666

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Künstler: Aphrodite's Child
Label: Vertigo Records
Veröffentlichung: 1971
Bewertung: 4.3/5

Aphrodite’s Child haben sich nach ihrem Abschied aus Griechenland vor allem mit schönen, kitschigen Pop-Balladen einen Namen gemacht, die sofort ins Ohr gehen. Besonders erfolgreich war Rain And Tears, die man heute noch hin und wieder im Radio hört. Auf ihren ersten beiden Alben lieferten die Griechen also Songs, die sich gut verkauften, bei den Kritikern aber nicht gerade viele Sympathien einbrachten. Das alles änderte sich mit dem großartigen Album, das darauf folgte. 666 (The Apocalypse of John. 13/18) führte die Truppe weg vom Pop und mitten hinein in die Riege der Prog-Rock-Legenden.

Schon auf den ersten Takten ist Vangelis‘ unverkennbarer Sound zu hören, auch wenn er gar keine Synthesizer spielt. Seine Linien sind fast schon klassisch, mit jeder Menge balkanischer (griechischer) Motive. Man merkt den Einfluss von Symphonic Rock ebenso wie den von Folk aus seiner Heimat. Ein paar Pop-Überreste gibt es auch, aber nicht so schlimme wie das, was sie davor gespielt haben. Vangelis und seine Mitstreiter wagen sich oft auch in avantgardistischere Gewässer vor, wo sie mit allerlei Geklapper und Rauschen eine regelrechte Klangkakophonie veranstalten, die tatsächlich Höllenstimmung aufkommen lässt. Auf einem Stück (∞) bringen sie sogar die berühmte Schauspielerin Irene Papas zum Orgasmus.

Auf dem Album fällt natürlich vor allem Vangelis‘ Talent auf, der erst später mit seinen diversen Filmmusiken (Chariots of Fire, 1492, Bladerunner) richtig bekannt wurde. Seine Keyboards bauen die Klangkulisse auf, an der sich die anderen Bandmitglieder abstützen können. Auch die übrigen Jungs liefern ein richtig solides Ergebnis ab. Ich war ehrlich überrascht, wie angenehm die Stimme von Demis Roussos ist, der später als Sänger schmalziger Balladen bekannt wurde, die besonders in Deutschland gut einschlugen. Silver Koulouris hat ein paar gute Hardrock-Soli auf der Gitarre drauf, aber ehrlich gesagt beißt sich sein Stil ein bisschen mit Vangelis. Ich finde, hier hätte es einen feinfühligeren Gitarristen gebraucht. Auch der Drummer hat ein paar interessante Einlagen und tritt ein paarmal sogar ans Mikro. Seine Stimme ist deutlich tiefer als die von Roussos und bildet einen richtig schönen Kontrast. Neben diesen vier offiziellen Mitgliedern gibt es noch ein paar Gäste, die Saxofon, Posaune, Gesang und Erzählung beisteuern. Vangelis kümmert sich neben den Keyboards auch noch um erstklassige Percussion und Flöte. Die Percussion ist besonders wichtig, wenn es darum geht, die „höllischen“ Atmosphären zu erzeugen.

666 ist ein Album, das jeder Prog-Kenner gehört haben sollte. Es ist eines der innovativsten und einfallsreichsten Werke überhaupt, in dem unzählige Einflüsse zusammenkommen: Psychedelic, Symphonic, Folk, Avantgarde, Pop und noch einiges mehr. Ich gebe zu, dass es nicht zu meinen Lieblingsalben zählt, aber trotzdem habe ich Respekt vor der Visionskraft von Herrn Vangelis, der die Musik von Aphrodite’s Child fest in die Hand genommen hat. Der Pop, den sie auf den beiden Vorgängern gespielt haben, ist fast nicht mehr zu bemerken, nur ein paar Songs sind zugänglicher, und selbst die sind nicht kitschig, sondern einfach nur schlichter. Es wundert mich echt, wie eine Band, die so nervige Musik gemacht hat, in so kurzer Zeit ihren Stil komplett umkrempeln und einen so gewaltigen Sprung nach vorne machen konnte. Aphrodite’s Child sind da allerdings kein Einzelfall, allein bei uns in der Gegend gab es ein paar ähnliche (Korni Grupa, Indexi,…).

Nach diesem Album ging die Band auseinander. Offenbar passte den anderen Mitgliedern Vangelis‘ Vision für ihre Zukunft nicht. Am meisten von sich reden machten nach der Trennung Vangelis und Roussos, jeder auf seine Art. Roussos landete im grausigen Kitschpop, während Vangelis noch eine ganze Weile mit hervorragenden Ideen weitermachte (Heaven And Hell, Beaubourg, Albedo,…) und bis vor Kurzem noch richtig hochwertige Sachen veröffentlichte (Bladerunner). 666 ist ein Album, das vom Talent des Mannes an der Spitze der Band zeugt, aber bis zur wahren Perfektion fehlten noch ein paar Jahre.

Besetzung

Vangelis Papthanassiou: Orgel, Klavier, Flöte, Schlagzeug, Percussion, Backing Vocals
Demis Roussos: Bass, Gesang;
Silver Koulouris: Gitarre, Percussion;
Lucas Sideras: Schlagzeug, Gesang;

Gäste: Costas Ferris: Text; Harris Halkitis: Bass, Saxofon, Congas, Gesang; Michel Ripoche: Posaune, Saxofon; Irene Papas: Gesang; John Force: Erzählung; Yannis Tasrouchis: griechischer Text

Produktion

Vangelis Papthanassiou

Tracklist

CD 1: 36:35
1. The System — 0:23
2. Babylon — 2:47
3. Loud, Loud, Loud — 2:42
4. The Four Horsemen — 5:54
5. The Lamb — 4:33
6. The Seventh Seal — 1:30
7. Aegian Sea — 5:22
8. Seven Bowls — 1:29
9. The Wakening Beast — 1:11
10. Lament — 2:45
11. The Marching Beast — 2:00
12. The Battle of the Locusts — 0:56
13. Do It — 1:44
14. Tribulation — 0:32
15. The Beast — 2:26
16. Ofis — 0:14

CD2: 41:35
1. Seven Trumpets — 0:35
2. Altamont — 4:33
3. The Wedding of the Lamb — 3:38
4. The Capture of the Beast — 2:17
5. ∞ — 5:15
6. Hic and Nunc — 2:55
7. All the Seats Were Occupied — 19:19
8. Break — 2:58

Spielzeit: 78:10

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