Sounds Of Slovenia: The New Slovenian Resonance
Label: Celinka
Erscheinungsdatum: 2014
Produktion: Janez Dovč
Genre: Folk/World Music/Pop/Art Rock/Jazz Fusion
Bewertung: 9.0/10
Ja. Slowenen können auch ein Teamvolk sein. Janez Dovč, erster Protagonist und Ideengeber, der Visionär hinter dem Projekt »Sounds Of Slovenia«, hat es geschafft, über 30 Musiker für die Zusammenarbeit zu gewinnen, die im Laufe ihrer Karriere auf die eine oder andere Weise kreativ vom Melos der traditionellen slowenischen Musik inspiriert werden – ihr diskografisches Werk ist entsprechend fest mit ihr verbunden. Die auf den ersten Blick komplexe Idee fand ihren Weg zur Realisierung leichter als zunächst gedacht, denn bei den beteiligten Musikern handelt es sich um Namen, die sich schon seit Jahren in- und auswendig kennen und in der Vergangenheit bereits innerhalb von Bands oder verschiedenen Kunstprojekten und musikalischen Challenges verbunden waren. Es sind erfahrene Musiker und Künstler, die auf der slowenischen Szene bleibende Spuren hinterlassen haben – durch ihre Arbeit in Bands wie Katalena, Jararaja, Manouche, Katice, Siddharta, Elevators, Fake Orchestra, Brina, Silence, durch die Zusammenarbeit im Big Band RTV Slovenija, oder als anerkannte Solisten – und natürlich auch als Singer-Songwriter!
Sounds Of Slovenia erschien im vergangenen November als »Knoblauch-Disc« (ČeDe). In 200 Knoblauchbeuteln mit einem Code, über den man sich das Album aus dem Netz laden kann. Das Produkt ist natürlich jederzeit online verfügbar, und zwar als kostenpflichtiger »Download« – nur kommt man an die Knoblauch-Verpackung inzwischen kaum noch heran. Die Bestände sind höchstwahrscheinlich ausverkauft. Irgendwann Mitte Februar dieses Jahres hat Sounds Of Slovenia dann auch sein Gesicht auf einer Vinyl-Ausgabe bekommen.
Die ersten vier Tracks des Albums wurden im Studio aufgenommen, die anderen vier stammen aus der Liveaufführung im Rahmen des Marburger Festivals Lent aus dem Jahr 2012. Der Auftritt beim Festival Lent bot dabei auch eine üppige Visualisierung. Beim Durchblättern des Inhalts der Veröffentlichung ist man eigentlich im ersten Moment kaum überrascht, wenn man wieder einmal die Titel der volkstümlich beliebten Standards aus dem Erbe der slowenischen Volksmusik liest. Da sie von Generation zu Generation weitergegeben werden, haben diese Stücke so manche Verwandlung erlebt. Adaptionen und Bearbeitungen sind gerade heutzutage sehr beliebt, vor allem wegen der interessanten Ergebnisse, die als gelungene Experimente der Kreuzung des slowenischen Volksmelos mit anderen Musikgenres entstehen! Besonders gerne greifen die Musiker beim Arrangieren auf die freigeistige Philosophie des jazzigen Improvisierens zurück, aber auch auf der anderen Seite auf die Bereicherung der Kulisse mit sinfonischen Arrangements. Die Stücke bekommen dabei häufig einen Hauch von Chanson . »Sounds Of Slovenia« präsentiert also acht Standards der slowenischen Volksmusik in neuem Gewand! Frisch, anders und (deshalb wieder und einmal mehr) überaus reizvoll!
