Eki Alilovski (Mary Rose) zur Neuauflage und zum 30. Jubiläum des Kult-Debüts „Rocks Off“

MARY ROSE 1990 (fotoarhiv skupine)
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Es gibt Alben über Alben. Es gibt Bands über Bands. Und dann waren da die Achtziger. Jene Achtziger, die auch Slowenien erfasst und in eine quicklebendige Hardrock- und Heavy-Metal-Bewegung geführt haben, aus der in der zweiten Hälfte der Achtziger auch die Hardrock-Truppe Mary Rose aus Postojna hervorging. 1990 brachten sie ihr Studio-Debüt »Rocks Off« raus. Das Album, das damals auf Kassette erschien, gilt heute als große Rarität und Kult-Hardrock-Album und ist zugleich eines der Kronjuwelen der Rock-Ära, die das ehemalige gemeinsame Land und mit ihm auch Slowenien durchlebte. Ein Quintett junger, ehrgeiziger Heißsporne, die damals das Beste aus sich herausholen, dabei aber den Moment genießen und Spaß haben wollten, in der Besetzung Franci Tominšek (Gesang), Eki Alilovski (Gitarre), Jure Škodič (Bass), Primož Ogrizek (Keyboards) und Mitja Šabec (Schlagzeug), wussten in ihrem ganzen übermütigen Enthusiasmus eigentlich gar nicht so recht, dass sie ein Album geschaffen hatten, das zu einem wichtigen Teil der Geschichte der slowenischen Hardrock- und Heavy-Metal-Szene werden sollte. Und mehr noch. Die Jungs haben auch ganz ordentlich mit dem damals angesagten Glam Metal geflirtet. Nicht wenige sagen bis heute, „Rocks Off“ sei die beste slowenische Hardrock- und Glam-Metal-Platte aller Zeiten!

Anlässlich der Neuauflage des Albums, das zum 30. Jahrestag der offiziellen Veröffentlichung im November dieses Jahres erstmals überhaupt auch als richtige CD und als Vinylplatte erscheint, haben wir mit dem Kopf der Band gesprochen – dem Hauptvisionär und Antriebsrad, Gitarrist und Komponist Eki Alilovski.

Mary Rose – studio Tivoli 1990, von links nach rechts: Jure Škodič (Bass), Eki Alilovski (Gitarre), Franci Tominšek (Gesang), Primož Ogrizek (Keyboards), Mitja Šabec (Schlagzeug)

»Rocks Off« gilt heute als einer der Granitblöcke, auf denen ein Teil der slowenischen Hardrock- und Heavy-Metal-Schule ruht. Es hat lange gedauert, bis das passiert ist, worauf wir jahrelang gewartet haben. Euer Debüt hat also endlich eine Neuauflage bekommen.

Ja, offenbar hat sich die Sonne endlich auch für uns an die richtige Stelle gestellt, um uns zu bescheinen. Interessant ist, dass ich schon länger, seit mehreren Jahren, jede Menge Post bekommen habe mit der Frage, wann man das Album »Rocks Off« endlich auf CD kriegen kann beziehungsweise wo es überhaupt zu haben ist. Auch aus dem Ausland kam eine ganze Menge solcher Anfragen, zum Beispiel u. a. aus Bremen, wo mir ein Musikladen geschrieben hat, ob ich Alben habe, weil sie 50-60 CDs abkaufen wollten. Was das Label ZKP RTV SLO angeht, war ich überzeugt, dass die an einer Neuauflage auf keinen Fall interessiert sein würden. Du weißt ja, wie das heute läuft? Normalerweise musst du selbst einen ordentlichen Batzen Geld drauflegen, damit so etwas überhaupt zustande kommt. Als ich zum Label gegangen bin, bin ich mit der Absicht hin, sie um die Erlaubnis zu bitten, dass ich die Neuauflage von »Rocks Off« selbst in die Hand nehmen darf. Die Rechte an den Aufnahmen liegen nämlich bei ihnen. Als wir anfingen zu reden, war Jernej Vene dabei, der mir bei allem ziemlich geholfen hat, und es stellte sich heraus, dass man bei ZKP RTV SLO schon vorher überlegt hatte, zum 50. Jubiläum des Labels eine Neuauflage von »Rocks Off« herauszubringen, und zwar auf CD genauso wie auf Vinyl. Ihr 50. Jubiläum fiel mit dem 30. Jubiläum von »Rocks Off« zusammen. Ich hatte nur mit einer CD-Neuauflage gerechnet. Tja,  zu meiner großen Überraschung hat das Label von sich aus auch eine Vinyl-Version vorgeschlagen.

