Whitesnake verpassten der Hala Tivoli eine giftige Dosis Heavy Rock (2016

KLEMEN UDOVČ
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Ort: Ljubljana / Hala Tivoli / Slowenien
Datum: 12.07.2016


Whitesnake sind eine weitere Kultband aus dem goldenen Zeitalter des Classic Rock, die sich mit ihrer aktuellen Tour namens ‚The Greatest Hits‘ langsam von ihren treuen Anhängern verabschiedet – zumindest wenn man den Worten ihres charismatischen Gründers, Bandchefs und Sängers David Coverdale glauben darf, dass es sich um ihre letzte Konzert-Odyssee handelt. David, der sich seinen Weltruhm bereits als Sänger der legendären Deep Purple erarbeitete, bevor er nach einem kurzen Solo-Abenteuer Whitesnake gründete – zunächst ein Bluesrock-Kollektiv, das in der zweiten Hälfte der Achtziger zu einem kommerziell überaus erfolgreichen Hard Rock/Metal-Behemoth mutierte –, wird so oder so als einer der besten Rocksänger aller Zeiten in die Geschichte eingehen.

Davids Stimmbänder haben ihm in den letzten Jahren ordentlich zu schaffen gemacht, doch nach einer kurzen Pause vom Konzertbetrieb haben sie sich auf mysteriöse Weise regeneriert, und jetzt singt er die langjährigen Klassiker wieder so, wie es sich gehört. Natürlich nicht so wie in seinen besten Zeiten – der Kerl wird diesen September immerhin schon 65 –, aber deutlich besser als wir es in den letzten Jahren von seinen Konzertauftritten gewohnt waren.

Whitesnake eröffneten in der Hala Tivoli in Ljubljana ihre aktuelle Tour, weshalb dieser Abend auf jeden Fall etwas Besonderes war. Die nordirische Vorband The Answer wirkte mit ihrem bluesuntermauerten Hard Rock wie ein kompletter Klon der legendären Led Zeppelin und begeisterte daher vor allem deren Anhänger, obwohl sie während ihres ordentlich gespielten Auftritts erschreckend wenig originellen Soundansatz demonstrierte. Bei all den Led Zeppelin-Imitationen fehlte eigentlich nur noch ihre Version von »Stairway to Heaven«, aber das wäre wohl ein zu komplexes Unterfangen für eine Band, die vor allem auf Direktheit und Kompaktheit setzt. Die zwei seltenen Momente, in denen die nordirischen Hardrock-Unterhalter versuchten, etwas eigenständiger zu klingen, wirkten ziemlich zäh und blass – also wirklich besser, sie bleiben auch künftig beim treuen Kopieren ihrer großen Vorbilder. Aus der Mittelmäßigkeit rettet die Band ihr charismatischer Sänger Cormac Neeson, der es mit dem Anheizen des kleinen und nicht allzu begeisterten Publikums etwas übertrieb – aber wenn nichts anderes: The Answer waren zumindest stilistisch eine ganz gute Wahl als Vorband und verdienen schon dafür einen Daumen hoch.

David und seine Whitesnake-Gefolgschaft aus Spitzeninstrumentalisten marschierten mit erwarteter Autorität auf die Bühne und versetzten das Publikum mit dem Eröffnungsstück »Bad Boys« aus ihrem berühmten, überaus erfolgreichen Album »Whitesnake« (1987) sofort in Delirium. Herr Coverdale strahlt auf der Bühne nach wie vor außergewöhnliche Vitalität und Charisma aus, und mit seinen unverkennbaren Bühnenbewegungen und dem gelegentlichen Hundegeheul erinnert er immer noch an jenen ungebändigten Charmeur aus den Musikvideos, der in den Achtzigern die Schauspielerin und (mittlerweile längst Ex-)Frau Tawny Kitaen eroberte – obwohl er schon seit einer Weile stolzer Großvater ist. Die Whitesnake-Hits folgten einer nach dem anderen, wobei erwartungsgemäß die kommerziell erfolgreicheren Nummern aus der zweiten Hälfte der Achtziger dominierten, als David und seine Gefährten für ungefähr drei Jahre die Lieblinge der MTV-Generation waren und ihre Musikvideos Tag für Tag im Fernsehen liefen.

