Bang Your Head!!! 2017 (dritter Tag) – spektakulärer Krach mit dem berühmten HammerFall-Hammer!

ALEŠ PODBREŽNIK
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Ort: Balingen / Messegelände / Deutschland
Datum: Samstag, 15.07.2017

Auch der dritte Tag brachte jede Menge Subgenre-Abweichungen innerhalb der Metal-Musik nach Balingen, auch wenn man deutlich den Schwerpunkt auf traditionellem Old-School-Handwerk und Power Metal spürte, was dann auch der Abschluss des Programms mit dem Auftritt der Schweden HammerFall bestätigte. Man muss es eigentlich gar nicht mehr extra betonen: Das Bang Your Head!!! ist nun mal ein Festival für alle mit traditionellerem Musikgeschmack und Old-School-Vorlieben für Rock und Metal.

So ging dann auch der dritte Tag los, als die Veteranen des teutonischen Thrash Metal aus Düsseldorf, Assassin, die Bühne betraten. Das Quintett, das seit 2002 wieder aktiv ist, ist eigentlich in letzter Minute ins Programm gerutscht, denn an ihrer Stelle hätten Paradox spielen sollen, die nach 28 Jahren ein besonderes Konzert in Originalbesetzung versprochen hatten – doch der erneut verschlechterte Gesundheitszustand von Bandchef und Gitarrist Charlie machte der Band den Auftritt unmöglich. Assassin haben dann buchstäblich bewiesen, dass sie fünf vor zwölf eingesprungen sind. Sie waren nämlich ziemlich verstimmt und eingespielt war da auch nichts. Vom Originallineup ist heute nur noch Gitarrist Jürgen Scholz dabei. Offensichtlich spielen sie nicht viel live, oder es liegen zwischen den Gigs mehrmonatige Pausen. Sänger Ingo Bajonczak versuchte jedenfalls, all diese kleinen Peripetien mit langen Ansagen und Humor auszubügeln, aber zeitweise sah man regelrecht, dass die Band große Bühnen nicht im Griff hat, die sie ziemlich unbeholfen nutzte. Die Band spielte Songs des aktuellen Studioalbums »Combat Cahtedral«, das Konzert eröffnete und beendete sie aber mit Stücken vom Debüt »Upcoming Terror«, nämlich Fighjt (To Stop the Tyrant) und Assassin.

Deutlich mehr Ernsthaftigkeit brachten Vain auf die Bühne, die nach dem Fiasko von Vince Neils Auftritt, den nicht gerade überzeugenden Slaughter, den Phänomenen des Glam Rock und Glam Metal sowie Sunstrip dem Festival eigentlich die Ehre gerettet haben. Vain lieferten nämlich einen hervorragenden Auftritt ab, genau wie vor drei Jahren, als sie in Balingen überhaupt zum ersten Mal in ihrer Karriere gespielt haben. Klar, Davy war wieder »abgefüllt«, und die ganze Bühne war folglich wieder voll von ihm. Auch das Bühnen-Showtheater zog er die ganze Zeit durch, indem er die Vertreterinnen des zarten Geschlechts genau musterte, ihnen Komplimente machte, und auch an anderen »saftigen« Würzen seiner üppigen Fantasie fehlte es nicht. Neben der herausragenden Gesangsleistung, die Davy in seiner Lausbubenhaftigkeit bis heute besitzt, muss man hervorheben, dass ihn eine erstklassige Truppe von Musikern begleitet. Obwohl die Band in diesem Jahr das sehr gute neue Studioalbum »Rolling With the Punches« veröffentlicht hat, wusste sie genau, dass die Leute ältere Stücke aus ihrer Schaffenszeit erwarten. Einen enorm energischen und messerscharfen Auftritt mit exzellenter Ausführung begleiteten sie mit Who’s Watching You, dem abschließenden Bite the Bullet, 1000 Degrees, Icy, Greener, Secrets,, Quick Step To Love und No Respect.  Lieber Vain als Headliner des BYH-Festivals als Vince Neil. Definitiv.

