Full of Hate Fest zu Gast im Zagreber Boogaloo (2009)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Boogaloo / Zagreb / Kroatien
Konzertdatum: 22.03.2009
Besucherzahl: 600
Kartenpreis: 250,00HRK

Zu Beginn dieses Jahres machte sich ein Quartett von Bands auf eine europäische Tournee voller Hass, das Full of Hate Fest. Die Tour hätte eigentlich auch im Mariborer Štuk Halt machen sollen, doch wurde das Konzert in den Grazer Orpheum verlegt – dort fehlten jedoch leider die Death-Metal-Veteranen Obituary, weshalb ein Besuch des Zagreber Boogaloo die weitaus bessere Wahl war. Die außerordentlich schöne Halle, noch dazu bestens geeignet für Konzerte dieser Art, beherbergte so in knapp vier Stunden eine ordentliche Dosis brutalem Riffing, Gegrowle, Open-Mosh, verschüttetem Bier, …

Keep of Kalessin haben wir leider erst erwischt, als sie gerade den letzten Track des aktuellen Albums Kolossus, Ascendant, abschlossen – doch auch diese paar Minuten reichten aus, um zu erkennen, dass die norwegische Black-Metal-Band flüssig eingespielt und präzise ist. Keep of Kalessin haben sich den Ruf eines der interessantesten neuen Produkte der norwegischen Black-Metal-Szene mit dem 2003 veröffentlichten EP Reclaim erarbeitet. Auf ihm gesellten sich dem Mastermind der Band, Obsidian C., die legendären Black-Metal-Musiker Attila Csihar (Attila sang das Mayhem-Album De Mysteriis Dom Sathanas ein, das weithin als erstes Black-Metal-Album überhaupt gilt) und Schlagzeuger Frost (Satyricon, 1349, Gorgoroth) hinzu. Die EP katapultierte Keep of Kalessin in die Elite der norwegischen Black-Metal-Szene, was die späteren Veröffentlichungen Armada und das im vergangenen Jahr erschienene Album Kolossus nur noch bestätigten. Der abwechslungsreich und dynamisch aufgebaute Black Metal schuf echte Atmosphäre, doch live fällt leider noch stärker auf, dass Obsidian C. mit einer Gitarre allein nicht genug Raum abdecken kann und KoK stellenweise etwas dünn klingen. Auch wenn das Image der Bandmitglieder eher an irgendwelche italienischen Power-Metal-Wichser erinnert, überwiegt doch die Tatsache, dass dieser zeitweise experimentelle und technische Black Metal mit Thrash- und Death-Metal-Einflüssen etwas Interessanteres in der Black-Metal-Szene darstellt. Der abschließende Titeltrack des letzten Albums hat das beim lauten Jubel des mittlerweile gut gefüllten Boogaloo noch einmal eindrucksvoll bestätigt.

Nachdem KoK sich verabschiedet hatten, reichte die Zeit gerade noch für ein schnelles Bier, denn schon stürmte die Legion der verdammten niederländischen Death-/Thrash-Metaller auf die Bühne, Legion of the Damned. Die niederländische Band ist quasi das Äquivalent zum Drücken der Play-Taste an einem Videorekorder mit einer Kassette voller Old-School-Kulthorrorfilme aus den Achtzigern, denn genau aus diesen B-Film-Machwerken schöpfen sie jede Menge Inspiration. Wenn dann noch das thrashy Riffing und das raue Gegrowle von Maurice Swinkels über die Texte hinwegrasen, erinnert der Effekt an eine mit Adrenalin und Steroiden vollgepumpte Zombiehorde, die einem der Romero-Klassiker entkommen ist. Legion of the Damned schnitten sich kompromisslos und brutal drei Viertelstunden des Abends heraus und füllten den Pott bis zum Rand mit dem Blut aller vier Alben – natürlich mit Schwerpunkt auf dem letzten Album Cult of the Damned. Mit House of Possession haben die Jungs eine schön thrashy Hommage an Raimis Kultkracher Evil Dead hingelegt, und der Song wäre die perfekte Untermalung für den Filmmoment, in dem Ash sich eine Kettensäge an den Arm montiert und die Schrotflinte in die Hand nimmt. „Hail to the King baby!“ Mit Son of Jackal riefen Legion of the Damned den braven kleinen Damien aus dem Omen-Kult ins Gedächtnis und schossen uns bis zum Ende noch per Geisterbahn durch mehr oder weniger gelungene Referenzen an Horrorfilme und das Okkulte. Leider plagen die Jungs live die gleiche Unannehmlichkeit wie KoK: der einzige Gitarrist Richard Ebisch füllt den Raum von zwei Gitarren nicht ausreichend, was besonders beim Solieren auffällt, wo nur das mittelmäßige Bassspiel als Unterstützung dient und nicht das saugutes Riffing, wie es sich für eine echte Thrash-Band gehört. Trotzdem verdienen sich Legion of the Damned ein „Clatto Verata Nicto“!

