U.D.O.-Gewitter zieht endlich auch über Ljubljana (2004)

ALEŠ PODBREŽNIK
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„Für die englische Version scrolle bitte runter!“

Ort: Ljubljana / VPK Mediapark / Slowenien
Datum: Dienstag, 25.05.2004


Es war halb acht abends, und die Leute widmeten dem Bier und anderen alkoholischen Erzeugnissen vor der Halle noch immer mehr Aufmerksamkeit als dem, was drinnen ablief. Kurz nach acht legten Majesty los. Die Halle war ziemlich traurig ausgehöhlt, und Majesty starteten ihre Show vor ca. 24, vielleicht 31 Zuschauern, von denen vier in der ersten Reihe sogar wild herumzappelten. Majesty sind halt eine bescheidene Truppe, keine Frage, denn mit so einer Publikumsreaktion gaben sie sich schnell zufrieden. Von der Bühne herab versicherten die Jungs allerdings, dass sie „true“ Metal spielen. Und was soll das ihrer Meinung nach sein? Vielleicht 100%iges Nachäffen von Manowar? Natürlich mit etwas mehr Melodik, vor allem wegen der häufigeren dreistimmigen Harmonien und der schablonenhafter gerahmten Gitarrensoli, die brav den abgegriffenen Tonleitern folgen. Äußerst berechenbare Jungs. Ein weiterer Beweis dafür, dass eine Kopie nicht überzeugen kann, egal wie technisch versiert die Musiker sind, und das sind Majesty zweifellos. Denn sich nur in dem Rahmen zu bewegen, den Manowar mit ihrem unverwechselbaren Stil abgesteckt haben, reicht einfach nicht. Es kettet dich an eine Art mittelmäßige Traurigkeit, die in der Metal-Gemeinde ganz schnell in Vergessenheit gerät. Majesty gingen die Sache aber äußerst korrekt an, gaben maximal Gas und lieferten als Vorband einen beneidenswert guten Sound. Ein dynamischer, eingespielter und ausgefeilter Auftritt, voller metallischer Kampfhymnen, auf hohem Niveau, mir fehlen die Worte. Die Jungs waren begeistert vom wachsenden Publikum während ihres Gigs und von den entsprechend immer lauteren Reaktionen, sodass der Drummer nach dem Konzert sogar drei Drumsticks unter die Leute brachte. Ähnliche Eindrücke überkamen mich bei den Schweizern Crystal Ball, die nach Majesty zu den Klängen von eingespieltem, authentischem Alpenjodeln auf die Bühne „hereinschwoften“. Vor nicht allzu langer Zeit hat der Originalgitarrist die Band verlassen, weshalb sich einer der beiden Gitarristen auch um die Keyboards kümmerte. Die Lücke füllte er sauber aus, und beim Sound und bei der Qualität der Performance fehlte oder haperte es der Truppe an nichts. Diese Jungs verbinden Hardrock-Griffe der Siebziger, vor allem wegen der typisch „hammondigen“ Keyboardlinien, mit klassischen Metal-Riffs, die zwar ausdrucksstark sind und sich im durchschnittlichen Gehirnprozessor des modernen Menschen der Gattung Homo schnell festsetzen, aber schon 100-mal durchgekaut wurden. Das Ergebnis: Crystal Ball klangen mal wie eine Annäherung an so etwas wie Pretty Maids, kurz darauf wie Pink Cream 69, wobei es oft nach echten Schminke-Glam-Metal-Griffen roch. Richtig schockierend war aber der Genresprung, als der Keyboarder zur Rhythmusgitarre griff, denn der Song Lay Dawn The Law (den Namen habe ich mir während des Konzerts sogar gemerkt, weil der Sänger ihn vor dem Song mindestens 5-mal wiederholt hat) baute auf einem galoppierenden, simplen, klassisch „offenen“ Riff auf, was hieß, dass Crystal Ball für einen Moment versuchten, in die Haut der guten alten Accept oder sogar von Judas Priest zu schlüpfen. Und der Songtitel ist auch noch exakt derselbe wie auf dem U.D.O.-Debüt „Animal House“ (1987). Na ja. Sehr langweilig. Das Publikum war aber sehr korrekt, genau wie die Band selbst, die natürlich voll ranging, ebenfalls einen guten Sound lieferte und offenbar ein Häuflein Hitzköpfe effektiv aufheizte, während wir anderen, „allerlei gewohnt“, aus vorsichtiger Entfernung höflich-beiläufig das Geschehen beobachteten. Das Aufwärmen des Publikums vor U.D.O. hat durchaus geklappt, und überhaupt gewannen Crystal Ball Sympathien, denn der Sänger sprach das Publikum auch auf Slowenisch an. Und zwar nicht nur mit „Hvala“, sondern er hatte auch einige schwierigere, ausgefeilte Sätze gelernt, die er für einen gebürtigen Deutschen sogar richtig schön aussprach. Klar, die slowenischen Ansagen hatte er auf einem Zettel stehen. Der Auftritt in der VPK-Halle war für Crystal Ball wie auch für Majesty der letzte Konzerttermin der Thunderball World Tour.

