Richie Kotzen hat in der vollen Bluesiana erneut begeistert! (2008)
Ort: Bluesiana Rock Cafe / Velden Am Woerthersee / Österreich
Konzertdatum: 10.03.2008
Besucherzahl: 200
Eintrittspreis: 30,00€
Manche Dinge ändern sich nie. Nehmen wir zum Beispiel die hartnäckig zerfurchte Stirn des RockLine-Chefredakteurs und Jernejs unermüdliche, aber immer noch ziemlich blasse Buster-Keaton-Imitation. Wie auch immer, in die Kategorie der Konstanten im ständig wechselnden Universum fällt auch der Herr mit dem Namen Richie Kotzen. Der außergewöhnliche Musiker wird offenbar zu einem der Stammgäste der Bluesiana. Zuletzt war er nämlich erst vor Kurzem da, genauer gesagt am 30. Oktober 2007 (RockLine-Bericht hier), und die Begeisterung, die der Zwischenstopp des legendären Gitarristen damals hinterlassen hat, rechtfertigte bei den Besuchern des damaligen Konzerts, sofern bestimmte therapeutische Methoden im Spiel waren, sicher noch lange bis ins Jahr 2008 hinein.
Das Richie-Kotzen-Konzept ist so simpel, dass es schon allein deshalb brillant ist. Man nehme einen Musiker auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft, der mit seiner Erscheinung wie mit der sensationellen Breite seiner Interpretation ein Paar nicht minder gefährlicher Musiker, Johnny Griparić und den unverwüstlichen Pat Torpey, erfolgreich in die mehr oder weniger eingefahrenen Gleise des harten Rocks gelenkt hat. Phänomenal! Die Kombination aus drei durchtriebenen Onkels bildet ein außergewöhnlich kompaktes musikalisches Ganzes, ein dynamitgeladenes Power-Trio, das nach der bekannten Formel ähnlich angelegter Projekte jedem zufällig vorbeikommenden Publikum die Hosen schlottern lässt. Wahrscheinlich muss man gar nicht groß Worte verlieren oder Zeit damit vergeuden, zu betonen, dass Kotzen die Dienste des Renommees eines Ex-Poison- oder Mr.-Big-Gitarristen schon lange nicht mehr braucht, zumindest was das anständige Füllen eines Saals von der Größe der Bluesiana angeht. Die gab sich gestern Abend wieder der intensiven Aufnahme auch eines ordentlichen Anteils slowenischen Schweißes hin, was man letztlich auch als nette Ermunterung bei der stets öden Erleuchtung der Lebensart am Alpenrand verstehen kann.
Kotzen „stürmte“ die Bühne pünktlich um halb zehn. Bewaffnet mit einem alternativen Repertoire, dem das letztes Mal so schön gespielte Shapes Of Things fehlte, dafür aber mit einer feinen Kombination aus dem Offensichtlichen, nämlich dem Standard Stand, und dem Glanz des neueren Materials vom letzten Album The Return Of The Mother Head’s Family Reunion. Interessant: Sein bleiches Gesicht vermittelte anfangs den Eindruck eines ziemlich gelangweilten Kerls, von dem bei der Funk-Rock-Explosivität des Openers Losing My Mind aber nichts zu spüren war. Von da an nahmen die Dinge bald die typische Richtung von Richies Konzertauftritten. Mit dem feurigen A Love Divine gewann der Abend nur noch an Charakter und Intensität, und mit den zweifellos beiden Höhepunkten, Feed My Head und dem offenbar schon zum Volkslied gewordenen Go Faster, hat uns Kotzen wieder an allen Fronten überzeugt. Richie hat gestern Abend im Grunde routiniert wiederholt, was wir schon gesehen haben. Seine Truppe kämpfte sich völlig diszipliniert und schulmäßig gedrillt durch den Auftritt, ohne nennenswerte Abweichungen vom vorgegebenen Kurs. Vielleicht gab es nur die seltene Ausnahme der phänomenalen Demonstration von Pats Schlagzeugkünsten, die unsere ohnehin schon zugerichteten Trommelfelle zusätzlich bombardierten.
Natürlich liegt der Grund für die Magie von Kotzens Shows nicht nur in den direkt servierten Hardrock-Minestrone, so genießbar sie auch sein mag. Die erstklassig gespielten Fooled Again und Faith haben wieder klar die Trennlinie aufgezeigt, die Richie Kotzens Ausdruck eifersüchtig von unzähligen „Fast-Food“-äquivalenten modernen Musikexperimenten abgrenzt. Der Beweis für das gut geschärfte Gespür des Gitarristen für Sentimentalität wie natürlich auch für Dynamik ist ein weiteres der Asse in Richies Serie, für die wir uns glücklich schätzen können, sie erneut miterlebt zu haben. Richie bewegte sich mit der ihm eigenen Melancholie wieder nahe an den allseits bekannten Balladenformen vom Ende der Achtziger, aber mit einer Art geheimnisvollem Unterton, einer fantastischen Fülle an Klang und Ideen, die mit den Jahren intensiver musikalischer Tätigkeit immer attraktiver wird, um nicht zu sagen, für jeden echten Liebhaber von Rock & Roll, oder wenn ihr wollt Hardrock, geradezu ein Muss.
Richie Kotzen hat also für einen weiteren der unvergesslichen Bluesiana-Abende gesorgt, und Hand aufs Herz, etwas anderes war von ihm auch nicht zu erwarten. Zwei Stunden Blutspucken, die als Tribut an die eigene Intensität auch eine ordentliche Portion von der Stimme des Gitarristen forderte, waren im Nu vorbei. Ein außergewöhnlicher Auftritt, der Kotzen erneut als musikalischen Schwärmer feierte, der den Kriterien der größten Rockstars der Welt vollkommen entspricht!
Text: Daniel Pavlica
Fotos: Aleš Podbrežnik
Setlist
1. Losing My Mind 2. A Love Divine 3. Fooled Again 4. Faith 5. Dust 6. So Cold 7. Chase It 8. High 9. You Can’t Save Me 10. Doing What The Devil Says To Do 11. Feed My Head 12. Go Faster 13. Shine 14. Stand —Zugabe— 15. Remember 16. I’m Losing You 17. Mother Head’s Family Reunion
Bildergalerie










