Pero Defformero – Turbo-Folk-Metal-Wahnsinn als großes Finale des diesjährigen Ortofests (2022)
Veranstaltungsort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Datum: Samstag, 30. 4. 2022
Pero Defformero, die stets attraktive parodistische Besatzung aus vier Frechdachsen aus Novi Sad, besuchte Slowenien Ende April dieses Jahres erneut. Nach dem fast leeren Klubgelände in Solkan, der Mostovna, auf das die Defformerosi einen Tag zuvor gestoßen waren, genauer gesagt am 29. 4. 2022 (offensichtlich kriegst du die „Sesselfurzer aus Gorica“ heutzutage nicht mal mehr zu einem Konzert der einheimischen Avtomobili, geschweige denn zu Pero Defformero), stand der Band zur Aufheiterung am nächsten Tag noch ein weiteres slowenisches Konzert bevor. Im Ljubljaner Orto bar. Am letzten Tag des diesjährigen Ortofests. Traditionsgemäß ist die Band hier immer gut besucht. Neu ist, dass der Konzertraum im Erdgeschoss des Klubs erweitert wurde. Der Raucherbereich wurde in jenen Raum verlegt, wo der Orto bar eigentlich seinen Betrieb begonnen hat. In seinen ältesten Teil. Dadurch wurde zusätzlicher Raum frei, der nun in der Länge etwas gestreckter ist. Hätte man es beim Alten belassen, also wäre dort heute noch der Raucherbereich, wäre der Veranstaltungsort mit Sicherheit an der Grenze zum Ausverkauf. So aber kann man beim neuen Layout, selbst bei so großartigem Besuch, auf dem Gelände immer noch sehr anständig „durchatmen“.
Kurz nach neun Uhr abends bezog das Quintett seine Bühnenpositionen und eröffnete das Konzert. Ein spitzenbesetzter „Schal“ mit der Aufschrift Pero Defformero über dem Schlagzeug drapiert! Dabei hatte die Großmutter des Schlagzeugers vergessen, noch das zweite „F“ einzusticken. Hört wahrscheinlich lieber Def Leppard. Mit etwas Fantasie und einem Spinnrocken daneben hätte man das Schlagzeug-Set leicht mit einem alten Spinnrad verwechseln können. Biška – unerschütterlicher Kämpfer für die Rechte des kleinen Mannes, diesmal im Outfit eines Karateka mit schwarzem Gürtel („Kara-te“ kann auf Serbisch auch etwas ganz anderes bedeuten) – legte nach dem einleitenden Warm-up mit einer wacker und schelmisch umgedichteten Are You Gonna Go My Way von Lenny Kravitz auch den ersten Vers des Songs Ferrari hin: »U dragstoru kupio sam svileni kimono…« Absolut. Ohne Zweifel. Die goldene Kette um den Hals fehlte natürlich auch nicht. Pero Defformero sind in Ljubljana schlicht und ergreifend volkstümlich geworden. Die Leute fressen ihnen aus der Hand. Die Mischung aus erstklassig gespieltem Metal mit schamloser Anlehnung an Prog und Turbo-Folk-Galgenhumor zündet kompromisslos. Eigentlich hatten wir sie schon ziemlich vermisst. Die Wartezeit war lang.