Es war ungefähr zehn Uhr, als der eingespielte James-Bond-Intro erklang und U.D.O. vor das Publikum traten, um sofort mit den glühenden Thunderball und Bullet And The Bomb vom aktuellen Studioalbum „Thunderball“ (2004) loszulegen. Der kernige Bandchef Udo Dirkschneider, ein sympathischer Onkel, ungezähmtes Metal-Herz, echter Metal-Guru und Legende, der in den Achtzigern mit den berüchtigten Accept die Bühnen der weiten Welt füllte, hat mit U.D.O. also die ganze legitime Nachfolge der genannten Giganten angetreten. Die Halle strahlte eine etwas deutlichere Leere aus, verglichen mit der Erfahrung mit Grave Digger im Januar dieses Jahres. Es waren, „nach meinem bescheidenen Auge“, zwischen 249 und 308 Leute zusammengekommen. Neben mir standen vier „geile“ Typen, die ganze neun Stunden aus Split gefahren waren, um U.D.O. zu sehen. Die niedrige Besucherzahl liegt offenbar an der schwächeren Medienkampagne in Slowenien, was die Präsenz der Band auf der Metal-Szene überhaupt betrifft, denn für AFM Records gibt es in Slowenien gar keinen Vertrieb. Ich persönlich bin sogar zum ersten Mal im Leben zu einem Konzert gegangen, um eine Band zu hören, deren aktuelles Studioalbum ich vorher noch gar nicht gehört hatte. Angeblich sollen die Posttarife aus dem Ausland jetzt nach Sloweniens EU-Beitritt drastisch sinken (das versprechen zumindest die Medien), und zwar um bis zu 70 %. Dann können wir die gewünschte Musik künftig zum selben Preis schön übers Internet bestellen und bekommen die bestellte Ware wenigstens mit Sicherheit in absehbarer Zeit auch geliefert. Natürlich nur die, für die CD-Brennen und „Downloaden“ nichts bedeuten.

Jemine, ach du meine Güte! Schon wieder bin ich viel zu weit vom Weg abgekommen. Nachdem Udo den glänzenden „Thunderball“-Mantel abgelegt hatte und in Militärmontur auf die Bühne zurückkehrte, brauste es zum ersten Mal lauter in der Halle, denn U.D.O. brannten als Nächstes den hervorragenden Accept-Klassiker Metal Heart ab („Metal Heart“, 1985). Der erste Teil der Show war bunt gemischt (Accept- und U.D.O.-Zeug).

„All right! Thank you! This is a track from our Solid album, called Independence Day!“, wandte sich Onkel Udo zum ersten Mal ernsthafter ans Publikum. Einer meiner persönlichen U.D.O.-Lieblingssongs beruhigte die erhitzten Köpfe in den ersten Reihen leicht, hob die Atmosphäre mit seinem mittelschnellen Tempo und dem melancholischen, fantastisch gebauten epischen Refrain aber auf ein noch höheres Niveau. Vor allem warte ich in diesem Song immer auf den Moment, in dem Udo sich zu dem Teil der Strophe durchkämpft, den er geschmackvoll mit einem scharfen „R-r-r-r-obotic r-r-age…“ betont. Was für ein Feuer in der Halle aufloderte, was für ein Lärm! Mir schlotterten nicht nur die Hosen, sondern auch alles, was darin steckt, samt sämtlicher lebenswichtiger Organe. Was für ein Geballer, was für ein urwüchsiger Metal-Sound. So etwas zaubern live wirklich nur die Größten hin. Was für eine Metal-Droge!

Igor Gianola und der legendäre Stefan Kaufmann sind der Tradition verschworen und spielen deshalb klassische Gibson-E-Gitarren. Gianola die Modelle LP und Flyin‘ V, Kaufmann durchweg eine Explorer. Nur beim halbakustischen Intro zur orgasmischen Accept-Schönheit Neon Nights griff Kaufmann auch zu einer Fender Stratocaster. Der Sound? Was für eine Magie! Das ist es. Selbstvertrauen, Religion, Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, dem eigenen Willen, der eigenen Vision. Keine Chance, dass die irgendwas kleinkriegt. Die Band griff Slowenien aus allen Stellungen an, mit allem erdenklichen Feuer. Fehlerfrei, die ganze Zeit auf außergewöhnlichem Niveau, die ganze Zeit der Musik, dem Publikum und sich selbst hingegeben. Blietzkrieg on Slovenia!

Der erste Teil endete mit einem Drumsolo. Davor muss ich noch die Darbietung des Songs Blind Eyes hervorheben („Thunderball“, 2004). Obwohl ich das neue Album noch nicht habe, zauberten U.D.O. mit diesem etwas leiseren Stück eine außergewöhnliche Stimmung herbei, vor allem pulsierte darin mit unglaublicher Intensität Fittys Rickenbecker-Basslinie. Der tolle Kontrast zwischen der Rhythmuslinie und Udos einzigartiger Gesangssirene kam voll zur Geltung, während das Geklirre der beiden Gitarren absichtlich in den Hintergrund geschoben wurde.

