Burn It Down
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Dead Daisies, The
Label: SPV Records
Erscheinung: 2018
Laufzeit: 45:52
Wertung: 4.5/5
The Dead Daisies sind eine Supergroup, zusammengehalten von richtig viel Kohle. Eigentümer ist der australische Geldadel, Fliegerliebhaber und Bandgitarrist David Lowy. Die Gruppe wurde 2012 gegründet und hat mit dem neuen Album »Burn It Down« in gerade mal fünf Jahren ihres Bestehens bereits ihr viertes Werk in den diskografischen Katalog eingetragen. Dazu gibt’s noch das Konzertalbum »Live & Louder«. Burn It Down lässt sich guten Gewissens als das beste Studioalbum bezeichnen, das The Dead Daisies bis dato abgeliefert haben.
Offensichtlich hat die Integration von Doug Aldrich während der Entstehung von »Make Some Noise« ihre Wirkung getan! Die Band hat eine neue Serie erstklassiger Riffs aufgezogen, denen allen eine enorme Wiedererkennbarkeit und sofortige Ansteckungskraft zu eigen ist. Ohne sich in die frustrierenden Sackgassen des Komponierens zu verrennen, erobern The Dead Daisies den Hörer wie im Handumdrehen. Der Sound ist roh, fettig, lebendig (fast schon live) donnernd und irgendwie sogar auf eine angesagte Weise dreckig-knusprig. Produktionstechnisch sitzt wieder alles an seinem Platz. Die explosive Rhythmuslinie lebt in extremem Kontrast zu den »giftig« dosierten Gitarrenphrasen und dem charismatischen, meilenweit durchdringenden, rauen Gesang des ewig lausbübisch eitlen John Corabi. Aldrich und Kompanie haben sich offensichtlich in einem Strom außergewöhnlicher Inspiration befunden, und das Album platzt vor erstklassigen Rocksünden. Es klingt »entkleidet«, unpoliert und durch und durch ursprünglich. Bereits der Eröffnungstrack Resurrected kündigt mit seinem ausgedehnten Schlussteil, in dem sich die Band nicht scheut, einen Hauch symphonischer Einlagen zu integrieren, an, dass das neue Album diesmal ein anderes Kaliber hat. Vor allem deutlich weniger ausschweifend, »ernster«, sagen wir lieber: düsterer.
Die Tracks schlagen einer nach dem anderen ein, und das Album lässt in puncto Qualität auf der gesamten Strecke nicht eine Sekunde nach. Kompositorisch knickt es weder ein noch schwankt es — egal ob es sich um das punkig-rock’n’rollige Bitch handelt oder um Tracks mit verführerisch midtempo-gewichteten Riffs und Taktarten wie das zündende Rise Up und Can’t Take It With You. Dazu kommen das mit einem Südstaaten-Feeling angereicherte Judgement Day, das mit Blues-Rhetorik ordentlich beladene What Comes Around, und die balladhafte Schönheit Set Me Free, die man in anderen Zeiten — schon allein wegen der Prince-Strophe — auch als Purple Rain Pt. 2 hätte durchgehen lassen können. Das Album beißt sich von Anfang bis Ende mit der gleichen dynamischen und kompositorischen Intensität durch, ohne auch nur einen Moment nachzulassen. Den klassischen Hard-Rock-Schlag setzen der Titeltrack und Leave Me Alone.
Im November 2017 stieß der großartige und charismatische Drummer Deen Castronovo zur Band, der von 1998 bis 2015 bei den AOR-Legenden Journey spielte und außerdem Teil der Begleitbands von Rock-Ikonen wie Ozzy Osbourne, Steve Vai, Paul Rodgers und Geezer Butler war! Besagter Deen, der ansonsten Aldrichs Kollege bei den Revolution Saints ist, gilt auch als exzellenter Sänger und kann, wenn er will, ein hervorragender Stellvertreter für Steve Perry (Journey) sein. Die Daisies brauchen diese Dienste zwar nicht, aber Deen beteiligt sich — genau wie Marco Mendoza — am Schaffen der Vokalharmonien.
Das Album hat alles. Geld ist eine Sache, vereinte Talente auch, aber über allem thront eine außergewöhnliche Chemie, die diese Band zusammenhält und die sich auf dem vierten Studioalbum nun endlich vollständig ausgezahlt hat und mit aller künstlerischen Brillanz erstrahlt. Wenn du nach einem ursprünglichen Hard-Rock-Album suchst, wird Burn It Down dich unaufhaltsam dorthin entführen, in diese sorglosen Achtziger — mit dem Unterschied, dass es produktionstechnisch außergewöhnlich ruppig, fettig und auf Anschlag gedreht ist. Vor allem düster. So düster wie die seltsamen neuen Zeiten der schönen neuen Welt. Brenn’s nieder bis auf die Grundmauern!
Besetzung
John Corabi – Gesang, Akustikgitarre
David Lowy – Gitarre
Doug Aldrich – Gitarre
Marco Mendoza – Bass, Hintergrundgesang
Deen Castranovo – Schlagzeug, Hintergrundgesang
GASTMUSIKER:
Marti Frederiksen – Keyboards, Perkussion, Hintergrundgesang
Produktion
Marti Frederiksen
Trackliste
01. Resurrected
02. Rise Up
03. Burn It Down
04. Judgment Day
05. What Goes Around
06. Bitch
07. Set Me Free
08. Dead and Gone
09. Can’t Take It With You
10. Leave Me Alone
11. Revolution*
*…. Bonustrack (orig. The Beatles)