Raven sind drei ewige Klangusurpatoren, nennen wir sie ruhig Klangterroristen, eigentlich ein Trio giftiger, altmodischer Speed-Metal-Geschwindigkeit, angeführt von den unverwüstlichen Brüdern Gallagher. Eine Band aus Zeiten der NWOBHM-Wiederauferstehung, echte Veteranen der Szene. Und es ist unglaublich, was nur drei Leute auf der Bühne anrichten können. Drei Teufelskerle. Eigentlich alles. Eine knappe Stunde Raven-Explosivität und wilde Rituale der Brüder Mark und John. Das letzte Studioalbum, das mehr als hervorragende »Extermination«, hallt immer noch lebhaft nach, obwohl es zwei Jahre alt ist, und die Band spielte davon gerade mal einen Song, ansonsten ordnete sie die Setlist den Alben »All for One« und »Rock Until You Drop« unter, von denen sie die Hälfte der gesamten Setlist bestritt. Die Location wurde nostalgisch wiederbelebt, und Raven bestätigten ihre ganze Exzellenz und Unnachgiebigkeit. Genau wie 2013, als sie hier in der Halle gespielt haben.  Die Band spielte folgende Songs: das eröffnende  Destroy (der einzige vom aktuellen »Extermination«), All Monsters, Hell Patrol, All For One, Hung, Drawn & Quartered, Rock Until You Drop, Tank Treads (The Blood Runs Red), Faster Than the Speed of Light, On And On, Break the Chain und, angesichts des umfangreichen Diskografie-Œuvres ziemlich überflüssig, als Abschluss das Mars-Bonifre-Cover  Born to Be Wild. Diese Entscheidung ist auch der einzige (kleine) Minuspunkt dieses Auftritts.

Bei den NWOBHM-Zeiten blieb es erst mal. Auf die Bühne kamen nämlich Diamond Head, angeführt vom heute einzigen Originalmitglied und Gitarristen Brian Tatler. Die Band fand Stabilität vor allem mit dem Einstieg des hervorragenden dänischen Shouters Rasmus Bom Andersen und nahm so im letzten Jahr das neue Studioalbum »Diamond Head« auf. Diese gewonnene Stabilität öffnete ihnen wieder sperrangelweit die Türen zu den Konzertbühnen. Wenn Diamond Head auf die Bühne kommen, ist klar, was von ihnen verlangt wird. Material aus den Achtzigern. So viel davon wie möglich. Die Band wusste das genau und zog ihr Konzert entsprechend durch. Mit Ausnahme von zwei neuen Songs (Bones, Diamonds) hackten sie Klassiker um Klassiker runter, angefangen mit dem alten Wild on the Streets, das erst in den Neunzigern auf dem Album »Progress And Death« einen Platz fand, dann gleich der Schwenk aufs Album »Borrowed Time« und den Titelsong. Es folgten noch Lightning to the Nations, The Prince, In the Heat of the Night, Shot Out the Lights, die obligatorischen It’s Electric und Helpless (beide gegen Konzertende) und natürlich der Schlusspunkt Am I Evil?, ohne den ein echtes Diamond-Head-Konzert einfach nicht sein kann. Die Band überraschte nicht wenig mit der Einbindung des Songs Starcrossed. Das ist ein älterer Song, den sie erst letztes Jahr zum ersten Mal live gespielt hat. Diamond Head sind also eine kompakte und stramme Einheit, den richtigen Antrieb gibt der Truppe aber der blendend aufgelegte Sänger Rasmus Bom Andersen, der ständig über die Bühne tobte und auch ein paar unglaubliche Bühnenakrobatik-Einlagen hinlegte. Von seiner gesanglichen Ausbeute ganz zu schweigen. Außergewöhnlich. Die Band kommt nächstes Jahr aufs Metaldays nach Tolmin! Auf jeden Fall Legenden, denen man Aufmerksamkeit schenken sollte, wenn sich die Gelegenheit bietet. Und das wusste schon vor langer Zeit auch Metallica sehr genau.