Nach dem Drumsolo kamen U.D.O. zurück und reihten im zweiten Teil ihrer Show, mit Ausnahme von Metal Eater („Timebomb“, 1991), nur Accept-Klassiker aneinander. Das Volk drehte durch bei Son Of A Bitch („Breaker“, 1983), Restless And Wild („Restless And Wild“, 1982), Up To The Limit („Metal Heart“, 1985), und aus alledem ragte eines der schönsten Accept-Meisterwerke heraus, Neon Nights („Restless And Wild“, 1982). Die Leute waren sichtbar zufrieden (was nicht hieß, dass sie auch gesättigt waren), tobten vor allem durch das gesamte Accept-Erbe wie der Teufel persönlich und unterstützten die Band in den Refrains im Chor aus voller Kehle. U.D.O. gaben dem Volk diese Energie großzügig und selbstlos zurück.

Udo ist nicht nur eine außergewöhnlich charismatische Persönlichkeit, ohne die man sich die moderne Metal-Szene nicht vorstellen kann, er vermittelt auch den Eindruck eines gutherzigen Onkels, der auf der Bühne nicht übermäßig redselig ist, aber die Energie, die der Mann ausstrahlt, und sein Bühnenspiel sagen viel mehr über ihn aus. Udo schüttelte ständig Hände mit den Fans in den ersten Reihen, rannte über die Bühne von einem Bandmitglied zum anderen und feuerte sie wie ein erfahrener Meister unablässig an. U.D.O. wirkten dadurch viel volkstümlicher, den Leuten noch näher (ähnlich echte und positive Gefühle haben auch Primal Fear letztes Jahr beim Rock Otočec hervorgezaubert) als zum Beispiel im Januar in derselben Halle Grave Digger, bei denen man spürte, dass sie durchgehend zumindest ein leises Lüftchen Distanz zum Publikum wahrten, auch wenn ich auch jetzt gleich den Hut vor dem Grave-Digger-Konzert ziehe. Ich will damit sagen, dass U.D.O. vor dem Publikum absolut kein Versteckspiel betreiben. Auch vor kleinerem Publikum gingen sie mit voller Kraft ran.

Auch Igor bekam fünf Minuten zugeteilt, um sich mit seinem hingebungsvollen, phänomenalen Gitarrengefrickel konkret auszutoben, wobei er seinem quietschenden Wah-Wah-Spiel besondere Aufmerksamkeit widmete. Der Junge spielte äußerst entspannt und soloierte sich auf dem Konzert wirklich nach Strich und Faden aus, denn er ist praktisch für fast alle Soli in der Band zuständig. Stefan bekam seinen Vorrang in diesem Bereich nur beim Stück Holy.

Der dritte Teil des regulären U.D.O.-Sets bestand wieder aus einer Mischung aus Accept- und U.D.O.-Songs. Er begann mit Man And Machine („Man And Machine“, 2002), mit einem kybernetisch ausstaffierten Udo im Mittelpunkt. Ich hatte das Glück, in der ersten Reihe links vom legendären Sänger zu stehen, und konnte so die Details von Udos Outfit beobachten. Beim Design des Roboterkostüms haben sich die Designer richtig schlau beholfen. Sie nahmen den Plastikbausatz eines „Revell“-Raumschiffs. Alle, die Plastikmodelle kleben, wissen, dass die Bauteile am Rahmen hängen. Diese Rahmen haben die „sparsamen“ Deutschen, die Designer von Udos Kostüm, einfallsreich ausgeschnitten und in verschiedenen Kombinationen auf das Kostüm geklebt, das Udo trug. So sah der Mann auf der Bühne wirklich wie eine Kreuzung aus Roboter und Mensch aus, aus der elektronische Schaltkreise, Chips und Röhrchen verschiedener „?“-Dinger hängten. Gleich danach setzte Udo seine Show in der schon erwähnten Verkleidung des desertierten Soldaten fort und glänzte weiter mit ohrenzerfetzendem Geschrei in unverminderter Intensität. Die Band legte noch einen Accept-Zünder nach, Balls To The Wall, und zwar ganz am Ende der Setliste des regulären Teils.

Beim letzten Song wirkten U.D.O. so überzeugend und erzeugten eine derartige Magie in der Halle, dass nach dem Schluss, als sie die Bühne schon verlassen hatten, noch lange die „ooooh-oooh-i“-Rufe durch die Halle hallten. Balls To The Wall war eine fantastische Wiedergabe der Version vom U.D.O.-Livealbum „Nailed To Metal“ (2003). Er hatte alles, was sich ein Metal-Eiferer nur wünschen kann. Allen voran ein überaus arroganter, rebellischer Text, gehüllt in ein geniales, simples Grundriff, natürlich mit einem energischen „Auf-drei-vier“-Refrain, der effektiv die Eier zermalmte und so das Publikum unterjochte. Vor allem der Ausgang war fantastisch, der Schluss selbst von außergewöhnlicher Explosivität.

