15. Weihnachtskonzert in Postojna für einen gelungenen Jahresabschluss (2008)

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Ort: Športna dvorana Postojna
Konzertdatum: 24.12.2008
Besucherzahl: 2000
Kartenpreis: 15 €

In Postojna fand in diesem Jahr wieder das traditionelle Weihnachts-Rock-Fest statt, das bereits im 15. Jahr in Folge zuverlässig dafür sorgt, die übermäßig angehäuften Kalorien der Küstenjugend zu verbrennen. Das Line-up war im Vergleich zur letztjährigen Aktion diesmal definitiv abwechslungsreicher. Neben den Postojna-Urgesteinen Mary Rose, den aufstrebenden Metalsteel und ihren Metall-Kollegen Divine Illusion würzte der Weihnachtsmann diesmal das Geschehen mit Folk-Aromen von Lybra auf, und zur allgemeinen Genrevielfalt trugen auch noch die Ljubljanaer Anavrin ihren Teil bei. Damit aber kein Missverständnis entsteht: Die Hauptattraktionen des Abends waren ohne Zweifel die Punkrock-Raufbolde Zablujena generacija und die heimischen Hard-Rock-Schwergewichte Šank Rock. Also, für jeden war etwas dabei! RockLine durfte da natürlich nicht fehlen!

Einleitungstext: Daniel Pavlica

DIVINE ILLUSION

Das 15. Weihnachts-Rock-Fest in Postojna eröffnete die Küstenband Divine Illusion, die uns mit einer interessanten Mischung aus Power Metal und Progressive Metal aufwartete. Besonders herausragend waren die epischen Klänge der Keyboards und der Gitarre. Bei den Instrumentalpassagen war deutlich zu spüren, dass die Jungs großes Potenzial haben und in Zukunft ein solides Epic-Metal-Album hinlegen könnten – leider zieht sie der Gesang nach unten. Hätten sie zu den übrigen Instrumenten noch einen Gesang, der etwas angenehmer klingt, wäre das eine wirklich vielversprechende Band. Obwohl der Gesang eine leichte Ablenkung von der ansonsten guten Musik war, war ich mit ihrem Repertoire (das auch ein Cover von Madonnas La Isla Bonita beinhaltete) zufrieden und hoffe in Zukunft noch Größeres von ihnen.  

Text zu Divine Illusion: Rok Podgrajšek

LYBRA

Es folgten die Jungs und Mädels von Lybra, die noch ziemliche Neulinge auf der Szene sind, denen aber durchaus gute kommerzielle Aussichten beschieden zu sein scheinen. Das Erste, was du bei der Band bemerkst, sind zwei flotte junge Damen (was willst du machen, Testosteron macht eben, was Testosteron macht) – eine am Mikro, die andere an der Geige und den Background-Vocals. Das war meiner Meinung nach auch die Hauptattraktion von Lybra, die mich weder mit ihrer Bühnenperformance noch mit ihrer Musik überzeugen konnte. Das ist typischer verwässerter Rock, wie man ihn von Bands wie Tbilisi oder I.C.E. kennt. Schon der weibliche Gesang allein ist ziemlich unspezifisch und ausgesprochen generisch – was ich auch über die Musik sagen kann, bei der die einzige größere Überraschung die Geige ist. Ich finde, Lybra könnten die Geige deutlich mehr einsetzen – so wirkt die Geigerin eher wie ein Dekorationsstück, als dass sie wirklich etwas beiträgt. Damit ich nicht nur Negativismus verbreite: Der Sologitarrist lieferte ein paar nette Soli, die leicht an Hendrix erinnerten. Lybra waren auf der Bühne ziemlich statisch, spielten ihre Songs ordentlich, aber wenn die eigenen Ideen fehlen, nützt auch die beste Ausführung nicht viel. Fakt ist aber, dass alle in der Band noch sehr jung sind und noch viel Zeit bleibt, damit ihre Musik sich weiterentwickelt. Vielleicht hören wir in Zukunft noch Besseres von ihnen – bleiben sie aber in diesen Gewässern, können wir uns sicher sein, dass sie bald zu einer der größten Attraktionen im Radio und im Fernsehen werden. 