Es war an der Zeit, dass sich jemand auch an die Old-School-Version des amerikanischen Speed/Thrash Metal der Achtziger erinnert. Auf der Bühne standen nämlich Vicious Rumors. Die Band hat im letzten Jahr das neue Album »Concusion Protocol« veröffentlicht und damit bewiesen, dass sie noch lange nicht das letzte Wort gesprochen hat. Das hervorragende neue Album stellte sie auf der Herbsttour zusammen mit der Formation Dirkschneider quer durch Europa vor. Jetzt war die Zeit der Sommerfestivals gekommen, und bekanntlich ist Horst Franz ein großer Fan dieser Band, weshalb Vicious Rumors sehr häufig Gast beim Bang Your Head!!! sind. Vor diesem Sommer hat Bandchef Geoff Thorpe wieder ein paar Umbesetzungen vorgenommen. Auf den Posten des Leadsängers ist Brian Allen zurückgekehrt, ein hervorragender Sänger mit ansteckendem Charisma. Genau dieses Charisma, das ein Frontmann in jeder Band haben sollte, vermisste man bei Vicious Rumors, nachdem Allen die Band zeitweilig verlassen hatte. Jetzt ist er wieder da. Und Brian hat seine Theatralik mehr als gerechtfertigt. Thorpe holte als zweiten Gitarristen auch den jungen und aufstrebenden Gunnar Dügrey dazu, der mit ein paar Soli sehr glänzte. In die Stiefel von Tae Rasmussen kann nicht jeder steigen. Der Junge beweist also, dass er aus dem richtigen Holz geschnitzt ist. Die Band hatte eine echte Old-School-Setlist vorbereitet. Schon der Einstieg begann traumhaft, mit Material ihres kultigen und bekanntesten Studiowerks »Digital Dictator«, wo Vicious Rumors alles vor sich niederwalzten und eine Klassikersalve nach der anderen abfeuerten: Worlds And Machines, Digital Dictator und Out of the Shadows. Eine außergewöhnlich gut gelaunte Truppe also, die wirkte, als hätten sich alte Freunde nach langer Zeit wiedergefunden. Natürlich drückten auch wir Slowenen die Daumen, denn auf der Bühne rannte wild herum und schwang seinen Spector-Bass unser Tilen Hudrap. An den Drums bleibt natürlich Thorpes unzertrennlicher Kumpan Larry Howe, der wieder eine hervorragende Schlagzeugshow ablieferte. Interessant ist, dass Vicious Rumors das Material vom neuen Album komplett ausließen und stattdessen zwei hervorragende »Razorblade Killers«-Nummern in die Setlist zurückholten, Let the Garden Burn und Murderball, die Allen besonders auf den Leib geschrieben sind. Die Band überraschte auch mit der Einbindung des »Welcome to the Ball«-Klassikers Dust to Dust, den sie in ihrer Karriere extrem selten auf der Bühne gespielt hat, und füllte die Setlist ansonsten noch mit Songs des Albums „Vicious Rumors“: Hellraiser, Down to the Temple und dem abschließenden Don’t Wait For Me. In der Setlist fehlte auch das obligatorische Soldiers of the Night (vom gleichnamigen Debüt) nicht. Super Auftritt, super Truppe. Vicious Rumors bleiben eine uneinnehmbare Bühnenfestung. Der Auftritt war deutlich intensiver gefärbt, sowohl energetisch als auch in Emotionen und Leidenschaft, verglichen mit dem Gig im Dezember in Brünn, wo sie als Quartett spielen mussten, ohne einen Gitarristen. Hoffen wir, dass die Band bald nach Europa zurückkehrt. Natürlich mit einer neuen Clubtour. Übrigens haben VR auch schöne Werbung für unser Webportal gemacht, als Drummer Larry Howe am Ende des Auftritts ein paar Rockline-Sachen ins Publikum geworfen hat. Diese unglaublich intensive Show beim Bang Your Head!!! haben Vicious Rumors mitschneiden lassen, um die erste offizielle DVD der Bandgeschichte zu veröffentlichen. Sie erscheint 2019 in einem Spezialpaket, wenn die Band ihr 40-jähriges Bestehen feiert, und gefilmt hat sie dieselbe Crew, die genau hier 2015 den Auftritt von Accept aufgenommen hat. Letztere haben diesen Mitschnitt Anfang dieses Jahres als DVD „Restless And Live“ herausgebracht. Da wundert es nicht, dass Vicious Rumors die Bühne speziell für dieses Event mit gleich zwanzig Gitarrenboxen bestückt hatten. Auch die Setlist erhielt für diesen Anlass eine Besonderheit. Die Band eröffnete zum ersten Mal in ihrer Karriere ein Konzert mit Worlds and Machines, und zugleich auch zum letzten Mal. Ein solches Ereignis ist für Vicious Rumors also historisch, und die versammelte Menge wird sich noch viele Jahre daran erinnern, die der Auftritt der Band garantiert völlig umgehauen hat, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Sie bekamen nämlich mehr, als sie insgeheim erhofft hatten. Die Band ließ auf der Bühne nicht nur Schweiß, sondern auch Blut, wobei der „Salto mortale“ unseres Tilen auf dem besten Weg ist, im Lauf der Jahre, wenn nicht gleich zum Mythos, dann zumindest zur Legende zu werden.

