Als Napalm Death zeigen, dass sie die Brutalität ihres Namens verdienen (2009)
Ort: Gala Hala (Metelkova) / Ljubljana
Konzertdatum: 19.02.2009
Besucherzahl: 150
Kartenpreis: 25 €
Dieser Bericht wird – wegen der extremen emotionalen Aufladung vor dem Konzert (ich war persönlich ziemlich nervös, aus Angst wie das alles laufen würde, und hab mir mit Bier geholfen…) und der extremen emotionalen und akustischen Befriedigung während und nach dem Konzert – kurz und knackig ausfallen.
Also, zwei Tage nach The Black Dahlia Mudred & Co. zogen wir wieder auf die Metelkova, um alte Freunde zu begrüßen, eine Band zu sehen, die wir irgendwo seit unserer Schulzeit hören (ich werde 32, rechnet selbst), und das ein oder andere Bier zu trinken. Der Schnee war in zwei Regentagen ziemlich geschmolzen, das Wetter hatte ein Einsehen mit uns, und vor dem Konzert konnten wir ohne das lästige Drücken an Wände und unter irgendwelche Vordächer in Ruhe ein Bierchen trinken und das sich versammelnde Publikum beobachten, in dem Vertreter verschiedener „Sub“-Kulturen vertreten waren, nicht nur die Me(n)tal-Fraktion..ja, Napalm Death reißen (unabhängig von der Besetzung) seit 30 Jahren alles vor sich nieder, auch Grenzen (vor allem die in den Köpfen)…
Kurz nach neun legten als Erste Septic Scum los, denen ich bisher immer irgendwie ausgewichen war – wegen des vollgepackten Terminkalenders in den Tagen vor dem Konzert hatte ich es nicht ein einziges Mal geschafft, irgendeinen ihrer Songs zu hören. Ich ging also auf gut Glück hin – und war begeistert! Die Jungs spielen wirklich mitreißenden Death/Grind, zwei Sänger bringen eine interessante Frische in die Musik, die Melodien gehen ins Ohr, und witzig sind sie dazu noch, wenn sie offensichtlich angetrunken das Spielen genießen. Wenn die das nächste Mal irgendwo spielen, geht sie euch anschauen. Da an dem Abend nur drei Bands spielten, nutzten sie die (für eine Vorgruppe) großzügig bemessene Zeit (gut 40 Minuten) voll aus und heizten der vollen Gala Hala ordentlich ein. Positive Überraschung des Abends, Jungs – glatte Zehn, weiter so.
Nach knapp 20 Minuten Pause, die wir direkt in der Halle verbracht hatten – die zwar voll, aber nicht brechend voll war wie zwei Tage zuvor, sodass man drin sogar atmen konnte –, legten Vulvathrone ihre 45 Minuten los. Ihre Musik ist nicht mein Ding, dazu hatten sie noch Soundprobleme… O.K., ich will nicht meckern, sagen wir, die Jungs haben aus dem Angebotenen das Meiste rausgeholt (der Sound war wirklich unter aller Kanone), aber vielleicht hätten sie mehr zeigen können, wenn sie nicht völlig besoffen gewesen wären. Zumindest auf mich wirkten sie so. Naja, wir haben ihren Auftritt genutzt, um alte Kumpels zu begrüßen und festzustellen, dass das Publikum im Schnitt mindestens 10 Jahre älter war als beim TBDM-Konzert…
Kurz nach elf übernahmen die legendären Napalm Death die Bühne (nach einer nicht allzu langen Soundcheck-Pause – erinnert euch an Konzerte, wo die Napalm-Onkel das Publikum bis zu einer Stunde warten ließen…). Ihr in diesem Jahr erschienenes Album Time Waits For No Slave hatte die Hoffnung in unsere Herzen zurückgebracht, dass die Aggression in der Musik noch nicht (aus)gestorben ist, deshalb hatten wir große Erwartungen ans Konzert. Und wir bekamen noch mehr. Vor der Bühne versammelte sich die Menge, der Sound war nicht ideal, aber mehr als zufriedenstellend, den Jungs lief es – von Bajsi Enbury rann der Schweiß in Strömen, und von Barney flog der Schweiß durch die ganze Gala Hala, weil der Typ keine Sekunde stillstand, sondern den ganzen Auftritt rauf und runter flog, sprang, das Publikum zum Kampf aufrief… ääh, pardon, zur Party – kurz gesagt, er war ein Frontmann, wie er sein soll; Gitarrist Harris wirkte zwar ziemlich reserviert, war aber ordentlich zu hören, obwohl er sich im gesamten Konzert vielleicht ganze viermal von der Stelle bewegte…
Die Jungs haben uns alte Fans umgehauen, weil sie eine riesige Menge Klassiker gespielt haben (Suffer The Children, Siege Of Power, Mass Appeal Madness, …) und dazwischen geschickt neuere Songs eingeflochten haben, die auf Platte definitiv nicht die alten Standards erreichen, live aber mehr als würdiger Lärm sind; außerdem haben sie das aktuelle Album schön präsentiert, das (wie bereits gesagt) die Hoffnung in die Ohren zurückbringt und Napalm Death auf die Pfade alten Ruhms führt. Meiner Meinung nach haben wir das beste Napalm Death-Konzert in Slowenien gesehen (ich glaube, es war schon das vierte oder fünfte in Folge, ich erinnere mich nicht mehr an alle…), haben den Legenden gehuldigt, sie haben uns die Verbeugung erwidert, und glücklich gingen wir jeder in seine Richtung. Bis zum nächsten Mal, Jungs!!
Und ja, am nächsten Tag pfiffen die Ohren…
Fotos: Rok Erjavec
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