Text zu Lybra: Rok Podgrajšek

METALSTEEL

Für mich waren die Heavy-Metaller Metalsteel aus Medvode (neben Mary Rose) der Höhepunkt des Abends. Sie spielten Songs „auf Zuruf“ aus ihrem bereits beachtlichen Repertoire. In vielerlei Hinsicht sind Metalsteel eine typische Heavy-Metal-Band mit typischen Texten über Sex und allerlei grausige Geschichten – aber die Jungs verstehen es, das zu verkaufen, und irgendwie vertraut man ihnen. Sie haben diese Energie und die richtigen schnellen Melodien, die dich zum Mitbewegen zwingen. Im Vordergrund stehen zwei Gitarren, die im klassischen Metal-Stil häufig gemeinsam die Hauptmelodien spielen – Rok und Beny ergänzen sich auch bei den Soli hervorragend. Interessant ist auch, dass sie eine Schlagzeugerin haben, der es an Metal-Pedigree keineswegs mangelt und die die anderen Jungs ordentlich antreibt. Am Ende hat es mich ziemlich gestört festzustellen, dass die Jungs im Vergleich zu den anderen Bands weniger Bühnenzeit bekamen, weil Lybra etwas zu lang gespielt hatten. Das halte ich für einen ziemlich dummen Schachzug, denn es war offensichtlich, dass Metalsteel das Publikum bis zu diesem Moment am besten mitgerissen hatten. Ich konnte kaum glauben, wie gut manche die Band kannten. Viele konnten die Texte auswendig, und vorne war die Menge spürbar dichter als bei den ersten beiden Bands. Ich halte sie im Moment für eine der heißesten Metal-Bands hierzulande und hoffe, sie irgendwann wieder live zu sehen – mit einer etwas längeren Setlist.  

Text zu Metalsteel: Rok Podgrajšek

ANAVRIN

Die Ljubljanaer Band Anavrin, die sich zurzeit auf die Veröffentlichung ihres zweiten Studioalbums vorbereitet, ist in Postojna längst ein Stammgast. Allerdings kommt es nicht allzu oft vor, dass die Jungs in verkürzter Besetzung auftreten. Bassist Anej Kočevar trat nämlich an diesem Abend mit Gušti und Polona in Murska Sobota auf, und Anavrin meisterten den Auftritt ohne Bassgitarre. In knapp dreißig Minuten schmetterte Damir mit der Unterstützung seiner „Mitstreiter“ einige ihrer bekanntesten Songs raus – darunter die etwas älteren „Slep“, „Kot 2 otroka“, „Pri filozofiji“, „Mesto spi“ sowie das neuere „Better U“, das übrigens die erste Single des kommenden Albums ist, und ihr jüngster selbsternannter „Hit“ „Gola“. Letztgenannten haben die Jungs auch in ein „kleines“ Meer an Musikvideos verpackt. Wie bei allen bisherigen Bands drängten sich auch beim Anavrin-Auftritt in der ersten Reihe die Vertreterinnen des zarten Geschlechts und genossen beim Mitsingen, Weinen und Lachen den Anblick der gutaussehenden Jungs. Hin und wieder lugte aus dem Mädels-Haufen auch ein männliches Gesicht hervor – davon gab’s aber vergleichsweise deutlich weniger. Nach dem kürzlich erfolgreichen Konzert im Ljubljanaer Orto bar ernteten die Jungs in Postojna leider nicht so viel Begeisterung, wie sie es verdient hätten. Liegt das an ihrer etwas gestutzten Besetzung?

Text zu Anavrin: Lea Lesar

MARY ROSE

Die Geschichte von Mary Rose ist alt – höchstwahrscheinlich sogar zu schmalzig für die Qualität dieses Kollektivs, das uns schon schamlos lange auf ein neues Album warten lässt. Seit der Auferstehung von Feniks (Rockline-Rezension hier) ist jetzt schon fast ein zweites Jahr vergangen, und seitdem gehen unsere Freunde aus Postojna ziemlich sparsam mit ihrer Energie um. Was wirklich schade ist. Man erwischt sie nämlich nur selten in Aktion, und selbst dann campieren sie meist mehr oder weniger in unmittelbarer Nähe von Postojna. Wie auch immer – wenn sie auftreten, besonders auf heimischem Parkett, lassen Mary Rose nichts dem Zufall. So wie es sich für Könige gehört! Und sei es auch nur für eine Nacht.