Die erste echte Enttäuschung brachten Dokken aufs Festival. Eigentlich war es nicht mal eine Enttäuschung, wenn man weiß, dass Don Dokken nicht mehr der Don Dokken aus den goldenen Zeiten der Band ist. Der Sänger hat über die Jahre ein hübsches Bündel Kilos zugelegt, aber das ist nicht mal wichtig. Das Problem ist, dass seine Stimme an Wiedererkennbarkeit, Prägnanz und Charisma verloren hat und völlig verwässert ist.  Ohne so eine erstklassige Begleitband, wie er sie hat, würde Don Dokken heute wohl gar nicht mehr auftreten. Diese Jungs geben ihm unglaublich viel Halt. Besonders, wenn die Rede auf den außergewöhnlichen Gitarristen John Levin kommt, der die Hauptattraktion und Figur des Auftritts war. Seine brillanten und technisch makellos gemeißelten Soli raubten einem den Atem, genauso wie die unglaubliche Wendigkeit und Agilität dieses Gitarristen, der obendrein auch noch äußerst gekonnt die Backing Vocals sang. Die sind nämlich absolut Pflicht. Erst recht bei der heutigen angeschlagenen Gesangsform des Bandchefs. In der Truppe bleiben mit Don der Originaldrummer Mick Brown und die »verträumte Schönheit« Chris McArvill, dessen narzisstische Selbstverliebtheit einen eher komplett abstößt. Das zündet bei irgendwelchen parodistischen Steel Panther, und selbst da muss es theatralisch inszeniert sein, nicht aber bei Dokken.  Don ist stimmlich jedenfalls so ausgetrocknet, dass das Publikum ihn schon beim Konzertauftakt mit Kiss Of Death im Refrain donnernd übertönte. Dieser Song erwies sich später als der einzige vom Album »Back For the Attack«. Die Band hatte ein gutes Repertoire vorbereitet und ordnete die Setlist den imposanten Achtziger-Klassikern »Tooth And Nail« (Songs: Don’t Close your Eyes, Alone Again, Into the Fire und der Schlusstrack Tooth And Nail) und »Unchain the Night« (In my Dreams, the Hunter, Dream Warriors) unter. Die Band würzte die Setlist noch mit dem Titelsong des Albums »Breaking the Chains«. Kurzum. Alles stand so, wie es sein muss, mit Ausnahme von Don Dokkens stimmlicher Schwäche. Deshalb wäre es auch nicht wirklich schade, wenn der Mann die Band endgültig in Rente schicken würde.

Es folgte der Auftritt der kanadischen Melodic-Deathmetaller Kataklysm. Die stellten stilistisch einen radikalen Bruch am dritten Festivaltag dar. Eigentlich einen so großen, dass die Band während des Auftritts vom Publikum auf keinen Fall ein besonderes Feedback herauskitzeln konnte. Das Festivalpublikum ist nämlich älter und hört andere Musik, nicht so sehr Bands aus dem Death Metal, wobei Kataklysm sogar zu den softeren – also leichter zugänglichen – Vertretern ihres Genres zählen. Das war das Spiegelbild dessen, was man erlebt, wenn man diese Band beim Metaldays in Tolmin sieht, wo Kataklysm schon unzählige Male zu Gast waren. Beim Auftritt auf dem BYH war nicht ein einziger Crowdsurfer zu sehen, bei ihren Gigs in Tolmin trifft man dagegen selten jemanden, der einem nach dem Konzert sagen würde, er sei bei Kataklysm nicht gecrowdsurft. Keine besondere Rückkopplungsenergie vom Publikum also, außer höflichem Applaus. Zwar hatte sich das Publikum vor der Bühne auch etwas ausgedünnt und durchmischt, aber die eingefleischtesten Fans der Band waren nur eine Handvoll. Trotzdem wirkten Kataklysm auf der Bühne völlig entspannt, engagiert und natürlich wie gewohnt gut. Die Band stellte das aktuelle Studioalbum »Of Ghosts and Gods« intensiver vor, den Rest der Setlist füllte sie mit Songs älterer Studioalben. Maurizio Iacono und Co. bleiben eine extrem eingespielte und kalibrierte Bühnentruppe. Kataklysm spielen enorm viel, hinter ihnen liegen jede Menge Erfahrung und Kilometer.  Leider hatten sie diesmal nicht ihr echtes Publikum dabei.  

