Bernard Fowler’s Bad Dog in der rappelvollen Bluesiana (2008)
Ort: Bluesiana Rock Cafe / Velden Am Woerthersee / Österreich
Konzertdatum: 03.02.2008
Besucherzahl: 160
Ticketpreis: 27,00€ / 30,00€
Wie schnell die Zeit vergeht. Anfang März letzten Jahres hat Bernard Fowler, dieser hervorragende Sänger und Performer (die Bühne ist ihm wie auf den Leib geschneidert) mit dem feinen, sanften Hauch von Soul-Extravaganz, den sich schon The Rolling Stones, Living Colour, Duran Duran, Herb Alpert, Paul Carrack oder Yoko Ono zunutze gemacht haben, um nur einige zu nennen, die Bluesiana zum Kochen gebracht. Und schon ist ein Jahr vorbei und Fowler hat uns wieder mit einem Besuch beehrt. Den haben wir diesmal in interessanter Gesellschaft erwidert, und zwar zu einem Viertel vom Label Menart (mit dem Auto), zur Hälfte von der Band Da Phenomena (mit dem Auto) und natürlich zu einem Viertel von unserem allerdurchlauchtesten und geliebten RockLine-Magazin (mit dem Auto). Kurz: ein „wachsam“ geschultes Quartett mit hohem Neugierpegel und hohen Ansprüchen an die Performance der Musiker.
Natürlich hat Bernard Fowler seine Truppe Bad Dog mitgebracht. Es stand also exakt dieselbe Besetzung auf der Bühne wie vor einem Jahr. Fowler und das Begleittrio: Doug Wimbish (Living Colour, Seal, Madona), der kleine Kobold Skip „Little Axe“ McDonald (Africa Bambaata, James Brown) und Keith LeBlanc (Peter Gabriel). Wenn du nur auf die Namen schaust, ist allein Doug Wimbish schon Grund genug für einen weiteren Ausflug ins nur einen Steinwurf entfernte Velden in Kärnten, Österreich.
Nach dem, was wir bei den Konzerten im vergangenen November und Dezember gesehen haben, als der Besuch bei einer ganzen Reihe ausgezeichneter Konzerte in der Bluesiana geradezu katastrophal war, sah das Bild diesmal völlig anders aus. Zum ersten Mal konnten wir auf dem Parkplatz bei der Bluesiana schlicht nicht parken. Geparkt haben wir erst vor dem Supermarkt in der Nähe, dessen Parkplatz zum Glück keine heruntergelassene Schranke hatte.
Im Lokal wimmelte es diesmal nur so von Leuten, und folglich hast du sogar aufs Bier 5 bis 10 Minuten gewartet, was bei den sonst so hochgradig durchorganisierten nördlichen Nachbarn eine große Seltenheit ist. Die Uhr schlägt 21.40, als sich Keith LeBlanc als Erster durch das riesige Gedränge auf die Bühne kämpft und am Schlagzeug anfängt, das Publikum aufzuwärmen. Diesmal war es eine Freude, sich den Bereich vor der Bühne anzuschauen. Er war voll, und diesmal musste man sich ordentlich anstrengen, um für die Konzertfotos eine gute Ausgangsposition zu ergattern. Die Jungs spitzten den Anwesenden sofort die Ohren mit einer potenten Mischung aus Funk, Soul und R&B. In diese Mischung floss Fowlers Gesang mühelos und stimmig ein. Wenn du dir den Riesen ansiehst, bekommst du das Gefühl, dass uns ein wildes Ausreizen des gesamten Gesangsumfangs, fette Gesangsimprovisationen und alles andere erwartet, was zur Stimmband-Akrobatik gehört. Doch Fowler wirkte die ganze Zeit über enorm locker und ohrenschmeichelnd, und obwohl McDonald mit seinen Riffs und Wimbish mit felsig grollenden Linien auf dem Bass den Großteil des Konzerts für einen ziemlich scharfen, „fast metallischen“ Sound sorgten, hat Fowler ihn durchweg wirkungsvoll abgemildert. Das zog die Menge in der Bluesiana wie ein Magnet an, sie schickte regelrechte Salven an Energie zurück, wippte voller Hingabe mit und machte die ganze Zeit bei der Band auf der Bühne mit. Zumindest ein paar wilde Damen und Mädels in den vorderen Reihen.