Wie siehst du das Album »Rocks Off« 30 Jahre später? Was ist es heute für dich und was bedeutet es dir? Auch persönlich, als Teil deines musikalischen Werdegangs?

Vor Mary Rose habe ich bei Črna gradnja gespielt. Mit denen haben wir nie etwas veröffentlicht. Die ganze Sache fing 1987 auf dem Markt in Ljubljana an, als ich Frenk getroffen habe (Franci Tominšek, Anm. d. Red.). Frenk war damals bei M.A.S.H., ich bei Črna gradnja. Wir hatten Zeit und fingen an, uns abzusprechen, zusammen einen Song aufzunehmen und zu versuchen, damit bei der Pop Delavnica mitzumachen. Daraus ist aber nichts geworden. Wie auch immer, als Schlagzeuger Mitja Šabec 1988 aus der Armee zurückkam, hat sich die Truppe für die Band langsam zusammengefunden, und wir haben uns darauf geeinigt, zusammen eine Platte aufzunehmen. Die Songs haben wir zwischen 1988 und 1989 geschrieben und dann bei drei oder vier Konzerten ausprobiert, weil wir testen wollten, wie die Songs beim Publikum ankommen. Einen Namen hatten wir damals noch nicht mal. Die Resonanz war super, das hat uns Flügel verliehen, ins Studio zu gehen. Wenn du ein Album aufgenommen hast, kannst du dir die Platte eine Zeit lang nicht anhören. Zumindest bei mir ist das so, und ich weiß nicht mal warum. Normalerweise stellt sich ein Musiker eine Variante vor, die er auf dem Album haben will, und kriegt am Ende etwas anderes. Vor allem was die Produktion angeht. Wenn du dir das Album anhörst, denkst du immer: ‚Ah, hier hätte ich noch dies und das dazupacken können, dies und das ausprobieren,..‘ Aber offensichtlich haben wir ein gutes Album aufgenommen. Komisch, dass ich es selbst wirklich lange nicht gehört habe, aber wenn ich Leute getroffen und mit ihnen geredet habe, haben alle »Rocks Off« gelobt. Tatsächlich hat keiner von ihnen irgendwelche Anmerkungen oder Einwände gehabt, und die Leute haben mit Begeisterung über das Album gesprochen. Das hat mich schließlich überzeugt, mir das Album doch mal aufzulegen, und ich habe tatsächlich Qualitäten darin gefunden. Okay, damals war schon das Album »Eat ‚Em and Smile« von David Lee Roth draußen, Panama von Van Halen lief rauf und runter, was für 1988 und für uns ziemlich unerreichbar war, aber trotzdem. Für slowenische Verhältnisse finde ich, dass wir damals eine sehr gute Platte gemacht haben. Wenn ich mir das Album heute anhöre, weckt es in mir diesen Elan, diesen Puls der Zeit, diese große Begeisterung und Vorfreude, die mich damals begleitet hat. All das könnte ich heute auch gebrauchen. Du weißt schon. Das waren Zeiten, in denen der Positivismus kochte: ‚Sonne scheint, Rock ’n‘ Roll, Bier, Frauen, Action.‘ So wurde damals Musik gemacht. Für uns war das alles ein einziger großer Spaß. Wobei wir viel geübt haben. Wir haben eine ordentliche Portion Fleiß an den Tag gelegt.

Ihr habt die Szene genau zu der Zeit aufgemischt, als die großen Labels weltweit noch dicke Kohle in Glam Metal und Hardrock gesteckt haben. Ihr seid quasi auf dem Höhepunkt dieser Welle aufgetaucht.

Ja. Und wir haben auch englische Texte benutzt. Deshalb wurden wir direkt mit ausländischen Bands verglichen. Das war schmeichelhaft, aber es war wirklich schwer, den ausländischen Bands das Wasser zu reichen. Die Zeit war richtig. Wir hatten auch viele Konzerte, auch in den größten slowenischen Locations.

Wer hat sich den Namen Mary Rose ausgedacht, beziehungsweise wie seid ihr auf den Namen gekommen?

