Igor Matković Quintet stellte in Cerkno das Album „State of KU“ vor!
Ort: Cerkno / Gabrijel / Slowenien
Datum: Samstag, 22. 4. 2017
Cerkno wurde in diesem April bereits zum zweiten Mal jazzmusikalisch belebt. Im Rahmen des Festivals Keltika trat hier nämlich der angesehene slowenische Trompeter Igor Matkovič auf, der in Cerkno bereits vor zwei Jahren gespielt hatte. Der Mann hatte im vergangenen Herbst sein neues Studioalbum mit dem Titel »State of KU« (2016) veröffentlicht, und nach Cerkno brachte er exakt dieselbe Begleitcrew mit, die auf besagtem Album mitgespielt hatte. Igor Matkovič Quintet repräsentieren also, neben Igor, noch weitere etablierte Asse der slowenischen Jazzszene. Erster unter ihnen ist der schon fast legendäre Milko Lazar an den Tasteninstrumenten, gefolgt von Jani Moder an der Gitarre, Jošt Drašler am Kontrabass und E-Bass sowie Bojan Krhlanko am Schlagzeug.
Das Quintett bewährter Meister seines Fachs bezog gegen halb zehn Uhr abends die Positionen in der Bar Gabrijel, das Konzert verlief diesmal in einem Stück, mit dem Fokus auf die Präsentation von Igors aktuellem Studioalbum »State of KU«.
Der Eröffnungsteil des Konzerts wirkte wie ein langsames Aufwärmen. Als Erster begann Igor mit seiner Trompete das Publikum anzusprechen, nach und nach gesellten sich die übrigen Musiker dazu. Bei einem hervorragend besuchten Freitagabend-Jazzabend entfalteten die Jungs, bei nicht minder ausgezeichnetem Sound, ein kühnes Geflecht aus Gefühlen, Leidenschaft und Emotionen, die der Moment diktiert. Der jeweilige Moment, so wie er im Rhythmus von Ein- und Ausatmen gelebt wird. Das Zusammenspiel aus Spontaneität und unerwarteten Entwicklungen, eingebettet in Momente schelmischer Improvisationen zwischen den Musikern, bei denen selbstverständlich Igors Trompete das Kommando führte – von Gitarre und Klavier im Glanz von Brillanz und unglaublicher Eleganz begleitet –, verlor nie den »roten Faden« in dem Sinne, dass das Format der Kompositionen auseinandergefallen wäre. Selbst wenn die Musiker in ihrer Spielweise in Richtung Freejazz abhoben, fand sich der Charakter des Quintetts stets wieder zusammen, geschickt wie ein Seiltänzer, und kehrte in die Gefilde musikalisch »lesbarer« motivischer Strukturen zurück.
Die Band sparte auch nicht mit der Entfaltung von Dezibeln, die elektrisch erzeugt wurden. Jani Moder an der Gitarre mit einer funkensprühenden Integration »verrückter«, dabei durchgehend höchst ansprechender und unterhaltsamer Klänge, die er auch mithilfe konkreter Pedaleffekte miterschuf; Jošt Drašler, der zum E-Bass wechselte und das Format der Stücke auch in eine feine funkige Kinetik überführte; und vor allem Milko Lazar am elektrischen Rhodes-Klavier, der ihm eine retrosonische Nostalgie entlockte, die Assoziationen zu Gestalten wie Joe Zawinul, Chick Corea, Herbie Hancock weckte. Trompete, Gitarre und Klavier fanden sich mehrfach in einem Bild, das an die elektrische Phase von Miles Davis erinnerte (etwa die Momente des Albums »In A Silent Way«), zweifellos vor allem dank Igor Matkovič, da man aus seinen Jazzwariationen auf der Trompete schnell die Inspiration durch die Werke von Miles Davis heraushören kann. Einen der zentralen und interessantesten Höhepunkte des Konzerts stellte das Stück Spontaneous Converstation dar, das wir auch auf dem neuen Album »State of KU« finden und in dem die Gruppe es schaffte, sogar Momente der Mystik zu liefern. Gerade hier bewies die Gruppe eine unglaubliche Weichheit und Finesse, als sie (von Runde zu Runde) eine vielschichtig gestaltete Klanglandschaft aufbaute, als würde sie ein größeres Orchester spielen und nicht bloß eine bescheidene Truppe aus fünf Musikern. Mit Hilfe von Soundeffekten, der einleitenden Integration des Geigenbogens beim Spiel des Kontrabasses und dem geschickten Verdoppeln von Gitarre und Trompete auf den motivischen Strukturen. Das Stück selbst setzt sich aus mehreren Teilen zusammen; in Erinnerung geblieben ist ein einfaches, eigentlich klassisch angelegtes Motiv von Milko Lazar, musikalisch sofort eingängig, an das sich die übrigen Musiker anknüpften und eine außerordentliche Rhetorik jazzig-experimenteller Figuren entwickelten – aber wie gesagt: durchgehend die motivische Kompaktheit bewahrend, selbst wenn am Horizont Ansätze von Freejazz auftauchten.
Igor Matkovič Quintet bot bei dem Treffen in Cerkno eine außerordentliche Erfahrung und Erkenntnis darüber, wie Jazzmusik gleichzeitig – bei Beibehaltung kompakter Formen – stets zugänglich sein kann, mit fein eingewebter Rhetorik komplexer improvisatorischer Spielweise, und dabei zugleich immer wieder einladend auch für jeden Jazzgourmet, der in der Musik Abenteuerlust, freigeistige Herausforderung sowie das »Verrückte« des Experimentierens sucht, das in seiner Ungewöhnlichkeit sofort erschüttert und schockiert. Ein Konzert also, das wie im Flug vorbeiging – so interessant war es.
So. Mit dem Ende des Konzerts von Igor Matkovič Quintet in der Bar Gabrijel endete auch die Frühjahrsserie der Konzerte des Festivals Keltika, und in Cerkno ist damit alles bereit für die neue Ausgabe des traditionellen Festivals Jazz Cerkno, bei dem ihr zwischen dem 18.05.2017 und dem 20.05.2017 auf keinen Fall fehlen dürft.
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

























