House Of Lords: Saints And Sinners

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 16. 9. 2022
Produktion: James Christian & Mark Mangold
Albumlänge: 51.29 min.
Genre: Arena Rock / AOR / Hard Rock
Bewertung: 9.0/10


House Of Lords! James Christian! Neues Album! Muss man da noch mehr sagen? Eigentlich nicht. Die Fans dieser kultigen Arena-Rock/AOR-Band haben sich das Ding sofort besorgt. Doch wenn man meint, alles sei gesagt, … widerlegt dich immer wieder der Bandchef, der einzige und unvergleichliche James Christian, der damit einfach nicht einverstanden sein kann.

Das neue Album »Saints And Sinners« erscheint gerade mal zwei Jahre nach dem Vorgänger »New World – New Eyes« (2020, RockLine Rezension), der seinerseits eine weitere Verkörperung dessen ist, was House Of Lords seit der letzten Reunion (Anfang des neuen Jahrtausends) tun – nachdem auf das leicht kontroverse »Power And The Myth« (2004) das Album »World Upside Down« (2006) folgte, das die Dinge wieder ins rechte Lot rückte.

Wer der Band aber noch aus den Zeiten folgt, als sie auf den Flügeln kommerzieller Erfolge des gleichnamigen Debüts (1988) und besonders des Nachfolgers »Sahara« (1990) hoch flog, der wird sagen, dass das neue Album bis dato in gewisser Weise sogar die ambitionierteste Annäherung an die frühe Schaffensphase ist. Aber keine Angst – das ist kein Tribut an den Rock der Siebziger, wie man das über das Abenteuer »Power And The Myth« sagen könnte. Weit gefehlt. James Christian hat sich für das neue Album nämlich den Keyboarder, Komponisten und Produzenten Mark Mangold ins Boot geholt – ein erfahrener Mann, dessen Heimatband die kultigen Achtziger-AOR-Jungs von Touch sind (bekannt auch durch seine Mitwirkung bei American Tears und Drive, She Said). Darüber hinaus ist Mangold vor allem als Songwriter bekannt, dessen Songs von kommerziell äußerst erfolgreichen Künstlern aufgenommen wurden – von Michael Bolton über Cher und Jordin Sparks, Jennifer Rush, Laura Branigan bis hin zu Paul Rodgers, um nur einige zu nennen. Mangold ist ungefähr aus dem gleichen Jahrgang wie Christian, was sehr gut ist. Und mehr noch: Was seinen Beitrag zum neuen HoS-Album betrifft, ist Mangold stellenweise sogar als größte Annäherung an den originalen Greg Giuffria zu betrachten, der in der ersten Schaffensphase der Band einen unauslöschlichen Stempel hinterlassen hat. Das hört man dem Sound des neuen Albums tatsächlich an. Die Keyboards sind in den Arrangements deutlich lebendiger und intensiver eingesetzt. Zuvor – also auf den früheren HoS-Werken des neuen Jahrtausends – hatte sie James Christian beigesteuert, und sie wurden vorwiegend zur Intensivierung der Atmosphäre eingesetzt (Synthesizer-‚Teppiche‘), die durch moderne Produktionsmittel (in der Grundfunktion des kontrastierenden Kolorierens von Gitarrenphrasen) jene hochbombastische Wucht erzeugte, für die das Erbe des House Of Lords-‚Arena Rock‘ bekannt ist. Das gilt auch für die Produktion des neuen Albums, das nach der Neunziger-Ära – die mit dem dritten ‚Giuffria era‘-Album »Demon’s Down« (1992) abgeschlossen wurde – diese klangliche Rhetorik wirkungsvoll aufgreift; diese Ansätze partieller Produktions-‚Verfeinerung‘ durch die ‚zwei cleveren Füchse‘ verleihen dem neuen Album dadurch mehr nostalgisches AOR-Retro-Feeling. Mangold ist ein Gewinn für Christian, durch den er erreicht hat, dass sich das neue Album klanglich deutlich von der Reihe der bisherigen post-millennialen HoS-Werke absetzt. Mangold fügt den Songs Orgeln, Synthesizer, E-Piano und Klavier hinzu und streut stellenweise auch kürzere, aber kraftvolle Solo-Einlagen ein – etwas, das wir bei House Of Lords schon lange nicht mehr gehört hatten.

Also haben wir im Team der neuen House Of Lords jetzt zwei starke Songwriter und erfahrene Produzenten: James Christian und Mark Mangold. Und das mit verträglichen Egos. Das hat entscheidend zu der neuen Klasse beigetragen, die das neue Werk verkörpert. Und mehr noch: eine enorme kompositorische und ideelle Vielfalt, angetrieben durch die außergewöhnliche Erfahrung und die (bewährten) Talente beider Vollblutmusiker. Dazu kommt noch die langjährige Treue von Christians Kumpel, dem hervorragenden Gitarristen Jimi Bell – und damit liegt wieder einmal ein Blatt voller Asse auf dem Tisch.

Genug der Analyse. Auf einzelne Albumhighlights muss man gar nicht erst gesondert eingehen. Die Perfektion ist wieder da. Die Aura der neuen Songs folgt im Grunde allem, wofür die House Of Lords-Alben des neuen Jahrtausends stehen (was kaum überrascht) – aber mit dem zusätzlichen Feinschliff einer noch intensiveren AOR-Eighties-Stimmung, dank der Achse Christian–Mangold, die phänomenal funktioniert. Wäre »Saints And Sinners« Mitte der Achtziger erschienen, würde es heute als großer AOR-Klassiker gelten. Die Atmosphäre platzt wieder vor Pomp und bombastischer Wucht, und mit Christians Kompositionsrezept ist eine höhere Optimierung kaum denkbar als die, die das neue Album liefert. Das gilt unter anderem auch für die phänomenale Ballade Avalanche, die ungefähr in der Mitte des Albums platziert ist. Wie man es auch dreht und wendet: Schnallt euch an und macht es euch in eurem Sessel bequem! Der gute alte James Christian und seine House Of Lords sind wieder da. Diesmal mit gesteigertem Sentiment aus der klassischen Ära der Band an der Wende von den Achtzigern zu den Neunzigern.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Saints And Sinners
2. House Of The Lord
3. Take It All
4. Road Warrior
5. Mistress Of The Dark
6. Avalanche
7. Roll Like Thunder
8. Razzle Dazzle
9. Dreamin It All
10. Takin My Heart Back
11. Angels Fallen

Besetzung:
James Christian – Gesang, Gitarre
Jimi Bell – Gitarre
Mark Mangold – Keyboards
Johan Koleberg – Schlagzeug


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