Endlich fing es auch in der Halle an zu krachen. Dort eröffneten das Programm The Unity,  eine neue Band zweier Gamma-Ray-Mitglieder, nämlich Henjo Richter und Drummer Michael Ehré. The Unity sind ein Sextett und pflegen typischen Power Metal, inspiriert von sinfonisch-operettenhafter Musikalität. Die übrigen Bausteine der Band sind Stef E.  (Gitarre), Jogi Sweers (Bass),  Sascha Onnen (Keyboards) und der Sänger italienischer Herkunft Gianba Manenti, der auf der Bühne eigentlich allgegenwärtig war. Der Sänger hat eine außergewöhnliche Stimmreichweite. Kraft verliert er nirgends, nicht mal in extremen Höhen, und er klingt wirklich wie ein Opernsänger. Irgendwelche Rhapsody Of Fire oder Vision Divine würden ihn sofort adoptieren und zu sich holen. The Unity stellten ihr Studiodebüt gleichen Namens vor und hatten eine Stunde mehr als genug Zeit für seine makellose Promotion.. Es ist zwar ein Umverpacken von Klischees, und die Herren erfinden das Rad nicht neu, aber offensichtlich haben Gamma Ray eine längere Pause eingelegt. Hansen hat ein Soloalbum aufgenommen, Unitiy sind entstanden. Wenn du ein eingefleischter Anhänger von allem bist, was nach Power Metal riecht, gehören The Unity im Handumdrehen dir. Im September kannst du nach München hüpfen und sie dir als Vorband von Edguy ansehen. The Unitiy spielten gegen Ende trotzdem etwas von Gamma Ray. Es war der Song Send Me A Sign, ansonsten bestritten sie das Konzert mit Eigenmaterial, nämlich: Rise and Fall, Firesign, No More Lies, God of Temptation, Close to Crazy, Calm before the Storm, Killer Instinct und Never Forget.

Kurz bevor die Hauptbühne des Festivals von der allerheiligsten Gitarrengottheit Michael Schenker eingeheizt wurde, fingen in der Halle die deutschen Deathmetal-Schwergewichte und Finsterlinge Disbelief an, mit ihrem Material alles kurz und klein zu schlagen. Die Besetzung Karsten „Jagger“ Jäger (Gesang), Jochen „Joe“ Trunk (Bass), Alex Hagenauer (Gitarre), David „Dave“ Renner (Gitarre) und Fabian „Fab“ Regmann (Schlagzeug) lieferte auf dem Festival eigentlich das, was an derselben Position vor einem Jahr die ebenfalls wiedervereinten deutschen Deathmetaller Warpath auf ähnlichem EMŠO-Niveau geliefert haben, nur dass Disbelief eine ganz stabile Truppe sind und in ihrer Karriere deshalb keine Pause eingelegt haben. An ihren Death Metal muss man gewöhnt sein. In Deutschland sind sie für ihr Œuvre eine äußerst geschätzte Band. Deshalb gab es beim Konzert in der Halle nicht wenige Besucher, obwohl sich die Band mit MSG überschnitt, was eigentlich ein großer Jammer war. Aber irgendjemand muss eben das Opfer sein. Diesmal mussten das Disbelief sein, die vor allem von jüngeren Liebhabern schwerer Klänge unterstützt wurden, die extreme Zweige des Metal-Genres hören, als würden sie atmen. Die Band hat dieses Jahr ein neues Studioalbum mit dem Titel The Symbol of Death veröffentlicht und eröffnete ihren Auftritt auch mit dem gleichnamigen Albumtrack. Die Band macht keine Witze und ist bis auf die Knochen giftig, wenn sie auf der Bühne donnert. Sie ist hervorragend eingespielt. Von Kopf bis Fuß. Karsten hatte sich im Nu komplett durchgeschwitzt und wirkte wie ein nasser Lappen, als er mit seinem Grunzen die Poesie der Band zerkaute. Unter den Gitarristen übernahm Renner die Initiative, alles drehte sich aber natürlich um die außergewöhnlich kompakte und zerstörerische rhythmische Kinetik, die in der Band hervorragend funktioniert. Ich musste das Konzert abbrechen, denn es war Zeit, mich zum Fotograben vor der Hauptbühne durchzudrängeln, wo der Veranstalter einen ganz besonderen Auftritt eines der markantesten Gitarristen der Rock’n’Roll-Ära versprach.

