Under the Red Cloud
Autor: Primož Novak
Interpret: Amorphis
Label: Nuclear Blast
VÖ: year_month
Laufzeit: 49:56
Bewertung: 4/5
Die finnische Band Amorphis hat im letzten Jahrzehnt eine bemerkenswerte Stabilität bewiesen, die sich in regelmäßigen Albumveröffentlichungen und gleichbleibender Qualität widerspiegelt. Um die Jahrtausendwende lief es für Amorphis nicht gerade rund, doch mit dem Sängerwechsel fand die Band wieder zu sich selbst – und rettete dabei gleichzeitig ihre Karriere. In ihrer langen Geschichte hat sie einige stilistische Wandlungen durchgemacht: angefangen als Death Metal, dann rüber in den Rock, und schließlich wieder im Metal verankert, der auf Melodie und Progressivität setzt.
Mit Under the Red Cloud wollten Amorphis ihre Modernität bewahren, die sich in der Vermischung verschiedener Stile zeigt. Das Album eröffnet mit dem Titelsong, in dem ein angenehmes, verspieltes Klavier in einen ziemlich typischen Amorphis-Track führt – mit eingängigen melodischen Gitarren und einem markanten Refrain. Doch schon mit dem zweiten Track The Four Wise Ones zeigen Amorphis auch ihre aggressive Seite, die mit Elementen des melodischen Black Metal aufwartet. Hier kommt auch Tomi Joutsens rauer Gesang besser zur Geltung. Die Vielseitigkeit zieht sich durch das gesamte Album, was auch für die gute Produktion spricht. Es gibt druckvolle und mitreißende Songs, aber auch die eine oder andere ruhigere Nummer. Folk-Metal-Elemente hat die Band schon immer in ihren Sound eingebaut. Amorphis platziert sie geschickt in einem Track mit einer möglicherweise orientalischen Melodie, womit man den Klischees ein bisschen ausweicht – wobei es mit Tree of Ages auch einen klischeehaften, hüpfenden Track gibt, der mit seinem abgedroschenen Folk-Metal-Charakter eher als Filler wirkt. Das Album schließt mit White Night, das ziemlich melancholischer Natur ist; mit dem zusätzlichen Frauengesang erinnert es an einige Songs von Dark Tranquillity, die mit weiblichem Gesang mehr Emotionalität vermitteln wollten.
Die Produktion des Albums hat die Band dem erfahrenen Jens Bogren anvertraut, der bislang mit vielen melodischen und progressiven Bands zusammengearbeitet hat – Bogren ist zweifellos ein Produzent, der weiß, wie man einer Band den Sound verleiht, der auch ein breites Publikum anspricht. Dementsprechend hat er dafür gesorgt, dass jedes Bandmitglied seine Rolle voll ausfüllt: Sänger Tomi Joutsen kombiniert melodischen und rohen Gesang hervorragend, Keyboarder Santeri Kallio würzt das Gesamtbild mit seinem Spiel und hat auch seine eigenen Soli, das Gitarrenduo Holopainen/Koivussari sorgt durchgehend für einen guten Fluss der Songs mit melodischen, druckvollen und auch simplen Riffs. Schlagzeug und Bass stechen nicht übermäßig hervor, füllen ihren Platz aber solide aus.
Under the Red Cloud überzeugt mit seinen zehn Songs auf ganzer Linie. Die Band will ihre Fans mit ihrer Konstanz nicht enttäuschen und probiert dabei auch Neues aus – allerdings keine wilden Exkurse, mit denen sie riskieren würden, ihre Anhängerschaft zu verlieren. Da es sich aber um das zwölfte Studioalbum der Band handelt, ist keine große Veränderung mehr zu erwarten, über die man als echten Karrierehöhepunkt sprechen könnte.
Besetzung
Tomi Joutsen – Gesang
Esa Holopainen – Gitarre (Solo)
Tomi Koivusaari – Gitarre
Niclas Etelävuori – Bass, Hintergrundgesang
Santeri Kallio- Keyboards
Jan Rechberger – Schlagzeug
Produktion
Jens Bogren
Trackliste
01. Under The Red Cloud
02. The Four Wise Ones
03. Bad Blood
04. The Skull
05. Death Of A King
06. Sacrifice
07. Dark Path
08. Enemy At The Gates
09. Tree Of Ages
10. White Night
Bonus:
11. Come The Spring
12. Winter’s Sleep