Transition
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Lukather, Steve
Label: Mascot Records
Erscheinungsjahr: 2013
Laufzeit: 45:56
Bewertung: 4/5
Steve Lukather gilt als einer der besten Gitarristen der Welt, gemessen an der vielschichtig definierten musikalischen Gestaltung des Künstlers. Der Typ ist in den letzten Jahren in grandioser kreativer Form. Drei Studioalben in fünf Jahren. Beneidenswerte Kontinuität. Dazu Touren mit dem reaktivierten Toto in der Besetzung der »Seventh One«-Ära. Nach »All’s Well That Ends Well« (2010) ist offensichtlich eine Phase angebrochen, in der sich auch die Dinge in Lukathers Privatleben so weit beruhigt haben, dass der Künstler ein helleres – sagen wir lieber: positiv ausgerichtetes, optimistisches Album vorlegen kann.
Noch mehr. »Transition« ist dem allgemeinen Eindruck nach eines der zugänglichsten und am schnellsten ins Ohr gehenden Werke, die »Luke« bis heute von sich gegeben hat. Man kann sagen, dass Steve Lukather darauf wieder mehr von der Kompositionssprache einfließen lässt, die typisch für Toto ist. Experimentelle Ausflüge gibt es weniger – sie sind fast auf ein Minimum reduziert oder in den Arrangements sehr moderat, dosiert in den Song eingebettet, wo sie die kompakte Form der tragenden Strukturen (Strophe, Refrain) in keiner Weise aufbrechen. Es ist ein durchdachteres Album mit mehr Kontrolle, und gleichzeitig ist das neue Album durchdrungen von einem feinen Gespür für das sanfte Zusammenführen der Elemente der Klanglandschaft. Selbst das Instrumental »Transition«, das nach Lukathers unerschöpflicher Liebe zum Jazz-Rock-Fusion duftet, macht klar, dass es sich in erster Linie um ein kompaktes Instrumental handelt, in dem Improvisation eine untergeordnete Rolle gegenüber den Leitphrasen spielt und in dem klar definierte Melodiosität und höhere Zugänglichkeit auch für weniger anspruchsvolle Hörer voll aufblühen.
Es gibt so manche Momente auf dem Album – man kann ruhig sagen: so manchen Song –, den Toto selbst mühelos hätten übernehmen können. Von der Eröffnung »Judgement Day« über »Once Again«, »Last Man Standing« bis hin zu »Right the Wrong« und »Do I Stand Alone«. Sie tendieren in Richtung der »Tambu« / »Kingdom Of Desire«-Ära, wohl auch deshalb, weil Lukather den Hauptgesang übernimmt. »Luke« hat sich einem kompakteren und definierteren Arrangement-Stil angenähert. Da der Musiker nach einer feinfühligen Verbindung der Bausteine strebt, die die Klanglandschaft seiner Werke formen, ist er gehalten, die Sprache solcher Ansätze zu verinnerlichen, wie sie die besten Pop-Rock-Künstler beherrschen. »Luke« beherrscht das mit dem kleinen Finger der linken Hand. Kein Wunder, dass ihn alle wollten – von Michael Jackson über Richard Marx bis zu Lionel Richie –, und umso weniger verwundert es, dass er zuletzt auf Tourneen mit dem Beatle Ringo Starr unterwegs ist. Angeblich soll »Luke« einst sogar ein Angebot des großen Miles Davis bekommen haben, sich seiner Begleitband anzuschließen. Aufgenommen hat er mit Miles ohnehin. Für Luke gibt es also schon lange keine Geheimnisse mehr.
