False Vision

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Autor: Rok Klemše

Künstler: Armaroth
Label: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: year_month
Laufzeit: 19:24
Wertung: 4/5

Die Oberkrain, oder genauer gesagt die Musikszene aus Krainburg, war schon immer stark – besonders in alternativen Musikgenres und noch mehr im Metal. Im Gebiet nördlich der Hauptstadt Ljubljana haben zum Beispiel die Veteranen des Ex-Yu-Thrash Sarcasm ihre Karriere begonnen, und die Hauptstadt der Oberkrain erlebt auch in den letzten Jahren einen Aufschwung mit jungen Bands. Zu diesen Jungspunden gehören die Krainburger Death-Metaller Armaroth, die mit dem Demo-Album Burning Execution (2010) auf die Szene losgestürmt sind und diesen Sommer mit dem EP False Vision noch einen draufgelegt haben.

Die Band, die gerade ihr fünfjähriges Bestehen gefeiert hat, wirft uns mit dem Opener False Vision direkt ins Herzstück der EP-Thematik, die hochaktuelle Fragen des menschlichen Gierens, der Verkommenheit moderner Wirtschaft und Politik, der Blutsaugerei kapitalistischer Lobbys und Medienmanipulation aufgreift (Letzteres nimmt Slavoj Žižek mit seiner brillanten Psychoanalyse in The Pervert’s Guide To Ideology vom vergangenen Jahr aufs Korn). Armaroth haben mit dem EP den Puls der modernen Welt eingefangen, die sich in nichts anderes verwandelt als in die totale Dystopie von Schöne neue Welt und 1984 – und die Krainburger haben dafür die passende musikalische Untermalung des Verfalls geliefert.

Das haben die Jungs vor allem mit ihren zerstörerischen, verheerenden Gitarren erreicht, deren Riffs brennen wie frisch abgeworfenes Napalm. Das Duo Jagodic/Govekar überzeugt mit einer exzellenten Kombination und Verflechtung der Gitarrenlinien, noch mehr aber mit düsteren, morbiden Riffs, die der Schule von Obituary und Bolt Thrower nahestehen. Den Gitarrenriffs gelingt es, genau das richtige Gefühl des Unheimlichen zu weben, das zu den Themen passt, mit denen sich Armaroth in den Texten befassen. Zusammen mit wirklich bewegten Basslinien (die angesichts ihrer Vielfalt und Dynamik ruhig noch etwas weiter in den Vordergrund gerückt werden könnten) erzeugen die Gitarren stellenweise einen ausgeprägt fetten Groove (Modern Man), der dich mit seinem Marsch in einer Blutlache zurücklässt. Das Schlagzeug ist diesmal dasjenige, das am meisten Dynamik liefert, denn Gregorc entfaltet eine ganze Palette abwechslungsreicher Übergänge, schneller sowie langsamer Parts und der obligatorischen, aber geschmackvoll ausgeführten Blast Beats. Aus Filips Kehle bricht zwar ein durch und durch klassischer Death-Metal-Growl hervor, der aber durch seine klare, brutale und unmenschliche Darbietung überzeugt. Stellenweise untermauert ein genau richtig dosierter, aber zugleich subtiler Keyboardeinsatz (Modern Man, Cell That We Bleed In) den Death-Metal-Marsch – und unterstreicht nur noch das unheilvolle Schicksal, das über der verdorbenen Menschheit schwebt.

Armaroth haben mit False Vision einen riesigen Schritt in die richtige Richtung gemacht – sie haben die perfekte Balance zwischen der europäischen (schwedischen) und der Florida-Schule des Death Metal gefunden, mit genau dem richtigen Maß an modernen Elementen. Die exzellente Produktion trifft das richtige Verhältnis zwischen Brutalität und nicht übertriebener Politur des Endprodukts, und für eine selbstveröffentlichte und „budgetfreundliche“ Scheibe ist der Sound schlichtweg umwerfend. Armaroth haben mit dem EP ein solides Fundament für den weiteren Weg gelegt, der überaus vielversprechend ist – also setz dir bis dahin die Brille auf wie Nada in Carpenters Kultfilm They Live und schau hin!

Besetzung

Klemen Govekar – Gitarre
Dino Rebolj – Bass
Andrej Gregorc – Schlagzeug
Martin Jagodic – Gitarre
Filip Košnik – Gesang

Produktion

Armaroth, Damir Juretič

Trackliste

1. False Vision
2. Modern Man
3. High
4. Labyrinth of Greed
5. Cell That We Bleed In

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