Robbie Williams – König der Unterhaltung verzauberte die Arena Pula mit einem grandiosen Spektakel! (2023)
Robbie Williams (Vorband: Lufthaus)
Donnerstag, 27. 6. 2023
Pula / Arena Pula / Kroatien
Robbie Williams hat sich Ende Juni dieses Jahres auf den Sommerteil seiner Tournee begeben, um sein 25-jähriges Bühnenjubiläum zu feiern. Anlässlich dieses Jubiläums veröffentlichte der Kerl bereits im September letzten Jahres eine Sondercompilation neu aufgenommener Hits namens „XXV“. Es handelt sich um neu eingespielte Hits, die zudem mit zusätzlichen Orchestrierungen aufgewertet wurden. Zehn Jahre nachdem er das Maksimir-Stadion vollgepackt hatte, schaffte es Robbie, zwei aufeinanderfolgende Konzerte in der Arena Pula restlos auszuverkaufen – macht zusammen 20.000 Besucher (10.000 pro Tag) – wobei wahrscheinlich noch ein paar Tausend drüber waren.
Rockline war beim ersten der beiden Konzerte dabei. Und hatte einiges zu sehen und zu hören. In zwei Stunden und zwanzig Minuten bestätigte der bekannte britische Pop-Rock-Star, dass er einer der überzeugendsten Entertainer auf der Bühne ist. Die Ausstrahlung, die er besitzt, ist außergewöhnlich – ebenso sein funkelnder, lebhafter und verschmitzter Charakter, der seine ausgesprochen gute Laune an diesem Abend in Pula begleitete.
Den Auftakt machte die Vorstellung des Trios Lufthaus, das Williams selbst zusammen mit seinen Kumpels Tim Metcalfe und Flynn Francis mitgegründet hat. Inspiriert von Acid-Musik und Techno-Sampling der Neunziger sowie dem Geist der Stadt Berlin. Auf der Bühne hielten sich in dieser Zeit Metcalfe und Francis auf, die die Musik des Trios präsentierten. Der knackige elektronische Beat, begleitet von Projektionen, kann einen in eine Art Trance versetzen. Doch diesmal war das Ziel des Besuchs ein ganz anderes, weshalb das Knöpfchendrehen und die Tanzschritte zu diesem Musikgenre diesmal nicht sonderlich zündeten.
Gegen halb zehn ging es dann richtig los. Die Location verdunkelte sich komplett. Zunächst waren nur die Silhouetten der Auftretenden vor blauem Hintergrund zu sehen. Williams natürlich in der Mitte. Ein Sprung in den ersten Hit Let Me Entertain You – und die Arena erwacht zum Leben. Stolze achtzehn Leute auf der Bühne. Robbie eingerechnet. Sechs Tänzerinnen, drei Background-Sängerinnen, eine Bläsersektion im Trio-Format und natürlich zwei Gitarristen, dazu Bassist, Schlagzeuger und Keyboarder – der bekannte Guy Chambers, der u. a. auch für die Produktion und das Arrangement der Compilation „XXV“ verantwortlich zeichnet).
Von der Bühne führte auch ein zehn Meter langer Catwalk ins Publikum, den Robbie den ganzen Abend, umringt von den Tänzerinnen, effektiv nutzte. Die Stimme trägt ihn prima – daran gibt es keinen Zweifel. Bevor wir aber tiefer in die Musik eintauchen, die er präsentierte, lohnt es sich hervorzuheben, dass das eigentliche Markenzeichen seines Konzerts die Rituale der intensiven Kommunikation mit dem Publikum sind. Nicht nur während die Live-Musik spielt, sondern auch in den Pausen, die Robbie verdammt geschickt für handfeste Ansprachen an die Menge nutzt. An diesem Abend hat er eigentlich alles über sich erzählt. Mehrmals deutete er an, wie viel ihm dieses treue Publikum bedeutet, das ihn begleitet und unterstützt (auch beim diesmaligen Konzert in Pula) – gleich nach seiner Familie. Vor allem aber unterhielt er in den Momenten, in denen er seinen bildgewaltigen Sinn für schwarzen Humor von der Leine ließ, der zusammen mit den nicht minder ausdrucksstarken Grimassen des charismatischen Musikers das Publikum noch intensiver für sich gewann. Diese Plaudereien Robbies mit dem Publikum, in denen der Star mühelos auch in den Stand-up-Comedian wechselt, nehmen dem gesamten Konzertabend mindestens gute zwanzig Minuten, wenn nicht mehr. Und sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil seiner Konzertspektakel – denn was die Dramaturgie und Theatralik des Abends dabei herausholt, ist schlicht kaum zu beschreiben.