Michael Schenker mit drei verschiedenen Sängern und endlich ohne den korrupten Francis Buchholz. Das berühmte Gitarrenass, einer der wichtigsten Rock’n’Roll-Gitarristen, die je über den Planeten gekrochen sind  und ewige Inspiration vieler Gitarristen aus den Generationen, die diesem großen Gitarristen folgten! Nach ein paar Jahren ist er zum Bang Your Head!!! zurückgekehrt. In der Rolle der Unterstützungsband für den Hauptact. Schenker betrat die Bühne mit seiner berühmten schwarz-weißen Flying V, und im Anfangsteil leistete ihm Gary Barden als Sänger Gesellschaft. Schenker hatte sich eine außergewöhnliche Kameradschaft um sich geschart, nämlich Bassist Chris Glen und Drummer Ted McKenna, während Steve Mann für die Rhythmusgitarre sorgte. Im ersten Teil reihte Schenker mit der Truppe und dem gut gelaunten Barden Klassiker der ersten beiden Alben aneinander (Let Sleeping Dogs Lie, Victim of Illusion, Attack of the Mad Axeman, Armed and Ready). Dann folgte die Einbindung des Songs Coast to Coast (Scorpions), wo sich zu Barden noch Robin McAuley und Graham Bonnet gesellten, der für drei »Assault Attack«-Songs auf der Bühne blieb, nämlich Dancer, Desert Song und Assault Attack. Es folgt noch Captain Nemo mit Barden am Gesang, und dann betritt endlich auch wieder Robin McAuley die Bühne, der mit seiner außergewöhnlichen Stimme von samtener Feinheit einen besonderen Eindruck hinterließ. Sie bewahrt auch in reifen Jahren außerordentliche Frische und Ausdruckskraft. Der Sänger würzte den Auftritt mit Schenkers Truppe äußerst souverän, als er sich drei Klassiker der McAuley Schenker Group vornahm: Love Is Not A Game, Bad Boys und Save Yourself. Natürlich ließ Schenker auch die Momente mit UFO nicht aus, als das Konzert in den Schlussteil kippte, nämlich mit Rock Bottom und dem abschließenden Doctor, Doctor. Michael ist Michael. Nur er hat so ein Gefühl, und nur seine Gitarre klingt so. Einzigartig. So einzigartig jault sie, dass dieses einzigartige Jaulen sofort Gänsehaut auslöst. Solche Gitarristen gab es in der Geschichte des Rock’n’Roll wenige. Einer davon ist zum Beispiel Richie Blackmore. Michael lächelte während des ganzen Konzerts höflich ins Publikum, wirkte außergewöhnlich gut gelaunt, heiter und auch engagiert. Sichtlich genoss er die außergewöhnlich laute und starke Unterstützung, die er vom Publikum bekam. Michael zeigte seine ganze Meisterschaft, sein außergewöhnliches Gespür für die unglaubliche Kontrolle über die Töne, die er mit außergewöhnlich filigraner Raffinesse einfärbte. Dazu waren wir auch Zeugen seiner berühmten Bühnenposen, mit denen er schon immer die junge Garde der Gitarristen begeistert hat. Eine außergewöhnliche Vorstellung einer außergewöhnlichen Truppe, der ich noch und noch zuhören würde, wenn die Spielzeit nicht begrenzt wäre und der Tag nicht nur 24 Stunden hätte. Michael Schenker gab mit seinen Musikern eines der besten Konzerte des gesamten Festivals, und wenn ihm jemand das Etikett aufdrücken würde, es sei das beste Konzert gewesen, dann sage ich euch: Das ist zwar völlig unbescheiden gesagt, aber mit so einer Behauptung läge man nicht allzu falsch.

