Tam
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Lamai
Label: Celinka
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 43:12
Bewertung: 4/5
Hinter dem Pseudonym Lamai steckt Lara Podreber. Sie ist eine Sängerin aus der Dolenjska-Region unseres kleinen Landes. In den letzten Jahren hat sie mit ihrer Stimme auf zwei Alben des ehemaligen DMP-Gitarristen Jernej Zoran mitgewirkt, wo sie für sein künstlerisches Schaffen die führenden Frauenstimmen auf den Platten »Stratosfera« (2011) und «Romeo, Julija ter Tatovi Sonca« (2014) beigesteuert hat. Schon auf diesen Alben hat sie mit ihrem Talent, ihrem Gespür und dem daraus resultierenden besonderen Vokalton Zorans Kompositionen einen ganz eigenen Ausdruckscharakter eingehaucht.
Lamai ist eine besondere Sängerin und nicht bloß noch eine weitere x-beliebige weibliche Stimme slowenischer Herkunft, die einem unangenehm aus den Radiowellen entgegenschallt und bei denen man keinen Unterschied erkennt, weil sie nach den Regeln des akademischen Gesangs zurechtgeschliffen sind, erworben an renommierten Musikhochschulen. Lamai bietet ein anderes Erlebnis. Sie besitzt eine besondere Vokalität und Interpretation, die Wiedererkennbarkeit und Eigenständigkeit ausstrahlen. Sie entwickelt einen zauberhaften, zerbrechlichen, auch schüchtern geheimnisvollen Ansatz, mit dem sie durchgehend unprätentiös und zart anspricht, in ihre vokale Natur schleichen sich dabei immer wieder Elemente von Mystik und Unschuld sowie sanfter vokaler Rhetorik ein. Einem Musiker wird solch ein Talent gewöhnlich in die Wiege gelegt. Lamai hat es entdeckt und sorgfältig gepflegt, und nun ist endlich auch die Zeit der echten Reife gekommen, sodass sie ihre Stimme auf einem eigenständigen Studioerstling vorstellen kann.
Bei der Gestaltung der Arrangements und Kompositionen arbeitete mit Lamai der Dolenjska-Tontechniker, Produzent und Komponist Bort Ross, »bürgerlich« Borut Antončič, zusammen. Wenn man nur an sein Album »Sančo Pansa« aus dem Jahr 2015 denkt, ist es nicht schwer zu erkennen, wie ein solides slowenisches »Mainstream«-Album klingen sollte. Bort Ross, der auch als Multi-Instrumentalist und Sänger gilt, hat in der Zusammenarbeit mit Lara seinen Sinn für kompositorisch-arrangierenden Perfektionismus mit Bravour auch auf das Album »Tam« übertragen. Diese Qualitäten hat ihm die slowenische Musiköffentlichkeit noch nicht bestätigt, und der Mann verdient in dieser Hinsicht sicherlich mehr Anerkennung und größere Bekanntheit. Das Album »Tam« besitzt also ein außerordentlich hohes Maß an musikalischer Eingängigkeit. Die Songs wirken einer nach dem anderen kompakt, Strophen und Refrains sind klar definiert und ausgearbeitet, sie gehen fließend ineinander über. Stellenweise bauen sie atmosphärische Höhepunkte in den Refrains und den zwischenzeitlichen Pre-Chorus-Steigerungen auf. Auf dem Album »Tam« können wir auch eine neue Version von Ross‘ Komposition Moja jutra hören, die ursprünglich auf dem Album »Sančo Pansa« erschienen ist. Die neue Version mit überarbeitetem Arrangement malt jedoch, diesmal unter Lamais vokaler Regie, ganz neue Stimmungen und Pastellfarben der Emotionen.
Das Album wurde von einer Gruppe erfahrener und routinierter Musiker eingespielt, die auf zahlreichen Studioalben verschiedener Künstler zu finden sind. Die Produktion ist konsequent dem organischen Klangcharakter und natürlichen Klangtönen verpflichtet. Sie besitzt Wärme und Lebendigkeit, die Bausteine des Klangbildes atmen dynamisch und koexistieren in wunderschöner Ausgewogenheit. Daher ist die Klanglandschaft wirkungsvoll ausgefüllt. In ihr regiert in zentraler Position natürlich Laras sinnlich bekennender Gesang, der sich innig den Aussagen der Strophen anschmiegt, weshalb das Gefühl der Intimität, das nahezu instinktiv vermittelt wird, umso deutlicher hervortritt. Die Vokalinterpretation nähert sich in ihrer Sanftheit gelegentlich einem Flüstern, was den Schleier von Mystik und Sehnsucht noch vertieft.
»Tam« ist ein bekenntnisstarkes Album eingängiger Pop-Rhetorik. Ein Album, das eine Fülle an Details und Finessen kennzeichnet, ein Album sinnlicher Feinmechanik, die seine Schöpfer mit großer Aufrichtigkeit darauf gegossen haben. Es bekam auch einige Airplays auf Radiosendern, wo die Songs Bela luna und Proti vetru ihren Platz fanden. Es ist stimmlich besonders, verführerisch reizvoll und bezaubernd sowie arrangementtechnisch engagiert und sorgfältig »verpackt. Als solches hätte es die ersten Schritte, mit denen Lamai mit souveränem Mut die Welt als Solokünstlerin betritt, nicht schöner und authentischer vorstellen können.
Lamai – Bela luna (offizielles Video):
Besetzung
Lamai – Gesang
MITWIRKENDE MUSIKER:
Bort Ross – Bassgitarre, Keyboards, Gitarre, Begleitgesang auf den Tracks Nr. 2 bis 9.
Borut Perše – Gitarre auf den Tracks Nr. 1, 3, 4, 7, 8, 9 und 10.
Aleksander Raztresen – Gitarre auf Track Nr. 7
Orgad Dror – Gitarre auf den Tracks Nr. 3 und 5.
Robi Pikl – Gitarre auf Track Nr. 7
Matjaž Kajzer – Trompete auf Track Nr. 5,
Jernej Šušteršič – Keyboards auf Track Nr. 8.
Joseph Wheba – Keyboards auf Track Nr. 6.
Davor Klarič – Keyboards auf Track Nr. 7
Dejan Slak – Bassgitarre, Keyboards auf den Tracks Nr. 4 und 6.
Tomaž Zorko – Kontrabass auf Track Nr. 9.
Jani Hace – Bassgitarre auf den Tracks 5 und 7.
Janez Gabrič – Schlagzeug auf den Tracks 3, 4 und 7.
Ivo Rimc – Schlagzeug auf den Tracks Nr. 2, 5, 6, 8 und 9.
Lara Šiljevinac – Begleitgesang auf Track Nr. 6
Produktion
Bort Ross
Trackliste
1. Sanjam
2. Vdihni me
3. Drugam
4. Spet te slišim
5. Tam
6. Bela luna
7. Proti vetru
8. Moja jutra
9. Pod valovi
10. Prek zidov