Pat Travers – In Salzburg ordentlich eingeheizt!

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Autor: Jernej Vene

Ort: Rockhouse bar, Salzburg
Konzertdatum: 19.11.2006
Besucherzahl: 140
Eintrittspreis: 15 Eur

Die Crew bewährter, erfahrener Rockologen war wieder unterwegs. Poba und Vene, diesmal zusätzlich verstärkt durch den Experten Draga(o)n Bulič, mussten nicht lange überlegen, als die Nachricht kam, dass der kanadische Gitarrenzauberer Pat Travers im Salzburger Rockhouse auftritt – nicht gerade um die Ecke, aber auch nicht übertrieben weit weg. Die Fahrt am Nachmittag verlief in entspannter Stimmung, eine Zeit lang begleitet von Herbstregen, der zum Glück auf der Nordseite der Tauern aufhörte. Locker und bequem rollten wir beim Rockhouse an, wo man sich seit 1993 um ein rockiges Programm kümmert. Bekanntlich war Salzburg früher für seine Salzbergwerke berühmt. Das Gebäude, in dem Travers spielte, steht direkt an einem Hügel, und ich ahnte schon, dass uns da etwas aus diesem Metier erwarten würde. Das Rockhouse hat zwar einen Saal für 400 Leute, Travers wurde aber kurzerhand in die Bar im Nachbarhaus gesteckt, die ziemlich klein ist, und trotzdem haben wir uns dort mit knapp 140 Leuten eingefunden. Und diese Bar war im Grunde wie ein gewölbter Stollen, inklusive alter Ziegel an der Decke.

Zehn Minuten vor neun betraten die Jungs und der Herr die Bühne und haben sofort zwei Knaller rausgehauen. Pat Travers hat sein erstes Album 1976 veröffentlicht, seine Musik ist bei uns vielleicht weniger bekannt, an diesem Montag war sie aber den meist gestandenen Altrockern auf den Leib geschneidert. Pat Travers hat drei hervorragende Musiker an seiner Seite, die mit ihm einen kompakten Blues-Rock-Block geformt haben, der sich bis zur Bühnenkante wälzte und uns unablässig mit Klangkanonaden eindeckte. Pat Travers ist zwar der bessere Gitarrist als Sänger, aber seine Gesangsinterpretation ist so rau und überzeugend, dass sie sofort durchsetzt und hungrige Ohren fesselt. Pat Travers begeisterte mit einer außergewöhnlichen Gitarrentechnik, die er mit den Gesangslinien und einem hingebungsvollen Klanghintergrund verwob. Kein Gitarrentrick ist ihm fremd, laut und pingelig genau verteilte er seine Solosalven. Die Rhythmusgruppe war so präzise, wie es sich für Leute gehört, die noch wissen, dass echte Musik die ist, die live überzeugt. Das Schlagzeug-Bass-Duo ließ uns keine Sekunde Luft zum Atmen. Pat Travers spielte hauptsächlich eine Paul Reed Smith Singlecut Trem, ähnlich einer Gibson Les Paul, war unermüdlich im Einsatz von Effekten, genoss den Einsatz von Wah-Wah und einmal sogar eine Variante der Talk Box, die heutzutage sehr selten ist (früher hat sie Peter Frampton benutzt, Mick Box von Uriah Heep, später Richie Sambora von Bon Jovi und Leo Leoni von Gotthard in Form eines Mouth Tube). Travers kommunizierte geschickt mit den Leuten und erzählte so manche lustige Geschichte. Vor dem Song Elijah erklärte er, dass er seinem achtjährigen Sohn gewidmet ist, der in der Fußballmannschaft seiner Schule spielt. Er betonte, dass es um europäischen Fußball geht. Die Jungs spielten bei der Schulmeisterschaft mit und wurden Zweite, haben sich aber nicht groß geärgert, dass sie nicht gewonnen haben. Ihn selbst habe der Wunsch, sich durchzusetzen, in der Jugend mehr angetrieben, die heutige Jugend sei dagegen meist zu schnell mit ihren Leistungen zufrieden. Für einen Song wechselte er auf eine Vigier Stratocaster, die er mit einem Messing-Slide spielte, den er sich auf den Mittelfinger gesteckt hatte. Er zeigte ihn uns (den Slide, versteht sich) und erzählte, dass Bonnie Raitt genauso spielt, und lachte dabei herzhaft. Travers hat erst letztes Jahr nach neun Jahren ein neues Studioalbum mit eigenen Songs veröffentlicht, dazwischen hat er etliche Alben mit Coverversionen von Blues- und Rock-Klassikern aneinandergereiht. Auch der Salzburger Auftritt war eine Mischung aus bewährten Hits vom Ende der Siebziger, Neubearbeitungen einiger Klassiker und neueren Songs. Unter den Covern spielte er Oh pretty woman von Albert King, die wir in der Version von Gary Moore und ihrem Urheber kennen, diesmal klang sie wie von einem anderen Planeten… Noch mehr hat mich seine Bearbeitung von If I had possession over judgement day von Robert Johnson überrascht, die vor zwei Jahren mit Eric Clapton ein neues Gewand bekommen hat. Travers begann sie langsam, bluesig, nach dem Ausklingen des ersten Refrains fielen aber alle vier in einen scharfen Boogie, der einem den Atem raubte und Wellen der Begeisterung im Publikum auslöste. Etliche Male fielen Travers und Rhythmusgitarrist Kirk McKim in fließend dahinjagende Einlagen, in Terzen gespielt, was ein wahrer Balsam für gitarrenfühlige Ohren ist. Ihren kleinen zeitlich begrenzten Solo-Freiraum bekamen auch Bassist Rick Navarro und Schlagzeuger Eric Frates, letzterer sah aus wie ein hundertzwanzig Kilo schweres Mitglied der Kelly Family, aber wir wissen ja, dass es aufs Aussehen nicht ankommt. Er bewies, dass er ein brillanter und einfallsreicher Künstler ist, und nach dem Auftritt unterhielt er sich, wie alle echten Profis, ganz freundlich mit den Besuchern. Mit dem bekannten Klassiker Boom Boom (Out go the lights) beendete Pat Travers den regulären Teil des Auftritts. Wie bei diesem Song üblich, sang das Publikum den Refrain kräftig mit, und auch diesmal war es nicht anders. Als Zugabe gönnte er uns den Klassiker Born under a bad sign von Albert King mit einem herausragenden Gitarrenintro. Nach dem Konzert ging Pat gleich ins Foyer, wo wir vielen Fans locker mit ihm plauderten und uns bei ihm für die Güte bedankten! Wir haben einen energiegeladenen, emotional aufgeladenen Auftritt erlebt, der uns den Glauben an ehrlichen Blues-Boogie-Rock zurückgegeben hat!

Jernej Vene

Setlist

01. Hooked On Music
02. Life In London
03. Crash And Burn
04. I Don’t Care
05. Heat In The Street
06. Elijah
07. Stevie
08. Red House
09. If I Had Possession Over Judgement Day
10. Oh Pretty Woman
11. PT Nuts / Linos & Lucy
12. Snortin‘ Whiskey
13. Boom Boom (Out Go The Lights)
—Zugabe—
14. Born Under A Bad Sign

Pat Travers – Gitarre, Gesang
Rick Navarro – Bass
Eric Frates – Schlagzeug, Gesang
Kirk McKim – Gitarre, Gesang

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