John Fogerty – der Mann, der der Zeit trotzt!

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Ort: Wiesen, Österreich
Konzertdatum: 15.07.2007
Besucherzahl: 4000
Ticketpreis: 49 Euro

Wenn du von all den Festival-Events dieses Sommers noch nicht genug hast, dann wurdest du am vergangenen Wochenende sehr wahrscheinlich beim zackigen Herumhüpfen im Osten Österreichs gesichtet, genauer gesagt im Städtchen Wiesen, rund sechzig Kilometer von Wien entfernt. Dort läuft seit Sommerbeginn ein ganz eigenes Musikspektakel, das dem vergnügungshungrigen Volk jede Menge Spannendes bietet. Die Liebhaber „uralter“ Melodien unterhielt am Freitag zum Beispiel das Rock-Urgestein Joe Cocker, während am Samstagabend Roger Hodgson und der gute alte CCR-Mann John Fogerty für die passende Betriebstemperatur sorgten. Beide traten unseren fiebrigen Körperchen auf ihre ganz eigene Art ordentlich in den Hintern (wobei John dabei natürlich klar die Nase vorn hatte) und rundeten damit in meinen Augen einen weiteren unvergesslichen Abend dieses heißen Sommers ab.

ROGER HODGSON 19:15 – 20:25

Das einleitende Aufwärmen der Atmosphäre in der Regie der Supertramp-Legende Roger Hodgson wird vielen wohl als einer der etwas seltsameren organisatorischen Schachzüge erschienen sein, vor allem wenn man sich den ganzen Krach und das Getöse des Yankee-Patriotismus vorstellt, der gut anderthalb Stunden später, begleitet vom selbstlosen Versprühen intensiven Ham & Eggs-Aromas, auf diese interessante Demonstration schlichter Singer-Songwriter-Unbeschwertheit folgte. Wie auch immer: Bei Rogers Auftritt verdient neben der Bewunderung für all die unbestreitbaren musikalischen Qualitäten, die der Herr geradezu väterlich hegt und pflegt, vor allem sein überzeugendes und selbstsicheres Auftreten besondere Aufmerksamkeit, das, ob du’s glaubst oder nicht, ausschließlich auf drei Instrumenten aufgebaut ist. Todlangweilig? Keine Spur! Der gute alte Roger pflegte in seiner anderthalbstündigen Show beharrlich eine enge Bindung zum Publikum, das ihm die ganze Zeit über brav aus der Hand fraß. Jede bekannte wie auch weniger berühmte Hodgson-Kreation stieß ausnahmslos auf Mitsing-Begeisterung bei Jung und Alt, die sich in unklarer Formation unter der Bühne des Wiesener Zelts versammelt hatten.

Ich muss zugeben, dass mein von der unermesslichen Hitze angegriffenes, aber natürlich immer noch knackiges Körperchen einen regelrechten kleinen Schock erlitt, als ich begriff, dass ein ganzer Haufen Blasinstrumente, sechs bis zwölf Saiteninstrumente, ein Klavier und ein Synthesizer für den Gebrauch durch eine einzige Person bestimmt sind. Hodgson, sichtlich ahnungslos in Bezug auf diese meine Unannehmlichkeiten, näherte sich gegen Viertel vor acht mit der Gitarre in der Hand vorsichtig dem Mikrofon, begrüßte uns freundlich und zauberte uns ohne Zögern die grandiose Take The Long Way Home hervor. Die Leidenschaften hatten sich noch nicht richtig beruhigt, da forderte dank des jungen McDonald schon die bläserlastig bestens ausgearbeitete Give A Little Bit ihren Platz, auf die mutig Lovers In The Wind sowie noch ein Supertramp-Juwel folgten, Hide In Your Shell, das Roger, wenn man seinen Worten glauben darf, im Gegensatz zu früheren Tagen heutzutage mit Genuss spielt! Interessant, keine Frage. „Dann probieren wir mal das hier“, waren seine nächsten stolz ausgesprochenen Worte, die triumphal die Ankunft von The Logical Song ankündigten. Das Delirium, das unsere nördlichen Nachbarn sofort erfasste, muss ich hier wohl nicht näher beschreiben, jedenfalls punktete Onkel Hodgson gerade mit der Aufführung dieses Supertramp-Klassikers am meisten (ausschließlich mit Klavierbegleitung!). Von da an ging es mit dem Abend des Herrn nur noch steil bergauf. Lord Is It Mine?, Dreamer, It’s Raining Again, die emotionale Don’t Leave Me Now und weitere unverzichtbare Perlen profitierten zweifellos am meisten vom tosenden Empfang der grandios dargebotenen Vorgängerin. An die Wirkung dieses Songs kommt Hodgson am ehesten mit der verträumten Breakfast In America heran, noch ein emotionaler Höhepunkt dieser beeindruckenden Demonstration eines schlichten, aber charakterstarken musikalischen Zwischenspiels, das alle Anwesenden begeisterte. Empfehlenswert!

