Lene kosti (Lazy Bones) pflanzen ihr Fähnchen auch in Österreich (2009)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Bikerbar / Scheifling / Österreich
Konzertdatum: 15.05.2009
Besucherzahl: 2500

Das österreichische Dörfchen St. Lorenzen bei Scheifling, auf dem Weg in Richtung Zeltweg, bekannt durch die Formel-1-Rennstrecke, etwa 70 km von Klagenfurt entfernt, hat auch dieses Jahr das Mairock Festival überlebt – auf dem sich auch die slowenischen Metal-Recken Lene kosti ihren Auftritt erkämpft haben, die definitiv einen neuen Frühling erleben. Bikerbar ist das Stichwort, das untrennbar mit dem Mairock Festival verbunden ist. Bikerbar ist aber gleichzeitig nicht ganz das richtige Wort, mit dem man einem Laien erklären könnte, wie ein echter „Vergnügungspark“ aussieht, der sich vor deinen Augen auftut, wenn du durch das Dörfchen fährst. Bikerbar bietet ein Freigelände mit einer ordentlichen Bühne und einem Bereich, in den locker knapp 2000 Leute passen. Der ist gleich von drei Seiten von Ausschanktresen umgeben, hat großzügige Backstage-Bereiche und beinhaltet auch ein Restaurant, in dem die verschiedenen Pizzasorten die beste Wahl sind. Ein Ort, der ideal ist und in seiner Grundfunktion eigentlich für Veranstaltungen gemacht ist, wo es nach Öl, Benzin und natürlich Rock ’n‘ Roll riecht. Erwähnenswert ist auch, dass Chef Blasius Wieland ein Liebhaber der stählernen Pferde ist, weshalb der Bikerbar wie ein Biker-Tempel, ein heiliger Biker-Ort, eingerichtet ist. Neben den rockergemäß eingerichteten Räumlichkeiten werdet ihr auch die Tanzfläche nicht übersehen können, wo sogar ein Altar steht, auf den bei besonderen Gelegenheiten auch der DJ steigt. Das Konzept geht jedenfalls voll auf. Das Dörfchen liegt an einem gottverlassenen Ort – und so sprengt der Bikerbar die monotone Ordnung des österreichischen Landlebens.

Zunächst kommt man nicht am Thema der außerordentlichen Gastfreundschaft von Chef Blasius vorbei, der zwei Tontechniker aktiviert hatte, um sich mit den Jungs von Lene kosti beim Bühnensound zu kümmern – außerdem erwartete sie ein reichlich bestückter Backstage-Bereich mit Getränken, und er spendierte der Band auch ein üppiges Essen im Restaurant. Ich war tatsächlich überrascht über den ausgezeichneten Umgang des österreichischen Kollegen.

LENE KOSTI (LAZY BONES): 

Lene kosti, die ihre ausgezeichnete Stimmung nach der Ankunft am Gelände und dem weiteren Verlauf der Ereignisse nicht verbargen, krönten das Ganze einmal mehr mit einem hervorragenden Auftritt. Doch das Ganze trug wieder eine gewisse Symbolik für die Band. War der letzte Auftritt der Abschied vom Originalschlagzeuger Igor Kremenšek und gleichzeitig der erste Auftritt für Bassist Gregor Brenk, ging es diesmal um den ersten offiziellen Gig der Band mit Schlagzeuger Miha Nedoh – einem Kerl, der die Stöcke bei Forgotten Eden, Requiem und Razvaline schwingt. Und auch die Tatsache, dass man Milan Krušič das Publikum auf Englisch ansprechen hört, ist kein alltägliches Erlebnis. Wer auch nur ein paar Konzerte in Österreich besucht hat, weiß nur zu gut, dass die Österreicher ein ziemlich launisches Publikum sind. Eigentlich streng rational. Als Lene kosti um 21.00 Uhr abends die Bühne betraten, war der Bereich noch ziemlich leer. Na ja, so 200 bis 250 Leute schlichen träge durch die Ecken des Geländes.