Und wer stach aus dem Quartett heraus? Trotz Charisma, Funkensprühen und der Klasse der Bühnenpräsenz sowie dem heißen Gesang von Bernard Fowler war natürlich Doug Wimbish die wahre Attraktion auf der Bühne, mit seinem bekannten Waffenarsenal an unterschiedlichsten Effekten und sonstigen handlichen Gerätschaften, um den Sound in die verrücktesten Formen zu verbiegen. Sein Bass konnte furzen, pfeifen oder zwitschern, und wenn er solierte, nahm er McDonald die absolute Vorherrschaft ab, als wäre er in der Band noch ein weiterer Gitarrist, was Doug neben dem Bassspielen ja tatsächlich auch war. McDonald bewies vor allem in der solistischen Blues-Nummer des Instrumentals mit schön gesetzten, wohldosierten Tönen, wie feinfühlig er sein kann, ansonsten brummte er die ganze Zeit mit vermetalltem, aber klanglich ausgewogenem Riffing, mit seinem typischen Getrampel und einer Kreation teils wirklich abnormaler Grimassen. Der Kerl war zur Abwechslung auch mal rasiert. Der vielleicht uninteressanteste von allen, Keith LeBlanc, hat keine sonderlich spannende Solonummer geliefert. Sie wirkte wie ein absoluter Lückenfüller, der uns Minuten stahl, dem restlichen Trio aber nützte, weil die in der Zeit kurz Luft holen konnten. Fowlers Bad Dog klingen sehr nah an den Massen. Simpler Funk mit adrenalingeladenem Groove-Beat von großer Fettheit, in den Ohren und Körper mühelos hineinfallen. Fowler vergaß nicht, seine Rolling-Stones-Reputation zu zeigen, als die Band den Refrain von Wild Horses kühn in einen der Songs einbaute, und zwar so, dass du es kaum mitbekommen hast, so spontan passierte das. Wirklich schöne Chemie und gegenseitiges Gespür der Musiker, das dieses Quartett im Blut hat. Vor allem Wimbish, der in seiner freigeistigen Denkweise und beim Einreißen aller musikalischen Barrieren brillierte. Diese experimentelle Seite von ihm fesselt den Zuhörer immer und hält ihn auf Trab. Unglaubliche Nahrung für den Geist ist es, Dougs Bühnendynamik zu beobachten. Oft wirkt diese experimentelle Seite wie eine Glanzleistung, so geschickt und federleicht, dass du es kaum merkst. Das ist eben diese Einzigartigkeit, die Wimbish abhebt und ihm einen besonderen Platz in der Musik verschafft. Kein Wunder, dass Fowler gleich zweimal in diese Richtung schmeichelte: „In dieser Band spiele ich viel lieber, als ich jemals bei den Rolling Stones gespielt habe!“ Und als er die Truppe vorstellte, vor allem mit: „Lasst mich euch meinen großen Freund und derzeit wahrscheinlich besten Bassisten auf diesem Planeten vorstellen, Doug Wimbish!“
Eine Stunde und 50 Minuten phänomenale Funk-n‘-Soul-Kompaktheit vergingen wie im Flug. Eine Mischung aus Spontaneität in der Show, Bühnenkapriolen, außergewöhnlicher Eingespieltheit und durchschlagender Wahrhaftigkeit herrschte sorglos in ihnen. Von allen Anwesenden strahlte nach dem Konzert aber mit Abstand am meisten die Veranstalterin Gudrun, die endlich mal einen Besuch ihrer Bluesiana erlebt hat, wie ihn die Bluesiana jedes Mal verdient.
Auf Doug Wimbish müssen wir ja nicht lange warten. Die Band Headfake kommt am 14.03.2008 in die Bluesiana, und das sind Doug Wimbish und sein Living-Colour-Buddy Will Calhoun (Schlagzeug), der allein im letzten Dezember mit seinem Auftritt gleich zweimal in der Bluesiana zu Gast war. Also? Gibt es unter euch überhaupt noch einen „headfake“, der einen Besuch bei so einem Mega-Angebot ausschlagen könnte?
2. Get Away
3. Cinnamon Girl
4. Too Many Mountains
5. Your Future
6. Brokenman
7. Small
8. Grinning
9. Hammerhead
10. Trance
11. Stealing
—Zugabe—
12. Take A Stroll
13. Grow
Text und Fotos: Aleš Podbrežnik
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