Mit holten sich den Sieg in Postojna für das große Finale der Škisova tržnica 09 (2009)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: klub glasbe Jazzy / Postojna / Slowenien
Datum des Konzerts: 20.03.2009
Besucherzahl: 150
Eintrittspreis: 0,00€
Die Vorausscheidungen für den Finalauftritt bei der diesjährigen Škisova tržnica laufen auf Hochtouren, und auch der Postojnaer Klub Jazzy war an der Reihe, eines dieser Treffen auszurichten. So versammelten sich an diesem Abend in Postojna drei slowenische Nachwuchsbands — Mit, The Slims und Barely Modern — und maßen sich direkt im Riffgewitter.
Der Klub war gegen halb zehn abends prächtig gefüllt. Mit hatten gleich einen ganzen Bus voller glühender Fans mitgebracht. Erwähnt werden sollte, dass bei solchen Wettbewerben natürlich auch die Abstimmung dazugehört, die sich aus der „Stimme des Volkes“ und dem Juryurteil zusammensetzt. Letztere verfolgte die Bühnenshow der Rock-Gladiatoren die ganze Zeit über mit wachem Blick.
| MIT: |
Mit, die im Mai dieses Jahres ihr Studiodebüt veröffentlichen werden, betraten als erste die Bühne. In einem halbstündigen Set präsentierten sie sich als Band, die auch live unglaublich schnell Fortschritte macht. Man spürt, dass das Quintett in der Besetzung Uroš Petrovski – Urko (Gesang), Matevž Pavčnik (Gitarre), Miha Oman – Buco (Gitarre), Aaron Cernatič (Bass) und Miha Plesničar – Flešo (Schlagzeug) für eine gemeinsame Sache brennt. Die Band ist interessant, weil sie eine Lücke im slowenischen Musikraum ausnutzt (nicht entdeckt!) — mit einem melodisch druckvollen „Groove“-Sound, der modisch verschwommen kratzend konfiguriert ist, aber das Entscheidende: direkt und dadurch ungemein mitreißend. Uroš‘ Gesang klingt maskulin, mitteltönig, doch mit einer eigentümlichen Siegerqualität; er besitzt jenen alternativen Akzent der „Depression“, der (besonders beim weiblichen Teil des Publikums) angenehm aufregend wirken kann. Die starke Rhythmusfraktion, die aus der erfahrenen Tržišče-Band Lady’s First stammt, gibt den direkten, voluminösen Riffs eine solide Grundlage — und in Buco, dem dritten Lady’s First-Charakter bei Mit, hat Matevž einen erstklassigen Mitstreiter für die Betonung des Riff-Vorhangs gefunden.
Seit November 2008, als ich sie im Roxly in Ljubljana beobachtete, hat die Band die Handbremse noch etwas mehr gelöst und wirkt deutlich selbstbewusster und noch tiefer in der Sache drin. Besonders auffällig war das bei Uroš‘ äußerst überzeugender und charismatischer Bühnenpräsenz, die noch spontaner wirkte als zuvor. Mit boten einen ausgezeichneten Sound, den ihr enger Mitarbeiter Tomaž Frelih – Youda (Lady’s First) für sie aufbereitete — er kennt die Eigenheiten des kleinen Klubraums im Jazzy in seiner bekannten (und gefragten) Profession als Tonmeister in- und auswendig. Die Band eröffnete ihre Präsentation erwartungsgemäß mit Pošasti, mit dem sie gewöhnlich ihre Konzerte beginnen, schwang sich dann bravourös über die erste Single Neskončen dan, weiter über das Ramones-Cover Pat Sematary, bei dem der ganze Klub mitdrehte, bis hin zur ausgezeichneten neuen Mit-Single, die (zumindest soweit meine persönlichen Ohren-„Scanner“ das erfassen konnten) noch größeres Potenzial birgt als Neskončen dan. Zu Mit möchte ich noch etwas hinzufügen: Verglichen mit den aktuell verfügbaren Aufnahmen, die man auf ihrer offiziellen MySpace-Seite hören kann, klingen diese Tracks live tatsächlich noch intensiver und wuchtiger — und das I-Tüpfelchen setzt in seiner ausdrucksstarken Bühnenpräsenz Uroš‘ exzellente Performance. Eine halbe Stunde Auftritt, aber genug, um zu spüren: Mit ist eine Band mit großem Ehrgeiz, die wächst und sich weiterentwickelt.
| THE SLIMS: |
Die slowenische Band The Slims ist noch keine anderthalb Jahre alt. Sie sind ein Quartett aus Cerknica. Das „Bambi“-Lineup besteht aus Domen Malc (Gesang, Rhythmusgitarre), Jernej Semič (Leadgitarre, Hintergrundgesang), Miha Jernejčič (Bass, Hintergrundgesang) und Leon Tomšič (Schlagzeug). Der Bandname passt im Moment ganz gut zum Konzept — allerdings können wir davon ausgehen, dass er in etwa 30 Jahren einer radikalen Umbenennung in The Fats unterliegen wird. So tickt nun mal unsere biologische Uhr. Aber lassen wir uns überraschen. Die Jungs pflegen einen „rebellischen“ Rock mit leichtem Schritt, der wegen der schablonenhaft generischen Melodiosität einfacher Gitarrenphrasen und oft völlig cleaner Akkorde (Skočimo v noč) überhaupt nicht rebellisch wirkt — eher süßlich-niedlich, mit großem Willen zu gefallen, was die Krankheit neuzeitlicher Bands ist, die den eigentlichen Grund für Ausdruck in der Musik durch „Rebellion“ heute gar nicht mehr zu finden wissen. Indie Rock, klassisch klingend, auf der Suche nach Retro-Sounds (Sixties) — was heute (genauer gesagt seit dem Oasis-Boom) schon fast zur „ersehnten“ Regel geworden ist.