»Creep Motel«, ein Song, der im Handumdrehen auf einem Steely Dan-Album landen könnte, ist die Reaktion des Musikers auf seine Empörung darüber, was dir die Aktivität im Facebook-Netzwerk im negativen Sinne einbringen kann. Erst recht, wenn »Gesindel« anfängt, dein Facebook-Profil zuzumüllen, dem Luke unter anderem auch folgende Verse im Songtext gewidmet hat: »Save your bullshit, you know the smell, I know the devil has reserved your place in hell … « »Creep Motel« ist ein Song des typischen, kaum wahrnehmbaren Ineinandergleitens von Jazz-, Blues-, Pop- und natürlich Rock-Elementen. Eine Mischung von außerordentlicher Raffinesse. Ein Ansatz, der ein außerordentliches Maß an Feingefühl und sanfter Feinmechanik erfordert – etwas, das Toto und Steve Lukather stets meisterhaft beherrschten und das ihnen als Künstlern so viel Ansehen eingebracht hat. »Luke« hat im Hinblick auf das optimale Funktionieren des Klangbilds an alles gedacht. Die Motive hat er stellenweise mit choralen Vokalharmonien untermauert (Pre-Chorus, Refrainmelodien), auf der anderen Seite hat er die rhythmische Wirkung durch den Einsatz von Perkussion vertieft, mit der er die Grundrhythmen verstärkt und belebt hat. Sein Spiel ist wieder weich, organisch, lebendig, agil und vor allem »universell«. In »Right the Wrong« greift er zu fast Floyd’schen Slide-Guitar-Linien (Refrain), in »Smile« (eine Bearbeitung des Hauptthemas der Filmmusik zu Charlie Chaplins »Modern Times« von 1936) hat sich Lukather im Drang zur Neustrukturierung der Arrangements wieder Jeff Beck zugewandt, während »Rest Of The World« andeutet, dass Luke auf seinen letzten Solo-Konzerttourneen »Little Wing« von Jimi Hendrix oft gespielt hat.
Auf »Transition« hat sich »Luke« wieder der Reduktion des Noteneinsatzes zugewandt und die kreativen Kräfte dem Streben nach mehr Eingängigkeit des melodischen Ertrags und einer kompakteren Wirkung der Songs untergeordnet. »Luke« bleibt dabei außerordentlich raffiniert und überrascht erneut mit einem vielschichtigen Spiel großer Elastizität beim Anpassen an unterschiedliche Genre-Strukturen innerhalb der Arrangements und beim Überbrücken derselben. Wie immer mit einem im Grunde unsichtbaren, kaum wahrnehmbaren Verschmelzen derselben. Und genau dieses letzte Attribut von »Lukes« musikalischem Ausdruck ist das, was in seinem Schaffen den größten Wert trägt.
Vielleicht würde nach dem zurückhaltenderen »Rest of the World« und dem »Beck’schen« Instrumental der adaptierten »Smile« im abschließenden Ausklingen des Albums ein druckvollerer Abschlusstrack im Stil des Album-Openers – etwa wie »Judgement Day« – gut tun. Aber das ist eine weniger wichtige Anmerkung. »Transition« ist also, alles in allem, von Kopf bis Fuß eine neue außerordentliche Studioarbeit von Lukather. Ein Album mit einigen Veränderungen, die mehr als willkommen sind – daher ist »Transition« ein etwas anderes Album, wenn man es mit den beiden vorherigen Studioarbeiten vergleicht. Die Transitionsphase ist also geglückt!
Besetzung
Steve Lukather – Gesang, Gitarre
CJ Vanston – Keyboards, Hintergrundgesang
Steve Weingart – Keyboards auf den Tracks Nr. 5 und 9
Renee Jones – Bassgitarre auf Track Nr. 3, Hintergrundgesang auf Track Nr. 8
Leeland Sklar – Bassgitarre auf den Tracks Nr. 1 und 2
Nathan East – Bassgitarre auf Track Nr. 8
John Pierce – Bassgitarre auf den Tracks Nr. 4, 6 und 7
Tal Wilkenfeld – Bassgitarre auf Track Nr. 5
Eric Valentine – Schlagzeug auf den Tracks Nr. 6, 7 und 8
Gregg Bissonette – Schlagzeug auf den Tracks Nr. 2 und 5
Chad Smith – Schlagzeug auf Track Nr. 4
Toss Panos – Schlagzeug auf den Tracks Nr. 1 und 3
Lenny Castro – Perkussion auf den Tracks Nr. 2, 3, 6 und 8
Trev Lukather – „gedämpfte“ Gitarre auf Track Nr. 4
Phil Collen – Hintergrundgesang auf Track Nr. 4
Jenny Douglas – Hintergrundgesang auf den Tracks Nr. 2 und 7
Richard Page – Hintergrundgesang auf den Tracks Nr. 4 und 6
Kristina Helene – Hintergrundgesang auf Track Nr. 4
Jack Raines – Hintergrundgesang auf Track Nr. 8
Produktion
Steve Lukather & CJ Vanston
Trackliste
1. Judgement Day
2. Creep Motel
3. Once Again
4. Right the Wrong
5. Transition
6. Last Man Standing
7. Do I Stand Alone
8. Rest of the World
9. Smile