Immortal

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Künstler: Pride Of Lions
Label: Frontiers Records
Erscheinung: 2012
Spielzeit: 50:45
Wertung: 4.5/5

Pride Of Lions, die Band um den ehemaligen Mastermind der AOR-Größen Survivor, Jim Peterik, und den außergewöhnlichen Vokalisten Toby Hitchcock, meldet sich nach einer handfesten Pause von fünf Jahren mit ihrem vierten Langspielalbum zurück.

»Immortal« ist das Album, das wir erwartet haben. Inhaltlich schöpft es aus exakt derselben Formel wie die drei Vorgängeralben der Band. Besonders erfreulich dabei ist, dass Immortal das reifste Werk der Gruppe bis dato ist und eines der besten AOR/Melodic-Rock-Alben, die in diesem Jahr in diesem Genre erschienen sind. Fünf Jahre sind eine ausgezeichnete Zeitspanne, in der eine ganze Reihe brauchbarer Ideen entsteht, die der erfahrene Jim Peterik — ein Mann mit vier Jahrzehnten professionellem musikalischen Schaffen im Rücken — mit großer Weisheit und einer studio- und arrangementtechnischen Versiertheit einsetzt, die ihm im Bereich des Melodic Rock heute kaum jemand gleichzutun vermag. Kein Wunder, dass Survivor ohne ihn mittlerweile seit sechs Jahren in Folge kein einziges Album auf die Reihe gebracht hat. Und es werden wohl noch ein paar mehr vergehen, bis diese legendäre Band des West-Coast-AOR-Prinzips in dieser Hinsicht wieder Lebenszeichen von sich gibt.

Anders als seine ehemaligen Weggefährten hört es bei Peterik nicht auf zu blitzen im Kopf. Frucht davon ist ein neues, hervorragendes Albumm der Band, dem man schlicht keinen Fehler vorwerfen kann. Peterik hat sich erneut eine Reihe bewährter musikalischer Kollegen zusammengeholt, die ihre Arbeit als engagierte Studiomusiker ausgezeichnet verrichten. Darunter auch Night Ranger-Sänger und Schlagzeuger Kelly Keagy, der auf sechs Tracks als Drummer zu hören ist. Zum Teil dieses eingespielten Teams gehört auch Toningenieur Larry Millas, der Peterik erneut bei den abschließenden klanglichen Definitionen des Albums »Immortal« zur Seite stand.

Die Momente, in denen das neue Album endgültig von seiner hohen Qualität überzeugt, sind einmal mehr die Balladen. Man kann sagen, dass das keine Überraschung mehr ist, wenn es um die kompositorische Ausdruckskraft von Jim Peterik geht. Der Mann hat in der Vergangenheit eine Reihe monströser, mit Pomp eingefärbter Drama-Operetten-Nummern geschrieben — für Survivor ebenso wie für die Soloarbeiten seines Survivor-Kollegen und Sängers Jimi Jamison. Treibende Balladen, vollgepackt mit melodischer Bombastik, die AOR-typisch in den Refrains ihren Stimmungshöhepunkt erreicht, sind die Momente, in denen das außergewöhnliche Talent der vokalen Interpretation von Toby Hitchcock besonders intensiv aufleuchtet. Peterik-Arrangements und Hitchcocks vokaler Ansatz bilden also ein traumhaftes kreativ-interpretatives Duo, das es im Melodic Rock heute kaum noch gibt. Die Balladen Are You The Same Girl und Everything Money Can’t Buy sind zweifellos die kompositorischen Höhepunkte des Albums »Immortal«.

Diesmal setzt Peterik selbst bewusst einen Kontrapunkt zu Hitchcocks Stimme mit seinem schlankeren, tiefer bis mittel intonierten Timbre — was ein bisschen amüsant ist, wenn man neben sich eine derart überragende Stimme wie die von Hitchcock hat. Das eigentliche Ziel dieses Schachzuges war also das Kontrastieren der Stimmungen und der Ausbau der dynamischen Entwicklung dieser Tracks (Shine On).

Natürlich ist auch ein repräsentatives Element des Survivor-Erbes der Achtziger eingefangen, das vor allem die Songs Sending My Love und das furiose Vital Signs verkörpern (ein Song, der tatsächlich für Survivor geschrieben wurde, bis zum Album »Immortal« aber nie verwendet worden war). Die Entwicklung des Albums selbst ist erwartungsgemäß einem gewissen Schema treu. Das treibende, bombastische Delusional trägt die Atmosphäre nach dem Opener mit dem Titeltrack sofort in schwindelerregende Höhen, ein ähnliches Element wird am Ende mit dem eingängig beschleunigten AOR-Rocker Ask Me Yesterday nochmals kapitalisiert. Dazwischen ist ein Schwung hochdramatischer und melodisch ausgefeilter Tracks eingeklemmt, die qualitativ nicht voneinander abweichen — welche davon ihr zu euren Favoriten kürt, müsst ihr diesmal selbst herausfinden.

Wie gesagt: eines der besten AOR/Melodic-Rock-Alben des laufenden Jahres. Hand aufs Herz: 2012 ist nicht ganz so stark bei AOR-Veröffentlichungen wie das Vorjahr, dennoch wäre »Immortal« auch dann einer der Hauptkandidaten für das stärkste und ausgefeilteste AOR-Werk gewesen, wenn es im vergangenen Jahr erschienen wäre. Es liefert nämlich alles: eine makellos kristallklare und dennoch lebendige Produktion mit perfekter Ausfüllung des spektralen Klangbildes, eine bravouröse Steigerung der Stimmungen und dramatische Theatermomente durch die verführerische melodische Eingängigkeit der Strophe-Refrain-Verbindung (Peteriks Markenzeichen eben) — und über allem thront die perfekte vokale Exekution von Toby Hitchcock, der einmal mehr sein Reifen zu einem der besten AOR/Melodic-Rock-Vokalisten der jüngeren Generation unter Beweis stellt! Ein Album, das für alle Liebhaber des West-Coast-AOR-Prinzips Pflicht ist — allen voran für Fans von Survivor, Journey sowie der Soloarbeiten von Jimi Jamison, Jim Peterik und Toby Hitchcock. 

Besetzung

Toby Hitchcock: Gesang
Jim Peterik – Gesang, Gitarre, Keyboards
Mike Aquino – Gitarre
Clem Hayes – Bassgitarre
Bobby Lizik – Bassgitarre
Kelly Keagy – Schlagzeug
Ed Breckenfield – Schlagzeug
Thom Grifin – Hintergrundgesang 
Marc Sherer – Hintergrundgesang

Produktion

Jim Peterik

Tracklist

1. Immortal
2. Delusional
3. Tie Down The Wind
4. Shine On
5. Everything That Money Can’t Buy
6. Coin Of The Realm
7. Sending My Love
8. Vital Signs
9. If It Doesn’t Kill Me
10. Are You The Same Girl
11. Ask Me Yesterday

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