Die Show, die Mary Rose uns am Donnerstagabend servierten, deutete dennoch auf gewisse Verschiebungen in Richtung einer weiteren kreativen Entwicklung der Band hin.  Besonders erfreulich ist, dass Mary Rose durch ihr Bekenntnis zur Kompaktheit geschickt übertriebenes Muskelspiel vermeiden – also das Aufbauen diverser solistischer Intermezzi, deren pädagogischer Ansatz beim Rest des Publikums außer dem Schmeicheln einer Handvoll Musikgourmets immer auf taube Ohren stößt. Dem Appetit Letzterer waren sicherlich Vikingi zugedacht. Das ist ein neuer Song, der auf den Radiowellen „unseres nationalen Stolzes“ kürzlich bereits als Song der Woche thronte.  Vikingi ist gefällig, aber verglichen mit dem tödlichen Arsenal auf den Schwingen von Feniks keineswegs beängstigend – eher vorhersehbar. Der Rest des Mary-Rose-Repertoires war schon im Voraus bekannt. Evergreens wie Strah pred užitkom, Sam und Izgubljen v času bleiben die Highlights, bei denen man den echten Rock-&-Roll-Puls im Blut spürt. Schade nur um das ansonsten solide zusammengestellte Medley aus Sad But True, Enter Sandman und Black Sabbath, das erwartungsgemäß im Brummen der immergrünen „Motoren“ endete. Ohne dieses Medley hätte Mary Rose sicherlich einen besseren Eindruck hinterlassen.

Bei Mary Rose wirkt alles so ausgefeilt, oft scheinbar mit kaum der Hälfte der verfügbaren Kräfte gespielt, dass man sich manchmal von Herzen einen größeren Patzer wünscht, mit dem die Jungs signalisieren würden, dass sie eben doch keine makellos erschaffene Rock-&-Roll-Maschinerie sind. Aber vergebens! Eki und Kompanie haben im Postojnaer Ring erwartungsgemäß die gesamte Konkurrenz weggefegt – diesmal zur großen Freude aller Anwesenden auch dank des Duos Sandi Trojner und David Debevec, das sich bestens in das Getriebe eines der attraktivsten Rock-Kollektive Sloweniens eingefügt hat. Trojner besitzt vielleicht nicht die klassischen Geistesblitze und die Magie seines Vorgängers Davor Kastelec (ich glaube, beim Rasseln der vollen Kampfbereitschaft des eisernen Materials der Band ist es ihm schlicht nicht erlaubt, wirklich Luft zu holen), aber sein Beitrag ist zweifellos eine willkommene Aufwertung des Mary-Rose-Sounds, der live jetzt so kompakt und roh ist wie nie zuvor.  

Text zu Mary Rose: Daniel Pavlica

ZABLUJENA GENERACIJA

Zablujena generacija waren an diesem Abend die einzigen echten Punk-Weihnachtsmänner. Mit weißen Bärten und roten Mützen (alle außer Hanson, der auf die Mütze wegen seiner Frisur verzichten musste) schnitten sie in den Abend mit „Pobeglim vlakom“ ein, das geradezu zum Mittanzen einlud. Alle bewegten sich mit: Alt und Jung, Nüchterne und weniger Nüchterne, Singles und Verliebte … Es schien, als könnte sie nichts aufhalten. Und Zablujenci bewiesen das von Song zu Song. In einem knapp unter einer Stunde langen Auftritt „spazierten“ sie durch ihre gesamte Diskographie, die aus sechs Studioalben und einer beneidenswerten Anzahl von Hits besteht, darunter erwähnenswert „Pozitiv vabrejšan“, „Extrasupermegafakinnujno“, „Patricijo“ und „Mokre sanje“. Nicht vergessen wurde auch das Cover von Šank Rocks „Metulja“, während dem wir einen Stromausfall erlebten, und der unvollendete Eurovision-Song „Kdo hoče plesati z menoj“. Besagte Songs finden sich auf dem im Januar veröffentlichten Album „Mi smo stare pizde“, das die Medien zum besten Rock-Album des Jahres erklärten. Die Platte hat sich diesen Titel auch redlich verdient – sie ist eines der besten in diesem Jahr veröffentlichten Alben auf der slowenischen Musikszene. Ein zweifellos beneidenswerter Erfolg.