Dazu, dass die Stimmung in der Halle so außergewöhnlich entspannt war, trug neben dem fanatischen Zugang und der Haltung der Band selbst auch der U.D.O.-Tourmanager bei, der kurz vor dem Auftritt der Band die gelb leuchtenden Schergen bat, sich aus der ersten Reihe zu entfernen, sodass während des Konzerts nur zwei an sichtbar störenden Stellen blieben. Einer ganz links außen und der andere ganz rechts außen, so wie es zum Beispiel bei Konzerten im Planet Music in Wien üblich ist. Trotzdem griffen diese „Sicherheitsleute“ (es waren nicht nur zwei) während des Konzerts ein paarmal brutal in die allgemeine Party ein und versuchten sie frustrierend zu ersticken. Dabei waren sie nicht wählerisch bei den Mitteln. Klar, ein Typ ging zu weit, als er mit seinem Bier die Technik begoss, aber deshalb musste man ihn nicht quer durch die ganze Halle über den Boden schleifen und dabei fast die Hälfte aller anderen umhauen. Ein ernsterer Fall von „schweinischem“ Verhalten des Sicherheitsdienstes ereignete sich direkt in der ersten Reihe nahe der Mitte. Neben mir drängelte sich ein Bursche (schon wieder neben mir, grrr …). Diesmal war das Ganze scheinbar völlig harmlos. Und siehe da! Ein Gelber tauchte plötzlich aus dem Nichts auf und packte den Jungen. Der reagierte im Schock natürlich abwehrend und schlug nach ihm. Für den „Sicherheitsmann“ war diese Tat seines Opfers genau der richtige Anlass, um die körperliche Entfernung des Unglücklichen aus der Halle zu rechtfertigen. Es muss nicht extra erwähnt werden, dass der „Sicherheitsmann“ dabei weder bei der Art noch bei den Schlägen wählerisch war, die er dem armen Kerl auch gegen den Kopf verpasste. Wären diese sogenannten „Sicherheitsleute“ je bei Mötorhead gewesen, würden sie wahrscheinlich versuchen, das ganze Publikum aus der Halle zu werfen, denn sie haben nicht die leiseste Ahnung, was die echte Hölle ist.

Dass wir uns auf solchen Konzerten alle gegenseitig schubsen, ist normal und überhaupt nichts Besonderes. Wer bleibt da schon ruhig stehen, wir sind ja nicht das Publikum eines heulenden Pavarotti, das gezwungen auf Stühlchen applaudiert. Gezwungen, weil du in der Oper und auf Jazzkonzerten zu 70 % Leute triffst, die nur hingehen, um sich zu zeigen, und Musik und Künstler geistig gar nicht erfassen. Aber Hauptsache, sie haben die Tickets bezahlt. Und die gelben, scheppernden Uniformierten, die in erster Linie ihre Bezahlung abholen kamen, können die Dinge auch nicht anders deuten, denn die Magie der Musik ist ihnen ein völlig fremder Begriff. Das ist es eben, die Musikkultur in Slowenien liegt auf einem außerordentlich niedrigen Niveau. Aber bei so viel Begeisterung, wie das diesjährige rockige Konzertgeschehen bei uns bietet, können wir hoffen, dass sich auch diese Kultur auf das Niveau der westeuropäischen Länder hocharbeitet.

Zurück zum Thema. Das Volk war in Ekstase, die Halle sang hypnotisiert die „oooh-oooh-e“ aus Balls To The Wall, das mir noch in den Ohren nachhallte. Auch als Kaufmann zurück auf die Bühne kam und das Intro zu Holy („Holy“, 1999) zu spielen begann, kümmerte sich das Publikum kaum darum und ließ sich in seinem Gesang nicht stören. Erst als auch Udo mit den anderen auf der Bühne erschien, erwachte das Volk aus dem hypnotischen Zustand. Udo war zu diesem Anlass als Pfarrer mit Sonnenbrille verkleidet. Hey, der Wahnsinn! Zuerst dachte ich, auf der Bühne stehe Nosferatu, gespielt von Klaus Kinski. Überhaupt ist „Holy“ mein liebstes U.D.O.-Album, und ich geriet in so ein Delirium, dass ich in der Zeile „raise your hands“ sogar versuchte, Udos Gesang nachzuahmen. Im Nu war ich stimmlos. Die Hitze stieg wieder, U.D.O. schalteten mit den Accept-Klassikern I’m A Rebel („I’m A Rebel“, 1980) und dem lautesten, ähm, um nicht zu sagen verrücktesten, kurz: einem Song der reinen Superlative, einer Lektion in echter Metal-Aggression, Lärm und unaufhaltsamer Wut, dem schnellsten Stück der Setliste, Fast As A Shark („Restless And Wild“, 1982), „einen Gang höher“. U.D.O. verabschiedeten sich zum zweiten Mal, aber das Volk blieb hartnäckig und bekam noch eine zweite Zugabe. Die Band blieb bei der erwähnten Accept-Platte und eröffnete die zweite Zugabe mit der mittelschnellen, obskuren, aber epischen Princess Of The Dawn, die U.D.O. in der Version spielten, die auf ihrer Live-Platte „Nailed To Metal“ (2003) zu finden ist. Mit einem Wort: erstklassig! Die Überraschung zum Schluss war zweifellos die Aufnahme des Songs Burning, den U.D.O. bei den März- und April-Konzerten ihrer Thunderball World Tour nicht in die Setliste genommen hatten. Udo fragt die Anwesenden: „Do you want us to play another one?“ Die Antwort war ein gewaltiges „Yeah!!!“, worauf Udo abwinkt, so nach dem Motto: „Ihr seid ja unmöglich, habt ihr noch nicht genug?“, und weitermacht: „All right Ljubljana! Are you ready to rock? Are you ready to roll?“, und so hallte noch ein Accept-Klassiker in die Nacht, der dieses phänomenale, unvergessliche Ereignis der Wiederbelebung der Accept-Magie abrundete, das gut zwei Stunden dauerte. Die Leute drehten komplett durch. Dass das slowenische Metal-Publikum keine Grenzen kennt, bezeugen einige kräftige Kratzer, die ich während des Konzerts als Andenken abbekommen habe. Ein paarmal hätte es mir fast die Schläfe plattgedrückt, weil die Maniacs von hinten in die erste Reihe krachten. Am Hals war ich ganz zerschnitten, weil sich nach dem Konzert so ein Irrer über mich hinweg streckte in der Hoffnung, ein Plektrum zu ergattern, vom malträtierten Ellbogen ganz zu schweigen. Ein Metal-Konzert in Slowenien zu überleben wird für mich offenbar von Jahr zu Jahr zu einer schwereren Prüfung. Du reist fast um die halbe Welt und gerätst in die unterschiedlichsten wilden Situationen, alles läuft immer problemlos, und dann passiert dir ausgerechnet auf einem Konzert in Slowenien so eine Scheiße. Beim Grave-Digger-Konzert hat mir zum Beispiel irgendein Idiot auf dem Parkplatz vor der Halle das vordere Kennzeichen vom Auto abgerissen. Diesmal bin ich dafür mit einem ganzen Haufen Schürfwunden nach Hause gegangen.