Als wir das Album geschrieben hatten, hat Marko Milharčič, der die Halle hatte, vorgeschlagen, dass wir so schnell wie möglich auf die Bühne gehen. Wir mussten testen, wie die Songs funktionieren. Einen Namen gab es aber nicht. Zu diesem Konzert sind wir unter dem Namen Firefox gestartet. Damals lief im Fernsehen ein Film von Clint Eastwood, der uns zu diesem Namen inspiriert hat. Der Gig war erfolgreich, aber mit dem Namen waren wir nicht zufrieden.  Erinnerst du dich an die alten jugoslawischen Musikmagazine wie Rock, Rock 82 und Džuboks? Genau, dieses Rock, das später zu Rock 82 wurde und als Beilage des Politikin zabavnik erschien. Das hatte so ein besonderes Format. Die Seitenbreite war nur halb so groß wie bei A4. Drin war eine Rubrik ‚An diesem Tag‘, und als wir eines Tages in unserem Proberaum ein Exemplar dieses Magazins durchgeblättert haben, stand in dieser Rubrik auch etwas über die Flotte der Kriegsschiffe der Royal Navy Mary Rose und so weiter… Das konnte man gar nicht übersetzen. Mary Rose hat sowieso jeder verstanden. Auch wenn wir selbst nicht mal genau wussten, was das ist. Damals gab es kein Internet. Die Wortschöpfung wirkte rockig genug auf uns, und so kamen wir zu dem Namen.

Mary Rose studio Tivoli 1990, von links nach rechts: Franci Tominšek (Gesang), Primož Ogrizek (Keyboards), Eki Alilovski (Gitarre), Jure Škodič (Bass), Mitja Šabec (Schlagzeug) – Fotoarchiv der Band

Wie beurteilst du die Truppe der ersten Besetzung? In relativ kurzer Zeit habt ihr das Debüt an den Start gebracht.

Mary Rose wurden 1988 gegründet. Damals war ich 25. Heutige 25 sind wie damalige 18. Heute fangen die Leute viel früher an, Instrumente zu spielen. Ich habe erst mit 18 angefangen. Anfangs habe ich ein bisschen auf Drums »rumgeschlagen«, aber durch eine Verkettung von Umständen bin ich zur Gitarre gewechselt. Aber es war sofort klar, dass wir unsere eigene Platte haben wollten. Diese Besetzung war sehr fleißig und engagiert. Wir haben zwei- bis dreimal die Woche geprobt. Keine der späteren Besetzungen hatte so einen Willen, ein Album aufzunehmen, wie gerade die erste. Ich sage nicht, dass die späteren schlechter oder besser waren als die erste, was die Talente angeht, aber so einen Antrieb hat keine spätere Besetzung der Band gezeigt. Wenn ich auf der Webseite Heavy Harmonies stöbere und sehe, dass das Album »Rocks Off« genauso bewertet ist wie das Europe-Album »Prisoners In Paradise«, das im selben Jahr erschien, ist das für mich eine echt schmeichelhafte Anerkennung. Dort kannst du auch Kommentare von Lesern lesen, u. a. wie: ‚Schade, dass die Band nicht in Amerika aktiv war, sie hatte großes Potenzial.‘ und so weiter… Damals waren wir eine der wenigen Bands, wenn nicht die einzige slowenische Band, die bei Konzerten ausschließlich ihre eigene Musik gespielt hat. Alle anderen haben Coversongs gespielt. Wir wollten das nicht, schon gar nicht in der Anfangszeit. Mir war klar: Wenn wir am Ende unserer Konzerte irgendein Cover von Van Halen spielen, erinnert sich später keiner an Songs wie unsere eigenen Action und She’s Run Away. Lange Zeit haben wir daran festgehalten, auch mit der nächsten Besetzung.

Wie seid ihr in den Achtzigern an musikalische Infos gekommen? Ihr wart für die damalige Zeit ja ziemlich gut über die Neuheiten in der Rock’n’Roll-Welt informiert?

