AkordeON

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Dovč, Janez
Label: Celinka
Erschienen: 2015
Laufzeit: 48:44
Wertung: 4.5/5

Janez Dovč ist einer der kreativsten Musikkünstler Sloweniens in den letzten Jahren. Er ist überall präsent — und dennoch immer noch zu selten zu erleben. Der Musiker, der sich schrittweise zu einem herausragenden Autor und Solisten-Interpreten entwickelt hat, machte erstmals in den Bands Terrafolk und Jararaja auf sich aufmerksam. Dovčs erstes eigenständiges Werk folgte daher erst 2008, als er das Album Filharmonika: Janez Dovč & Orkester Slovenske filharmonije (Slovenska filharmonija) aufnahm. Neben zahlreichen Gastauftritten und aktiven Kooperationen innerhalb vieler Musikprojekte verzeichnete er in den letzten zwei Jahren noch zwei äußerst interessante Veröffentlichungen. Die erste ist das Projekt namens Baraka, wo er seine Kräfte mit dem Tubisten Goran Krmac und dem Schlagzeuger Nino Murešković vereinte, die zweite unter dem Titel »Pomladne sanje«, in Zusammenarbeit mit der Sängerin Brina Vogelnik.

»AkordeON« ist ein äußerst ambitioniert angelegtes Album, das das Spielen des Akkordeons auf einen besonderen Platz im musikalischen Universum stellt — einen, der weit weniger gewöhnlich ist als jener, den wir beim alltäglichen Umgang mit diesem Instrument normalerweise erleben, das im slowenischen Raum seit jeher mit dem obligatorischen Volksmusik-Stempel behaftet ist. Dovč hat sich bei der Entwicklung frischer Ideen und ihrer Ausformung stark auf Klangmanipulation gestützt. Damit schuf er Harmoniekontraste, entwickelte einen rhythmischen Unterbau, fügte rauschende Klangeffekte hinzu — kurz: In dieser Situation ist Programmierung eine unermessliche Form des Vergnügens, die zugleich inspiriert und reizt, wenn man sich mit dem Feuer experimentellen Erkundens ans Werk macht. Alles, was ihr auf diesem Album hört, kommt aus einem einzigen, immer gleichen Instrument — dem Akkordeon eben. Abgesehen von gelegentlichen Arrangementfärbungen durch Vocals, die als zusätzliches Instrument fungieren (Texte fallen weg). »AkordeON« ist damit ein durch und durch instrumentales Album.

Neben ungeahnten musikalischen Talenten ist Dovč auch ein äußerst versierter und geschickter »Handy Man«, wobei ihm auch sein Physikstudium eine solide Grundlage dafür liefert. Der Mann experimentiert nämlich seit einigen Jahren mit elektronischen Effekten am Akkordeon, und sein neues Studioalbum lässt sich in dieser Hinsicht am sinnvollsten mit dem Projekt Baraka in Verbindung bringen, wo er diese Technik der Präsentation musikalischer Ideen erstmals konkreter ausprobiert hatte.

Das Album trägt bei allem Experimentieren außergewöhnliche Musikalität in sich. Es wirkt klanglich sanft und fein. Es trägt das Merkmal der Ursprünglichkeit. Das musikalische Profil, für das das Album steht, setzt sich aus Elementen der elektronischen Musik, der Weltmusik und des Jazz zusammen — und fast jeder Titel ließe sich problemlos als Filmmusik einsetzen.

Das Akkordeon ist häufig mit zusätzlichen Klangeffekten ausgestattet, die die Tiefe des Klangbildes dankbar erweitern und die Klanglandschaft malerisch kontrastreich einfärben. Das Grundmotiv ist mit zusätzlichen »Unter-Harmonien« harmonisiert, die die Klanglandschaft des einzelnen Stücks verdichten.  Eine Vielzahl nachhallender und minimalistisch gestalteter Klänge, die den Kern der Leitmotive umhüllen, begleiten uns auf dem Album. Die Stücke werden in der klanglichen Sanftheit der Leitmotive fast zerebral geführt. Man kann mit ihnen schnell weit driften, weit jenseits des Rationalen. Sie entführen dich in einen Zustand mentaler Versunkenheit, ins Abkoppeln des Bewusstseins. Natürlich — wenn du dich dem zu überlassen wagst.

Da das Album ausgeprägt melodisch ist, lässt es sich zu jedem beliebigen Moment des Tages bzw. in jeder Situation hören, die euer »bescheidener« Alltag euch auferlegt. Angesichts von Dovčs feinsinnigem Gesamtzugang zur Gestaltung der Klangbilder der Stücke und dem ungeahnt geschickt abgestimmten Experimentieren wirkt das Album dennoch allgemein zugänglich und unglaublich gefällig bereits beim  Hören »auf Anhieb«. Die Atmosphäre ist erkundend weitläufig, oft melancholisch, aber auch erweckend und optimistisch. Die Stücke sind größtenteils ruhig, doch findet sich auch der eine oder andere freche Hopser — etwa das Stück auf Position Nr. 5 Schrödingerjeva mačka, das Dovč als erste Vorstellungs-Single des Albums diente.

Janez Dovč hat auf dem Album »AkordeON« wirklich alles an den richtigen Platz gesetzt. Alle Bausteine liegen und koexistieren auf dem Album in einzigartiger Symbiose, und das Werk ist durch kein Element überfrachtet, noch fehlt irgendetwas. Es handelt sich um ein außerordentlich schönes, ganzheitlich gestaltetes und vollendetes sowie artistisch reifes Album, das ungewöhnlich und deshalb außergewöhnlich anziehend wirkt. Es wirkt authentisch eigenständig, einzigartig und unglaublich souverän. Interessant wird sein zu beobachten, wohin sich Janez Dovč auf dem Feld des musikalischen Erkundens des noch Unentdeckten noch begeben wird. Der eingeschlagene Weg ist unglaublich verlockend, und auf ihm eröffnen sich dem Musiker immer neue Herausforderungen. Hoffen wir, dass er sie angeht. 

Besetzung

Janez Dovč – Akkordeon, Programmierung

Produktion

Iztok Turk & Janez Dovč

Trackliste

1. Schoreditch Tango
2. Turingova lokomotiva
3. Kvarkova svatba
4. Ples v nevihti
5. Javorjev drevored
6. Schrodingerjeva mačka
7. Beločrni burkeži
8. Štefanov tok
9. Prebujanje
10. Razgled
11. Nežen pristanek
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