I Got The in Aktion! Der dreiviertelstündige Gig umfasste neben satten sieben Songs auch eine hervorragende Coverversion von Judas Priest Diamonds And Rust, und die Jungs schmuggelten auch ein brandneues Instrumental in die Setlist, dem sie den Namen The Sting gaben und das euch vor allem durch sein interessantes Hauptgitarrenmotiv im Gedächtnis bleiben wird. Aber diesmal stand im Hintergrund eine echte Schlagzeug-Festung mit doppelter Bassdrum-Pedale als riesige Stütze für die Band. Die Songs sind im Klang gewachsen, in ihrer Elektrisierung und aufgeladen mit Hochspannungs-Energie. Lene kosti rollten förmlich über die Bühne, angetrieben von einem soliden, knackigen und unglaublich selbstsicheren Schlagzeugspiel. Die Band wirkte unglaublich entspannt und verbarg ihre ausgezeichnete Stimmung nicht – die war der Hauptgrund für einen Auftritt, der mit großem Eifer und wie am Schnürchen ablief. Große Bühne, großer Raum – nur ein paar mehr Leute hätten vor der Bühne stehen können. Aber die Österreicher kennen Lene kosti eben nicht.

Jedenfalls musste niemand befürchten, dass ihm zufällig langweilig werden könnte. Das wusste das österreichische Publikum natürlich nicht, überzeugte sich aber schnell davon, dass mit Lene kosti nicht zu spaßen ist. Die Jungs gingen dabei mit einem besonders besonnenen Ansatz vor. Man spürte, dass sie die Munition noch rationieren und nicht sofort alle Patronen in Scheifling verballern würden. Da auch das dem österreichischen Publikum nicht bekannt war, freundete es sich rasch mit der Energie der Band an und belohnte die Jungs souverän mit donnerndem Applaus am Ende jedes Songs. Das bedeutete, dass Lene kosti schon mit ganz sanftem Bremsdruck die Anwesenden davon überzeugt hatten, dass es sich um eine hervorragende Band handelt. Natürlich war nicht zu erwarten, dass die Leute sich vor der Bühne die Hälse brechen würden – aber Lene kosti nutzten die Gelegenheit hervorragend, ihren Namen über die Nordgrenze Sloweniens zu tragen und ihre Stellung am Bikerbar zu festigen. Milan moderierte den Auftritt geschickt auf Englisch und hielt das Publikum mit Charisma und Unnachgiebigkeit durchgehend auf seiner Seite. Der Sänger hat einen besonderen Charme – man könnte schon sagen: dämonisch. Nach dem Konzert konnte man das Skandieren genießen: „Zu-ga-be, zu-ga-be…!“ – was eine große Belohnung für eine Band war, die auf diesem Gelände vorher kaum jemand kannte. Dabei haben Lene kosti auch im Ausland Fans. Zwei Österreicher kamen extra aus Graz angereist, nur um Lene kosti zu sehen.

Lene kosti hätten eigentlich erst um 22.00 Uhr auftreten sollen, denn dann waren deutlich mehr Leute auf dem Gelände. Das Debüt der Besetzung mit dem neuen Schlagzeuger Miha Nedoh war in jeder Hinsicht ein Erfolg. Lene kosti speien so noch mehr Feuer und Energie auf der Bühne, die Jungs wirken noch entspannter und noch engagierter. Und noch etwas: Das wahre Bild der neuen Lene kosti spürten wir Slowenen erst zwei Tage später im Ljubljanaer Orto Bar, wo die Band versprach – und tatsächlich einen Auftritt ablieferte, den wir noch lange in Erinnerung behalten werden!

MAIDEN FÜR JEDEN: 