In den Magazinen Džuboks und Rock stand viel Nützliches drin. Als ich noch Teenager war, habe ich auf dem Markt gearbeitet und meiner Mutter geholfen. Damals hatten wir auch einen Obst- und Gemüseladen, und ich selbst bin auf die Seefahrtsschule gegangen. Als mir mal eine Ausgabe von Džuboks mit Joe Satriani auf dem Cover in die Hände fiel, habe ich zu meinem Vater gesagt: ‚Alter. Mich siehst du heute keine drei Stunden auf dem Markt.‘ Ich habe mich ins Auto gesetzt, bin direkt nach Triest gefahren, habe zehn Läden abgeklappert und bin mit der neuen Satriani-Platte zurückgekommen, die gerade mal 14 Tage draußen war. In der Truppe hatten wir den Bassisten Jure Škodič, der genauso bei seinem Vater angestellt war und auf Handwerksmessen nach Deutschland geschickt wurde. Der hat damals eine Unmenge aktueller Alben aus Deutschland mitgebracht. U. a. auch von UFO, eine meiner Lieblingsbands. Michael Schenker und Eddie Van Halen sind meine liebsten Gitarristen. Davor waren es Eric Clapton, Rory Gallagher und Jeff Beck. Die drei habe ich schon in der Grundschule erforscht. Das waren die Gitarristen, an denen ich Gitarrespielen gelernt habe. Ich habe die Platte auf den Plattenspieler gelegt und mitgespielt. Sehr geprägt haben mich auch Led Zeppelin, Deep Purple und Uriah Heep. Jure hatte all diese Platten zu Hause. Aber wir anderen mussten erst warten, bis er sie durchgehört hatte, bevor wir sie uns von ihm ausleihen konnten. Okay. Einige Alben sind auch in Jugoslawien erschienen, aber wir hatten das Glück, dass Jure jedes Mal an die 30 Platten aus Deutschland angeschleppt hat, darunter eine Menge, die bei Jugoton nie erschienen sind oder erst deutlich später gepresst wurden, nach der offiziellen Veröffentlichung. Triest war nah. Wenn ich irgendeine Info bekam, bin ich sofort dorthin gedüst. Ich erinnere mich, es war 1981/82. Ich hatte gerade erst richtig angefangen, Gitarre zu spielen. Es gab eine Disco namens Jama. Als ich eines Abends reinkam, hat der DJ dort gerade Mean Street von Van Halen aufgelegt. Ich hatte damals keinen Schimmer, wer Van Halen sind. Ich musste sie sofort erforschen. Schnell habe ich mir auch eine Kramer-Gitarre besorgt. So hatte ich zu Hause zwei Gitarren: die Flyn‘ V von Michael Schenker und Eddies Kramer. 

Steckt hinter dem Albumnamen »Rocks Off« auch eine besondere Geschichte?

Den Albumtitel hat sich Frenk ausgedacht. Ich glaube, es hängt mit Def Leppard zusammen. Def Leppard haben einen Song mit so einem Titel. Wir selbst hatten keine besondere Idee, und als Frenk bei irgendeinem Treffen ‚Rocks Off‘ rausgehauen hat, klang uns der Vorschlag richtig gut.

Und dann ist da noch die Geschichte mit den verschwundenen ‚Master‘-Aufnahmen…

Ah, das ist schon unser anderes Album.

Huch, lass uns lieber nicht vorspringen …

Nein, nein. Ich kann es dir erzählen. Aco Razbornik hat sich zu der Zeit, als wir das zweite Album aufgenommen haben, gerade von seiner damaligen Frau getrennt. Eines Tages kam sie wutentbrannt ins Studio gestürmt, hat sich so um die zehn Spulen mit aufgenommener Musik geschnappt und mitgenommen. Das Studio ist abgebrannt, und wir waren überzeugt, dass die ‚Master‘-Aufnahmen für immer verschwunden sind. Dann hat mich vor Kurzem Aco angerufen, dass die Aufnahmen aufgetaucht sind. Eine war angesengt, aber gerettet, die andere hat offenbar all die Jahre bei Acos Ex-Frau gewohnt. Aco sagte: ‚Wenn du mir fünf Riesen bringst, gebe ich dir die Aufnahmen, sonst geben wir die Songs der Band Kantor, die damals der ‚Popdesign-Mann‘ Tone Košmrlj geleitet hat. Dann würden die die Songs für ihr Album verwenden.‘ Da habe ich schnell meinen Golf verkauft, um an diese Aufnahme zu kommen. Mit Sandi (dem aktuellen Mary-Rose-Keyboarder Sandi Trojer, Anm. d. Red.) habe ich das Ganze auf den Computer gebracht, und wir haben mit dem Mixen angefangen. Und ZKP RTV SLO ist sogar auf die Idee gekommen, ein Doppelalbum herauszubringen. Darauf wären »Rocks Off« und unser zweites Album zusammen gewesen. Aber das sind zwei getrennte Sachen. Zwei getrennte Epochen mit getrennten Geschichten. Das wäre kein kluger Zug gewesen.

