25 Jahre Enslaved! (2016)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: CUK Kino Šiška, Ljubljana
Konzertdatum: 24.10.2016

Die hochgeschätzten norwegischen Progressive-Black-Metaller Enslaved haben ihren Status nicht über Nacht erlangt. Die Band, die sich ihren Namen nach dem Track Enslaved In Rot ihrer Landsleute Immortal gab, machte schon auf ihrem Debüt Vikingligr Veldi deutlich, dass sie weit von einer typischen Black-Metal-Band entfernt sind. Das haben Enslaved im weiteren Verlauf ihrer Karriere nur noch bestätigt, als sie einen genremäßig einzigartigen Ansatz entwickelten und zu einer Art Black-Metal-Pink Floyd wurden. Dieses Jahr feiern Enslaved ein respektables Vierteljahrhundert ihres Schaffens, und die Tournee hat sie nach langer Zeit wieder in unsere Halle gebracht, zusammen mit den Progressive-Metallern Oceans of Slumber und Ne Obliviscaris.

Bei den ersten Vorgruppen, den texanischen Oceans of Slumber, stellte sich schnell heraus, dass sie zu jenen »love ‚em or hate ‚em« Bands gehören und dass es keinen Mittelweg gibt. Die Texaner lassen sich am ehesten als eine Art uneheliches Kind zwischen Skunks Anansie und Opeth beschreiben, vor allem wegen des weiblichen Gesangs der sinnlichen Cammie Gilbert, die zumindest live mit ihrer Bühnenpräsenz zeigt, dass sie eher auf MTV als in eine Metal-Band gehören würde. Es lässt sich natürlich nicht leugnen, dass sie einen erstklassigen, nach Soul klingenden Gesang hat, aber mir persönlich hat der genremäßige Ansatz von Oceans of Slumber nicht wirklich zugesagt.

Den wirklichen Leckerbissen für alle Musikfeinschmecker und Liebhaber des Progressive Metal stellten jedoch zweifellos die australischen Kolosse Ne Obliviscaris dar, die sich aus völliger Obskurität sehr schnell zu einer der angesehensten Gruppen des modernen Progressive (Death) Metal hochgearbeitet haben. Das Sextett aus Melbourne hat hierzulande zwar schon aufgetreten, aber ihr erster Auftritt auf unserem Boden beim Metaldays vor zwei Jahren ist ihnen aufgrund technischer Probleme nicht ganz nach Plan verlaufen. Diesmal war also Zeit für eine Nachprüfung, doch zu Beginn, beim einleitenden Devour Me, Colossus (Part I): Blackholes, sah es wieder nach einer schlechten Note aus. Gitarrist Matt Klavins brachte seine Siebensaiter zum Glück schnell wieder zum Laufen (was das leider ziemlich dünn besetzte Publikum mit Begeisterung begrüßte) und von da an lief alles wie am Schnürchen. Die Australier lieferten eine erstklassige Vorstellung, wobei der Dank dafür vor allem den episch langen Tracks gebührt, die keinen einzigen Moment langweilig werden. Ne Obliviscaris fügen nämlich Einflüsse aus Black und Death Metal ein, gewürzt mit einer halsbrecherischen Komplexität, die vor allem durch das animalische Schlagzeugspiel voller Blast Beats und Polyrhythmen den Atem verschlägt, ebenso wie durch das erstklassige Gitarrentrio, das an seinen Hälsen nicht selten beeindruckend mit Vier-Finger-Tapping entlangläuft. Aus der Masse ähnlicher Bands stechen Ne Obliviscaris aber in erster Linie durch die geschickt eingebettete Violine von Tim Charles heraus, die nicht nur Schmuck ist, sondern ein gleichwertiges Instrument, das irgendwie die Rolle der Sologitarre übernimmt, und darüber hinaus durch die erstklassige Mischung aus cleanen und brutalen Vocals. Wenn Charles‘ cleaner Gesang stellenweise etwas zu weich ausfällt, rettet Xenoyr die Situation, der sich sowohl in Black- als auch in Death-Metal-Gewässern gut zurechtfindet. Ne Obliviscaris bedeutet aus dem Lateinischen übersetzt »vergiss nicht« und den diesmaligen Auftritt der Band aus »down under« werden wir so schnell gewiss nicht vergessen.

Die norwegischen Veteranen Enslaved überzeugten noch bevor sie wirklich angefangen hatten, denn vor die Bühne lud die aufgenommene Stimme von Alex ein, die Malcolm McDowell in Kubricks Uhrwerk Orange meisterhaft verkörperte. Die erstklassige Form der Band bestätigte dann sofort schon der Auftaktsong Roots of the Mountain. Enslaved sorgten für ein hervorragendes Klangbild, durch das sowohl die Black-Metal-Growls, die Grutle Kjelson anführt, als auch die psychedelischen Ausflüge, für die die Keyboards und die epischen, cleanen Vocals von Herbrand Larsen sorgen, zur Geltung kamen. Nach dem ersten Song sprach Grutle die leider halb leere Halle (die Gründe dafür liegen wohl im konzertreichen Oktober und einem verregneten Montag, aber eine Band vom Kaliber Enslaved hätte zweifellos mehr Leute vor der Bühne verdient) in einwandfreiem Slowenisch an und führte dann auf eine anderthalb Stunden lange Reise, hauptsächlich durch die zweite Hälfte des Bandschaffens. Enslaved haben erneut bewiesen, dass sie erstklassige Musiker sind, denen im norwegischen Black Metal kaum jemand das Wasser reichen kann. Grandios versklavten die Norweger die Mischung aus cleanen und brutalen Vocals, und über die instrumentale Leistung braucht man keine Worte zu verlieren, denn sowohl das Wummern von Grutles Bass als auch die Gitarrenkombo Bjørnson/Ice Dale (und das Solospiel des Letzteren) waren schlicht großartig. Im weiteren Verlauf war das Schlagzeugsolo zwar ziemlich unnötig und alles andere als originell, denn man hätte es gut durch einen weiteren Song ersetzen können; und angesichts des 25-jährigen Jubiläums hätten Enslaved ruhig auch dem einen oder anderen  lange nicht gespielten Track den Staub abwischen können. Wenn sie schon in Richtung neuerer Bandperiode gegangen sind, hätten sie zumindest noch etwas von Ise oder sogar die EPs The Sleeping Gods anbieten können. Dennoch haben die norwegischen Veteranen erneut für eine erstklassige Vorstellung des Progressive Black Metal gesorgt, dem nur wenige wirklich nahekommen.

Setliste

NE OBLIVISCARIS:
1. Devour Me, Colossus (Part I): Blackholes
2. Of Petrichor Weaves Black Noise
3. Painters of the Tempest (Part II): Triptych Lux
4. Pyrrhic
5. And Plague Flowers the Kaleidoscope

ENSLAVED:
1. Roots of the Mountain
2. Ruun
3. The Watcher
4. Building With Fire
5. Ethica Odini
6. Fenris
7. The Crossing
8. Ground
— Zugaben —
9. Drum solo
10. One Thousand Years of Rain
11. Allfǫðr Oðinn

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