Text zu Zablujena generacija: Lea Lesar

ŠANK ROCK

Noch ein Sprung zu unseren wichtigsten Hard-Rock-Sturmtruppen aus Velenje – die heute alles andere als das sind. Die Rede ist natürlich von Šank Rock, den Legenden des slowenischen Rock-Betriebs, die den diesjährigen Weihnachtstanz in Postojna würdig und erwartungsgemäß abschlossen (natürlich aus Respekt und höflicher Rücksicht auf den Puls der öffentlichen Meinung). Šank Rock sind bis ins kleinste Detail eingespielt. 25 Jahre Konzertbühnen-Abschleifen hinterlassen natürlich ihre Spuren, und eine zusätzliche Portion Schmackhaftigkeit verleiht dem Ganzen sicherlich die Tatsache, dass der Kern der Band in seiner Grundaufstellung bequem sitzt – praktisch seit Beginn ihres Bestehens. Dadurch gewinnt das Velenje-Kollektiv zweifellos an Kohäsion und damit natürlich an Wiedererkennungskraft und Charakter – was vor allem bei ihren Live-Auftritten spürbar wird. Trotz dieser harten professoralen Charakterisierung hatte man das Gefühl, dass die Herrschaft den Postojna-Auftritt ziemlich auf die leichte Schulter genommen hat – zumindest angesichts der zahlreichen harmonisch verirrten Patzer, deren Auftreten in erster Linie auf Schlampigkeit zurückzuführen war, vielleicht zeitweise sogar auf Apathie. Trotz der genannten Mängel absolvierten Šank Rock den Auftritt ordentlich – also ohne übertriebene Anstrengung, mit reichlichem Maß an Routine, dazu noch umgürtet von einer Zurückhaltung, die keine Superlative bot. Was auf seine Art auch nicht überrascht. Das Arsenal an Eisenklassikern ist bei Šank Rock so beeindruckend, dass die Jungs zum Hochheizen der Stimmung nicht wirklich aufs Gas drücken müssen. Favoriten gab es hier im Überfluss – vom ziemlich vorhersehbaren, aber äußerst willkommenen Einstieg mit Jaz nimam noč za spanje und dem ziemlich vorsichtig abgesägten Rokerji über die Highlights des aktuellen Albums, die live hervorragend ihren Zweck erfüllen, bis hin zu den volksnahen Allgemeinplätzen wie Dej bolj naglas radio, Delam kar paše mi und Hočeš nočeš, mit denen die Ausschöpfung des kommerziellen Potenzials der Band bereits absurde Ausmaße erreicht. Und wenn Trampolinspringen bei Šank Rock heutzutage schon als völlig normal gilt, dann weiß ich wirklich nicht, was ich mir gedacht hätte, wenn mir jemand vor 15 oder mehr Jahren gesagt hätte, dass ich Matjaž Jelen eines Tages als Rapper erleben würde! Das Abenteuer ohne Konkurrenz bereitete uns die Gesellschaft aber ganz am Schluss, als wir, bereits gründlich geritten von drittklassigen Pop-Rock-Kreuzungen, obendrein noch in eine herzlos erstarrte Sammlung von Rock-Evergreens beißen mussten, bei deren Darbietung Mercury wahrscheinlich mit einem Bajonett zwischen den Zähnen und einem leicht blutbefleckten Morgenstern in der Hand aus dem Grab gesprungen wäre und Eddie Van Halen sich ohne zu zögern eine Kugel in den Kopf gejagt hätte. Cover-Versionen zweifelhafter Qualität mögen bei Garagenbands noch als natürlich gelten – bei Legenden vom Kaliber Šank Rock ist so ein Verhalten aber wirklich bedauernswert!

Text zu Šank Rock: Daniel Pavlica

Fotos: Mojca Perdih

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