Das Material für das zweite Album ist also auch sehr schnell entstanden.

Gleich nachdem wir die Aufnahmen zu »Rocks Off« abgeschlossen hatten und das Album erschienen war, hatten wir viele Konzerte. Nach und nach gab es Reibereien, es passierten Dinge, über die wir hätten laufend reden und die wir laufend hätten klären müssen, haben wir aber nicht. Und schade, dass wir es nicht getan haben. Wir waren jung, hatten kein Gespür fürs Business, hatten keinen Manager, der uns vorangetrieben und mit Ratschlägen geholfen hätte, … Gleich nach »Rocks Off« ’spielte‘ in meinem Kopf schon das nächste Album. Tja, und da fingen die Komplikationen an. Nicht alle waren auf derselben Wellenlänge. Manche wollten weitermachen, andere eben nicht.

Auf welche Songs von »Rocks Off« bist du besonders stolz? Welche würdest du hervorheben?

Hättest du mich das vor 30 Jahren gefragt, hätte ich dir bestimmt anders geantwortet. Zum Beispiel Dead Dog Blues, der so ein bisschen ‚Van-Halen-mäßig‘ ist, weiter Fever… Auf der Neuauflage erscheinen drei zusätzliche Songs, die nie veröffentlicht wurden. Insgesamt fällt es mir aber schwer, einzelne Songs hervorzuheben. Jeder hat seine Geschichte, die Geschichte jener Zeit. Zum Beispiel der Song Hold On Baby. Weißt du, dieser Song ist ein bisschen TNT-mäßig. Jedes Mal, wenn wir ihn im Proberaum gespielt haben, war so viel Begeisterung und Euphorie da, dass wir den Song noch mal spielen wollten. Und noch mal. So ein Genuss war es, ihn zu spielen. Und jedes Mal hat es sich anders angefühlt, wenn wir den Song gespielt haben.

Mary Rose – „Rocks Off“ (Neuauflage auf CD und Vinyl mit überarbeitetem Cover und Logo)
Mary Rose – ‚Rocks Off‘ (Neuauflage auf CD und Vinyl – Rückseite des Covers)

„Rocks Off“ hat wahrscheinlich auch eine klangliche Auffrischung bekommen?

Ja. Es wurde neu gemastert. Das hat Jadran Ogrin im York-Studio in Dekani gemacht. Er hat Drums und Bässe aufgedreht, im Grunde aber den Sound der Platte so intakt wie möglich gelassen. Zum Reinschnuppern hat er mir einen Song geschickt, und ich war mit dem, was ich gehört habe, zufrieden.

Wie hast du dich zu einem Gitarristen mit eigener Identität entwickelt, wenn wir mal ganz von vorne anfangen?

Irgendwann gebe ich dir eine Aufnahme mit Črna gradnja aus dem Jahr 1983 zum Anhören. Damals war ich total auf Iron Maiden. Ich hatte gerade erst richtig angefangen, Gitarre zu spielen. Du weißt ja. Zuerst lernst du »Smoke On The Water« auf einer Saite zu spielen. Sehr bald war mir klar, dass ich meine eigene Musik schreiben will. Auch wenn ich mir einen Song auf dem Plattenspieler angehört habe, bin ich den Song danach nicht auf der Gitarre nachspielen gegangen. Wenn du damit anfängst, vor allem wenn dir ein Künstler gefällt, kannst du schnell unter seinen Einfluss geraten.

Wer hat eigentlich das Cover für »Rocks Off« gemacht?

Die Firma Nimbus aus Kranj. Da hat sich vor allem Frenk reingehängt. Damals waren Albumcover sehr wichtig. Na ja, heute sind sie es auch. Auf der Neuauflage des Albums gibt es ein anderes Logo. Ein neues Logo. Ich hatte sehr genau im Kopf, wie das neue Cover aussehen soll, deshalb habe ich die Sache komplett auf mich genommen, auf eigene Kosten. Auch beim Label haben sie das Cover gelobt, das ist also noch ein Beweis dafür, dass es wirklich verdammt gut sein muss.

Kommen wir noch kurz zu den Promo-Aktivitäten. Wie wollt ihr bei Mary Rose das 30. Jubiläum der Veröffentlichung des Debüts feiern?

