Giftiger Aufstieg: Bullet For My Valentine und Trivium über Wien (2025)
Bullet For My Valentine & Trivium (Vorband: Orbit Culture)
Wien / Wiener Stadthalle / Österreich
Mittwoch, 19. 2. 2025
Zwei Metal-Giganten haben ihre Kräfte für eine Jubiläumstournee namens The Poisoned Ascendancy gebündelt. Bullet For My Valentine und Trivium feiern 20 Jahre ihrer bahnbrechenden Alben The Poison und Ascendancy, die die Metal-Szene zu Beginn des Jahrtausends nachhaltig geprägt haben. Diesmal lockten beide Bands rund 8000 Fans in die Wiener Stadthalle, wo ein Abend voller Nostalgie, Energie und musikalischer Kraft auf dem Programm stand.
Den Abend eröffnete das schwedische Melodic-Death/Groove-Metal-Quartett Orbit Culture, das sich in den letzten Jahren als eines der heißesten Namen der jüngeren Extreme-Metal-Generation etabliert hat. Schon mit dem Opener Descent deuteten sie an, dass die Bühne für ihre Vision nicht zu groß ist. Der charismatische Sänger und Gitarrist Niklas Karlsson packte das Publikum von den ersten Takten an mit Stimmumfang und Intensität, während das Gitarrenduo Karlsson–Hansson ein saftiges Netz aus melodischen, aber knallharten Riffs webte. Die Rhythmusfraktion Lennartsson–Wallerstedt lieferte das solide Fundament, das die Menge zu einheitlichem Headbangen antrieb.
Die Band strahlte Eingespielheit und Selbstbewusstsein aus, unterstrichen durch ein durchdachtes visuelles Konzept und Lichteffekte, die die Dramaturgie der Songs betonten. Den Höhepunkt ihres Sets bildete das abschließende Vultures of North, wo ein echter Klangsturm losbrach, der in der Halle eine kathartische Atmosphäre erzeugte. Orbit Culture haben bewiesen, dass sie problemlos neben den Größten bestehen können – und gleichzeitig gezeigt, dass sie die Zukunft des Metal sind.
Setliste Orbit Culture:
01. Descent
02. North Star of Nija
03. From the Inside
04. While We Serve
05. Vultures of North


















































Es folgten die walisischen Bullet For My Valentine, die zuletzt vor zwei Jahren in Wien zu Gast waren. Diesmal kehrten sie mit dem Konzept „20 Jahre Album The Poison“ zurück. Schon mit dem Opener Her Voice Resides kündigten sie einen Abend voller explosiver Energie und Refrains an, die die Menge lautstark mitsang – und wer aus dem Fotopit nach rechts schaute, hatte das Gefühl, das brutalste Déjà-vu seines Lebens zu erleben. Ist das Dean Winchester alias Jensen Ackles an der Gitarre?! Nein, war es nicht, aber Bassist Jamie Mathias hatte offensichtlich sehr viel Supernatural geschaut, denn Kleidungsstil und Frisur sind identisch mit Jensens Rolle aus der Serie. Es folgten Klassiker wie 4 Words (to Choke Upon) und das zeitlose Tears Don’t Fall, das diesmal ein interessantes Gewand bekam – mit einem akustischen Einschub, bei dem die ganze Halle mitsang, worüber Matt sichtlich erfreut war und mehrfach zustimmend nickte, bevor es in die eigentliche Metal-Version überging. Eine wirklich interessante Setlistenwahl übrigens, denn man hätte eigentlich nicht erwartet, diesen Song im Pit zu erleben – in einem „normalen“ Set wäre er definitiv für die Zugabe aufgespart worden.
Die Band präsentierte das gesamte Spektrum ihrer unverkennbaren Mischung aus Melodie und Schärfe. Matthew Tuck hielt mit seinem Gesang Bühne und Publikum den ganzen Abend in kompaktem energetischem Trubel, Gitarrist Michael Paget steigerte die Atmosphäre mit präzisen Soli noch weiter. Jason Bowld diktierte mit unerbittlichem Drumming das Tempo, das bis zum Ende des Sets auf hohem Niveau blieb, während Jamie Mathias neben seinen trainierten Basslinien auch übte, Matt Tuck die Blicke der Fans abzujagen. Den Abschluss des regulären Sets bildeten der Titeltrack The Poison und The End, die einen echten Nostalgiegipfel erzeugten, während Knives und Waking the Demon in der Zugabe für einen explosiven Ausklang sorgten.
Setliste Bullet For My Valentine:
01. Her Voice Resides
02. 4 Words (to Choke Upon)
03. Tears Don’t Fall
04. Suffocating Under Words of Sorrow (What Can I Do)
05. Hit the Floor
06. All These Things I Hate (Revolve Around Me)
07. Hand of Blood
08. Room 409
09. The Poison
10. 10 Years Today
11. Cries in Vain
12. The End
—Zugabe—
13. Knives
14. Waking the Demon














































































































































Den Abend beschlossen die amerikanischen Metalcore-Giganten Trivium, die ihn ihrem bahnbrechenden Album Ascendancy in voller Länge widmeten. Nach dem eingespielten Intro von Metallicas Hit the Lights eröffneten Trivium mit Rain und Pull Harder on the Strings of Your Martyr, die die Bühne im Nu in ein Energiezentrum verwandelten. Matthew Heafy verband das Publikum mit seiner Bühnenpräsenz und vokalen Vielseitigkeit, Corey Beaulieu unterstrich mit scharfen Riff-Sequenzen und Soli die technische Perfektion der Band.
Ein besonderes Highlight setzte das Schlagzeugsolo von Alex Bent, das das Publikum auf die Beine brachte und nahtlos in A Gunshot to the Head of Trepidation überging. Die Band setzte mit einer Reihe von Klassikern fort – Dying in Your Arms, Like Light to the Flies, The Deceived – und erzeugte das Gefühl einer gemeinsamen Feier der geteilten Leidenschaft für Metal. Bei Declaration erfasste eine mächtige Klangwand die Halle und beschloss den regulären Teil des Sets. In der Zugabe servierten TRIVIUM noch das hymnische In Waves, bei dem die gesamte Halle in gemeinsamen Gesang ausbrach.
Setliste Trivium
01. Rain
02. Pull Harder on the Strings of Your Martyr
03. Drowned and Torn Asunder
04. Ascendancy
05. A Gunshot to the Head of Trepidation
06. Like Light to the Flies
07. Dying in Your Arms
08. The Deceived
09. Suffocating Sight
10. Departure
11. Declaration
—Zugabe—
12. In Waves
























































Der Abend in der Wiener Stadthalle bot drei verschiedene, dabei völlig harmonisch aufeinander abgestimmte Konzertgeschichten. Orbit Culture erwiesen sich als ideale Vorband, die auf großen Bühnen problemlos bestehen kann. Bullet For My Valentine erinnerten mit The Poison an die goldene Ära des Metalcore und bestätigten ihren Status als Klassiker. Und Trivium lieferten mit Ascendancy eine kompromisslose Show, die Nostalgie und schonungslose Kraft vereinte. Die Jubiläumstournee The Poisoned Ascendancy hat in Wien ihren Ruf als eines der wichtigsten Metal-Events des Jahres mehr als verdient.
Autor: Denis Paradiž
Fotos: Denis Paradiž