Revertigo
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Revertigo
Label: Frontiers Records
Erschienen: 2018
Laufzeit: 47:32
Bewertung: 3.5/5
Und dann sind da noch Revertigo! Eigentlich ein Projekt. Eine langgehegte Idee und ein Wunsch, der über Jahre zwischen zwei alten Weggefährten schwelte – doch die Intensität ihrer Verpflichtungen in ihren jeweiligen Musikwelten ließ ihnen schlicht keine Zeit, ihr gemeinsames Album auf die Beine zu stellen. Die Rede ist von Sänger Mats Leven (Candlemass Trans Siberian Orchestra, ex-Therion, ex-Y.J. Malmsteen) und Gitarrist Anders Wikström, ohne den es die kultigen schwedischen Hardrocker Treat nie gegeben hätte.
»Revertigo« ist erwartungsgemäß ein Werk, das am ehesten dem ähnelt, was Treat in den letzten Jahren auf ihren Alben macht. Ganz einfach. Wer Treat kennt und vor allem die letzten beiden Studioalben der Band mag, wird sich das Studio-Debüt des Projekts Revertigo schnell zu eigen machen. Die Ähnlichkeit überrascht kaum, denn Leven und Wikström haben das Material für ihr gemeinsames Album in jüngster Zeit zusammengetragen – es handelt sich nicht um alte Ideen, die jahrelang auf ihre Verwirklichung gewartet haben. So hat Wikström auf »Revertigo« schlicht seine aktuelle musikalische Philosophie übertragen, die ihm auch beim Komponieren neuer Musik für Treat dient.
Die Songs sind durchzogen von ultra-melodiöser Eingängigkeit, mit Höhepunkten in sanglichen Refrainmelodien, die sich auch ein wenig Inspiration aus der legendären AOR-Rhetorik der Achtziger borgen. Die Produktion ist jedoch deutlich härter, weniger poliert, rauer – weshalb im Sound vor allem Wikströms Riffs sowie seine mehr als markanten Soli hervorstechen. Dabei geizen die beiden auch nicht mit Keyboard-Arrangements, mit denen sie den ein oder anderen Übergang ornamental verzieren, wenn schon kein solistischer Einschub folgt. Aber wie gesagt: »Revertigo« ist vom Charakter her ein kantigeres Hard-Rock-Album, in dem die Gitarre klar den meisten Platz im Klangbild einnimmt. Angesichts der Tatsache, dass das Album in sehr kurzer Zeit entstanden ist, zeichnet es sich durch Kompaktheit aus. Handwerklich solides Songwriting. Kompositorisch schwache oder unentschlossene Momente gibt es auf dem Album keine. Der Schablonenstempel, den die Vorhersehbarkeit des Melodic-Rock-Genres hinterlässt, ist natürlich da – aber das ist der Preis für die Langlebigkeit dieses heute in vieler Hinsicht beinahe archaischen Genres, in dem schon längst alles gesagt wurde.
Leven ist gewohnt durchdringend und unverwechselbar mit seinem brillanten Gesangsbeitrag. Die Kompositionen folgen den Grundpfeilern der skandinavischen Hard-Rock-Schule. Das macht dieses Album auch für alle sehr attraktiv, die etwa schwedische Revival-Bands rund um Eclipse verfolgen – gleichzeitig ist die Anknüpfung an die melodische Hardrock-Qualität der alten Schule nicht fehl am Platz, wie man sie bei den Schweizern Gotthard, den Dänen Prety Maids findet und von der sich auch Whitesnake in der Ära des Albums »1987« nicht weit entfernt haben.
Das gesamte Material haben Leven und Wikström aufgenommen, produziert, komponiert und eingespielt. Völlig allein. Na ja, fast. Mit Ausnahme der Schlagzeugparts natürlich. Dafür haben sie sich Kollegen Thomas Broman ins Studio geholt, der zuvor für Michael Schenker, Great King Rat und Electric Boys getrommelt hat. »Revertigo« bringt keine musikalische Revolution, dafür aber ein sehr solides, würdiges und qualitätsvolles melodisches Hard-Rock-Album der rechtgläubigen skandinavischen Schule. Künstlerisch zwar ohne »Erdbebenstöße«, was bedeutet, dass Leven und Wikström in einem bewährten musikalischen Umfeld zuhause sind, mit dem sie schon immer am geschicktesten und versiertesten umgehen können.
Besetzung
Mats Levén – Gesang, Gitarre, Keyboards
Anders Wikström – Gitarre, Bass, Keyboards, Hintergrundgesang
GASTMUSIKER:
Thomas Broman – Schlagzeug
Produktion
Mats Levén & Anders Wikström
Tracklist
1. Hoodwinked
2. Sailing Stones
3. Symphony Of Fallen Angels
4. The Cause
5. Gate Of The Gods
6. False Flag
7. Unobtainium
8. Luciferian Break Up
9. Joan Of Arc
10. Break Away
11. In Revertigo