Die Band braucht zwingend so viele Auftritte wie möglich, vor allem aber die Entwicklung einer eigenen Erkennbarkeit sowie die Ausformung von Selbstbewusstsein, Mut, Charisma und durchdringender Interpretationsschärfe. Es reicht heute in einem Meer solcher Bands nicht, zu sagen, man wolle „natürlich“ klingen und sich dabei auf den Alibi-Sound und Kopien altmodischer Gibson- und Fender-Gitarren stützen, mit völlig unverstelltem, untrainiertem Gesang zu singen, der möglicherweise (oder auch nicht) seinen eigenen charismatischen Stempel findet. In jedem Fall wünschen wir The Slims eine schöne Zukunft und alles Gute auf dem Weg der Selbstfindung und Entwicklung durch das Prisma des (eigenen) musikalischen Ausdrucks. Schade, dass The Slims unsere echte Rockline-„Big Foot Mama-Expertise“ nicht zu hören bekam.
| BARELY MODERN: |
Žiga Petkovšek (Gesang, Gitarre), Miha Kononenko (Bass) und Jan Vihar (Schlagzeug) präsentierten sich als letzte auf der Liste. Als ich die Band auf der Bühne sah, kam mir die Erinnerung an das Konzert von Dandelion Children vor den Amerikanern Moscow Radio auf der Metelkova letzten Februar. Stell dir Riffs vor, die banal simpel sind und dem Hard-Blues-Rock viel verdanken — darüber liegt ein punkoid heiser kreischender, stellenweise sogar nerviger Gesang. „Nervigkeit“ ist im Punk durchaus gefragt, auch wenn Barely Modern keine Punker sind. Die Jungs, die ihrem jugendlich makellosen Aussehen nach keine Werbung für Colodont-Zahnpasta nötig hätten, besitzen ein gutes Maß an Selbstbewusstsein — vor allem Sänger Žiga, der zwar anfangs noch etwas zaghaft das Mikrofon anschaute, sich dann aber passend in die Situation einfand.
Ganz gleich, ob die Jungs im Leben nur Wolfmother, Eagles Of Death Metal oder vielleicht Grand Funk Railroad, MC5, Frijid Pink, Black Oak Arkansas gehört haben — Tatsache bleibt, dass sie keinen Funken Originalität besitzen und auch keine charismatische Ausstrahlungskraft. Die erste Anmerkung zur Originalität ist eigentlich gar kein Problem, sofern die Bedingungen günstig sind, dass eigenes Charisma das erfolgreich überdecken kann. Ähnlich wie bei The Slims gilt: viel arbeiten, arbeiten und noch mehr arbeiten. Vor allem an der eigenen Erkennbarkeit und Charisma. Grundsätzlich ist es aber toll, dass Bands wie Barely Modern und andere, die gerade erst auf die Beine kommen, jede Gelegenheit nutzen, auf Bühnen auftreten und sich so dringend nötige Erfahrungen sammeln. Die Frage ist, wo Barely Modern damit landen werden — sie pflegen ein heute genretechnisch völlig uninteressantes Garagenrock-Format mit deutlicher Blues-Konnotation in den Gitarrenmustern. Aber das spielt keine Rolle, wenn eine solide Überzeugung von der Sache dahintersteckt. Wir wünschen ihnen viel Erfolg!
Abschließend sei noch gesagt, dass beim Wettbewerb für alle drei Bands gleichwertige Auftrittsvoraussetzungen garantiert waren. Jede hatte ihren eigenen Tonmann, und alle drei Bands boten bei ihren Auftritten einen sehr guten Sound. Erwähnenswert ist auch, dass das „anfeuernde“ Publikum vor der Bühne bei den Auftritten aller drei Bands ordentlich zirkulierte. Alle drei Bands konnten sich über eine schöne Zahl an Unterstützern freuen. Volksabstimmung und Jury kürten Mit zum Sieger — sie werden sich damit am 4.4.2009 im Großfinale im Lublaner KMŠ um einen Auftritt auf der Škisova tržnica im Mai dieses Jahres bewerben. Der Sieg ist verdient, denn Mit übertrafen die anderen beiden Bands vor allem darin, dass sie einen wiedererkennbaren Sound und Energie mitbringen und unter den drei Auftretenden mit Abstand das selbstbewussteste, kompakteste und überzeugendste Bühnenprogramm boten.
Fotos: Aleš Podbrežnik
Setliste
MIT: 1. Pošasti 2. Črni dež 3. Neskončen dan 4. Pet Sematary 5. Mit 6. Maršal
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