Vega: Anarchy And Unity

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 17. 9. 2021
Produktion: Vega
Länge: 48.43 min
Genre: Melodic Rock / Hard Rock
Bewertung: 8.5/10


Vega sind britische Hard-Rock- und Melodic-Rock-Veteranen — eine eingespieltes Truppe erfahrener und abgebrühter Musiker mit einer klar ausgearbeiteten musikalischen Vision. In dem, was sie seit fast 15 Jahren machen, haben sie ihr Handwerk zur Perfektion gebracht, was bedeutet, dass jedes neue Album eine Qualitätsgarantie ist. Man stelle sich vor: Briten. Und dazu Kerle, die sich konkret in die Mitte der Fünfzig vorgearbeitet haben. Sie schaffen das Wesentliche des Hard Rock, der irgendwie als Nachfolger des lebhaften AOR-Sounds und Hard Rocks der Achtziger gilt — so wie er sich damals auf den britischen Inseln entfaltete. Mit ihrem revitalistischen Recycling, das keine musikalische Revolution bringt, bewahren Vega eine außerordentliche Integrität und Glaubwürdigkeit.

Da wir alle in den Genusszustand unter Covid-19-Vorzeichen abgetaucht sind, der nun schon fast zwei Jahre andauert, haben auch Vega Konzertverbot bekommen. Also haben sie sich aufs Schreiben von neuem Eigenmaterial konzentriert. Im vergangenen Jahr erschien »Grit Your Teeth« (2020, RockLine Rezension), und nach gut einem Jahr folgte ihm »Anarchy And Unity« — das insgesamt siebte Studioalbum der Band. In der Zwischenzeit gab es einen Positionswechsel in der Besetzung: Neu dazugestoßen sind Gitarrist Billy Taylor, der von den Landsleuten Inglorious rüberwechselte, sowie Schlagzeuger Pete Newdeck, den viele von Nitrate und Midnight City kennen. Den Rest des Sextetts füllen weiterhin das unentbehrliche Frontmikro der Band Nick Workman, Gitarrist Marcus Thurston und die Brüder James und Tom Martin, die für Keyboards (James) und Bass (Tom) zuständig sind.

Anders als »Grit Your Teeth« wirkt »Anarchy And Unity« stellenweise eine Spur düsterer — mehr Melodien sind durch ihre Hauptmotive in Moll geführt, weshalb es keinen solchen ‚Party Time‘-Moment erzeugt, wie man ihn von der Band erwarten würde und wie ihn der Vorgänger ausstrahlte. Anarchy And Unity besitzt einige außerordentlich starke Momente, die vor Pomp und packender Musikalität überquellen, was gleich für die Eröffnung gilt: Beautiful Lie taucht als Opener auf, mit einem der brennendsten und eingängigsten Riffs des Albums. Gelegentlich ist dieser Hauch von Dunkelheit besonders betont — vor allem in Tracks, die mit einem schneidend direkt gesetzten Phrasing daherkommen, wie es einer der härtesten Songs des Albums, Bring The Riot, eingefangen hat. In ebendiesem theatralischen Pomp entwickelt sich auch Ain’t Who I Am, das durch die Kombination aus sofortiger, unter die Haut gehender Eingängigkeit — die die Musikalität erzeugt — und der Steigerung von Stimmungszuständen mit einem Crescendo im aufwühlenden Refrain fasziniert. Was die Schwingung betrifft, kommt in der zweiten Hälfte auch Glow den beiden Tracks auf einen Steinwurf nahe.

Auch der Rest des Albums schwelgt in einem verführerischen Schmelz aus feinem Arrangement-Minestroni, in dem Gitarrenriffs, Keyboards und eine tüchtige Rhythmussektion ein hohes Maß an Harmonie finden. Über allem muss man erneut die überragende Gesangsleistung von Nick Workman hervorheben, der nicht nur den einzelnen Songs, sondern der Band als Ganzes jene essenziellen, grundlegenden Elemente verleiht, die den eigentlichen expressiven Charakter dieser sehr hochwertigen und erfahrenen Gruppe ausmachen. Überflüssig zu sagen, dass ein wesentlicher Baustein der hochaufragenden Stimmungsmomente die ausgezeichnete Konzeption und Arrangement der mehrstimmigen Harmoniegesänge ist, die die federführende Gesangsdarbietung von Nick Workman einkleiden. Erwähnenswert ist auch das Ende des Albums: Zunächst vertreten durch Had Enough mit seinem AOR-Moment — befeuert vor allem durch den Klangcharakter der ‚Eighties‘-Synthesizer — und abgerundet durch das abschließende 2Die4, das ein aufregender Moment der Begegnung von Pop-Rhetorik mit dem Hard-Rock-Charakter der Achtziger ist. Das bringt eine größere expressive Abweichung ins Album, die Kenner der Band allerdings nicht überraschen dürfte.

Die Band hat in einem einzigen Jahr gleich zwölf brandneue Eigenkompositionen vorbereitet — das ist viel. Aber angesichts der Qualität der Tracks bedeutet das dennoch, dass Vega eine mehr als beneidenswerte Schreibform behalten. Das Ergebnis ist ein neues, beeindruckendes Vega-Album, das in nichts überrascht. Die Band bleibt stark in dem, was sie am besten beherrscht. Sie hält fest an der Kompositionsformel, die ihr einen gewinnenden Poker-Royal-Flush beschert — und auch diesmal ist es nicht anders. »Anarchy And Unity« ist ein weiteres mehr als hervorragendes Studiowerk der Band Vega, das ihre Anhänger unbedingt in ihrer Albumsammlung haben sollten.

Autor: Aleš Podbrežnik


Tracklist:
1. Beautiful Lie
2. Sooner Or Later
3. End Of The Fade
4. Ain’t Who I Am
5. Welcome To Wherever
6. Bring The Riot
7. Live For Me
8. Kneel To You
9. Glow
10. C’mon
11. Had Enough
12. 2Die4

Besetzung:
Nick Workman – Gesang
Tom Martin – Bass
James Martin – Keyboards
Marcus Thurston – Gitarre
Billy Taylor – Gitarre
Pete Newdeck – Schlagzeug

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