40 Jahre Iron Maiden
Autor: Sebastijan Videc
Am Weihnachtstag 1975 entschied ein frustrierter junger Bassist namens Steve Harris, dass er sich kreativ niemals erfüllt fühlen würde, es sei denn, er gründet seine eigene Band… was folgte, wurde Heavy-Metal-Geschichte.
Zu der Zeit spielte Harris in der Band Smiler, konnte die anderen Bandmitglieder aber nicht davon überzeugen, sein eigenes Material zu spielen. „Ich hörte Bands wie den frühen Genesis, die ich wirklich verehre, dazu Jethro Tull, Pink Floyd, King Crimson, Yes, Black Sabbath, Deep Purple und Led Zeppelin,“ sagte Harris. „Als ich anfing, eigene Songs zu schreiben, ging es darum, diese Stile, Rhythmen und diese Kraft zu kombinieren. Ich wollte meinen ersten Song mit Smiler spielen, aber als ich die Idee der Band vorstellte, war ihre Reaktion: ‚Oh Scheiße, das hat zu viele Rhythmuswechsel; wer soll das denn spielen?‘ Mit so einer Einstellung gegenüber meiner Arbeit konnte ich mich nicht abfinden, also verließ ich sie und gründete Iron Maiden.“
Wie jeder echte Iron Maiden-Fan weiß, war die Gründung der Band nicht ganz so einfach. Die Band erlebte in den Anfangstagen einige Mitgliederwechsel, und viele Details aus dieser Zeit sind für immer im Nebel der Geschichte verschwunden – laut Neil Daniels in seinem Buch ‚Killers: The Origins of Iron Maiden 1975-1983‘ ist es sogar möglich, oder zumindest sehr wahrscheinlich, dass sich die Band einige Wochen oder sogar Monate vor dem Datum zusammenfand, das Harris offiziell festgelegt hat.
Während einige Details über die Anfänge der Band Gesprächsstoff bieten, sind bestimmte Dinge eindeutig – zum Beispiel, wie die Band zu ihrem Namen kam. Die Inspiration für den Bandnamen bekam Harris beim Anschauen des 1939 gedrehten Films The Man in the Iron Mask, einer lockeren Adaption von Dumas‘ Roman Le Vicomte de Bragelonne ou Dix and plus tard, der französischen Legende über König Ludwig XIV., der seinen gutmütigen Zwillingsbruder in eine so enge Maske sperren ließ, dass ihn sein eigener Bart erstickt haben soll.
Die eng anliegende Maske schien ein passender Vergleich für den von Prog inspirierten aggressiven Rock zu sein, den Harris kreierte, und wenn es eine Weile dauerte, bis sich die Chemie in der Band entwickelte, schrieb Harris das dem Streben nach Perfektion zu – und wie er später sagte, der Suche nach Bandmitgliedern, die auf mehr als nur musikalischer Ebene miteinander kompatibel waren.
„Es ging nur darum, die richtigen Musiker zu finden – aber nicht nur die richtigen Musiker, sondern auch die richtigen Menschen.“ sagte Harris. „Wenn du die richtige Besetzung findest, die miteinander funktioniert, ist das ein unbeschreibliches Gefühl. Du musst dich voll reinhängen, und manchmal musst du mit dem Kopf durch die Wand. Ich glaube, jede Band macht diese Phase durch.“
Diese ‚Suchphase‘ dauerte für die Maidens einige Jahre, in dieser Zeit verließen einige Mitglieder die Band, darunter auch Sänger Paul Di’Anno, der auf den ersten beiden Alben gesungen hatte. Ende 1981 gelang es ihnen schließlich, eine feste Besetzung zusammenzustellen, nachdem 1980 Gitarrist Adrian Smith dazugestoßen war und im darauffolgenden Jahr Sänger Bruce Dickinson – und Harris‘ vielfach platinierte Träume wurden Wirklichkeit.
Vier Jahrzehnte später machen Iron Maiden keinerlei Anstalten aufzuhören, Beweis dafür sind die nach wie vor starken Albenverkäufe sowie das kürzlich erschienene sechzehnte Studioalbum ‚The Book of Souls‘. Wie Harris sagt, haben sie die ganze Zeit über nach dem Rhythmus ihrer eigenen Trommel marschiert.
„Wir haben immer das gemacht, was wir selbst wollten, schon seit dem allerersten Album. Wir wollen nichts anderes, als Songs zu schreiben, die uns zum Zeitpunkt des Schreibens richtig erscheinen. Wisst ihr, wir wissen nie, was wir als Nächstes schreiben werden. Das ist auch ein Teil der Aufregung, wenn wir uns dransetzen, ein neues Album aufzunehmen. Kein Schlachtplan; wir gehen einfach rein, und was rauskommt, kommt raus.“