U.D.O. machten keinen Hehl aus ihrer Zufriedenheit über die Reaktion des Publikums, bedankten sich aufrichtig und versprachen, wiederzukommen. Die Band wirkt stärker als je zuvor. Wie ich in einer meiner Reviews schon geschrieben habe und was längst keine Neuigkeit mehr ist: U.D.O. haben den einzigartigen Accept-Stil nicht nur geerbt, sondern ihn mit ihrer Existenz und Großartigkeit in jeder Hinsicht noch weiterentwickelt. Mit der Integration von Stefan Kaufmann (der spielte in den Achtzigern bei Accept Schlagzeug, bei U.D.O. ist er jetzt Gitarrist) in die Band auf dem Album „Solid“ (1997) bekamen U.D.O. eine feste Verbindung Dirkschneider/Kaufmann, die beim Schreiben von Musik und Texten perfekt funktioniert. Wenn Gianola in der Band der Meister des Soloierens ist, dann ist Kaufmann der Meister darin, fantastische klassische Metal-Riffs hinzustellen, bei denen du dir am liebsten den Kürbis zerkämmen möchtest. So sind U.D.O., die seit etwa „Holy“ (1999) ständig Probleme mit der Stabilität ihrer Besetzung hatten, wieder kohärent, und die aktuelle Besetzung wirkt wirklich unübertroffen, sowohl auf der Bühne als auch beim Komponieren des Materials selbst.

Und zu guter Letzt erlaubt mir, diese kleine „Reportage“ noch ein bisschen mehr zu sensationalisieren! Es stellt sich nämlich eine abschließende rhetorische Frage. Wenn Majesty damit protzten, „true Metal“ zu spielen, was sind dann U.D.O.? Vielleicht „real Metal“ oder gar „correct Metal“? Persönlich bin ich auf den Gebrauch des Wortes „true“ im musikalischen Genresinn höchst allergisch. Für jeden einzelnen Musikfan ist „true“ nämlich genau das, was ihn in der Musik im gegebenen Moment am meisten anzieht und begeistert. Und darüber, was „true“ ist, kann nur jeder für sich selbst urteilen. Selbsternannte „kings of metal“ habe ich einen ganzen Koffer voll! Sind das etwa die verpufften Manowar, gehüllt in lächerliche Felle pleistozäner Ziegen? Hm, ich will nichts sagen, andererseits sind Majesty sicher ungemein ehrgeizig. Sie schmückten sich mit dem Wort „true Metal“, und das vor einem „Headliner“ wie U.D.O., und das ist garantiert nicht von Pappe.

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Majesty:
01. Reign In Glory
02. Hail To Majesty
03. Into The Stadiums
04. Heavy Metal Battlecry
05. Sword & Sorcery
06. Keep It True
07. Metal To The Metalheads

Crystal Ball:
01. Hellvetia
02. Forever And Eternally
03. Lay Down The Law
04. My Life
05. Opposites Attract
06. Savage Mind
07. Soulmate
08. Dance With The Devil
09. Private Visitor

U.D.O.:
01. Thunderball
02. The Bullet And The Bomb
03. Metal Heart
04. Independence Day
05. Pull The Trigger
06. Living For Tonite
07. Love Child
08. Blind Eyes
09. Drumsolo
10. Metal Eater
11. Neon Nights
12. Son Of A Bitch
13. Restless And Wild
14. Gitarrensolo
15. Midnight Highway
16. Up To The Limit
17. Man And Machine
18. Animal House
19. Balls To The Wall
—erste Zugabe—
20. Holy
21. I’m A Rebel
22. Fast As A Shark
—zweite Zugabe—
23. Princess Of The Dawn
24. Burning


