Salting Earth

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Kotzen, Richie
Label: Headroom-Inc
Erschienen: 2017
Laufzeit: 40:00
Bewertung: 4/5

Richie Kotzen ist einer jener Musiker, die eigentlich alles selbst können und beherrschen. In erster Linie ein außergewöhnlicher Gitarrenvirtuose und Vocalist, hat er nach seinen Verpflichtungen bei der Superstar-Rockband The Winery Dogs seinen kreativen Fokus wieder auf seine Solokarriere gerichtet. So entstand bereits sein 21. Studioalbum mit dem Titel »Salting Earth«.

Nach dem Album »Cannibals«, das vor zwei Jahren erschien, konnte man von Kotzen einiges erwarten. Dieses Album trug einen experimentellen Abenteuergeist in sich, mit dem der feinsinnige Musiker die Musikwelt – und vor allem seine treue Fanbasis – ziemlich überrascht hatte. Nun ist »Salting Earth« aber tatsächlich ein Album, das in dem Sinne sehr gelungen ist, dass es der beste Kandidat für jenes Soloalbum sein könnte, das Richie Kotzens künstlerisches Gesamtbild am treffendsten verkörpert. Für Kotzen gibt es keine kreativen Hindernisse. Der Mann komponiert ständig und erschafft neue Musik, neue Poesie. Manchmal archiviert er gute Ideen, die dann lange warten, bis sie ihre endgültige Form finden – oder Richie kann in wenigen Stunden völlig spontan einen neuen Song erschaffen. Von Anfang bis Ende. Mit allen Arrangements, selbstverständlich auch für den Gesang. Auch das neue Album ist eine Mischung aus älteren Aufnahmen (Make It Easy, Thunder) und völlig neu erschaffenen Kompositionen. Es liefert einen wirklich brillanten Einblick in die Karriere, die Kotzen auf seinem Weg zurückgelegt hat. Behalte im Hinterkopf, dass der Mann mit seiner bewegten Geschichte an Kollaborationen mit verschiedenen namhaften Größen der Weltmusik unter anderem einerseits mit Poison gespielt hat und andererseits mit dem Jazz-Giganten zusammenarbeitete, der kein anderer als Stanley Clarke war.

So bietet »Salting Earth« eine äußerst gelungene und vielfältige Sammlung musikalischer Ideen, in denen wieder das feinsinnige Genre-Crossover heraussticht – das man in Kotzens Songwriting-Charakter aufgrund der stilistisch-kompositorischen Feinmechanik des Musikers oft kaum aufspüren oder herauslesen kann. Ungeachtet der Tatsache, dass Kotzen sich mit seinen Songs als unglaublich effektiver Genre-Fusionist präsentiert, der wieder behutsam Elemente aus Blues, Soul, (Hard-)Rock, Funk, Jazz und Pop miteinander verwebt, ist der gemeinsame Nenner aller Songs derselbe. Außergewöhnliche musikalische Verfeinerung und eine ansteckende Eingängigkeit, bei der es nicht schwerfällt, auf diesem Album gleich mehrere potenzielle Hit-Kandidaten zu entdecken, die problemlos rauf und runter auf Radiofrequenzen laufen könnten. Besonders wenn es die Achtziger wären. 

Das Album trägt also eine kompositorische Bildhaftigkeit in sich, und ebenso abwechslungsreich sind die Atmosphären, die in ihrer Dramaturgie auf dem Album durchgehend dynamische Umbrüche aneinanderreihen. Dabei leuchtet wieder voll Kotzens außergewöhnliche emotionale Tiefe auf, wenn er mit dem Gesang ansetzt und damit einmal mehr alle Emotionen und Leidenschaften perfekt zum Leben erweckt. Kotzen ist über die Jahre ein glänzender Sänger geworden, den jene bildhafte »schwarze Soul«-Kontur mit definiert – was ihm einen einzigartigen Vokal-Charakter verleiht. Dieses Album ist also nicht jenes Album, auf dem Kotzen sein Gitarrenspiel in den Mittelpunkt stellt. Die Gitarre ist diesmal sogar öfters in einer untergeordneten Rolle. So übernimmt in My Rock das Klavier die Initiative, ähnlich entwickeln sich auch This is Life und das abschließende Grammy. Eröffnet wird das Album vom düsteren, längsten Track des Albums End of Earth, in dem Kotzen mit den bösen Dämonen der Vergangenheit abrechnet und sie schließlich mit einem außergewöhnlichen erweiterten Ausklang des Songs vertreibt – wo der Großmeister einmal mehr mit seiner filigranen, sanften Spielweise verblüfft, wenn er mit einem außergewöhnlichen Solo die Dramaturgie des Songs zum abschließenden stimmungsvollen Crescendo führt.

Ein begeisterndes neues Kapitel in der Karriere dieses ungemein produktiven und vielseitig geschliffenen musikalischen »Multi-Task«-Künstlers und Produzenten. Wieder hat er alles selbst gespielt und alles selbst gesungen. Im Laufe der Jahre hat er all seine Fähigkeiten zum künstlerischen Zenit getrieben – und das spiegelt sich auf »Salting Earth« auf beeindruckend authentische Weise wider! Der Sound des Albums wirkt organisch, oft so kompakt, als würden einzelne Songs (z.B. der Opener End of Earth, Thunder,…) von einer ganzen Band gespielt. Ein wunderschönes neues Album also, das definitiv alle Kotzen-Fans begeistern und zufriedenstellen wird – gleichzeitig aber auch ein Album, mit dem all jene Neugierigen, die Kotzen noch nicht kennen, getrost beginnen können, seinen farbenprächtigen Diskographie-Katalog zu erkunden. 

Richie Kotzen – End of Earth (offizielles Video):

Besetzung

Richie Kotzen – Gesang, Gitarre, Klavier, Schlagzeug, Bassgitarre, Programmierung, alle Arrangements

GASTMUSIKER:
Julia Lage – Backing Vocals auf Track Nr. 7

Produktion

Richie Kotzen

Trackliste

1. End Of Earth
2 Thunder
3 Divine Power
4 I’ve Got You
5 My Rock
6 This Is Life
7 Make It Easy
8 Meds
9 Cannon Ball
10 Grammy

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