Die österreichische Iron Maiden Tribute-Band hat schon von Anfang an eine Besonderheit. Die Besetzung hat am Mikro nämlich eine Sängerin namens Suzy Q. Die stattliche Frau, die beim Loslassen von Dezibeln keineswegs knausert, mischt sich so schamlos in Gestalt und Werk von Seiner Majestät Bruce Dickinson ein. Ich muss zugeben, dass ich „Tribute to“-Bands persönlich nicht unterstütze. Sie sind das „Unkraut“, das auf dem schmalen Grat zwischen Weiß und Schwarz wandelt. Ein Zwischenglied, das sich schnell die Taschen füllen kann – für null Kreativität in Eigenleistung. Sie nehmen Bands Platz weg, die für ihre Sache brennen und an Originalmaterial schuften. Sie stehlen ihnen Konzerte, stehlen ihnen Aufmerksamkeit, stehlen ihnen die Fanbasis. Wie ich es auch drehe und wende, egal wie sehr ich mich darüber aufrege – sie sind nun mal eine Tatsache unseres Alltags. Da ich in Rijeka Ende Dezember 2008 den fantastischen Iron Maidens aus Ungarn gelauscht hatte, kam ich sehr, sehr verwöhnt und ohne jegliche Erwartungen vor die Bühne der Band. Die Band heizt mit dem Intro ein, das die Eröffnung des Albums Somewhere In Time darstellt. Hallo? Caught Somewhere In Time? Natürlich ohne Gitarren-Synthesizer. Aber das war nur das einleitende Aufwärmen, denn die Band schaltete direkt auf The Trooper um. Dieser Song, den heute unzählige Bands covern, zeigte, dass der Bassist irgendwie in Sachen Tempo aus dem Ruder lief und davonpreschte. Im weiteren Verlauf bändigte er dann seinen Stampede und fand zur Band zurück. Die machte dann mit Be Quick Or Be Dead weiter.

Maiden Für Jeden rettet Suzy Q alles. Die Frau ist auf der Bühne völlig wild und hält sich nicht zurück, ähnlich wie unser Milan von Lene kosti. Nur dass die Dame natürlich aus einem völlig anderen Holz geschnitzt ist. Suzy kann auch wild growlen und holt sogar eine mittlere, fast männlich intonierte Stimmwucht aus sich heraus. Deshalb ist der Gesang eine sehr gelungene Wahl für die Coverversionen der Iron Maiden Songs. Die höheren Lagen gehen mühelos durch, und auch der Kraftübertrag von den tiefen über die mittleren in die höchsten Register funktioniert sehr effizient.

Die Band bot eine vorhersehbare Setlist. Groß überrascht haben sie nicht, als sie The Evil That Man Do, Two Minutes To Midnight, Wrathchild, The Number Of The Beast, Children Of The Damned, Hallowed Be Thy Name, Fear Of The Dark (als Zugabe), Run To The Hills (als Zugabe) spielten. Revelation fiel in der Ausführung weniger stimmig aus, und etwas störend war das absichtliche Improvisieren der Sängerin Suzy im ruhigen akustischen Übergangspart (kurz vor dem Refrain).

Als wir uns bis zum Song Iron Maiden vorgearbeitet hatten, schlurfte ein Typ in Eddie-Aufmachung auf die Bühne, und die Band inszenierte einen Sketch mit durchgeschnittener Kehle, sodass die rote Farbe in einem kräftigen Strahl aus dem Mund über Hals und weiter hinunter an Sängerin Suzy rann.

Die Band bietet durchaus viel Bühnenkinetik. Die Jungs und Mädels stecken jede Menge Energie ins ständige Laufen über die Bühne. Nach dem Vorbild von Iron Maiden. Zunehmen kann man so jedenfalls nicht! Der Gitarrensound war etwas kratzig, weshalb die Harmonien im Klang gelegentlich hinkten – was ein weniger störender Mangel war. Aber wie gesagt: Suzy Q zieht die Band nach vorne, sie rettet sie. Die Frau ist ihr Motor. Aber wahrscheinlich nicht genug, damit Maiden Für Jeden irgendwo anders durchdringen als bei Auftritten auf Bühnen quer durch Österreich.

Nach diesem Auftritt übernahmen „Engel in zivil spielen Böhse Onkelz – tribute to“ die Bühne, aber die späte Stunde trieb uns langsam dazu, die Kompassnadeln wieder nach Süden zu richten. Während des Auftritts der Band war das Gelände brechend voll, und das Mairock Festival lebte in seiner vollen Pracht auf. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal beim Veranstalter und Chef, Herrn Blasius Wieland, einem echten Rocker durch und durch, für die außerordentliche Gastfreundschaft und den vollkommen professionellen Umgang bedanken.

Fotos: Aleš Podbrežnik

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