HammerFall haben vor genau zwanzig Jahren bei der, man höre und staune, zweiten Ausgabe des Bang Your Head Festivals gespielt, das damals noch in einer kleineren Halle mitten in der Stadt Tübingen stattfand. Mit HammerFall traten damals noch Gamma Ray, Demon, Virgin Steele, Sinner, Flotsam And Jetsam  und Sacred Steel auf. Zwanzig Jahre sind auch seit der Veröffentlichung des Studiodebüts der Band mit dem Titel »Glory to the Brave« vergangen. HammerFall waren also zur richtigen Zeit am richtigen Ort und genießen nach fast 25 Jahren Bandgeschichte großes Ansehen, sowohl bei jüngeren Generationen als auch bei denen, die mit dem Metal der Achtziger aufgewachsen sind.  Die Band hat im letzten Jahr ihr jüngstes Studioalbum »Built To Last« veröffentlicht, das in der Setlist ebenfalls deutlich vertreten war, aber HammerFall hatten diesmal ein besonderes Konzert beim Bang Your Head versprochen. Okay, wieder gab es eine Menge Nebelwände und Feuerspucken, wie 2010, als sie zuletzt in Balingen gespielt haben. An Pyrotechnik mangelte es während des Konzerts also nicht. In der ersten Hälfte reihte die Band Song an Song in ihrer eingespielten Manier, bei der jede Minute und Sekunde des Konzerts genau durchstudiert ist. Man weiß nämlich genau, wer in der Truppe welche Position einnimmt und wo er in diesem Moment auf der Bühne steht. Patzer sind selten, die Band ist unglaublich routiniert und erfahren. Okay, stimmt schon, dass Dronjak immer noch nicht gut Gitarre spielen kann, aber das bleibt eine Randbemerkung. Oscar ist eben so und wird so bleiben, und genau deshalb ist Oscar so »kvlt«, und anders sein darf er gar nicht. Oscar hat übrigens einen der vortrefflichsten Gitarristen seiner Generation an seiner Seite. An ihm hat er eine außergewöhnliche Stütze. Das ist nämlich Pontus Norgren, früherer Gitarrentechniker von Malmsteen, der als außergewöhnlicher Virtuose gilt und sich vor Kurzem auch der Formation Panzer angeschlossen hat. Im ersten Teil reihten die Jungs nacheinander die Songs Hector’s Hymn,  Riders of the Storm, Blood Bound, Any Means Necessary, Renegade, Dethrone and Defy, Last Man Standing, Let the Hammer Fall und Built to Last aneinander. Verglichen mit der Februar-Setlist ließen sie davon nur Bring It! weg.

Dann kamen drei Musiker auf die Bühne, die die Gruppe Draupner bilden. Das sind Henning Andersson mit fünfsaitiger Violine, Görgen Antonsson mit normaler Violine und Tomas „Limpan“ Lindberg, der Bouzouki, Mandola und Akustikgitarre spielt. Ebenfalls Schweden, was nicht schwer zu erraten war, oder? Sie spielten zuerst das Instrumental Between Two Worlds, danach gesellte sich Joacim Cans zu ihnen auf die Bühne, und gemeinsam brachten sie die Ballade I Believe. Als auch der Rest der HammerFall-Eskadron auf die Bühne trat, spielten acht Musiker ein Medley von Songs des Albums »Glory to the Brave«, und zwar nur die Hauptgitarrenphrasen der Stücke: Stone Cold, Unchained, The Metal Age, HammerFall, Steel Meets Steel, und fielen schließlich in The Dragon Lies Bleeding, den sie komplett spielten. Auf der Clubtour hatten sie nur einen Teil dieses Songs gespielt. Eines der Highlights war die Hymne Glory to the Brave, die praktisch ganz Balingen mitsang. Außergewöhnliche Energie in diesen Momenten auf dem Festival. Emotional. Berührend. Als Zugabe dann Hammer High, Bushido und das lang erwartete Hearts On Fire, bei dem wieder das ganze Festival durchdrehte, mit der Band in einem echten atmosphärischen Crescendo. Wirklich ein besonderes Konzert der Band. In jeder Hinsicht. Die Jungs haben sich echt ins Zeug gelegt und für dieses Konzert vorbereitet, auch wenn wir insgeheim gehofft hatten, dass sie das ganze »Glroy To The Brave«-Album spielen.

