Tenses Collide
Autor: Rok Klemše
Künstler: Eruption
Label: Xtreem Music
VÖ: year_month
Laufzeit: 44:00
Wertung: 4/5
Eruption sind seit ihrer Gründung ohne Zweifel eine der aktivsten heimischen Metal-Bands, und zum Glück überträgt die Band ihren Bühneneifer auch ins Studio. Gut drei Jahre nach dem gut aufgenommenen Debüt Lifeless Paradise haben Eruption in relativ kurzer Zeit (was für slowenische Verhältnisse bei Metal-Albumaufnahmen mehr als lobenswert ist) ihren Nachfolger aufgenommen und veröffentlicht, den sie Tenses Collide getauft haben. Drauf gepackt haben sie neun Thrash-Zerstörer, und zu meiner großen Freude übertrifft das Album seinen Vorgänger in vielerlei Hinsicht.
Die Verbesserung ist schon in den ersten Momenten des Albums spürbar, denn für das Klangbild hat diesmal das Produzenten-Duo Jan »Jey« Švigelj und Žiga »Ruzz« Zmazek aus den Negligence Studios gesorgt. Das bedeutet, dass das Album vernichtend, klar und sauber klingt, die Instrumente knuspern wie Kellogg’s-Cornflakes (»They’re Gr-r-reat!« gilt übrigens auch für Eruption auf Tenses Collide!). Und das ist erst die erste Verbesserung, die diesmal vielleicht nur die Krone obendrauf ist. Das auf dem neuen Album eingefangene Material ist nämlich ein offensichtlicher und gewaltiger Fortschritt im Vergleich zum Debüt und beweist, dass Eruption trotz ihrer Jugend mit großer musikalischer Reife punkten können. Das zeigen vor allem die reicheren und durchdachteren Arrangements, die strukturell abwechslungsreicheren und dynamischeren Songs sowie insgesamt das kompositorisch viel stärkere Material. Schön, dass die Jungs verstehen, dass man beim Thrash nicht ständig schreien und nur auf Tempo setzen muss.
So reißen Eruption den Hörer bereits mit dem Opener Fractured wie ein Tornado in Stücke, überraschen aber nach dem Anfangsstoß mit einer Verlangsamung und erinnern im Refrain an Forbidden. Dass sie diesmal den Refrains mehr Zeit gewidmet haben, bestätigt das fantastische Celestial God mit dem eingängigsten und melodischsten Refrain des Albums. Der offensichtlichen »Hommage« an »alien conspiracy theories« setzen Gastgitarrist Brad Hull (Forced Entry, Sanctuary) und Klemen »Buco« Kalin das Tüpfelchen auf dem i, wobei Letzterer im Vergleich zum Debüt einen gewaltigen vokalen Fortschritt zeigt. Hat er sich mit der thrashmäßig flächigen Performance auf Lifeless Paradise noch den Spitznamen Bucoff verdient (nach Paul Baloff von Exodus natürlich), ist er diesmal mit starken, überzeugenden Vokallinien, die er jetzt nur noch gelegentlich mit hohen Schreien würzt (bzw. damit nicht übertreibt), näher an Russ Anderson (Forbidden). Bucuss? Noch angenehmer überraschen die exzellenten Texte, die dank guter Interpretation phänomenal zur Musik passen (ein schönes Beispiel ist etwa Last Transmission).
Auch der Riff-Shredder aus den Fingern von Tim Tajić und Neuling Andrej Čuk begeistert erneut; das Duo hat dem Album mit einer bunten Palette an Riffs und brillanten Soli genau das eingehaucht, was jedes Thrash-Album braucht – ein starkes Gitarrenbild, das alles vor sich niederreißt. Mit Ausnahme weniger seltener Momente kann man den Riffs keine übermäßige Wiederholung oder Eintönigkeit vorwerfen, denn jeder der neun Songs (mit Ausnahme des instrumentalen Interludes Unknown Dimension) hat seinen eigenen starken Riff, der nur ihm eigen ist. Auch die erneuerte Rhythmussektion hat ihre Arbeit ausgezeichnet erledigt; begeistert auch der zweite Neuling Ivan »Tegla« Cepanec, der aufgrund seiner Verwurzelung im Death Metal bei Eruption die nötige erdbebenartige Frische eingebracht hat. Die Befürchtung, er würde zu viel Death-Metal-Einfluss mitbringen, war unbegründet, denn Tegla bleibt im Rahmen des Eruption-Sounds und bleibt dabei gleichzeitig seinem eigenen Schlagzeugstil treu. Dieser ist nämlich voll mit bunten Übergängen, typischem Polka-»cupa-cupa«-Gerase, und Tegla hat offensichtlich das letzte Testament-Album gehört, denn im Stil von Gene Hoglan belebt er den Kracher Selfcaged am Ende mit einem »Blast-Beat.« Auch die Basslinien sind mehr als nur eine gute Ergänzung der Gitarrenarbeit, wurden von der Produktion leider aber etwas zu sehr in den Hintergrund gedrängt und bleiben so zu Unrecht übersehen. Leider verliert Tenses Collide in der zweiten Hälfte etwas an Überzeugungskraft: The Forlorn klingt nämlich wie etwas, das problemlos seinen Platz auf Lifeless Paradise gefunden hätte (und erinnert leicht an Playing With Matches), und Unparticled Matter ist mit seinen sieben Minuten Laufzeit etwas zu ausgedehnt. Doch die Ehre des ausgezeichneten Albums rettet am Ende der epische Abschluss mit Empty Shells, in dem Eruption ein letztes Mal all ihre Stärken unter Beweis stellen – starke Riffs, mächtige »Gang«-Vocals, einen exzellenten, eingängigen Refrain und eine erdbebenartige Rhythmussektion.
Die neue Thrash-Eruption ist ohne Zweifel einer der strahlendsten Momente der heimischen Metal-Szene des vergangenen Jahres und kann für Eruption nur ein hervorragender Auftakt für die Zukunft sein, die angesichts von Tenses Collide äußerst vielversprechend aussieht. Vergesst nicht, dass Eruption Tenses Collide am 24.1.2013 im Orto bar live erstmals vorstellen werden!
Besetzung
Tim Tajić – Gitarre
Klemen „Buco“ Kalin – Gesang
Andrej Škof – Bass
Ivan Cepanec – Schlagzeug
Andrej Čuk – Gitarre
Produktion
Jan „Jey“ Švigelj und Žiga „Ruzz“ Zmazek
Trackliste
1. Fractured
2. Celestial God
3. Enter the Hive
4. Selfcaged
5. Last Transmission
6. Unknown Dimensions
7. The Forlorn
8. Unparticled Matter
9. Empty Shells