Während wir noch über einen Trip nach Wörgl (Österreich) diskutierten, den nächstgelegenen Ort, an dem U.D.O. auf der jüngsten Thunderball World Tour bestätigt eine ihrer Shows spielen sollten, kam die verrückteste Metal-Nachricht des Jahres rein. U.D.O., die unbestrittenen Accept-Nachfolger und ein weiterer Gigant des klassischen deutschen Heavy Metal, kommen direkt nach Ljubljana (Slowenien). Wie üblich war ich ziemlich nervös, als der „D“-Day kam, hetzte schnell von der Arbeit nach Hause, und da war ich. Gegen 18:00 Uhr schlich ich schon um die VPK-Halle herum. Vor der Halle noch keine Lebenszeichen, drinnen aber lief alles Mögliche auf Hochtouren, Bühnenaufbau, Merchandise-Stand und so weiter. Ich hatte das Gefühl, da noch nicht willkommen zu sein, also beschäftigte ich mich anderweitig und machte einen kurzen Spaziergang durch die Vororte der Stadt. Gegen 19 Uhr zurück, sah das Bild ganz anders aus. Ich fand viele alte Kumpels, die vor dem Eingang warteten. Tja, „same old places, same old faces!“

Ziemlich ungewöhnlich, aber als die Türen aufgingen, zeigten die Leute kein Interesse, die Halle zu betreten. Draußen widmeten die Erdhunde ihre Aufmerksamkeit noch immer lieber dem Konsum großer Mengen Bier als dem Geschehen drinnen. Die erste Vorband Majesty fand sich in einer unangenehmen Situation wieder. Sie mussten vor einer fast leeren Halle starten. Nun, sie waren sehr bescheiden und gaben sich schnell mit der Reaktion von vier, vielleicht fünf aufgekratzten Fans zufrieden, die in der ersten Reihe herumschüttelten (sogar die Köpfe bangten). Majesty als echte Manowar-Freaks zogen das sehr professionell durch. Sie hatten einen sehr guten und ausgewogenen Sound (ich stand näher am rechten Monitor). Trotzdem bewiesen Majesty als kleiner Bruder von Manowar einmal mehr, dass es nicht reicht, wenn eine Kopie einer bestimmten Band technisch besser ist, um zu überzeugen. Es ist eine simple Tatsache: Manowar sind einzigartig, während Majesty nichts vorzuweisen haben, was ihre eigene Erfindung wäre. Inzwischen wuchs das Publikum und machte auch etwas mehr Lärm, und die Band fühlte sich über die wachsende Resonanz sehr beflügelt. Ältere, verwöhnte Besucher, und ich gehöre dazu, waren allerdings nicht tief berührt. Und bei Crystal Ball waren die Gefühle ziemlich die gleichen, auch wenn die ermutigende Nachricht war, dass das Publikum von Minute zu Minute größer wurde. Crystal Ball boten eine Mischung aus klassischen Siebziger-Hardrock-Klängen (vor allem wegen der vorgetäuschten Hammond-Sounds aus den Keyboards) und klassischen Metal-Anleihen, die manchmal schnell an Pretty Maids erinnerten. Doch als der Keyboarder als Rhythmusgitarrist einstieg, boten Crystal Ball geradlinige, scharfkantige, galoppierende Metal-Songs im Stil der alten Accept oder von Judas Priest. Lay Dawn The Law klang nach Accept, ganz zu schweigen davon, dass derselbe Songtitel auch auf dem ersten U.D.O.-Studioalbum „Animal House“ (1987) auftaucht. Der Sänger war gut drauf, sagte aber an einer Stelle: „I’ve got infection! Please help me singing!“ Und tatsächlich hatte er wegen seines Halsschmerzens Probleme bei seinen höheren Gesangspassagen. Große Anerkennung bei den Fans brachten einige slowenische Ausdrücke, mit denen der Sänger erfolgreich zum Publikum sprach. Auch Crystal Ball gaben ihre hundert Prozent und spielten ihr Zeug sehr korrekt und auf hohem professionellem Niveau. Die Band war großartig auf der Bühne, zeigte ihre ganze Begeisterung, mit korrektem Ansatz, kraftvoll, sie waren in Stimmung. Beide Auftritte, von Majesty und von Crystal Ball, funktionierten sehr gut, und die Leute zeigten schöne, positive Reaktionen. Beide Bands schienen sehr zufrieden mit der Energie, die sie vom Publikum bekamen, und der Drummer von Majesty warf sogar drei Drumsticks ins Publikum.