Ja. Auch darüber habe ich schon alles durchdacht. Den Titel der Veranstaltung habe ich sogar schon im Kopf: ‚Back to the Future‘. Ein Konzert zum dreißigsten Jubiläum, bei dem alle Musiker mitmachen würden, die jemals Teil der Mary-Rose-Truppe waren. Frühere Besetzungen genauso wie die Mitglieder der aktuellen. Die Veranstaltung würde die letzte Besetzung eröffnen, also die aktuelle, und die erste Besetzung würde sie beschließen. Wir würden mit dem Album »Resničen svet« anfangen und mit dem Album »Rocks Off« enden. Für das große Finale würden zum Beispiel alle den Song Action spielen. Mit der Gemeinde Postojna habe ich schon abgemacht, dass wir die Halle für zwei Tage bekommen. Das Konzert würde natürlich auch aufgenommen. Dann kam die Pandemie, die ‚Lockdowns‘ und eine Situation, in der alles zum Stillstand kam.

Ansonsten ist interessant, dass mir in diesem Jahr sehr ähnliche Dinge passieren wie vor 30 Jahren. Dinge, die unfertig geblieben sind, müssen offenbar zu Ende gebracht werden. So ist es auch mit dem Material für das zweite Album. Hoffen wir, dass auch das klappt. Beim Label haben sie gesagt, dass sie das zweite Album dieses Jahr noch nicht herausbringen können, nächstes Jahr aber schon. Wir werden sehen.

Kannst du ein paar Details zu Konzerten aus der Zeit von »Rocks Off« herausgreifen und Ereignisse, die dir damals besonders im Gedächtnis geblieben sind?

Die Tour mit Parni Valjak, mit rund 30 gespielten Konzerten. Eines Tages bekam ich einen Anruf mit der Einladung, mit ihnen in Kočevje zu spielen. Wir kommen hin, spielen das Konzert. Als wir hinter der Bühne waren, habe ich den Manager der Band getroffen, der meinte: ‚Kleiner, komm mal her. Sag mal, habt ihr eigene Songs?‘ Ich antwortete: ‚Alles, was wir heute gespielt haben, ist unsere eigene Musik‘, worauf er erwiderte:  Wenn du keinen Witz gemacht hast, dann machen wir das so: Wann immer wir in Slowenien spielen, spielt ihr mit? Passt euch das? ‚Als er merkte, dass ich mit der Antwort zögere, fragte er mich: ‚Kein Problem, ihr werdet bezahlt. Ich regle das alles mit den Veranstaltern.‘ Damals hatten wir bessere Ausrüstung als Parni Valjak. Als die das bemerkt haben, baten sie uns, nach unserem Auftritt unser Equipment auf der Bühne stehen zu lassen. Diese Verbindung mit Parni Valjak hat uns vor ein größeres Publikum gebracht. Du weißt ja, wie es bei Konzerten von Parni Valjak ist? Alle sind in der Luft. Und alles ist rappelvoll. So war es auch damals. Vedran Božič – eigentlich ein legendärer Gitarrist – war damals ihr Tontechniker. Der hat mir vorgeschlagen, mir zusätzliche Pedale zu kaufen, um den Gitarrensound ein bisschen ‚aufzupolieren‘.

Du bist also tatsächlich Autodidakt? Hast dir das Gitarrespielen selbst beigebracht? Ohne Musikschule?

Ja. Eigentlich wollte ich Schlagzeuger werden. Immer wenn mein Vater nach Deutschland aufgebrochen ist, hat er gefragt: ‚Brauchst du was? Soll ich dir was mitbringen?‘ Meistens hat er mir irgendeine Platte mitgebracht, z. B. das Debüt von Queen. Na ja, und eines Tages habe ich zu ihm gesagt: ‚Bring mir mal eine E-Gitarre mit.‘ Und das hat er tatsächlich gemacht. Das war eher so ein ‚Paddel‘. Beim Spielen hat mir also der Plattenspieler Gesellschaft geleistet. So hat es angefangen. Das ganze Album »Rocks Off« habe ich nach Gehör gespielt. Alles, was darauf aufgenommen ist.

Autor: Aleš Podbrežnik


Beilage eines Artikels über Mary Rose zur Zeit der Veröffentlichung des Albums „Rocks Off“, erschienen in Antena
1 Kommentar
  1. Igorac sagt

    Super intervju, sam sploh nista dokončala debate o drugi plati in kaj se je zgodilo s Frenkom…

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