Die Band hat in guten zwei Stunden alle ihre stärksten Tracks abgefeuert, die sich auf den Alben »Undergrand« (2009) und »JeR to liči na taj način« (2014) finden, aber auch einige neue Songs fehlten nicht, mit denen die Gruppe schon seit geraumer Zeit ein neues Album ankündigt. Angesichts der Tatsache, dass Pero Defformero dieses Material, das – Hand aufs Herz – gemessen an der langen Schaffenszeit der Band gar nicht so viel ist, ständig spielen, haben sich diese Nummern in letzter Zeit in den Arrangements wirklich konkret weiterentwickelt. Besonders spürbar ist das in den verlängerten Übergangsteilen, die der phänomenale Gitarrist Saša Friš mit atemberaubenden virtuosen Einlagen ausschmückt. Das gilt auch für die Soli, die mit der Zeit ebenfalls merklich gewachsen sind. Nun ja, irgendwann fängt man an, sich ein bisschen zu langweilen, also muss man die richtigen Hebel zur Abwechslung finden. Die Band ist dabei unglaublich eingespielt. An einigen Stellen ist sie zwar auch ein wenig „auseinandergebrochen“, was dem allgemeinen Gefühl grenzenlos sprudelnder Ausgelassenheit, die Pero Defformero durch ein außergewöhnliches Niveau augenzwinkernden Parodiehumors verarbeiten, keinen Abbruch tat. Biška ist schon grundsätzlich eine unglaubliche Figur. Wenn er sich seinen närrischen Manövern widmet, wobei er gerne Gitarrist Saša aufs Korn nimmt, aber auch das Publikum nicht verschont, kommt ihm im schwarzen Humor kaum jemand nahe. Und diese scharfzüngige, grenzenlose Gewitztheit ist weder zu viel noch zu wenig. Alles wird durch eine phänomenale instrumentale Darbietung ausgeglichen – sowohl auf der rhythmischen Ebene als auch durch die bereits erwähnte erstklassige Arbeit an der Gitarre.
Die vorderen Reihen hatten die Texte drauf. Oh ja. Hände in die Luft und Mitsingen. Bier schütten und grenzenloser Abschalter der erhitzten und überhitzten Köpfe. Alles war an seinem Platz. Noch mehr sogar. Aluminium ist ein Metall. Daraus sind auch die Laschen an Bierdosen gemacht – Bierdosen, um das klarzustellen. Und Izzy, mit ziemlicher Sicherheit mindestens eine Lichtjahreslänge lang der größte Fan der Defformerosi in Slowenien vor dem nächsten, hatte ein Dutzend Besucher, nennen wir sie Kameraden seiner engsten slowenischen Pero-Defformero-Gefolgschaft, mit Halsketten ausgestattet, die aus einer Reihe aufgereihter Dosendeckel (von Bierdosen, um das klarzustellen) gefertigt und von ihm selbst hergestellt waren. Vielleicht hat er damit sogar der Band eine Idee geliefert, wie sie ihren Konzert-Merch bereichern könnten.
Nach Ferrari blieb die Band bei der ersten Platte und machte mit Ostavljen sam ja sowie Silvana weiter. Außerdem erklangen: Bez tebe, Gotičarka, Metal sviraću, Extra, Trebalo bi, Oka tvoga plam, Žalim draga ispalo je sranje, Jaroslava, Volim te, Na dan kad si pošla za tog čoveka, Sedmica na lotu, Ćerka đavola, Ludo zaljubljen, Fejsbuk stana, Gastarbajter, und in der obligatorischen Zugabe Kauboj und Došli smo do kraja puta (besonderer Dank geht an Izzy für die übermittelte Setlist).
Bei solchen Konzertfesten verschwinden das Zeit- und auch das Raumgefühl im Handumdrehen. Biška ist keine Sekunde ohne Inspiration, mit der er unaufhörlich schelmisch „stichelt und neckt“ – meistens das Publikum, und das bisweilen so weit, dass Saša anfängt, den Toningenieur anzuschreien, er solle den Sänger sofort aus dem Monitor „ausgraben“. Einstudierte, aber grenzenlos zündende Tricks, die uns unterhalten sollen. Und Pero Defformero sind nicht nur ausgezeichnete Musiker, sondern auch unglaubliche Entertainer. Da kommt kaum jemand ran. Das hat auch das erneute Treffen der Band in der slowenischen Hauptstadt wieder einmal bestätigt. Sie bleiben ihre eigene Liga.
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Sebastijan Videc