Gegen 22 Uhr war alles bereit für den legendären Accept-Sänger und seine Gang, ihre Show durchzuziehen. Intro vom Band, und da sind sie. U.D.O. gingen direkt ans Herz ihres jüngsten Studiowerks „Thunderball“ (2004) und den gleichnamigen, hart zuschlagenden, schnellen Opener. Udo trug einen eigens entworfenen langen, glänzenden Umhang und eine dunkle Brille. Nach riesigem Jubel machte die Band mit dem neuesten Zeug weiter, während Udo die glänzende Kleidung gegen eine gewöhnlichere tauschte und aussah wie ein desertierter General, frisch aus der irakischen Kavallerie entflohen. Das Publikum, ich schätze, es waren etwa 300 Leute, reagierte noch lauter, als die Band mit dem ersten Accept-Klassiker Metal Heart („Metal Heart“, 1985) weitermachte. Das Accept-Erbe macht die Hälfte aller U.D.O.-Liveauftritte auf ihren jüngsten Touren aus. Gleich nach diesem Song stand einer meiner U.D.O.-Favoriten an. Es war Independence Day vom U.D.O.-Album „Solid“ (1997). Udo ging noch wütender ran! Das Publikum war inzwischen komplett dabei, schwenkte die Hände hoch in der Luft und machte gleichzeitig einen riesigen Lärm. Kleines Publikum, aber hochgradig hingebungsvoll, und die Band spürte das. Ein atmosphärischer Song mit sehr traurigem Refrain war eine glänzende Wahl, um die Stimmung ein wenig zu wechseln. Ich warte hier immer darauf, dass Udo das Gänsehaut erzeugende, scharfe „R“ in der Zeile „….RRRRRRobotic rage…“ ausspricht, das immer einen kurzen Absprung in einen neuen, anderen Höhepunkt schafft. Der erste Teil des Gigs bestand hauptsächlich aus Songs, die auf dem Album „Thunderball“ erscheinen. Den ersten Teil des Gigs mit dem Midtempo-Stück Blind Eyes zu beenden, brachte einen weiteren Stimmungswechsel, der sich im Verlauf dieses Songs steigerte. Obwohl ich das Album „Thunderball“ noch nicht gekauft hatte, war ich von diesem Song verblüfft. Phänomenaler Kontrast zwischen Fittys schwerem Midtempo-Bassdrive, der hier wirklich durch Beton schnitt, und auf der anderen Seite Udos einzigartigem Gesang, während die Gitarren ein Stück nach hinten geschoben wurden, um die Stimmung auf einem höheren Niveau zu halten. Der erste Teil des Gigs endete mit einem Drumsolo, einer verdammt lauten Demonstration von Lorenzos mörderischem Tempo auf seinen doppelten Fußmaschinen, begleitet von jeder Menge detonierender, schneller Break-Wirbel. Es war eine weitere atemberaubende Lektion.

Der zweite Teil des Gigs enthielt, mit Ausnahme des U.D.O.-Songs Metal Eater („Timebomb“, 1991), hauptsächlich Accept-Klassiker. Der erste war das herrliche Son Of A Bitch („Breaker“, 1983), dann Restless And Wild („Restless And Wild“, 1982), Up To The Limit („Metal Heart“, 1985) und vor allem ein Highlight darunter namens Neon Nights („Restless And Wild“, 1982), bei dem das Publikum komplett durchdrehte.

Die Band bot ein unvergessliches Erlebnis. Mr. Udo marschierte über die Bühne und navigierte sie, gab Igor, Fitty und Stefan Kaufmann (einer weiteren lebenden Legende, der seine Achtziger damit verbrachte, bei Accept Schlagzeug zu spielen) aufmunternde Umarmungen. Udo hat es einfach im Blut. Ich meine dieses große Charisma, das ihn zu einem echten Anführer macht. U.D.O. boten extreme Lautstärke, ich dachte, ich würde bei all diesen extrem kraftvollen Vibrationen explodieren. Ich spürte nicht nur, wie sich meine Hosen bewegten, sondern auch alles andere, einschließlich aller meiner inneren lebenswichtigen Organe. Dieser magische, einzigartige Sound durchleuchtete die Menschenmassen durch Fleisch und Knochen. Verrückt in jeder Hinsicht. Udo schüttelte ständig Hände mit begeisterten Metal-Jüngern. Auch Igor war in toller Form und lieferte den ganzen Gig über fantastische, gefühlvolle Soli, einschließlich seines Solo-Spots mit der fantastischen Würze des Vah-Vah-Effekts. Seine Soli waren sauber, schnell und, was am wichtigsten ist, alle mit riesigen Eiern gespielt. Die Band ist kohärent und wirkt auf der Bühne wie eine kugelsichere Festung. Song um Song grollte wie ein Hammerschlag, trat richtig hoch, der Sound war fantastisch. Hand aufs Herz, ich stand in der ersten Reihe, eingequetscht, mit Eiern an der Wand, und in ein paar Momenten konnte ich Udos Gesangslinien nicht ganz gut hören. Der Hauptgrund dafür war das verrückte Publikum, das einen fantastischen Lärm machte. Nicht zahlreich, aber durch und durch verrückt. Der dritte Teil des Gigs war eine Mischung aus U.D.O.- und Accept-Songs, beginnend mit Man And Machine („Man And Machine“, 2001), und Udo war als eine Art kybernetisches Wesen verkleidet, ein Maschinenmensch. Mit Midnight Highway („Breaker“, 1983) lieferte die Band einen weiteren umwerfenden „Mund-zu-Mund“-Accept-Puncher. Natürlich vergaßen sie auch Animal House („Animal House“, 1987) nicht, vom ersten U.D.O.-Studioalbum. Es folgte ein fantastisches Ende. Balls To The Wall vom gleichnamigen Accept-Studioalbum, in der verlängerten „Nailed To Metal“-Version (2003), das Publikum machte diese riesigen „Oh-ohs“, und Udo brüllte: „Oh c’mon everybody, show me the sign of victory!“ Dann ging der Song in einen weiteren, letzten Refrain über, mit herrlichem Fade-out und Udos fiesem, gewalttätigem, hoch hallendem Schrei. Das war das Ende!