Von Istrien (Tamo doli poli mora) bis ins Prekmurje (Zrejlo je žito) ist es vielleicht ein kurzer Weg, aber selbst eine so kleine geografische Verschiebung in unserem Ländchen bringt eine außerordentliche Farbenvielfalt mit sich, mit der sich der Charakter des Volksmelos in Slowenien rühmen kann. Das ist das erste Element, das von vornherein die gegenseitige Lebendigkeit der acht Tracks bedingt. Das zweite Element, das diesen Kontrast vertieft, ist die Wahl der Vokalsolisten. Hier sind bewährte Namen am Werk: Eva Hren, Brina Vogelnik, Vesna Zornik, Aphra Tesla, Rudi Bučar & Marino Kranjac, das weibliche Vokalensemble Katice, Metod Banko und die Mezzosopranistin Irena Preda – sie alle hauchen den Stücken mit ihren vokalen Eigenheiten und ihrem ausgearbeiteten Ausdruckscharakter einen besonderen, man kann sagen einzigartigen und völlig eigenständigen Stempel ein. Und dann ist da natürlich noch das wachsame musikalische Gehör der Feinmechanik des detaillierten Arrangierens aller acht Tracks, hinter dem der visionäre Geist von Janez Dovč steckt. Die versammelte Schar der beteiligten Musiker auf dem Album funktioniert in der gemeinsamen Kollision des gewählten Arrangierens wie ein Orchester, und das Volksmelos zeigt sich etwa durch den Inhalt eines verschmitzten Chansons, dem Frank Sinatra nur allzu gerne gelauscht hätte (Ko psi zalajajo), in der unverkennbaren Vokalpose von Metod Banko (Silence). Da ist das quirlige, exzentrische Vokal-Dossier von Aphra Tesla (Pleničke je prala), dann das sanfte, zerbrechliche und auf den Schwingen atemberaubender Melancholie dahingleitende Zrejlo je žito, gesungen vom außergewöhnlichen Mezzosopran Irena Preda, das mitten in der Atmosphäre des »Mid-Eight« durch Pikls beinahe Floyd’sches Gitarrengestöhn auf den Kopf gestellt wird. Acht Tracks, acht abgeschlossene Einheiten. Ohne Qualitätsschwankungen. Alles mit außerordentlichem Engagement und Sorgfalt ausgearbeitet. Das Aufgebot an hochtalentierten und erfahrenen Instrumentalisten belebt die Arrangements mit solistischen Einlagen – eine der ersten Adressen in dieser Hinsicht ist auch diesmal Vasko Atanasovski mit seiner universellen Bläser-Sammlung (Lepa Vida); in Tamo doli poli mora darf man die Bedeutung der Tuba von Goran Krmac nicht überhören, die dem Stück neben Bučars vokaler Essenz einen besonderen Stempel aufdrückt, während man in dem treibenden Pleničke je prala Hacets dynamische, aktive und überaus flexible Basslinie herauserkennen kann. Die Kontraste sind außerordentlich, die Elemente, die die gesamte Klangdichte aufbauen, koexistieren in außergewöhnlicher Symbiose, und die Besonderheiten der Vokalcharaktere der Leitvokale setzen das nötige Tüpfelchen auf das »i«, das dem Album »Sounds Of Slovenia« den Stempel absoluter Einzigartigkeit verleiht – und das, obwohl es aus der universellen Musiksprache schöpft, die vor vielen Jahrhunderten auf der Sonnenseite der Alpen entstanden ist.
Kurzum. Wer das provokante Aufbrechen von Tabus und festgefahrenen Formen sucht, das diesmal im meisterhaft neu verpackten Forschungsausflug namens »The New Slovenian Resonance« aufblitzt, wird von dieser Leistung begeistert sein – während alle »Ethnologen« und »Seelsorger« unter den Liebhabern des slowenischen Volksmelos dieses Produkt garantiert schon in ihrer Sammlung der liebsten Alben haben.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Oblaki so rdeči (feat. Eva Hren)
2. Lepa Vida (feat. Brina Vogelnik & APZ Tone Tomšič)
3. Šla bom na goro (feat. Vesna Zornik & APZ Tone Tomšič)
4. Pleničke je prala (feat. aphra Tesla)
5. Tamo doli poli mora (feat. Rudi Bučar & Marino Kranjac)
6. Da bin znala (feat. Katice)
7. Ko psi zalajajo (feat. Metod Banko)
8. Zreilo je žito (feat. Irena Preda)
Besetzung:
Aphra Tesla – Gesang
Eva Hren – Gesang
Irena Preda – Gesang
Katice – Gesang
Metod Banko – Gesang
Rudi Bučar – Gesang
Vesna Zornik – Gesang
Brina Vogelnik – Gesang
Marino Kranjac – Gesang, dude, Violine, Mandoline
Boštjan Gombač – Klarinette, Flöte, Begleitgesang
Davor Klarič – Keyboards, Hmmond
Goran Krmac – Tuba
Gregor Budal – Klarinette, Begleitgesang
Gregor Volk – Begleitgesang, Violine, Gitarre
Irena Zdolšek – Zither
Janez Dovč – Akkordeon, „Rhodes“ Keyboards
Jani Hace – Bassgitarre
Luka Ipavec – Trompete
Nina Volk – oprekelj (eine Art „hammered“ Dulcimer)
Nino Mureškič – Perkussion
Robert Pikl – Gitarre
Rok Štirn – Posaune
Sergej Ranđelović – Schlagzeug
Tomaž Gajšt – Trompete
Vasilij Centrih – Violine
Vasko Atanasovski – Saxofon, Flöte
GASTMUSIKER:
Jelena Ždrale – Viola
Miloš Simić – Violine
Tamara Gombač – Cello
Akademski zbor Tone Tomšič – Chorgesang