Nummern aus der Bluesrock-Ära gab es erwartungsgemäß deutlich weniger – wenn man nicht mitzählt, dass die Originalversionen der Hits »Here I Go Again« und »Crying In The Rain« bereits 1982 entstanden, was natürlich nicht ganz fair ist, aber David kann sich dabei jederzeit damit rausreden, dass die aktuelle Tour nun mal ‚The Greatest Hits‘ heißt. Natürlich fehlten auch »Fool For Your Loving« und »Ain’t No Love In The Heart of the City« nicht, das noch ein Stückchen des »Slip of the Tongue« (1989)-Standards »Judgement Day« enthielt. Von der ‚alten Garde‘ ist im aktuellen Line-up nur noch Schlagzeuger Tommy Alridge geblieben, während sich Reb Beach (Winger, ex- Dokken) nach vierzehn Jahren endlich den Status des ersten Gitarristen der Band erkämpft hat. Michael Devin ist seit sechs Jahren in der Band, was für einen Whitesnake-Bassisten nicht schlecht ist, während der erfahrene Gitarrist Joel Hoekstra (Night Ranger, Trans-Siberian Orchestra) und der italienische Keyboarder Michele Luppi (Vision Divine, Secret Sphere) – beide zweifellos Meister ihres Instruments – noch ziemliche Neulinge in der Rolle von Whitesnake-Mitgliedern sind. Beide Gitarristen und Devin hatten erwartungsgemäß auch ihre eigenen Solopassagen, während Alridges pompöser Schlagzeug-Solo-Auftritt – bei dem das Drumkit mit bloßen Händen traktiert wird – direkt nach »Crying In The Rain« folgte.

Eine kleinere Überraschung des Abends war der Song »Slide It In« vom gleichnamigen Album, da sie davon normalerweise kaum etwas anderes spielen als »Love Ain’t No Strainger«, das der dritte Evergreen des Abends war – obwohl es sich um eines ihrer besten Alben handelt. Ebenso überraschten sie mit einem weiteren »Slide It In«-Standard, »Slow ‚an Easy«. Nicht weniger angenehm überraschte die »Slip of the Tongue« (1989)-Liebesballade »The Deeper the Love«, die im Publikum vor allem alle verliebten Turteltauben aufweckte. »Give Me All Your Love« war ein weiterer erwartbarer »Whitesnake«-Standard, der bei keinem Konzert von David und seinen Mitstreitern fehlen darf. Natürlich vergaßen sie auch die beiden Ultra-Hits »Is This Love« und »Here I Go Again« nicht, bei denen das Publikum – das die Refrains lobenswerterweise fleißig mitsang – erwartungsgemäß am lautesten ausrastete. Der Auftritt der ‚weißen Schlange‘ und ihrer Gefährten endete im kurzen Encore auf ziemlich erwartbare Weise mit dem unvergesslichen Drama »Still of the Night«, das einen ihrer wenigen Metal-Momente darstellt. David bestätigte mit der vokal anspruchsvollsten Darbietung am Ende, dass seine Stimmbänder ihm wieder deutlich mehr ‚gehorchen‘ als noch vor Kurzem, als er vor allem beim Erreichen der höheren Lagen ordentlich kämpfen musste.

Das Konzert der Hard-Rock-Legenden ist insgesamt trotz nicht gerade weniger Skeptiker, die fürchteten, ob es überhaupt stattfinden würde, recht schön gelungen, auch wenn der Besuch weit vom Idealen entfernt war. Falls dies einer der letzten Whitesnake-Auftritte in Coverdales mächtiger Karriere war, lässt sich sagen, dass der noch immer vitale Kerl sich von seinen Fans auf mehr als würdige Weise verabschiedet. Trotz des ziemlich tristen Bildes vor dem Konzert stieg die Besucherzahl – unter denen auch einige Jüngere zu beobachten waren, die ein besonderes Lob verdienen, dass sie solche Konzerte besuchen statt Turbofolk – zumindest auf eine einigermaßen erträgliche Zahl. Dennoch lässt diese Zahl keine übertriebene Hoffnung aufkommen, dass das Interesse an der Rockszene in Slowenien sich irgendwie verbessert.

Autor: Peter Podbrežnik
Fotos: Klemen Udovč

Setlist:
1. Bad Boys
2. Slide It In
3. Love Ain’t No Stranger
4. The Deeper the Love
5. Fool For Your Loving
6. Ain’t No Love in the Heart of the City / Judgement Day
7. Guitar solo
8. Slow an‘ Easy
9. Bass solo
10. Crying In The Rain / drum solo
11. Is This Love
12. Give Me All Your Love
13. Here I Go Again
—Zugabe—
14. Still of the Night


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