Das Publikum war hungrig nach mehr, und U.D.O. waren natürlich gleich wieder da! Zuerst erschien nur Stefan auf der Bühne und spielte das Gitarrenintro zu Holy („Holy“, 1999). Vor Beginn der Zugabe hatte die Band eine solche Magie erzeugt, dass die Leute in eine Art hypnotischen Zustand versetzt waren, denn wir machten alle noch immer diese großen „Ohs“ von Balls To The Wall, obwohl Stefan sein Holy-Intro auf der Gitarre fast beendet hatte. Doch sobald die anderen zu Stefan auf die Bühne kamen, einschließlich Pfarrer Udo (Udo war zu diesem Anlass als Pfarrer verkleidet) natürlich an seinem gewohnten Platz in der Mitte, schalteten alle ihren Kopf wieder auf das um, was folgen sollte. Holy ist einer meiner persönlichen U.D.O.-Favoriten, und ich bekam wirklich Gänsehaut. Nur ein einziges Mal versuchte ich, Udos einzigartiges Schreien nachzuahmen. In der Zeile „raise your hands“, und sofort war ich stimmlos. Aber das war nichts im Vergleich zu den folgenden Nummern. Die erste war der Accept-Klassiker-Knaller I’m A Rebel („I’m A Rebel“, 1980). Nach Udos extrem hohem Vampirschrei eröffnete der schnellste, aggressivste, arroganteste, gewalttätigste, empörendste, unvergessliche, grimmige Speeder Fast As A Shark („Restless And Wild“, 1982), der uns in den Wahnsinn treiben sollte, mit allen Köpfen in der Halle, die sich zu Tode bangten. U.D.O. bedankten sich noch einmal und verließen die Bühne zum zweiten Mal. Keine Ruhe für sie. Sie mussten zurückkommen. Diesmal eröffneten sie die zweite Zugabe mit einem etwas obskureren Song, aber feuchten erotischen Träumen, gefangen im epischen Midtempo-Stück Princess Of The Dawn („Restless And Wild“, 1982), in einer anderen, verlängerten Version. Wenn du die Live-CD „Nailed To Metal“ hast, kannst du dir vorstellen, wie das klang. Pure Fantasie, ich habe immer noch Schauer. Ich dachte, das sei das Ende. Aber Udo fragte uns noch einmal, ob wir noch einen Song hören wollen. Nach riesiger positiver Resonanz fragte er: „Alright Ljubljana! Are you ready to rock? Are you ready to roll?“ Und U.D.O. feuerten Burning raus; einen Song, der, glaube ich, bei früheren Shows der Thunderball World Tour (im März und April) nicht enthalten war. Ein fantastischer Rock’n’Roll-Schuss mitten in die Halsschlagader! Was für ein Abschluss für einen Gig, der gut über zwei Stunden dauerte. Es war 0:20 Uhr, als das Licht wieder anging.

U.D.O. konnten ihre ganze Begeisterung über die kraftvolle, energiegeladene Reaktion des slowenischen Publikums nicht verbergen und versprachen, wiederzukommen. Der Gig war pure Perfektion von Kopf bis Fuß. Alles lief glatt, und die Jungs hatten riesigen Spaß auf der Bühne und lieferten Tonnen von Dynamit. Jeder Metal-Fan, der diesen Gig verpasst hat, hat nicht nur einen unwiderruflichen Fehler gemacht, sondern auch eine Todsünde begangen. Es war eine Nacht zum Erinnern. Ich habe während des Gigs ein paar Wunden abbekommen. Irgendein Idiot hatte garantiert Krallen statt Zehen an den Händen, als er mir den Hals aufriss, und auch meine rechte Hand war blutig. Ich war in so einem Adrenalinrausch, dass ich das im ersten Moment gar nicht bemerkte. Erst als meine Freundin, die mich nach der Show mit dem Auto abholte, mich warnte (sie erkannte ihren zerkratzten, völlig zerschlagenen und komplett erschöpften Mann kaum wieder), dass ich voller Blut bin. Verrückte slowenische Maniacs. Ich bin viel durch Europa gereist, um viele Shows zu erleben, aber es scheint mir bestimmt zu sein, dass ich nur auf Metal-Gigs in Slowenien Probleme bekomme. Beim Grave-Digger-Gig hat mir zum Beispiel ein Bastard die Kennzeichen vom Auto gerissen. Aber ich sage euch: Es ist es verdammt noch mal wert. U.D.O., danke, dass ihr nach Ljubljana gekommen seid und uns einen Abend purer Metal-Ekstase beschert habt, wie ihn nur die besten Metal-Acts und Musiker erschaffen können. Passt auf euch auf, wohin auch immer ihr zieht, ich freue mich, euch so bald wie möglich wiederzusehen. In Slowenien, wie vereinbart.

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