Was Mit unter anderem machen, wenn sie nicht Mit sind (2008)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Klubar / Kranj / Slowenien
Konzertdatum: 25.12.2008
Besucherzahl: 150
Eintrittspreis: 2,5€
Weihnachtsfeiertage können wirklich furchtbar überflüssig sein. Man ist zwangsweise ein paar Tage ohne Arbeit. Dann passiert es einem, dass man in Trägheit versinkt und sich nicht mal mehr bückt, um die Zeitung vor der Haustür aufzuheben. Trotzdem bin ich abends rausgegangen. Ich war neugierig, was die Gruppe Mit so treibt, wenn sie nicht Mit ist.
Mit-Gitarrist Matevž und Sänger Uroš haben das clever gelöst: Mit Auftritten in Lokalen und dem Covern populärer Songs scheffeln die beiden noch ein paar zusätzliche Münzen und müssen nicht über den lausigen slowenischen Standard jammern, der noch lange, lange hinter europäischen Maßstäben herhinken wird (aus der Sicht des naiven Ehrlichkeitsmanns – wer stehlen kann, Hut ab). Kurzum, das ehemalige „Manjana“, das heutige Klubar in Kranj, bot einen organisierten Gesellschaftsabend, der der Jugend in der sonst völlig toten Stadt etwas Abwechslung verschaffte. Ein paar leder-eiserne Kriegsgesellen, die auf schwere Metal-Klänge abfahren, harrten zwar im berühmten Loch des „Downtown“ aus, das bereits am Vortag fast aus den Nähten geplatzt war (vor Heiligabend). Das war aber auch schon alles, was Kranj zu bieten hatte – beim freien Blick auf eine Replik des verwüsteten Vukovar, der sich dem Besucher auf dem Weg zum Kranjski McDonald’s offenbarte.
Wenn Mit also nicht Mit sind, verwandeln sie sich in ein Duo und unterhalten die Leute mit zwei Folk-Gitarren. Uroš hat sich als exzellenter Vokalist erwiesen, schon als ich Mit zum ersten Mal live erlebt habe – und sein warm tönender (bisweilen auch sinnlicher) Gesang in der mittleren bis tiefen Lage ist eine herrliche Verführung für die Ohren, wenn er zusätzlich durch den Klang akustischer, natürlich gefärbter Töne hervorgehoben wird.
Matevž und Uroš unterhielten das Publikum in drei separaten Sets, wobei das letzte das intensivste war – da hat sich das Volk vollständig ausgeklinkt und ihnen buchstäblich aus der Hand gefressen. Zum Abschluss des Abends mischte sich auch ihr Mit-Kumpel Buco ein (was wären wir nur ohne ihn), der die ganze Bühne für sich beanspruchte, während Wirtin Špela auf einem Barhocker danebensaß – und Buco spielte mit Uroš‘ Gitarre eine Akustikversion von Prazna cesta, die ihr sicher alle kennt, sei es durch zufällige oder absichtliche audiovisuelle Rotationen des Lady’s First-Originals.
Uroš und Matevž sind ein eingespieltes Paar, kennen sich wie Schlüssel und Schloss, spielen seit Jahren zusammen. Dem Publikum schenkten sie ein schönes Paket bekannter ausländischer Rock-Hits sowie Coverversionen slowenischer Mainstream-Rock-Bands wie Siddharta, Big Foot Mama und Dan D – ohne die das Volk die beiden sicher gelyncht hätte. Das Ganze würzten sie mit Volksliedern slowenischer Singer-Songwriter (Šifrer, Kreslin) und ein paar südlichen Partyhymnen, die halt das unvermeidliche Übel des ewigen Einflusses aus dem südlichen Balkan sind. Kein Glas ging zu Bruch. Die Clubleitung hatte sogar Plastikbecher für das Bier organisiert – so etwas hatte ich noch nie erlebt. Gegen Ende leisteten sich die beiden ein paar liebenswerte Fehler, was angesichts der zunehmenden Störungen durch das Publikum völlig logisch war – die drängten nämlich pausenlos mit Musikwünschen auf sie ein.
Ein Beispiel dafür, wie man Spaß und Nützliches gleichzeitig verbindet, beides effektiv Hand in Hand funktioniert – als zusätzliches Entspannungsventil und mit ein paar Münzen mehr in der Kasse. Die Hauptzutaten dieses Wochenend-Ausstiegs: Lachen und positive Vibes.
Fotos: Aleš Podbrežnik
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