Wem HammerFall zu langsam und zu melodisch waren, der ging lieber in die Halle und lauschte den belgischen Speed-Metallern und Revivalisten Evil Invaders. Das Konzert der vier Teufelskerle lieferte wieder eine halsbrecherische Erfahrung mit kaum beschreibbarer Rasanz aller Abläufe. Wir Fotografen hatten mit ihnen wieder Probleme, außerdem »unterhielten« sie uns noch mit einer Ladung Bühnennebel. Eine wirklich attraktive Show voller außergewöhnlicher Power, Beweislust, hervorragender Eingespieltheit und festem Fokus. Das Hauptmaterial mit den Songs Pulses of Pleasure, Fast, Loud ’n‘ Rude, Shot to Paradise, Master of Illusion und Starway to Insanity war auf das noch immer aktuelle letzte Studioalbum »Pulses of Pleasure« (2015) ausgerichtet, die Band stellte aber auch zwei ganz neue Songs vor, Mental Penitenciary  und das eröffnende As Life Slowly Fades. Eine verrückte Show! Und eben diese Evil Invaders tauchten zehn Tage später auch beim Metaldays in Tolmin auf!

Nach dem Abschlussfeuerwerk, das wir jedes Jahr nach dem Auftritt des Hauptacts des dritten Festivaltags erleben, zog das große Finale des Festivals in die Halle um, wo die legendären Axxis die diesjährige Ausgabe des Festivals beschlossen.  Bei Axxis sind heute die einzigen Originalmitglieder Sänger Bernhard Weiss und Keyboarder Harry Oellers, dazu kommen Stefan Weber (Gitarre), Rob Schomaker (Bass) und Dirk Brand (Schlagzeug). Weil das aktuelle »Retrolution« eine Rückkehr zu den Hard-Rock-Wurzeln ist (die Band spielte davon Somebody died at the party, Heavy Metal Brother und Queen of the Wind), folgte die Aufarbeitung des Repertoires mit einer Old-School-Setlist, wo sich die Truppe nicht scheute, Songs der kultigen »Kingdom of the Night« (Living In A World, Kingodm of the Night), »II« (Touch the Rainbow, Little Look Back) und sogar von »Big Thrill« (Little War) zu spielen. Axxis ignorierten auch ihre Power-Metal-Ära nicht und würzten das Repertoire zudem mit Nummern der Alben »Paradise In Flames« (Tales Of Glory Island), »Utopia« (Heavy Rain) und »Doom of Destiny« (Blood Angel). Die Band wirkt voller Energie und Elan und lieferte in Balingen einen wunderschönen, entspannten und engagierten Auftritt ab, bei dem alle Akteure (außer Weiss natürlich) auch ihre Solo-Nummer präsentierten, was nicht mal nötig gewesen wäre.

Das dreitägige Von-Bühne-zu-Bühne-Hüpfen forderte seinen Tribut, deshalb haben wir uns Axxis etwas kürzer angesehen und uns Richtung Zelt und Camp zur verdienten Ruhe aufgemacht. Die 21. Ausgabe des Festivals war damit langsam zu Ende. Wieder hatte sie eine außergewöhnlich vielfältige Auswahl an Acts gebracht, darunter viele, die man nur äußerst selten auf Bühnen trifft. Ich spreche im Namen von jemandem, der in einem geografischen Teil Europas lebt, nicht weit weg von den Alpen, aber immer noch südlich davon. Fakten bleiben nun mal Fakten, wir werden jedes Jahr nach Balingen fahren. Wir werden immer und immer wieder dorthin pilgern, weil es gar nicht anders sein kann, und die Seele muss ja irgendwie gefüttert werden. Der Countdown läuft also schon!

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik


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