Nachdem die Niederländer nach ihrem erfolgreichen Auftritt die Bühne geräumt hatten, stampften als Dritte im Bunde die legendären Henker, die Florida-„Tampa Bay“-Champions des Death Metal, Obituary, auf die Bühne. Als eine der Pioniere des Death Metal hätten sie allein schon aufgrund ihres Status einen Headliner-Slot verdient, doch heutzutage zählt leider nun mal der Verkaufserfolg und die kommerzielle Ausrichtung. Dennoch haben Obituary in guten einer Stunde bewiesen, dass sie scharf wie eine Guillotinenklinge und brutal schwer wie ein großer Hammer sind (Hammer Smashed Face, ha ha). Das Moshen bei Obituary wollte kein Ende nehmen, und die Veteranen hatten auch den besten Sound des Abends. Die Gitarre von Ralph Santolla (Deicide, Death) schnitt wie ein Fleischwolf, Ralph war unfehlbar präzise und auf der Bühne mehr als sichtlich zufrieden. Vor Donald Tardy am Schlagzeug kann ich mich nur verbeugen – Wayne’s-World-Stil –, denn so saugut habe ich eine Snare noch nie klingen hören. Donald hat die Felle bearbeitet „Show No Mercy!“ – ohne Gnade und ohne Fehler –, und er bot mehr als nur das typische Death-Metal-Blast-Beating und den Missbrauch der Doppelfußmaschine. Den Löwenanteil der Ausstrahlung von Obituary trägt jedoch zweifellos der legendäre Sänger John Tardy, der überhaupt einer der Ersten war, der einen tieferen Growl verwendet hat – einen einzigartigeren Growler zu finden ist mittlerweile fast unmöglich. Auch wenn man sich einen schlechteren Frontmann in Sachen Publikumskommunikation kaum vorstellen könnte, macht John das alles mehr als erfolgreich wett mit seinem unvergesslichen, kompromisslosen Auftreten und seinem unverkennbaren, brutalen und aggressiven Gesang. Die Death-Metal-Klassiker reihten sie sowieso eine nach der anderen auf – Chopped in Half, The End Complete, Final Thoughts und Threatening Skies knallten wie Atombombenexplosionen, das unverkennbare Palm-Muting über die Riffs wie das Surren von Hubschrauberrotoren. Natürlich durfte auch der gleichnamige Klassiker vom Album Cause of Death nicht fehlen, das als eine der wichtigsten und einflussreichsten Death-Metal-Veröffentlichungen gilt, und obligatorisch schlossen sie mit dem noch größeren Klassiker Slowly We Rot. Obituary sind in zwanzig Jahren Bandgeschichte kein bisschen verrottet – sie sind noch immer frisch und energiegeladen, und ihr Death Metal klingt noch immer genau so, wie echter Death Metal klingen muss!

Zum Abschluss übernahmen dann noch die schwedischen Wikinger Amon Amarth die Bühne, die in den letzten Jahren unermüdlich auf Tour sind und (zu) häufig auch unsere Bühnen heimsuchen. Die Schweden marschierten selbstbewusst mit zwei Songs vom neuen Album in ihr Set, und obwohl der Sound anfangs erbärmlich schlecht war – so vermurkst, dass man die Songs kaum erkennen konnte –, war mehr als offensichtlich, dass das Album Twilight of the Thunder God bereits ordentlich eingeschlagen hat. Der mies schlechte Sound setzte sich auch beim Knaller vom Vorgängeralbum With Oden On Our Side fort – Asator wirkte leider ziemlich kläglich, und als wäre das nicht genug, wurde der großartige Song auch noch von verdammt lästigen roten Stroboskopen verunstaltet, die den ganzen Song über nervtötend blinkten. Die Jungs lenkten die Aufmerksamkeit noch mit drei weiteren Songs auf das aktuelle Album, und zwischen den Songs bedankte sich Frontmann Johan Hegg in gut eingeübtem Kroatisch ständig beim Publikum. Mit Ride For Vengeance kehrten Amon Amarth zu ihrem ersten Studioalbum Once Sent from the Golden Hall zurück und machten gleichzeitig Werbung für das kürzlich erschienene Re-Release besagten Albums. Under the Northern Sky überraschte angenehm, danach folgten bis zum Setende die eisernen Klassiker und der feste Repertoirebestandteil mit dem mittlerweile leicht durchgekauten Death in Fire an der Spitze. Den regulären Teil beendeten die Schweden mit dem Klassiker Victorious March und prosteten dem Publikum – wie angekündigt und ganz in ihrem Stil – mit einem „skal“ zu und schlürften Bier aus ihren allgegenwärtigen Hörnern. Die Zugabe starteten sie stark mit Cry of the Blackbirds, den Eindruck trübten sie jedoch etwas mit einem abgeleiert wirkenden Pursuit of Vikings. Diesmal haben Amon Amarth die ausgezeichneten Alben The Avanger und The Crusher erneut vollständig links liegen lassen, und auch der mehrfach schwächelnde Sound spielte ihnen einen Streich. Ansonsten aber legen Amon Amarth weiterhin routiniert und eingespielt europäische Bühnen in Schutt und Asche.

Fotos: Aleš Podbrežnik

Setlist

KEEP OF KALESSIN: 1. Origin (Intro) 2. A New Empire’s Birth 3. Crown Of The Kings 4. Winged Watcher 5. Ascendant 6. Kolossus LEGION OF THE DAMNED: 1. Intro 2. Pray And Suffer 3. Werewolf Corpse 4. House of Possession 5. Son Of The Jackal 6. Intro 7. Cult of the Dead 8. Slaughtering the Pigs 9. Diabolist 10. Bleed For Me 11. Legion of the Damned 12. The Final Godsend AMON AMARTH: 1. Intro 2. Twilight of the Thunder 3. Free Will Sacrifice 4. Asator 5. Varyags of Miklagaard 6. Fate of Norns 7. North Sea Storm 8. Guardians of Asgaard 9. Ride For Vengeance 10. Under the Northern Sky 11. With Oden On Our Side 12. Death In Fire 13. Victorious March —Zugabe— 14. Intro 15. Cry of the Black Birds 16. Pursuit of Vikings

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