu durchgehend zweidimensional klingt.
Obwohl das Duo nicht sonderlich viel gezeigt hat, herrschte auf der Metelkova die typisch entspannte Jazzatmosphäre (manche wollten um jeden Preis entspannter wirken als andere), und so traten auch die beiden Künstler selbst auf. Der Kontakt zum Publikum war minimal, die Bühnenpräsenz zu vernachlässigen… Nun gut, das erwartet man bei einem Jazzkonzert auch nicht unbedingt, aber etwas mehr Energie hätte es schon sein dürfen. Ob es schlichtes Versinken in die Musik war oder etwas anderes dahintersteckte – ich weiß es nicht.
Technisch gibt es dem Duo nichts vorzuwerfen. Beide sind versierte Musiker, allen voran Robinson am Schlagzeug, der mit dem Einsatz aller möglichen Stöcke und verschiedener Spieltechniken versuchte, dem Auftritt gehörig Lebendigkeit einzuhauchen. Aber auch das verpufft, wenn der melodische Hintergrund fehlt. Ähnliche Probleme hatte Eneidi, der offensichtlich ein erstklassiger Musiker ist – dessen Technik aber leider das Einzige ist, was wirklich beeindruckt. Beide haben sich für das Publikum sichtlich ins Zeug gelegt und viel Mühe und Schweiß in den Auftritt gesteckt, doch das Konzert hat mich daran erinnert, dass manche Musiker lieber als Sidemen und Studiomusiker bleiben sollten, weil ihnen das echte Gespür für eigene Kreationen fehlt.
Für mich war das Konzert ein zielloses Umherirren durch Jazznoten. Es war zwar improvisierter Jazz, aber auch in diesen Kreisen findet man weit interessantere Dinge, bei denen man das Gefühl bekommt, dass die Musiker auf der Bühne wirklich so etwas wie eine Offenbarung erlebt haben. Bei Eneidi und Robinson blieb dieses Gefühl aus – es war nur ein zufälliges Herumtasten nach Noten, das zusammenhanglos und uninspiriert klang. Am Ende muss man sagen: Jedes Ohr hat seinen eigenen Maler (oder Mahler), und meine Wahrnehmung ist nun mal äußerst subjektiv. Freier Improvisationsjazz ist einfach nicht mein Ding, auch wenn ich ihn genießen kann (wenn er gut gemacht ist). Für mich persönlich war das Konzert also ein Schuss ins Leere – aber vielleicht würde jemand anderes wohlwollendere Worte finden.
Fotos: Rok Podgrajšek
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