JOHN FOGERTY 21:00 – 22:30

Der Auftritt von John Fogerty, dem ehemaligen Mitglied von Creedence Clearwater Revival und einzigem der vier, der nach dem Split der Band erfolgreich eine Solokarriere weiterführte, begann pünktlich um 21.00 Uhr wie angekündigt, und besonders gefreut hat mich auch der Auftritt von einem meiner Lieblingsschlagzeuger der Gegenwart – Kenny Aronoff. Durch einen Nebelschleier erschien bei den ersten Tönen von Travellin‘ Band John Fogerty, der den ganzen Auftritt über mit federndem Schritt über die Bühne tänzelte. Wie für ihn typisch wechselte er auch an diesem Abend bei jedem Song die Gitarre und zeigte nebenbei sein Können an der Mundharmonika. Für die übrigen Instrumente (Schlagzeug, Keyboards, Saxofon, Bass usw.), mit denen er 1985 das Album Centerfield komplett allein eingespielt hatte, war leider keine Zeit. Seinen Auftritt setzte er fort mit
Green River, Who’ll Stop The Rain, It Came Out Of The Sky, Born On The Bayou, Lookin Out My Back Door, Cotton Fields, kurz: allen Songs, die die Zeit der Band CCR geprägt haben.

Es folgte die Ballade I Will Walk With You, die laut John ihm am meisten bedeutet und die er eigens für seine Tochter Laurie geschrieben hat. Mit Ramble Tamble und Midnight Special heizte er die Stimmung noch weiter an. Trotz der regnerisch angehauchten Tage auf Johns Europatour begleitete uns am Konzerttag sonniges Wetter mit Temperaturen über 35°C. Klar, dass dann Have You Ever Seen The Rain folgte, die unter dem Wiesener Zelt aus tausenden Kehlen schallte. Danach lauschten wir einem Song vom neuen Album Revival namens Summer Of Love, der in seiner Struktur, der Ähnlichkeit des Gitarrensounds und dem Aufbau des Songs der Sunshine Of Your Love von Cream ziemlich ähnlich ist. John, hast du dich etwa bei den Ideen anderer bedient?

Der Auftritt ging weiter mit Keep On Chooglin‘, Down On The Corner, Good Golly Miss Molly, Old Man Down The Road, deren Darbietung ausgezeichnet war, wie übrigens bei allen anderen Songs auch. John war neben Kenny Aronoff von hervorragenden Musikern umgeben, und bei den nächsten Songs gönnte er sich auch noch etwas Eigenwerbung fürs eigene Blut und holte seine beiden Enkel auf die Bühne, die ihm an den Gitarren bei Bad Moon Rising halfen, woraufhin sich John mit Fortunate Son verabschiedete, was das offizielle Ende seines Auftritts bedeutete. Natürlich war damit der Hunger nach Songs von CCR und nach Johns einzigartiger Stimme noch längst nicht gestillt, weshalb er sich unter tosendem Applaus des Publikums ein letztes Mal auf die Wiesener Bühne bequemen musste, von der er sich dann endgültig mit Rocking All Over und der unsterblichen Proud Mary verabschiedete.

Text für Intro und Roger Hodgson: Daniel Pavlica
Text für John Fogerty: Peter Strnad
Fotos: Daniel Pavlica

Setlist

Roger Hodgson: 1.Take The Long Way Home 2.Give A Litle Bit 3.Lovers In The Wind 4.Hide In Your Shell 5.Oh Brother 6.The Logical Song 7.Easy Does It 8.Along Came Mary 9.Breakfast In America 10.Lord, Is It Mine? 11.Child Of Vision 12.Don’t Leave Me Now 13.Dreamer 14.It’s Raining Again John Fogerty: 1.Travellin‘ Band 2.Green River 3.Who’ll Stop The Rain 4.It Came Out Of The Sky 5.Born On The Bayou 6.Lookin Out My Back Door 7.Cotton Fields 8.I Will Walk With You 9.Ramble Tamble 10.Midnight Special 11.Have You Ever Seen The Rain 12.Summer Of Love 13.Keep On Chooglin‘ 14.Down On The Corner 15.Good Golly Miss Molly 16.Old Man Down The Road 17.Bad Moon Rising 18.Fortunate Son 19.Rocking All Over 20.Proud Mary

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