Into The Storm
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Pell, Axel Rudi
Label: SPV Records
Veröffentlichung: 2014
Laufzeit: 57:16
Wertung: 4/5
Noch ein paar Worte zum neuen, insgesamt schon sechzehnten Studioalbum des »deutschen Richie Blackmore« oder, ganz direkt gesagt, des Meisters der Sechssaitentheorie Axel Rudi Pell. Wenn der Mann ein Album rausbringt, weiß man genau, was einen erwartet. Man weiß genau, dass es die deutsche Antwort auf die großen Werke der Siebziger ist, als die bedeutendsten Platten des Rock-Pioniergeistes entstanden. Für Axel sind das definitiv die ersten drei Rainbow-Alben!
Axel Rudi Pell ist ein außerordentlich erfahrener Gitarrist, Komponist, Arrangeur und Produzent. In den Achtzigern hat er sich bei der deutschen Band Steeler die Sporen verdient, bevor er seinen eigenen musikalischen Weg einschlug. »Into The Storm« ist ein Album, das Mitte Februar dieses Jahres seine erste Promo-Tour durch den alten europäischen Kontinent erlebt hat. Im September folgt der zweite Teil, und im Sommer kann man Axel Rudi Pell bei dem ein oder anderen Festival erwischen – die größte Chance dafür bietet sich im Rahmen des diesjährigen Bang Your Head!! Festivals im deutschen Balingen.
Na ja, liebe Rocker! „Der große unersättliche Rainbow-Fan“ hat diesmal sogar eine Änderung vorgenommen. Und die ist über das gesamte Album hinweg hörbar, obwohl sie den Stil nicht um ein Jota berührt. Axel hat sein langjähriges Bandmitglied Mike Terrana ersetzt und eine Schlagzeug-Legende in seine Reihen rekrutiert! Den hochverehrten Bobby Rondinelli. Rondinelli ist ein Typ, der einst bei Rainbow gespielt hat, aber auch für die Großen Blue Öyster Cult und Black Sabbath. Rondinelli trat 2005 in der Nähe Sloweniens mit der Band The Lizards auf. Damals spielten sie ein Konzert im italienischen Treviso (als Vorgruppe von Glenn Hughes)
Dennoch bringt »Into the Storm« noch einen weiteren Unterschied gegenüber den Vorgängerwerken mit sich. Neben Rondinelli bringt es eine andere Atmosphäre. Es ist nämlich düsterer ausgerichtet als die vorherigen Werke. Es besitzt eine etwas modernisierte Produktion, einen fetteren Gitarrensound, und die Rhythmussektion ist deutlich kontrastreicher und druckvoller herausgearbeitet. Bobby Rondinelli ist ein ausgeprägter körperbetonter Drummer. Sein Schwung ist charakteristisch erkennbar. Er trägt seinen eigenen Charakter. Wie seine Übergänge – die Rolls. Das schafft nicht jeder Drummer. So war und bleibt auch Terrana. Auch Terrana hatte sein persönliches Schlagzeug-Dossier dabei, das die meisten Studioproduktionen von Axel Rudi Pell bereichert. Rondinelli hingegen trommelt in technischer Hinsicht spürbar anders. Und das ist gut. Denn Pells charakteristisch erkennbare Kompositionsschablone gewinnt dadurch die dringend nötige Belebung, Auffrischung und dynamische Steigerung! Rondinelli platziert schon mit dem ersten Stück einige typische kanonenhafte Übergänge, bei denen es nicht schwer fällt, Parallelen zu seinem Beitrag innerhalb der im vorigen Absatz genannten Bands zu ziehen. Der Sound ist diesmal außerordentlich aufgeplustert und lawinengleich. Wer unvorbereitet ist, dem können urplötzlich die Ohren bluten! Den ausgeprägten Kontrast zwischen den Gitarrenphrasen und der Rhythmussektion überhöhen in der Atmosphäre wieder ausgeprägte Keyboardteppiche!
Johnny Gioelli bleibt standesgemäß. In der Vokalinterpretation grandios. So wie eh und je, seit er dem Pell-Team erstmals für das Album »Oceans Of Time« (1996) beigetreten ist! Der stimmlich einzigartige Sänger, der innerhalb seiner Stamm-Band Hardline wieder voll aktiv ist, fasziniert mit seiner unverkennbaren Saftigkeit. Die bleibt eine herrliche Mischung aus hochdominanter melodischer Reinheit und rauer Kehligheit. Tower Of Lies ist der typische pompöse Eröffnungs-Brecher, nach bewährtem Rezept von Axel Rudi Pell zurechtgeschnitten. Damit drängt das Album sofort in die vertrauten Erwartungen. Einen Handbreit daneben schließt sich Burning Chains an. Wieder ist Pell am stärksten im Komponieren mittelschneller Hard-Rock-Suiten. Man kann von Mini-Epen sprechen, denn alle Stücke tragen eine Fülle von Übergangs-Ornamenten, raffiniert gewürzt mit der Brillanz von Pells geschickten Händen, die einige atemraubende solistische Eskapaden servieren! Mit Ausnahme von Hey Hey My My mit dem Reim »rock ’n‘ roll can never die«, das als Coverversion von Neil Youngs Original irgendwie nicht ganz „zusammenpasst“ mit dem restlichen Material, ist „Into The Storm“ ansonsten ein typisches Pell-Produkt. Den Höhepunkt des Albums stellt natürlich die abschließende epische Suite Into The Storm dar, ans Ende des Albums gestellt. Das Stück, das über zehn Minuten lang ist, ist auch mit »Arabesken« gewürzt, was wiederum keine Neuigkeit für Pell ist.
Fans von Axel Rudi Pell werden auch dieses Album in ihre Sammlung aufnehmen. Alle anderen, die den Musiker nicht kennen, werden vom Album begeistert sein, bis sie merken, dass die letzten fünfzehn ihm sehr ähnlich sind. Wir Dritten werden wieder feststellen: »Gut, wie erwartet und egal was der Titel verspricht, keine Überraschungen!«
Besetzung
Johnny Gioeli – Gesang
Axel Rudi Pell – Gitarre
Ferdy Doernberg – Keyboards
Volker Krawczak – Bass
Bobby Rondinelli – Schlagzeug
Produktion
Axel Rudi Pell
Tracklist
1. The Inquisitorial Procedure (1:48)
2. Tower of Lies (4:26)
3. Long Way To Go (5:32)
4. Burning Chains (5:23)
5. When Truth Hurts ( 6:46)
6. Changing Times ( 6:05)
7. Touching Heaven (7:02)
8. High Above (4:49)
9. Hey Hey My My (5:01)
10. Into the Storm (10:35)