Outsider

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Uriah Heep
Label: Frontiers Records
Erscheinungsdatum: 06.06.2014
Laufzeit: 49:10
Bewertung: 3.5/5

„Outsider“ ist das insgesamt 24. Studioalbum von Uriah Heep und das erste ohne den legendären Bassisten Trevor Bolder, der im Mai 2013 an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben ist. Das Zwischenjahrzehnt der Bandaktivität zwischen 1998 und 2008 war für Uriah Heep in Sachen Studioalben völlig trocken. Dafür gab es eine ganze Reihe verschiedenster Compilations und Liveaufnahmen. In den letzten sechs Jahren liefert Uriah Heep nun bereits ihr drittes Studioalbum ab.

»Wake the Sleeper« brachte eine grundlegende Rückkehr zum pionierartigen Retro-Sound  der Band, mit vielen stilistischen Merkmalen, die die heutigen Heep sinnvoll an ihre klassische Ära der Siebziger annähern. Auch »Outsider« hält an dieser Ausrichtung fest. Offensichtlich haben Uriah Heep beschlossen, in den reifen Jahren ihrer Karriere eine solche Nische zu besetzen, die für ihre langjährigen Fans am zugänglichsten ist – Fans, die in den Jahrzehnten mit der Band ebenfalls tüchtig ergraut und gereift sind. Hand aufs Herz steckt auf der anderen Seite auch eine gewisse Lässigkeit dahinter, die man sich mit der Routine und Erfahrung von über 40 Jahren im Musikbusiness eben auch leisten kann. Die Evolution der Band ist eingefroren – die Raffinesse im Einsatz der Hebel zur Massenbegeisterung hingegen nicht.  

Da ist sie also wieder, diese wuchtige Hammond-Wand, die die stets klar herausgearbeitete Gitarrenphrase in typischer Mick Box-Prägung grandios in Szene setzt – gewürzt mit der ausgefeilten und ansteckenden Melodiösität von Bernie Shaws Leadgesang, atmosphärisch  unterstützt durch die charakteristischen Vokalharmonien. Gleichzeitig lässt sich festhalten, dass »Outsider«, im Vergleich zu den Alben »Wake« the Sleeper« und »Into the Wild«, bei weitem den engagiertesten Russell Gilbrook am Schlagzeug präsentiert. Der Mann hat bis dato am meisten von seinem eigenen schlagzeugerischen Charakter in die Heep-Musik eingebracht – auf dem Album sticht dabei besonders der verstärkte Einsatz und die Hervorhebung des Doppel-Bassdrum-Pedals hervor, das die grundlegenden Rhythmusstrukturen adelt und die dynamische Entwicklung der Songs belebt (The Outsider).

Uriah Heep bleiben  auch mit dem neuen Album routinierte Meister der Kompaktheit und großer melodischer Ausgefeiltheit der führenden musikalischen Formen. Die Band ist so erfahren im Aufbau von Arrangements, dass ihr schlicht keine Fehler unterlaufen.  In diesen eingespielten Sphären schöpfen sie aus einer bewährten Rezeptur, mit der sie vorhersehbar und bis zu einem gewissen Grad sofort zugänglich agieren. »Outsider« trägt wieder einmal einen enorm dichten, dynamischen, kompakten und fast schon »Live«-Sound in der Produktion. Die Band hat wieder »am Stück« im Studio aufgenommen, als Einheit! Als würden sie ein Konzert spielen. Die meisten Soli hat Mick Box im ersten Anlauf eingespielt. Eine große Stärke also, die Garantin der großen klanglichen Authentizität von Uriah Heep. Auch dieses Album besitzt, wie eine Reihe früherer Uriah Heep-Alben, neben vollendeter Musikalität auch das atmosphärische Element der Bombastik (Pompösität).

»Outsider« bringt eine Handvoll Texte mit, deren Verse zeigen, dass sich Uriah Heep inhaltlich ausgeschrieben und verbraucht haben. Sie verwenden Formulierungen, die sie schon in Texten früherer Alben benutzt haben, und diese poetische »Verarmung« fällt besonders an den Stellen auf, wo die Songs in Refrainwiederholungen übergehen – was naiv wirkt (z. B. das verniedlichte Rock the Foundation, Looking At You oder Jessie). Zum Glück findet sich auf dem Album kein Song mit einem so »plumpen« Refrainhook wie Nail on the Head vom Vorgängeralbum »Into the Wild«.

Unter den letzten drei Alben der Band gilt »Outsider« als das „hellste“. Es ist ein ausgesprochen optimistisch ausgerichtetes Album, worauf sofort der Opener Speed Of Sound , hinweist, ebenso wie der direkt danach mit verführerischem Swing wippende Rock-n‘-Roll-er und erste Singleauskopplung des Albums One Minute. In diesem Kontext entfaltet sich auch Looking At You, das angesichts der hohen Kompaktheit seiner melodischen Formen durchaus als weitere Single des Albums hätte herausgegeben werden können. Der Titelsong ist wieder einer jener, die die Magie von Hits à la Free N‘ Easy beschwören wollen.  Eine willkommene atmosphärische Wende bringt der beste Song des Albums Can’t That Take Away, das sich in seinem dramatischen Moment an der Stimmung der Uriah Heep-Alben »Sonic Origami« (1998) und »Sea Of Light« (1995) orientiert – vor allem wegen  der Gitarrenphrasen von Mick Box und natürlich mit dem grundlegenden Unterschied, dass Uriah Heep auch auf diesem Album keine Synthesizer verwenden, sondern ausschließlich die Wucht der Hammond-Linien.

Uriah Heep fühlen sich in dieser »Status quo«-Situation wohl. Erfahrung und Routine stehen ihnen zur Seite, weshalb ihnen kein kreativer Ausrutscher unterlaufen kann. Erwartungsgemäß haben wir das erwartete Album der Band bekommen. Es ist wieder sehr hochwertig. Es »steht« glaubwürdig da und erfüllt alle geforderten musikalischen Standards der Uriah Heep-Stereotypik der letzten sechs Jahre. »Outsider« bringt keinerlei konzeptionelle Herausforderungen mit sich. Weder in stilistischer noch in klanglicher Hinsicht.

Besetzung

Bernie Shaw – Gesang, Hintergrundgesang 
Mick Box – Gitarre, Hintergrundgesang 
Phil Lanzon – Keyboards, Hintergrundgesang 
Dave Rimmer – Bassgitarre, Hintergrundgesang 
Russell Gilbrook – Schlagzeug, Hintergrundgesang

Produktion

Mike Paxman

Trackliste

1. Speed Of Sound
2. One Minute
3. The Law
4. The Outsider
5. Rock The Foundation
6. Is Anybody Gonna Help Me?
7. Looking At You
8. Can’t Take That Away
9. Jesse
10. Kiss The Rainbow
11. Say Goodbye

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