Der Sound war brillant. Die Ausführung makellos. Die Arena erwies sich erneut als perfekte Wahl in Sachen Akustik und feiner Klangcharakteristik. Riesige Leinwände im Hintergrund, mit zwei Screens links und rechts, die Williams auch jenen, die das Konzert von weiter hinten verfolgten, zum Greifen nah brachten. Die Songs wurden auf den Projektionsleinwänden u. a. auch von einer biografischen Reise durch 25 Jahre Karriere begleitet. Der 49-Jährige vergaß dabei nicht, sich bei seinem Sprungbrett Take That zu bedanken – von denen er sagt, er würde jederzeit wieder einsteigen, sollte die Band eine Reunion planen. So spielte er den Take That-Klassiker The Flood, und auch seine Britpop-Freunde vergaß er nicht, als er sich mit dem Team an den Oasis-Klassiker Don’t Look Back In Anger wagte.
Während Candy warf er T-Shirts ins Publikum, und gegen Ende des Songs überflutete ein regelrechter Regen bunter Papierschlangen den Himmel und „regnete“ auf den Boden der Arena Pula herab. Der Star beschwor in der zweiten Konzerthälfte sogar echten Regen herauf – zum Glück blieb es aber bei ein paar dicken Tropfen, mit denen sich niemand aufhielt. Am wenigsten Robbie, der auch in dieser Zeit unbekümmert über den Catwalk tobte.
Das Publikum trug ihn auf Händen. Come Undone, Strong, Feel, Love My Life, … Ganz zu schweigen von Angels, womit er den Auftritt in der obligatorischen Zugabe abschloss. Unglaublich, wenn 10.000 Menschen gemeinsam mit dir die Texte einstimmig mitten in einem römischen Amphitheater singen – und vor dir liegt noch eine weitere solche verrückte und besondere Nacht. Was mochte wohl alles durch Robbies Kopf gehen beim ersten der beiden Abende in Istrien? Eins ist sicher: Die Arena Pula wird er bis ans Ende seiner Tage nicht vergessen. Bei der „Broadway“-Version von Kids war zwar keine Kylie Minogue auf der Bühne, doch zwei seiner Background-Sängerinnen sprangen für das Duett ein.
Wie fasst man die Eindrücke zusammen? Robbie Williams hat an diesem Abend bestätigt, dass die Tage und Jahre, in denen er als aufmüpfiger Rüpel und bartloser Lausbub galt – einschließlich unvergesslicher Momente exzentrischen Zurschaustellens seiner Intimpartien –, hinter ihm liegen, dass er die Stürme und bösen Dämonen, die ihn all die Jahre verfolgten, überstanden hat und dass er im Jahr 2023 mit Auftritten aufwartet, die außerordentliche Reife, Gelassenheit und Zufriedenheit ausstrahlen. Oder genauer gesagt: innere Erfüllung. Es ist schön, einen Singer-Songwriter in einer Form zu erleben, die solche Kraft ausstrahlt. Stimmlich, energetisch – und trotz allem Glanz, den seine spektakulären Shows mit sich bringen, zeigt der Musiker Zugänglichkeit, Volksnähe und in seinen ausführlichen Bekenntnissen sogar Bescheidenheit. Robbie fiel der Abschied an diesem Abend sichtlich schwer. Fürs Finale vereinte er das Publikum noch einmal und sang gemeinsam mit ihm ein A-cappella-Medley der Hits. Konzerttourneen bleiben für Williams also auch im Jahr 2023 ein großer Erfolg, und seine Beliebtheit schwindet ganz und gar nicht! Was will man da noch mehr, kurz vor dem Fünfzigsten?
Autor: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Setlist:
1. Hey Wow Yeah Yeah
2. Let Me Entertain You
3. Land of 1000 Dances (orig. Chris Kenner)
4. Monsoon
5. Strong
6. Come Undone
7. Could It Be Magic (orig. Barry Manilow)
8. Don’t Look Back in Anger (orig. Oasis)
9. The Flood (orig. Take That)
10. Love My Life
11. Candy
12. Feel
13. Kids
14. Rock DJ
—Zugabe—
15. No Regrets
16. She’s the One (orig. World Party)
17. Angels
18. Let Me Entertain You / Strong / Come Undone / Feel / Angels / Candy (‚a capella‘ medley)





























